05) Pfarrbrief Sommer 2013: Ehe und Familie

Gewidmet unseren Jugendlichen,

die auf der Suche sind nach den tragenden, religiösen und menschlichen Werten,

die ihr Leben nicht auf Sand,

sondern auf den Fels bauen wollen, der Christus ist.

 

 

Eine wahrhaft christliche Familie

ist etwas vom Schönsten

in der Welt.

 

Hl. Joseph Freinademetz (China-Missionar, 1852 bis 1908)

 

 

                                                                                                                             

                                                                                  Imsterberg, Juni 2013

Liebe Pfarrfamilie!

 

Ehe und Familie bilden die Grundlage der Kirche und der Gesellschaft, beide können durch nichts ersetzt werden. Wer nicht flüchtigen Idolen folgt, sondern aus dem Glauben lebt, erkennt die große Krise, in welcher sich diese grundlegende menschliche Lebensform mittlerweile befindet. Es handelt sich nicht nur um Krisen und Nöte in den Ehen und Familien. Ehe und Familie insgesamt werden in Frage gestellt, in einer Weise, wie es bisher wahrscheinlich noch nie der Fall war.

 

Die Zukunft der Kirche und der Gesellschaft geht über die Familie, und daher ist der Schutz der Familie für uns als Katholiken ein dringendes Gebot der Stunde. Wir müssen uns mit dieser Thematik befassen. In diesem Pfarrbrief will ich meinerseits dazu einen Beitrag leisten. Die Sommerwochen bieten während des Urlaubs und in der Freizeit genügend Möglichkeit, darüber zu lesen und sich Gedanken zu machen.

 

Gliederung und Aufbau:

 

Im ersten Abschnitt soll die Situation von Ehe und Familie angesprochen werden, damit uns die Art und das Ausmaß der Krise bewusst wird. Im zweiten Abschnitt wird die Wahrheit über Ehe und Familie aufgezeigt. Wir schöpfen dabei aus der reinen und klaren Lehre der Kirche. Der Katechismus der Katholischen Kirche und die Dokumente des päpstlichen Lehramtes werden uns dabei behilflich sein. Im dritten Abschnitt sollen die Fehlformen und irrigen Auffassungen über Ehe und Familie benannt werden. Der vierte Abschnitt will versuchen, einige weiterführende praktische Hinweise und Anregungen zu geben.

 

Unser Tiroler Märtyrer, der selige Pfarrer Otto Neururer, der für die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe sein Leben opferte, möge uns Fürsprecher und Helfer sein, um die Heiligkeit der ehelichen Berufung zu erfassen und zu bezeugen.

                          

                                                                                               Pf. Stephan Müller

 

1) Ehe und Familie im Kontext unserer Zeit

 

Ehe und Familie sind Begriffe, die bis vor einigen Jahrzehnten, teilweise vielleicht sogar bis vor einigen Jahren, mit klaren Inhalten und Vorstellungen verbunden waren. Was eine Ehe und eine Familie ausmacht, brauchte nicht diskutiert zu werden. Es wurde naturgegeben von den Kindern durch ihre eigenen Eltern erfahren. Ehe und Familie waren Grundwerte der Kirche und Gesellschaft, welche allgemeingültig waren und nicht in Zweifel gezogen wurden.

 

Diese Situation hat sich mittlerweile grundlegend verändert. Wer mit anderen über Ehe und Familie spricht wird feststellen, dass mit diesen Begriffen nicht mehr alle das gleiche meinen. Wir erleben heute, dass eine klare Identität von Ehe und Familie im christlichen Sinn allgemein nicht nur geschwächt wurde oder abhanden gekommen ist - auch bei vielen Katholiken - sondern das christliche Ehe- und Familienverständnis auch durch (staatliche) Ideologien und Gesetze aufgelöst oder gar bekämpft wird.

 

Das Haus „Ehe und Familie“ gleicht mittlerweile der „Villa Kunterbunt“ von Pippi Langstrumpf, deren Bau und Einrichtung desolat und nicht wenig drunter und drüber geraten sind. Konkret können wir hier unter anderem an Folgendes denken:

 

-         Es hat eine weltliche Sichtweise der Ehe immer mehr Raum gewonnen: die Ehe wird als eine rein menschliche Einrichtung gesehen, deren Inhalte wir Menschen selber festlegen. Auf dieser Ebene entstanden Formen wie z. B „Ehe auf Zeit“, „Ehe auf Probe“, die rein standesamtliche (staatliche) Ehe, das Zusammenleben ohne jegliche kirchliche oder staatliche Bindung, die „Lebensabschnittsgefährten“… Die weltliche Sichtweise der Ehe zeigt sich vor allem auch dadurch, dass der Großteil der Paare (auch bei Getauften) bereits vor dem Empfang des Ehesakramentes für kürzere oder längere Zeit bereits zusammen wohnt und lebt. Oft liegt sicher keine ungute Absicht vor; doch diese Praxis zeigt, dass die christlich-sakramentale Ehe nicht mehr verstanden wird, sonst würde anders gehandelt werden. Der große Unterschied zwischen einer sakramentalen Ehe und anderen „Ehe“-Entwürfen ist also nicht mehr von vornherein bewusst.

 

-         Die liberalisierte (von Gott und der Kirche getrennte) Sicht der Ehe führte auf der Ebene der Staaten zur Einführung der Ehescheidung und Wiederverheiratung, deren Möglichkeiten faktisch unbegrenzt sind. Zwischen dem staatlichen und dem christlichen Eheverständnis gibt es zwar noch Berührungspunkte, doch in Bezug auf das Wesentliche besteht kaum mehr ein gemeinsamer Nenner.

 

-         Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist, auf der Ebene der Staaten, die Auflösung und Zerstörung des christlichen Ehe- und Familienverständnisses durch die GENDER-IDEOLOGIE. Die Vertreter dieser Ideologie fordern von den Regierungen die Legalisierung sämtlicher sexuell möglicher Lebensformen, wie homosexuell, lesbisch, transsexuell etc., weil genitale Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht mehr als naturgegeben zu betrachten seien, sondern als Ergebnis sozialer und politischer Umstände, getrennt vom biologischen Geschlecht. Das hat zur Folge, dass homosexuelle Lebensgemeinschaften den Anspruch erheben, gesetzlich akzeptiert zu werden. Darüber hinaus fordern sie das Recht, Kinder adoptieren zu können. - Was jedoch der Staat mit seinen Gesetzen nicht mehr schützt, ist dem Verfall preisgegeben.

 

-         Dass die Ehe nicht eine menschliche Erfindung ist und nicht der menschlichen Beliebigkeit überlassen werden kann, sondern etwas mit GOTT zu tun hat, eine Einrichtung des Schöpfergottes ist, wird in Europa auch von vielen Katholiken nicht mehr verstanden und nicht mehr gelebt. Das beweist schlicht und einfach das Beiseitelassen oder Geringschätzen des Ehesakramentes. Hier ist mittlerweile das Denken eines Reformators weit auch in die katholische Kirche eingedrungen: „Die Ehe ist ein weltlich Ding!“(Martin Luther). Für einen Katholiken ist die Ehe eben nicht ein weltlich Ding, sondern, wenn man sich so ausdrücken will, ein göttlich Ding! Die Ehe ist durch Christus eine Gnade, die direkt mit Gott verbindet und in das Christusgeheimnis (sein Tod, seine Auferstehung, sein Leben und Wirken auf Erden durch seine Kirche) hineingenommen ist, etwas Heiliges, eine Berufung, die von Gott kommt, kurz: ein Sakrament.

 

-         Ein weiteres Faktum, das uns die lebensbedrohliche Krise von Ehe und Familie aufzeigt, ist die wachsende Zahl der Ehescheidungen. In Österreich werden nach staatlicher Zählung mindestens 50% der Ehen geschieden. Diese Zahl ist jedoch nach oben hin zu korrigieren. Die staatliche Zählung der Scheidungen erfasst nicht jene Paare, die ohne standesamtliche Trauung zusammenleben und dann (mit oder ohne Kinder) sich wieder trennen. Wenn die Trennung dieser Paare (eine seelische „Scheidung“ ohne Staat) mit dazu gerechnet wird, ist die Scheidungsrate noch viel höher als es die Statistiken erfassen.

 

Wie weit diese Entwicklungen im Bereich der Ehe und Familie in Europa bereits vorangeschritten sind, zeigen die Absichten mehrerer Staaten, gleichgeschlechtliche Lebensformen der Ehe gleichzustellen. In Frankreich z. B gab es bereits mehrere große öffentliche Demonstrationen von Christen und Mitgliedern anderer Religionen, die für die unaustauschbare Identität von Ehe und Familie auf die Straßen gegangen sind (am 13. Januar, 24. März, 5. und 26. Mai 2013). Dass wir auch in Tirol von diesen Entwicklungen nicht verschont geblieben sind, machten mir z. B die Diskussionen beim Firmunterricht der vergangenen Jahre bewusst. Firmlinge im Alter von 12 bis 13 Jahren finden nichts dabei, dass Homosexuelle heiraten könnten… Junge Menschen haben solche Vorstellungen nicht aus sich heraus. Dahinter steht das Denken Erwachsener in Familien und Schulen.

 

Es ließen sich hier viele Aussagen von Päpsten und Bischöfen anführen, die in den letzten Jahrzehnten auf diese Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft aufmerksam machten. Zwei davon sollen zur Sprache kommen.

 

[Zum Verständnis: Wir können zur Wahrheit über die Ehe nur vordringen, wenn wir die rein menschliche Ebene überschreiten und uns durch den Glauben dem Herrn hin, d. h GOTT, öffnen. Ohne GOTT kommt es zu einer tiefen Störung aller menschlichen Beziehungen, auch der Ehe.]

 

Papst Benedikt XVI.:

Die gegenwärtige Kultur, die von einem ausgeprägten ethischen und religiösen Subjektivismus und Relativismus [es gibt keine objektive, über uns stehende Wahrheit, die für alle verbindlich ist] gekennzeichnet ist, stellt die Person und die Familie vor dringende Herausforderungen – in erster Linie angesichts der Frage nach der Bindungsfähigkeit des Menschen als solcher und ob eine lebenslange Bindung wirklich möglich ist und der Natur des Menschen entspricht oder ob sie nicht vielmehr seiner Freiheit und seiner Selbstverwirklichung widerspricht. Denn es gehört zu einer weit verbreiteten Denkweise zu meinen, daß der Mensch er selber wird, indem er »unabhängig« bleibt und zum anderen nur Beziehungen eingeht, die er jederzeit wieder abbrechen kann

Es entgeht niemandem, daß die Entscheidung des Menschen, eine Bindung einzugehen, die das ganze Leben andauert, von der Grundhaltung des einzelnen beeinflußt ist – je nachdem, ob er in einer rein menschlichen Ebene verankert ist oder sich zum Licht des Glaubens an den Herrn hin öffnet. Denn nur wenn man sich zur Wahrheit Gottes hin öffnet, kann man die Wahrheit des Menschen als sein durch die Taufe wiedergeborenes Kind verstehen und auch im konkreten Ehe- und Familienleben verwirklichen: »Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen « (Joh 15,5): So lehrte Jesus seine Jünger und rief ihnen die grundsätzliche Unfähigkeit des Menschen ins Gedächtnis, allein von sich aus das zu vollbringen, was zur Erlangung des wahren Wohls nötig ist.

Die Ablehnung des göttlichen Angebots führt in der Tat zu einer tiefen Störung aller zwischenmenschlichen Beziehungen einschließlich der Ehe, und leistet einem falschen Verständnis der Freiheit und der Selbstverwirklichung Vorschub, das vereint mit der Flucht vor geduldig ertragenen Leiden den Menschen dazu verurteilt, sich in seinen Egoismus und Egozentrismus zu verschließen. Die Annahme des Glaubens dagegen befähigt den Menschen zur Selbsthingabe, denn »nur indem er sich dem anderen, den anderen, den Kindern, der Familie öffnet, nur indem er im Leiden sich selbst verändern läßt, entdeckt er die Weite des Menschseins«

Benedikt XVI. aus der Ansprache an die Rota Romana (Ehegericht des Heiligen Stuhls), 26.1.2013

 

Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller:

„Für Christen gilt, dass die Ehe von Getauften, die in den Leib Christi [der Kirche] eingegliedert sind, sakramentalen Charakter hat und damit eine übernatürliche Wirklichkeit darstellt. Ein ernstes pastorales Problem besteht darin, dass manche heute die christliche Ehe ausschließlich mit weltlichen und pragmatischen [nützlichen] Kriterien beurteilen. Wer nach dem ´Geist der Welt ´ (1 Kor 2,12) denkt, kann die Sakramentalität der Ehe nicht begreifen. Dem wachsenden Unverständnis gegenüber der Heiligkeit der Ehe kann die Kirche nicht entsprechen durch pragmatische Anpassung an das vermeintlich Unausweichliche, sondern nur durch das Vertrauen auf den ´Geist, der aus Gott stammt, damit wir erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist´(1 Kor 2,12).“

 

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, in: 15.6.2013, Die Tagespost, Seite 8;

 

Vor dem Hintergrund der heutige so vielseitigen und verschwommenen „Ehe“-Auffassungen wirkt das traditionelle, von der Kirche überlieferte Eheverständnis, geradezu als etwas Exotisches. Beim Brautexamen frage ich junge Paare gerne, was sie bewegt, eine Ehe nach christlichem Verständnis schließen zu wollen. Junge Paare, die heute noch das Ehesakrament empfangen, bringen oft zum Ausdruck, dass es ihnen genau um das geht: sie wollen ihre Liebe und Verbindung auf eine solide Basis stellen, sie wollen, dass ihre Ehe und Familie eine klare Identität und Ausrichtung hat. Dies jedoch kann nur mit Gott erreicht werden.

 

 

Zum Bild auf der Titelseite:

Die Vermählung Marias mit dem hl. Joseph

 

Raffael, der berühmte Künstler der Renaissance, vermittelt mit Hilfe der Kunst das Übernatürliche des Ehebundes. Zwei Welten sind auf dem Bild dargestellt: das Himmlische, symbolisiert durch den Tempel, dessen Türen nach oben hin geöffnet sind, und durch das Blau des Himmels; das Irdische, symbolisiert durch das Brautpaar Maria und Josef und die teilnehmenden Personen. Links von Maria sind Brautjungfrauen dargestellt. Rechts von Joseph sind von Maria abgewiesene Freier zu erkennen. Einer von ihnen zerbricht einen Stab, den er in Händen hält, d. h er gibt es auf, um Maria zu werben; sie ist durch ihre Vermählung für ihn nicht mehr zugänglich. Der hl. Joseph trägt als Bräutigam bei der Vermählung, der Sitte entsprechend, keine Schuhe.

 

Die Symbolik des Bildes will ausdrücken: Die Ehe hat unmittelbar mit Gott und mit dem Himmel zu tun. Wenn Mann und Frau (in diesem Fall Maria und Joseph) sich vermählen, steht der ganze Himmel „dahinter und darüber“.

 

Die Ehe mit ihrem Leben in einer ganzheitlichen Liebe und der Weitergabe des Lebens ist nicht nur eine Berufung, die von Gott kommt. Durch das Sakrament werden Ehe und Ehebund gleichsam in den Himmel hineingenommen; die Verbindung von Mann und Frau wird ein Bund „IM HERRN“ (hl. Paulus). Ein solcher Bund ist nicht mehr etwas rein Menschliches, sondern etwas „Göttliches!“ Himmel und Erde haben sich verbunden. Gott hat sich zwei Menschen geschenkt. Durch das Ehesakrament sind Mann und Frau nicht mehr zu zweit. Christus, der Sohn Gottes, ist der Dritte im Bund. ER ist es, der die Verbindung segnet und in die Göttliche Liebe hineinnimmt.

2) Die katholische Lehre über Ehe und Familie

 

Im Folgenden soll uns nun die konkrete Lehre der Kirche helfen, im Verständnis der Ehe diesen Aufblick zum Himmel zu machen. Wie schon erwähnt, schöpfen wir diese wunderschöne Lehre – Wahrheit ist zwar anspruchsvoll, doch immer schön (Benedikt XVI.) - aus dem Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium. Einige Anmerkungen sollen dem besseren Verständnis dienen.

 

337. Welchen Plan hat Gott für Mann und Frau? (KKK 1601-1605)

Gott ist die Liebe. Er hat die Menschen aus Liebe erschaffen und zur Liebe berufen. Als Mann und Frau erschaffen, hat er sie in der Ehe zu einer innigen Gemeinschaft des Lebens und der gegenseitigen Liebe berufen, so dass sie „nicht mehr zwei, sondern eins“ sind (Mt 19, 6). Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar, und vermehrt euch“ (Gen 1, 28).

 

[Anmerkung: Die christliche Ehelehre kann nur verstanden werden, wenn wir das christliche Menschenbild erfassen. Der Mensch ist Geschöpf Gottes. Nur von Gott her erkennen wir, wer wir sind. Der Mensch, als Mann und Frau geschaffen, ist vor Gott gleichwertig, aber nicht gleichartig.]

 

338. Wozu hat Gott die Ehe eingesetzt? (KKK 1643-1644.1652-1654. 1659-1660)

Die eheliche Vereinigung von Mann und Frau, die durch den Schöpfer grundgelegt und mit eigenen Gesetzen ausgestattet wurde, ist von Natur aus auf die Gemeinschaft und das Wohl der Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet. Nach dem ursprünglichen Plan Gottes ist die eheliche Vereinigung unauflöslich, wie Jesus Christus bestätigt: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mk 10, 9).

 

[Anmerkung: Hier werden die drei „Säulen“ oder Wesenselemente der Ehe aufgezeigt: a) sie ist eine Vereinigung von einem Mann und einer Frau; b) die Fruchtbarkeit/Weitergabe des Lebens; c) die Unauflöslichkeit des Ehebundes.]

 

339. In welcher Weise bedroht die Sünde die Ehe? (KKK1606-1608)

Aufgrund der ersten Sünde, die auch den Bruch der vom Schöpfer geschenkten Gemeinschaft zwischen Mann und Frau verursacht hat, wird die eheliche Vereinigung sehr oft durch Zwietracht und Untreue bedroht. Doch in seiner unendlichen Barmherzigkeit schenkt Gott dem Mann und der Frau seine Gnade, damit sie ihre Lebenseinheit nach dem ursprünglichen Plan Gottes verwirklichen.

 

[Anmerkung: Wie unser Leben und alle unsere menschlichen Beziehungen, ist auch die Ehe von der Sünde bedroht. Die Antwort der Barmherzigkeit Gottes auf die durch die Ursünde verwundete Beziehung von Mann und Frau ist das Ehesakrament. Durch das Ehesakrament heilt Gott die Ehe von den Folgen der Erbschuld und gibt alle Hilfen, um zu einer neuen Liebe und Einheit zu gelangen.]

 

340. Was lehrt das Alte Testament über die Ehe? (KKK 1609-1611)

Vor allem durch die Schule des Gesetzes und der Propheten hilft Gott seinem Volk, nach und nach das Bewusstsein der Einheit und der Unauflöslichkeit der Ehe zu entwickeln. Der Ehebund Gottes mit Israel ist Vorbereitung und Vorzeichen des Neuen Bundes, den Jesus Christus, der Sohn Gottes, mit seiner Braut, der Kirche, geschlossen hat.

 

341. Was ist die Neuheit, die Christus der Ehe geschenkt hat? (KKK 1612-1617.1661)

Jesus Christus stellt die von Gott gewollte anfängliche Ordnung wieder her. Darüber hinaus gibt er die Gnade, die Ehe in der neuen Würde eines Sakramentes zu leben, nämlich als Zeichen seiner bräutlichen Liebe zur Kirche: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt hat“ (Eph 5, 25).

 

[Anmerkung: Das Bewusstsein für die Unauflöslichkeit der Ehe ist im AT allmählich gewachsen. Christus hat sich von der alttestamentarischen Praxis der Scheidung klar distanziert und auf den ursprünglichen Plan Gottes verwiesen.]

 

342. Ist die Ehe eine Verpflichtung für alle? (KKK 1618-1620)

Die Ehe ist nicht eine Verpflichtung für alle. Im Besonderen beruft Gott einige Männer und Frauen, dem Herrn Jesus auf dem Weg der Jungfräulichkeit oder des Zölibats um des Himmelreiches willen zu folgen. Sie verzichten auf das große Gut der Ehe, um sich um die Dinge des Herrn zu kümmern und danach zu streben, ihm zu gefallen. Sie werden so zu einem Zeichen des absoluten Vorrangs der Liebe zu Christus und des sehnsüchtigen Wartens auf sein Kommen in Herrlichkeit.

 

[Anmerkung: Priestertum und Ordensleben – in Zölibat und jungfräulicher Liebe – sind Berufungen, die von Gott ausgehen, sie können nicht „gemacht“ werden. Im gleichen Sinn sollten wir auch die Ehe als eine Berufung sehen, die von Gott kommt. Wer das erkennt, wird sich auch darum bemühen, um den von Gott vorgesehenen Ehepartner zu beten, sich für ihn jungfräulich zu bewahren; ein solcher Partner wird eher als Geschenk empfangen, als durch eigene krampfhafte Anstrengungen und nach eigenem Willen festgelegt. In der heutigen Zeitsituation ist das „Warten“ auf einen gläubigen Partner bzw. eine Partnerin oft eine Glaubensprüfung. Doch Gott lohnt das Bemühen um die Glaubenstreue und schenkt auch hier Erhörung.]

 

343. Wie wird das Sakrament der Ehe gefeiert? (KKK 1621-1624.1663)

Da die Ehe die Gatten in einen öffentlichen Lebensstand innerhalb der Kirche stellt, geschieht die Trauung öffentlich vor dem Priester (oder dem dazu bevollmächtigten Zeugen der Kirche) und den anderen Zeugen.

 

[Anmerkung: Die christliche Ehe ist nicht mehr eine rein privater Angelegenheit zweier sich Liebender. Durch das Sakrament werden Bräutigam und Braut in einen öffentlichen Stand der Kirche, den Ehestand, eingegliedert. Aus diesem Grund ist eine Trauung auch öffentlich, vor dem Angesicht der Kirche und der Trauzeugen.]

 

344. Was ist der Ehekonsens? (KKK 1625-1632.1662)

Der Ehekonsens ist der von einem Mann und einer Frau ausgedrückte Wille, sich einander endgültig hinzugeben, um in einem treuen, fruchtbaren Bund der Liebe zu leben. Die Ehe kommt durch den Konsens zustande, der deshalb unerlässlich und unersetzlich ist. Damit die Ehe gültig ist, muss der Konsens die wahre Ehe zum Gegenstand haben und ein bewusster und freier menschlicher Akt sein, der nicht auf Zwang oder Gewalt beruht.

 

[Anmerkung: Das Wesen der Liebe ist nicht Gefühl, sondern Wille und Tat. Die Ehe kommt durch einen Willensakt zustande, im gegenseitigen sich Schenken und Annehmen. Die Form für diesen Willensakt ist von der Kirche festgelegt (Eheschließung durch das Ja-Wort bzw. Vermählungswort.]

 

345. Was ist erforderlich, wenn einer der beiden Gatten nicht katholisch ist? (KKK 1633-1637)

Mischehen (Ehen zwischen Katholiken und getauften Nichtkatholiken) bedürfen der Erlaubnis der kirchlichen Autorität. Im Fall der Kultverschiedenheit (Ehen zwischen Katholiken und Ungetauften) ist zur Gültigkeit eine Dispens erforderlich. In jedem Fall ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Gatten die Annahme der wesentlichen Zwecke und Eigenschaften der Ehe nicht ausschließen und dass der katholische Gatte die Verpflichtungen bekräftigt, den Glauben zu bewahren sowie die Taufe und die katholische Erziehung der Kinder zu sichern. Diese Verpflichtungen müssen auch dem anderen Gatten bekannt sein.

 

346. Welche Wirkungen hat das Ehesakrament? (KKK 1638-1642)

Das Sakrament der Ehe schafft zwischen den Ehegatten ein Band, das lebenslang und ausschließlich ist. Gott selbst besiegelt den Konsens der Brautleute. Darum kann die zwischen Getauften geschlossene und vollzogene Ehe nie aufgelöst werden. Außerdem verleiht dieses Sakrament den Brautleuten die notwendige Gnade zur Erlangung der Heiligkeit im Eheleben und zur verantwortungsvollen Annahme und Erziehung der Kinder.

 

[Anmerkung: Eine gültig geschlossene und vollzogene Ehe ist unauflöslich bis zum Tod. Keine weltliche oder kirchliche Macht, auch nicht der Papst, kann eine solche Ehe auflösen. Es gibt innere Gründe für die Unauflöslichkeit: Gott hat der menschlichen Liebe die Sehnsucht nach dem für immer ins Herz gelegt: wer „seinen“ Partner „gefunden“ hat, will für immer mit ihm durchs Leben gehen, ja sogar der Zug nach ewig ist im Herzen vorhanden. Äußere Gründe für die Unauflöslichkeit sind das Wohl der Kinder, das Wohl der Ehegatte usw. Gott will die tiefen Schmerzen und seelischen Leiden den Menschen ersparen, die durch die „Trennung“ eines Ehebandes zu ertragen sind. Die Unauflöslichkeit des Ehebundes ist also nicht eine von außen auferlegte Last, sondern ist im Wesen der Menschennatur und der ehelichen Liebe verwurzelt. Die Unauflöslichkeit der Ehe ist ein sehr hohes Gut; sie wird faktisch nur mehr von der Römisch-katholischen Kirche hochgehalten.]

 

347. Welche Sünden stehen in schwerem Widerspruch zum Ehesakrament? (KKK 1645-1648.1664)

Solche Sünden sind: der Ehebruch; die Polygamie, die der gleichen Würde von Mann und Frau sowie der Einheit und Ausschließlichkeit der ehelichen Liebe widerspricht; die Weigerung, fruchtbar zu sein, die das eheliche Leben um die Gabe der Kinder bringt; die Scheidung, die der Unauflöslichkeit der Ehe entgegensteht.

 

348. Wann gestattet die Kirche, dass sich die Gatten dem Leib nach trennen? (KKK 1629, 1649)

Falls das Zusammenleben aus schwerwiegenden Gründen praktisch unmöglich geworden ist, gestattet die Kirche die Trennung der Gatten dem Leib nach, obwohl sie wünscht, dass sie sich versöhnen. Doch solange der Partner lebt, sind sie nicht frei, eine neue Ehe zu schließen, es sei denn, ihre Ehe ist ungültig und wird von der kirchlichen Autorität für ungültig erklärt.

 

[Anmerkung: Wir dürfen nicht vergessen: auch wenn es zu einer standesamtlichen Scheidung oder zum Aufgeben der äußeren Lebensgemeinschaft kommt: eine gültige sakramentale Ehe bleibt vor Gott und im Gewissen des Menschen weiterhin bestehen. (Die Ungültigkeit einer Ehe können Eheleute nicht für sich selbst feststellen oder aussprechen.) Annullierung oder Nichtigkeitserklärung durch ein kirchliches Ehegericht bedeuten, dass eine Ehe von Anfang an (vom Zeitpunkt der kirchlichen Trauung an) wegen entsprechender schwerwiegender Gründe nicht existiert hat. Mit einer Annullierung kann die Kirche so manchen Eheleuten helfen, aus einer irregulären und leidvollen Situation herauszukommen und eine gültige Verbindung sakramental einzugehen.]

 

349. Welche Haltung hat die Kirche gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen?

(KKK 1650-1651.1665)

In Treue zum Herrn kann die Kirche die Verbindung der zivil wiederverheirateten Geschiedenen nicht als Ehe anerkennen. „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet“ (Mk 10, 11–12). Die Kirche schenkt diesen Menschen aufmerksame Zuwendung und lädt sie zu einem Leben aus dem Glauben, zum Gebet, zu Werken der Nächstenliebe und zur christlichen Erziehung der Kinder ein. Doch solange diese Situation fortdauert, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht, können sie nicht die sakramentale Lossprechung empfangen, nicht zur heiligen Kommunion hinzutreten und gewisse kirchliche Aufgaben nicht ausüben.

 

[Anmerkung: Die Kirche will sich immer nach dem Willen und dem Wort des Herrn richten, nicht nach dem Trend einer Zeitepoche. Das kann für uns Menschen manchmal schmerzlich sein. Doch auf Dauer gesehen kann uns nur das Leben in der Wahrheit frei und glücklich machen.]

 

350. Warum wird die christliche Familie auch Hauskirche genannt? (KKK 1655-1658.1666)

Weil die Familie die gemeinschaftliche und familiäre Natur der Kirche als Familie Gottes ausdrückt und verwirklicht. Alle Glieder der Familie üben gemäß der je eigenen Rolle das durch die Taufe erworbene Priestertum aus und tragen dazu bei, dass aus der Familie eine Gnaden- und Gebetsgemeinschaft wird, eine Schule der menschlichen und christlichen Tugenden und ein Ort der ersten Verkündigung des Glaubens an die Kinder.

 

 

3) Fehlformen und irrige Auffassungen über Ehe und Familie

 

Nachdem wir uns mit Hilfe der katholischen Lehre – zumindest in Grundzügen – mit dem Wesen der Ehe befasst haben, können wir in diesem Licht auch andere „Eheformen“ beleuchten. Es geht dabei nicht um die Verurteilung von Menschen in anderen Lebensweisen und -situationen. Das steht niemandem zu. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. So wie es eine Wahrheit über Gott und die Menschennatur gibt, und damit auch falsche Vorstellungen über Gott und den Menschen, so gibt es auch falsche Vorstellungen über die Ehe. Ein Katholik sollte ein klares Verständnis der Ehe und auch der Fehlformen der Ehe besitzen. Nur so werden wir mit den Menschen unserer Zeit in Dialog treten und ihnen das von GOTT kommende Verständnis der Ehe aufzeigen können.

 

Das kirchliche Lehramt hat in dieser Frage immer wieder Stellung bezogen. Papst Johannes Paul II. hat sich in der Enzyklika FAMILIARIS CONSORTIO (22.11.1981) auch mit den neuen Entwicklungen im Bereich der Ehe auseinandergesetzt und dazu klare Orientierung gegeben. Es ist am einfachsten, diese Lehre, so wie sie ist, weiterzugeben. Die Lehre der Kirche spricht für sich.

 

Johannes Paul II. benennt das Kapitel, in welchem diese Thematik behandelt wird, mit den Worten: „Der pastorale Einsatz angesichts einiger irregulärer Situationen.“ [irregulär meint: es handelt sich um Lebensweisen, welche der Heilsordnung Gottes, dem Leben in der Gnade, widersprechen.]

 

Ab dieser Stelle sind alle angeführten Texte reines Zitat aus FAMILIARIS CONSORTIO.

79. In ihrer Sorge um den Schutz der Familie in all ihren Dimensionen und nicht nur in religiöser Hinsicht ist die Bischofssynode auch auf einige Situationen besonders eingegangen, die religiös und oft auch zivilrechtlich irregulär sind und sich infolge des heute so raschen kulturellen Wandels leider auch unter Katholiken ausbreiten zum nicht geringen Schaden der Institution der Familie als solcher sowie der menschlichen Gesellschaft, deren grundlegende Zelle sie ist.

a) Die Ehe auf Probe

80. Eine erste irreguläre Situation ist das, was man "Ehe auf Probe" nennt. Viele möchten sie heute rechtfertigen und ihr einen gewissen Wert beimessen. Aber schon die bloße menschliche Vernunft spricht gegen sie; zeigt sie doch, wie wenig überzeugend es ist, ein "Experiment" anzustellen, wo es um menschliche Personen geht, deren Würde verlangt, daß sie für immer und ausschließlich das Ziel liebender Hingabe sind, ohne jegliche zeitliche oder sonstige Begrenzung.

Die Kirche ihrerseits kann einem solchen Ehemodell aus weiteren, ihr eigenen Motiven nicht zustimmen, die sich aus ihrem Glauben herleiten. Die leibliche Hingabe in der geschlechtlichen Begegnung ist ja ein Realsymbol für die Hingabe der ganzen Person; eine solche Hingabe kann aber in der gegenwärtigen Heilsordnung nur aus der Kraft der übernatürlichen Liebe, wie Christus sie schenkt, wahrhaft verwirklicht werden. Ferner ist die Ehe zwischen zwei Getauften auch ein Realsymbol für die Einheit zwischen Christus und seiner Kirche, eine Einheit, die nicht zeitlich begrenzt ist oder nur "auf Probe" gilt, sondern ewige Treue bedeutet. Zwischen zwei Getauften kann es deshalb nur einen unauflöslichen Ehebund geben.

Die geschilderte Situation kann normalerweise nur überwunden werden, wenn die menschliche Person von Kindheit an mit der Hilfe der Gnade Christi und ohne Ängstlichkeit dazu erzogen wurde, die aufkeimende Begierde zu beherrschen und zu den Mitmenschen Beziehungen echter Liebe aufzunehmen. Dahin gelangt man nicht ohne wahre Erziehung zu solcher Liebe und zum rechten Gebrauch der Sexualität. Diese Erziehung muß so sein, daß sie die menschliche Person in all ihren Dimensionen und darum auch in ihrer Leiblichkeit einführt in die Fülle des Mysteriums Christi.

Es wird sehr nützlich sein, den Ursachen des Phänomens der Ehe auf Probe nachzugehen, auch in psychologischer und soziologischer Hinsicht, um eine angemessene Therapie zu finden.

b) Freie Verbindungen

81. Hier handelt es sich um Verbindungen ohne jegliches öffentlich anerkanntes institutionelles Band, sei es zivilrechtlich oder religiös. Diese Erscheinung, der wir immer häufiger begegnen, muß gleichfalls die Aufmerksamkeit der Seelsorger auf sich ziehen, auch deshalb, weil ihr die verschiedensten Ursachen zugrundeliegen können und ein Einwirken auf diese die Folgen vielleicht zu begrenzen vermag.

Manche halten sich aus wirtschaftlichen, kulturellen oder religiösen Schwierigkeiten zu solchen freien Verbindungen gleichsam genötigt, weil sie bei Eingehen einer regulären Ehe Schaden zu befürchten hätten, den Verlust wirtschaftlicher Vorteile, Diskriminierungen usw. Bei anderen hingegen begegnet man einer Haltung der Verachtung, des Protestes oder der Ablehnung gegenüber der Gesellschaft, der Familie als Institution, der gesellschaftlich-politischen Ordnung oder einer Haltung, die nur auf Lebensgenuß ausgeht. Wieder andere werden dazu getrieben durch äußerste Unwissenheit und Armut, manchmal infolge wirklich ungerechter Verhältnisse oder auch durch eine gewisse seelische Unreife, die sie mit Unsicherheit und Furcht vor einer dauerhaften und endgültigen Bindung erfüllt. In einigen Ländern sehen überlieferte Sitten eine wirkliche Ehe erst nach einer Zeit gemeinsamen Lebens und nach der Geburt des ersten Kindes vor.

Jedes dieser Elemente stellt die Kirche vor schwierige pastorale Probleme, und zwar wegen der ernsten Folgen, die sich daraus ergeben sowohl in religiös-sittlicher Hinsicht (Verlust der religiösen Bedeutung der Ehe im Licht des Bundes Gottes mit seinem Volk, Fehlen der sakramentalen Gnade, schweres Ärgernis) als auch in sozialer Hinsicht (Zerstörung des Familienbegriffs, Schwächung des Sinnes für Treue auch gegenüber der Gesellschaft, mögliche seelische Schäden bei den Kindern, zunehmender Egoismus).

Seelsorger und kirchliche Gemeinschaft werden bemüht sein, solche Situationen und deren konkrete Ursachen Fall für Fall kennenzulernen; diskret und taktvoll mit denen, die zusammenleben, Kontakt aufzunehmen, mit geduldiger Aufklärung, liebevoller Ermahnung und dem Zeugnis christlich gelebter Familie darauf hinzuwirken, daß ihnen der Weg gebahnt werde, ihre Situation zu ordnen. Vor allem sollte man sich jedoch darum bemühen, solchen Erscheinungen vorzubeugen, indem man in der ganzen sittlichen und religiösen Erziehung der Jugend den Sinn für Treue pflegt, ihr die Bedingungen und Strukturen erklärt, welche einer solchen Treue förderlich sind, ohne die es keine wahre Freiheit gibt, und sie im geistlichen Reifen fördert sowie ihr die reiche menschliche und übernatürliche Wirklichkeit des Ehesakramentes erschließt.

Das Volk Gottes möge auch auf die Träger öffentlicher Verantwortung einwirken; sie sollen sich diesen Tendenzen mit ihren zersetzenden Wirkungen auf die Gesellschaft und ihren Schäden für die Würde, Sicherheit und das Wohl der einzelnen Bürger entschieden widersetzen; sie sollen sich bemühen, daß die öffentliche Meinung nicht zu einer Unterbewertung der Bedeutung der Institution von Ehe und Familie verleitet werde. Da in vielen Gegenden die jungen Menschen wegen äußerster Armut infolge ungerechter oder unzureichender sozio-ökonomischer Strukturen nicht heiraten können, wie es sich gebührt, müssen die Gesellschaften und jene, die öffentliche Verantwortung tragen, die legitime Ehe durch eine Reihe von sozialen und politischen Maßnahmen fördern, indem sie den familiengerechten Lohn sichern, Vorkehrungen für ein familiengerechtes Wohnen treffen und entsprechende Arbeits- und Lebensmöglichkeiten schaffen.

c) Katholiken, die nur zivil getraut sind

82. Immer häufiger gibt es Katholiken, die es aus weltanschaulichen oder praktischen Gründen vorziehen, nur eine Zivilehe einzugehen, während sie die kirchliche Eheschließung ablehnen oder wenigstens hinausschieben. Diese Situation kann nicht ohne weiteres mit der jener gleichgesetzt werden, die ohne jede offizielle Bindung zusammenleben; denn hier findet sich wenigstens eine bestimmte Verpflichtung zu einem fest umschriebenen und wahrscheinlich dauerhaften Lebensstand, wenn auch mit einem solchen Schritt oft der Blick auf eine eventuelle Scheidung verbunden ist. Indem solche Paare die öffentliche Anerkennung ihrer Bindung durch den Staat suchen, zeigen sie sich bereit, mit den Vorteilen auch die Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Trotzdem ist auch diese Situation für die Kirche unannehmbar.

Die Pastoral wird die Notwendigkeit einer Übereinstimmung zwischen der Lebenswahl und dem Glauben, den man bekennt, verständlich zu machen suchen und möglichst bemüht sein, diese Menschen dahin zu bringen, ihre eigene Situation im Licht christlicher Grundsätze in Ordnung zu bringen. Obwohl man ihnen mit viel Liebe begegnen und sie zur Teilnahme am Leben ihrer Gemeinden einladen wird, können sie von den Hirten der Kirche leider nicht zu den Sakramenten zugelassen werden [d. h der Empfang der Hl. Kommunion ist nicht möglich; eine Lossprechung in der Beichte ist nur möglich, wenn die Bereitschaft vorhanden ist, das Ehesakrament zu empfangen.]

d) Getrennte und Geschiedene ohne Wiederheirat

83. Verschiedene Gründe wie gegenseitiges Unverständnis oder die Unfähigkeit, sich für personale Beziehungen zu öffnen, können zu der schmerzlichen Folge führen, daß in einer gültigen Ehe ein oft unheilbarer Bruch eintritt. Natürlich muß die Trennung als ein äußerstes Mittel angesehen werden, nachdem jeder andere vernünftige Versuch sich als vergeblich erwiesen hat.

Einsamkeit und andere Schwierigkeiten sind oft die Folge für den getrennten Gatten, zumal wenn er unschuldig ist. Solchen Menschen muß die kirchliche Gemeinschaft ganz besondere Fürsorge zuwenden und ihnen Wertschätzung, Solidarität, Verständnis und konkrete Hilfe entgegenbringen, damit es ihnen möglich ist, auch in ihrer schwierigen Situation die Treue zu bewahren. Man wird ihnen helfen, zu einer Haltung des Verzeihens zu finden, wie sie von der christlichen Liebe geboten ist, und zur Bereitschaft, die frühere eheliche Lebensgemeinschaft gegebenenfalls wieder aufzunehmen.

Ähnlich liegt der Fall eines Ehegatten, der geschieden wurde, aber sehr wohl um die Unauflöslichkeit des gültigen Ehebandes weiß und darum keine neue Verbindung eingeht, sondern sich einzig um die Erfüllung seiner Verpflichtungen für die Familie und ein christliches Leben bemüht. Ein solches Beispiel der Treue und christlicher Konsequenz ist ein wertvolles Zeugnis vor der Welt und der Kirche. Um so notwendiger ist es, daß die Kirche solchen Menschen in Liebe und mit praktischer Hilfe unablässig beisteht, wobei es keinerlei Hindernis gibt, sie zu den Sakramenten zuzulassen.

e) Wiederverheiratete Geschiedene

84. Die tägliche Erfahrung zeigt leider, daß derjenige, der sich scheiden läßt, meist an eine neue Verbindung denkt, natürlich ohne katholische Trauung. Da es sich auch hier um eine weitverbreitete Fehlentwicklung handelt, die mehr und mehr auch katholische Bereiche erfaßt, muß dieses Problem unverzüglich aufgegriffen werden. Die Väter der Synode haben es ausdrücklich behandelt. Die Kirche, die dazu gesandt ist, um alle Menschen und insbesondere die Getauften zum Heil zu führen, kann diejenigen nicht sich selbst überlassen, die eine neue Verbindung gesucht haben, obwohl sie durch das sakramentale Eheband schon mit einem Partner verbunden sind. Darum wird sie unablässig bemüht sein, solchen Menschen ihre Heilsmittel anzubieten.

Die Hirten mögen beherzigen, daß sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, daß die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war.

Zusammen mit der Synode möchte ich die Hirten und die ganze Gemeinschaft der Gläubigen herzlich ermahnen, den Geschiedenen in fürsorgender Liebe beizustehen, damit sie sich nicht als von der Kirche getrennt betrachten, da sie als Getaufte an ihrem Leben teilnehmen können, ja dazu verpflichtet sind. Sie sollen ermahnt werden, das Wort Gottes zu hören, am heiligen Meßopfer teilzunehmen, regelmäßig zu beten, die Gemeinde in ihren Werken der Nächstenliebe und Initiativen zur Förderung der Gerechtigkeit zu unterstützen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und den Geist und die Werke der Buße zu pflegen, um so von Tag zu Tag die Gnade Gottes auf sich herabzurufen. Die Kirche soll für sie beten, ihnen Mut machen, sich ihnen als barmherzige Mutter erweisen und sie so im Glauben und in der Hoffnung stärken.

Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung.

Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, daß, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen - zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder - der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, "sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind" (Johannes Paul II., Homilie zum Abschluß der VI. Bischofssynode (25.10.1980), 7: AAS 72 (1980) 1082).

Die erforderliche Achtung vor dem Sakrament der Ehe, vor den Eheleuten selbst und deren Angehörigen wie auch gegenüber der Gemeinschaft der Gläubigen verbietet es jedem Geistlichen, aus welchem Grund oder Vorwand auch immer, sei er auch pastoraler Natur, für Geschiedene, die sich wiederverheiraten, irgendwelche liturgischen Handlungen vorzunehmen. Sie würden ja den Eindruck einer neuen sakramental gültigen Eheschließung erwecken und daher zu Irrtümern hinsichtlich der Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen Ehe führen.

Durch diese Haltung bekennt die Kirche ihre eigene Treue zu Christus und seiner Wahrheit; zugleich wendet sie sich mit mütterlichem Herzen diesen ihren Söhnen und Töchtern zu, vor allem denen, die ohne ihre Schuld von ihrem rechtmäßigen Gatten verlassen wurden.

Die Kirche vertraut fest darauf; daß auch diejenigen, die sich vom Gebot des Herrn entfernt haben und noch in einer solchen Situation leben, von Gott die Gnade der Umkehr und des Heils erhalten können, wenn sie ausdauernd geblieben sind in Gebet, Buße und Liebe.

Hier enden die zitierten Texte aus FAMILIARIS CONSORTIO.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften und staatliche Anerkennung

 

Im Jahr 1981, als Johannes Paul II. das Lehrschreiben FAMILIARIS CONSORTIO herausgab, war das Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften noch nicht relevant. Seit damals hat sich jedoch viel verändert, wie oben schon erwähnt wurde. Die Kirche hat sich seither öfters mit diesem Thema befasst und Stellung bezogen. Hier geht es nicht nur um eine Fehlform der Ehe und Familie. Die Gender-Ideologie setzt noch tiefer an, sie leugnet die von Gott kommende Menschennatur als solches, letztlich leugnet sie Gott selber. In wenigen Worten kann die Gender Ideologie wie folgt formuliert werden: der Mensch hat nicht eine ihm vom Schöpfergott vorgegebene Natur (sein Mann- oder Frausein), er kann seine geschlechtliche Identität selbst bestimmen. Diese Ideologie ist die Basis für die Forderungen, gleichgeschlechtliche Verbindungen durch staatliche Gesetze der Ehe gleichzustellen.

 

Papst Benedikt XVI. sagte über die Gender- Ideologie – ab hier wird zitiert:

Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie [Gender] nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe. Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht.

[Anmerkung: die Gender-Ideologie hat, allgemein gesehen, in der westlichen Welt in viele Bereiche der Bildung und Erziehung Einzug gehalten. Ihre Verbreitung geschieht teils offen, teils schleichend und unbemerkt.]

Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten.

Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim [gemeint ist Gilles Bernheim, Großrabbiner von Frankreich] zeigt, dass es [das Kind] nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann. Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.

Soweit die zitierten Worte von Papst Benedikt XVI. (aus der Ansprache an das Kardinalskollegium, die Mitglieder der Römischen Kurie und die Päpstliche Familie am 21.12. 2012)

Der Heilige Stuhl äußerte sich über die in manchen Staaten angestrebte staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften:

„Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.“ Kongregation für die Glaubenslehre (unter Kardinal Joseph Ratzinger), „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“, 03.06.2003, Abschnitt 11)

„Werden homosexuelle Lebensgemeinschaften rechtlich anerkannt oder werden sie der Ehe gleichgestellt, indem man ihnen die Rechte gewährt, die der Ehe eigen sind, ist es geboten, klar und deutlich Einspruch zu erheben. Man muss sich jedweder Art formeller Mitwirkung an der Promulgation und Anwendung von so schwerwiegend ungerechten Gesetzen und, soweit es möglich ist, auch von der materiellen Mitwirkung auf der Ebene der Anwendung enthalten. In dieser Materie kann jeder das Recht auf Einspruch aus Gewissensgründen geltend machen.“ Kongregation für die Glaubenslehre: „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“, 03.06.2003, aus Abschnitt 5)

Kein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare:

„Wie die Erfahrung zeigt, schafft das Fehlen der geschlechtlichen Bipolarität Hindernisse für die normale Entwicklung der Kinder, die eventuell in solche Lebensgemeinschaften eingefügt werden. Ihnen fehlt die Erfahrung der Mutterschaft oder der Vaterschaft. Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwerwiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist. Demgemäß ist das oberste zu schützende Interesse in jedem Fall das Interesse des Kindes, das den schwächeren und schutzlosen Teil ausmacht.“ Kongregation für die Glaubenslehre: „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“, 03.06.2003, aus Abschnitt 9)

 

4) Anregungen

 

Abschließend sollen einige praktische Hinweise und Anregungen versucht werden, um der christliche Ehelehre in unserem Leben Gestalt zu geben.

 

-         Die in diesem Pfarrbrief doch nur kurz angesprochenen Aspekte mögen auch als Anregung verstanden werden, die katholische Ehelehre noch genauer und tiefer kennenzulernen. Bei den Zitaten aus dem Kompendium finden sich Verweise auf die ausführlichere Darlegung im großen Katechismus der Katholischen Kirche (KKK).

 

-         Die christliche Ehelehre ist der heutigen Zeitmentalität entgegengesetzt. Gerade deshalb ist es notwendig, diese Lehre wieder klar zu vermitteln, sie in der Öffentlichkeit zu vertreten und einzubringen. Wo wir innerkirchlich - bewusst oder unbewusst - auf die Wahrheit über die Ehe und Familie (und die Heiligste Eucharistie) verzichten, wird die Kirche sterben und aufhören. Wo jedoch die Kirche stirbt, kehrt das Heidentum mit all seinen schlimmen Folgen zurück. Wie weit wir heute in unseren Breitengraden bereits in dieser Entwicklung fortgeschritten sind, mag jeder selber einschätzen.  

 

-         Die Beurteilung, wie weit eine Partei für einen Katholiken vom Gewissen her noch wählbar ist, hängt wesentlich auch davon ab, wie eine Partei zur Ehe, Familie, Abtreibung und den ungeborenen Kindern steht.

-          

 

-         Unsere jungen Menschen möchte ich einladen und ermutigen, sich rechtzeitig ein klares Verständnis über Ehe und Familie – und die Vorbereitung darauf – anzueignen. Dazu gehören auch der feste Wille und das Bemühen um eine reine und jungfräuliche Jugend- und Brautzeit. Das wird jedoch nur durch ein bewusstes Gebetsleben und ein Leben aus der Kraft der Sakramente der Buße und der Eucharistie durchzuhalten sein. Die Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter Maria und die Weihe an sie werden den nötigen Schutz verleihen. Mit Gottes Hilfe ist das auch heute möglich. Wer es nicht geschafft hat, kann durch Gottes Barmherzigkeit mit dem Sakrament der Buße zu einem neuen Beginn gelangen und den Weg der Heilung gehen.

 

-         Katholische Eltern haben die Pflicht, ihren Kindern und Jugendlichen das Beispiel einer christlichen Ehe, wie sie die Kirche von Gott her versteht, vorzuleben. Es wird auch nötig sein, in den Familien viel über diese Themen zu sprechen.

 

-         Wenn die Treue zum Ehepartner und zum Ehebund mit (großen) Opfern verbunden ist, soll sich der leidende Ehepartner bewusst sein: die Ehe kann auch manchmal ein schweres Kreuz sein. Doch Christus hilft, dieses Kreuz zu tragen. Es wird daraus viel Heil und Segen kommen. Die Kehrseite des Kreuzes ist der reiche Segen Gottes.

 

-         Eltern, die sich in ihrem früheren Leben in einer irregulären Situation befanden, sollen ihren Kindern gegenüber, wenn diese danach fragen und die nötige Reife besitzen, Zeugnis ablegen von der Gnade Gottes, die sie erfahren haben, die ihnen geholfen hat, zur vollen Wahrheit über die Ehe hinzufinden. Das wird ihrem Ansehen keinen Schaden zufügen, im Gegenteil, sie können auch durch ein früheres fehlendes Eheverständnis ihre Kinder für den rechten Weg ermutigen.

 

-         So manche Katholiken, die bereits eine Familie gegründet haben, könnten das Ehesakrament empfangen (sind dafür frei) und schieben den Empfang trotzdem hinaus, manchmal über viele Jahre. Diesen Eltern möchte ich das Wort der Heiligen Schrift sagen: „Fürchtet euch nicht!“(Lk 2,10) Fürchtet euch nicht, zu Christus JA zu sagen, im Glauben den „Sprung“ hinein in das Ehesakrament zu wagen. Es ist nicht ein „Sprung“ ins kalte Wasser, sondern hinein in die Liebe und das Erbarmen Gottes. Warum sich ein wunderbares und schönes Gnadenmittel so lange vorenthalten und an der Gnadenquelle der Ehe vorbeileben?

 

-         Wer sich in einer irregulären Situation befindet, die sich nicht von heute auf morgen ändern lässt, braucht nicht den Mut zu verlieren. Solche Eltern sollen die vielen Möglichkeiten ausschöpfen, welche die Kirche aufzeigt, um mit dem Herrn und der Kirche zu leben, wenn nötig, auch im Geist der Buße.

 

Gebet um den von Gott vorgesehenen Ehepartner

 

Heiliger Erzengel Raphael! Im Auftrag Gottes hast du Tobias und Sara, die von Gott füreinander bestimmt waren, zur Ehe zusammengeführt. Ihre Liebe und Treue im Glauben wurden von Gott gesegnet. Ich vertraue auf deine Führung und deine Fürsprache. Hilf mir, die Frau (den Mann) zu finden, mit der (mit dem) ich nach Gottes Vorsehung eine christliche Ehe schließen kann. Gewähre uns eine reine Brautzeit. Bewahre uns in der Treue zu den Geboten Gottes und zur
Lehre der Kirche. Festige unsere Liebe durch die Kraft des Gebetes und der Sakramente. Erbitte uns Kinder als Geschenk der Liebe Gottes und unserer gegenseitigen Hingabe. Lass uns eine glückliche Familie werden, die das ewige Heil erlangt. Maria, Mutter der schönen Liebe, bitte für uns! Heiliger Dreifaltiger Gott, Du Gott der Liebe und des Lebens, erhöre uns! Amen.

 

Eltern können dieses Gebet in angepasster Form auch für ihre Kinder beten.

Die Familiengeschichte von Tobias und Sara findet sich im Buch Tobit im Alten Testament.

 

Ein abschließendes Wort aus FAMILIARIS CONSORTIO…

 

An Stelle eines persönlichen Schlusswortes werden hier die Worte angeführt, mit denen Johannes Paul II. seine Enzyklika FAMILIARIS CONSORTIO abschließt. Diese Worte lassen uns so richtig die väterliche Liebe und Sorge dieses Papstes erkennen und bestärken uns nochmals zum persönlichen Einsatz für die Familien.

Der Abschnitt 86 wird zur Gänze aus FAMILIARIS CONSORTIO zitiert:

86. Am Ende dieses Apostolischen Schreibens wende ich mich in bewegter Sorge an euch, ihr Gatten, ihr Väter und Mütter;

an euch, ihr Jugendlichen, die ihr die hoffnungsvolle Zukunft von Kirche und Welt seid, die tragende Kraft der Familie im kommenden dritten Jahrtausend;

an euch, verehrte liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt, und an euch, geliebte Brüder und Schwestern im Ordensstand, die ihr durch euer gottgeweihtes Leben den Eheleuten die tiefste Wirklichkeit der Liebe Gottes bezeugt;

und schließlich an euch alle, Menschen rechten Sinnes, die ihr wie auch immer für die Familie Sorge tragt.

Die Zukunft der Menschheit geht über die Familie!

Es ist darum unerläßlich und dringend, daß jeder Mensch guten Willens sich dafür einsetzt, die Werte und die Aufgaben der Familie zu erhalten und zu fördern.

Die Söhne und Töchter der Kirche meine ich, zu einem besonderen Einsatz in dieser Richtung auffordern zu müssen. Sie, die im Glauben den wunderbaren Plan Gottes in seiner Tiefe kennen, haben ja einen Grund mehr, sich mit ganzem Herzen der Wirklichkeit der Familie in dieser Zeit der Prüfung und Gnade anzunehmen.

Sie müssen der Familie eine besondere Liebe schenken. Das ist ein konkreter, verpflichtender Auftrag.

Liebe zur Familie bedeutet, ihre Werte und Möglichkeiten zu schätzen und stets zu fördern. Liebe zur Familie bedeutet, die ihr drohenden Gefahren und Übel wahrzunehmen und zu bekämpfen. Liebe zur Familie bedeutet ferner, an der Schaffung einer Umgebung mitzuwirken, die ihre Entfaltung begünstigt. In ganz besonderer Weise schließlich zeigt sich diese Liebe, wenn man der christlichen Familie von heute, die oft zu Mutlosigkeit versucht und durch die vermehrten Schwierigkeiten verängstigt ist, wieder Vertrauen zu sich selbst gibt, zu ihrem Reichtum von Natur und Gnade, zu der Sendung, die Gott ihr übertragen hat. "Die Familien unserer Zeit müssen neuen Elan bekommen! Den Weg Christi müssen sie gehen!" (Johannes Paul II., Brief Appropinquat iam (15.8.1980), 1: AAS 72 (1980) 791.).

Den Christen kommt es auch zu, die Frohe Botschaft von der Familie mit Freude und Überzeugung zu verkünden; denn es ist für die Familie unbedingt notwendig, jene authentischen Worte immer wieder neu zu hören und immer tiefer zu verstehen, die ihr die eigene Identität, ihre inneren Kraftquellen und die Bedeutung ihrer Sendung in der Stadt der Menschen und der Stadt Gottes gültig offenbaren.

Die Kirche kennt den Weg, auf dem die Familie zum Kern ihrer Wahrheit gelangen kann. Diesen Weg, den die Kirche in der Schule Christi und der im Licht des Heiligen Geistes gedeuteten Geschichte gelernt hat, zwingt die Kirche niemandem auf; sie fühlt sich aber unabweisbar dazu gedrängt, ihn ohne Furcht, ja sogar mit starkem und hoffnungsvollem Vertrauen allen anzubieten, wenn ihr auch bewußt ist, daß die Frohe Botschaft das Wort vom Kreuz enthält. Aber es ist gerade das Kreuz, das die Familie zur Fülle ihres Wesens und ihrer Liebe reifen läßt.

Ich möchte schließlich alle Christen einladen, beherzt und herzlich mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten, die ihre Verantwortung für den Dienst an der Familie wahrnehmen. Wer sich im Bereich der Kirche, in ihrem Namen und in ihrem Geist, dem Wohl der Familie widmet, seien dies einzelne oder Gruppen, Bewegungen und Verbände, findet oft an seiner Seite Personen und Institutionen, die für dasselbe Ideal arbeiten. In Treue zu den Werten des Evangeliums und des Menschen und unter Beachtung einer berechtigten Vielfalt von Initiativen kann eine solche Zusammenarbeit zu einer rascheren und umfassenderen Förderung der Familie beitragen.

Und nun, zum Abschluß dieser pastoralen Botschaft, die aller Aufmerksamkeit für die ernsten und zugleich faszinierenden Aufgaben der christlichen Familie wecken will, möchte ich den Schutz der heiligen Familie von Nazaret erbitten.

Durch den geheimnisvollen Ratschluß Gottes hat in ihr für viele Jahre der Sohn Gottes verborgen gelebt. Sie ist deshalb Urbild und Beispiel für alle christlichen Familien. Diese Familie, einzig in der ganzen Welt, hat unerkannt und still in einer kleinen Ortschaft Palästinas gelebt; sie ist von Armut, Verfolgung und Verbannung heimgesucht worden, und sie hat auf unvergleichlich erhabene und lautere Weise Gott verherrlicht. Diese Familie wird den christlichen Familien ihre Hilfe nicht versagen, ja sie wird allen Familien in der Welt beistehen in der Treue zu ihren täglichen Pflichten, im Ertragen der Ängste und Bedrängnisse des Lebens, in der hochherzigen Zuwendung zu den Nöten der anderen, in der freudigen Erfüllung ihrer Berufung.

Möge der heilige Josef; der "Gerechte", der unermüdliche Arbeiter, der getreue Hüter des ihm anvertrauten doppelten Schatzes, sie stets behüten, schützen und erleuchten!

Möge die Jungfrau Maria, wie sie Mutter der Kirche ist, so auch die Mutter der "Hauskirche" sein! Möge dank ihrer mütterlichen Hilfe jede christliche Familie wahrhaft eine "Kirche im kleinen" werden, in der sich das Geheimnis der Kirche widerspiegelt und gelebt wird! Sie, die Magd des Herrn, sei das Beispiel für eine demütige und hochherzige Annahme von Gottes Willen; sie, die Schmerzhafte Mutter zu Füßen des Kreuzes, lindere die Schmerzen aller, die an den Schwierigkeiten ihrer Familien leiden, und trockne ihre Tränen.

Und Christus, der Herr, der König des Alls, der König der Familien, sei wie in Kana in jedem christlichen Heim zugegen als Quelle von Licht, Freude, froher Zuversicht und Kraft. Am Fest seines Königtums bitte ich ihn, daß jede Familie hochgemut das Ihre beitrage zur Ankunft seines Reiches in dieser Welt, "Reich der Wahrheit und des Lebens, der Heiligkeit und der Gnade, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens" (Präfation der Messe zum Christkönigsfest). Dieses Reich ist das Ziel der Geschichte.

Ihm, Maria und Josef überantworte ich jede Familie. In ihre Hände lege ich dieses Schreiben, ihrem Herzen vertraue ich es an; mögen sie es euch übergeben, ehrwürdige Brüder, liebe Söhne und Töchter; mögen sie eure Herzen öffnen für das Licht, das vom Evangelium her in jede Familie leuchtet!       JOHANNES PAUL II.

Ende des Zitats aus FAMILIARIS CONSORTIO.

 

Zum Beitrag auf der nächsten Seite: aus "Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt", 10/2013

mit freundlicher Genehmigung des Verlags;

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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