04) Pfarrbrief Weihnachten 2012: Jahr des Glaubens - 50 Jahre 2. Vatikanisches Konzil

DER EMPFANG DER HEILIGEN KOMMUNION

Die Lehre der Kirche über die Voraussetzungen zum Kommunionempfang

zur Vorbereitung auf die Weihnachtskommunion

Der Empfang der Heiligen Kommunion ist für uns Katholiken nicht etwas Gewöhnliches. Die Hl. Kommunion ist der lebendige Gott, der lebendige Christus, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut, dem man sich mit liebender Ehrfurcht und heiliger Scheu nahen soll.

Die Heilige Kommunion gehört nie automatisch - einfach so - zur heiligen Messe. Auch eine bloß gelegentliche Mitfeier der Hl. Messe (z.B. bei einem Begräbnis, einer Hochzeit, an einem großen Feiertag…) genügt nicht, um bei diesen Anlässen die hl. Kommunion zu empfangen. „Die Eucharistie ist das Sakrament derer, die in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen.(Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1395) Die Kirche hat Priester

und Gläubige immer darauf hingewiesen, dass es Bedingungen und Voraussetzungen für den würdigen Empfang der Heiligen Kommunion gibt:

 

  • Empfang der hl. Taufe und Bekenntnis des ganzen katholischen Glaubens (man darf keiner anderen Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören, nicht aus der Kirche ausgetreten sein)

 

  • „Wer Christus in der Eucharistischen Kommunion empfangen will, muss im Stande der Gnade sein“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1415), d.h. frei sein von Sünden, die von Gott trennen. Die 10 Gebote Gottes markieren diese Sünden. Zum leben im Gnadenstand gehören z.B.:

 

- das tägliche Gebet im Alltag

- regelmäßige, d.h. wöchentliche, Mitfeier der Sonntagsmesse (die Kirche hat

dasVersäumen der Sonntagsmesse durch das 3. Gebot Gottes immer als schwere

 Sünde erkannt    

(Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 2181)

- Mitfeier der Hl. Messe an den kirchlich gebotenen Feiertagen

- Freisein von schwerem Hass und Unversöhnlichkeit

- für das Zusammenleben von Mann und Frau: das Leben in einer gültigen    

   sakramentalen Ehe

- Vorbereitung durch das Bußsakrament (zumindest in der österlichen Zeit)

   zur regelmäßigen Hl. Kommunion gehört die regelmäßige Beichte

 

  • Eine Lebensgestaltung, die den Geboten Gottes entspricht: Man kann nicht einerseits Christus empfangen, anderseits an Christus vorbei leben oder Dinge tun, die dem katholischen Glauben widersprechen und von Christus wegführen, wie z.B. die Esoterik (Wahrsagerei, Reiki...). Gottesdienst und Götzendienst stehen zueinander in unüberbrückbarem Gegensatz.
  • Das vorgeschriebene Fasten einhalten: Nüchternheit von einer Stunde, ausgenommen Wasser und Medikamente. Die Kranken sind nicht an das Nüchternheitsgebot gebunden. (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1387)

„Falls jemand sich bewusst ist, dass er eine Todsünde begangen hat, darf er die Eucharistie nicht empfangen, ohne vorher im Bußsakrament die Lossprechung empfangen zu haben (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1415).                             

Die unwürdige Kommunion, sie wird auch Sakrileg/Gottesraub genannt, ist eine Kommunion, die im Zustand der Sünde empfangen wird, die von Gott trennt. Eine unwürdige Kommunion, die man sich sozusagen ertrotzt, bringt nie Christusvereinigung und Segen, sondern Gericht (1 Kor 11,28), wie Paulus bekräftigt.

Die würdige heilige Kommunion ist jene, die im Gnadenstand empfangen wird. Nur die würdige Hl. Kommunion vereint mit Christus und bringt Gnade. Wichtig ist, dass für diese Beurteilung „unwürdig“ und „würdig“ nicht unser Gefühl ausschlaggebend ist, sondern die Gebote Gottes und deren Auslegung durch das kirchliche Lehramt. Vieles wird heute nicht mehr als Sünde empfunden, was vor Gott aber Sünde ist.

Auch ohne Kommunionempfang ist die Mitfeier des Hl. Messopfers überaus gnadenbringend. Es gibt auch die GEISTIGE KOMMUNION: im Herzen die Sehnsucht nach der Vereinigung mit Christus erwecken.

„Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz“(Weis 6,10).

Die Weihnachtsgottesdienste der Kirche

Der letzte Tag im Advent ist der Heilige Abend. In der alten Kirche und noch viele Jahrhunderte lang war der Heilige Abend ein Fasttag. In der Orthodoxen Kirche ist dies heute noch der Fall. Auch wir könnten den Heiligen Abend z.B. bis Mittag als Fasttag oder einfachen Tag begehen. Wir beginnen den Heiligen Abend mit der Vigilmesse um 06:00 Uhr. Sie hat Bußcharakter und soll uns vorbereiten. Sie ist kein Ersatz für die Mette! Das Violett der Vigilmesse erinnert uns nochmals daran, uns durch das Bußsakrament für den würdigen Empfang der Weihnachtskommunion vorzubereiten. Wer am Heiligen Abend nur eine heilige Messe mitfeiern kann (will), sollte der Christmette den Vorrang geben.

Seit ältester Zeit feiert die Kirche das Weihnachtsgeheimnis in der Heiligen Nacht und am Heiligen Tag mit drei Heiligen Messen:

Die 1. Weihnachtsmesse:

MISSA IN NOCTE: die Mitternachtsmette oder Engelamt

Die Mitternachtsmette ist der Höhepunkt der Heiligen Nacht. Wie in der Osternacht haben die Christen die Nacht der Geburt des Erlösers mit einer zusätzlichen Heiligen Messe (in der Urkirche mit einer langen nächtlichen Gebetswache) gefeiert. Es sollte uns wirklich drängen, für die Geburt unseres Erlösers in dieser nächtlichen Hl. Messe aus ganzem Herzen Gott zu danken. Ein liebender und eifriger Christ wird nicht nur selbstverständlich die Mette mitfeiern, sondern auch am Heiligen Tag nochmals kommen. Wenn wir ehrlich sind: Hier hat sich bei manchen viel Bequemlichkeit eingeschlichen!

Auch unsere Kinder und jungen Leute sollen zur Mette geführt werden. Man bedenke, wie oft in weltlichen Dingen Kinder oder Jugendliche sehr lange aufbleiben. Muten wir ihnen auch zu, die unvergessliche Heilige Nacht mitzuerleben.

Die 2. Weihnachtsmesse:

MISSA IN AURORA: das Hirtenamt

Das Hirtenamt wurde in der Tradition der katholischen Kirche entweder unmittelbar im Anschluss an die Mitternachtsmette zelebriert oder in den frühen Morgenstunden. In unserer Pfarrkirche feiern wir das Hirtenamt unmittelbar an die Christmette, also ca. um 24:00 Uhr; es wird in der außerordentlichen Form als Stillmesse zelebriert, nur die Lesung und das Evangelium werden verkündet. Diese Form der Gestaltung soll ermöglichen, im persönlichen Gebet anbetend, dankend oder auch bittend vor dem Göttlichen Christuskind zu verweilen.

Die 3. Weihnachtsmesse: MISSA IN DIE: das Hochamt am Heiligen Tag

Die dritte Weihnachtsmesse wird am Heiligen Tag (Vormittag) gefeiert. Dazu wurde und wird liturgisch alles aufgeboten, was möglich ist. Zum Weihnachtshochamt um 9.00 Uhr sind besonders unsere Familien mit ihren Kindern eingeladen.

Die Weihnachtsoktav - eine weihnachtliche Festwoche

Wenn die Wirtschaft am 24.12. mit dem Weihnachtsfest „fertig“ ist und bereits die Osterhasen in den Blick nimmt, fangen wir erst an, Weihnachten zu feiern; es beginnt mit der Oktav, die, wie schon in den vergangenen Jahren, festlich begangen wird. Die Tage vom 25. Dezember bis zum 1. Jänner sind in der Liturgie ein einziger Tag. Während der ganzen Oktav feiern wir täglich ein Weihnachtshochamt, beim Angelus und bei den Gottesdiensten wird groß geläutet. Auch in der Familie kann der Festcharakter der Oktav zum Ausdruck gebracht werden. Jeder Tag der Oktav führt uns auf eine neue Weise zur Krippe. Die Pfarrgemeinde ist herzlich eingeladen und gebeten, die Oktav eifrig mitzufeiern.

Die Menschwerdung Gottes und unsere Erlösung durch Christus sind nichts Gewöhnliches. Wir können als Christen nicht anders, als diese Ereignisse mit einem dankbaren und liebenden Herzen tief und ausgiebig zu feiern. Auch unsere Nöte in den Ehen und Familien und in der Welt sind so groß, dass wir gar nicht genug beten können.

Die Gläubigen sind einladen, durch die heiligen Sakramente und die Liturgie der Kirche aus der Fülle des Weihnachtsgeheimnisses zu schöpfen. Lassen wir uns vom Göttlichen Christuskind rufen und uns mit den Gnaden der Erlösung beschenken.

Gelegenheit zum Empfang des Bußsakramentes

 

Pfarrkirche Imsterberg:

Jeden Dienstag und Mittwoch vor der Abendmesse 18:30 Uhr bis 18:50 Uhr

Sonntags vor der Abendmesse 18:30 Uhr bis 18:45 Uhr

und nach persönlicher Vereinbarung (auch im Widum)

 

Kapuzinerkirche Imst:

4. Adventwoche: Dienstag bis Freitag: 09:00 bis 11:00 Uhr; 15:00 bis 17:00 Uhr

                            Heiliger Abend        09:00 Uhr bis 11:00 Uhr

Thema: Jahr des Glaubens – 50 Jahre 2. Vatikanisches Konzil – 20 Jahre „Katechismus der Katholischen Kirche“

 

GRUNDPFEILER UNSERES GLAUBENS

 

Das Hauptgebot der Liebe (Mt 22,37.39)

1. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all

   deinen Gedanken.

2. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

 

Die Zehn Gebote Gottes

Ich bin der Herr, Dein Gott:

1. Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben!

2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren!

3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen!

4. Du sollst Vater und Mutter ehren, damit es dir wohl ergeht und du lange lebst auf Erden!

5. Du sollst nicht töten!

6. Du sollst nicht ehebrechen!

7. Du sollst nicht stehlen!

8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten!

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau!

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!

 

Die goldene Regel (Mt 7, 12)

Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!

 

Die Seligpreisungen (Mt 5, 3-12)

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.

Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

 

 


Die sieben Gaben des Heiligen Geistes

1. Weisheit

2. Einsicht (Verstand)

3. Rat             

4. Stärke

5. Erkenntnis (Wissenschaft) 

6. Frömmigkeit

7. Gottesfurcht

                                      

 

Die sieben Hauptsünden

1. Stolz/Hochmut                   

2. Habsucht                

3. Neid                       

4. Zorn           

5. Unkeuschheit          

6. Unmäßigkeit

7. Trägheit/Überdruss


Die vier Letzten Dinge

1. Tod            

2. Gericht                   

3. Hölle

4. Himmel

 


Die drei göttlichen Tugenden

1. Glaube                   

2. Hoffnung                

3. Liebe

 

 

Die vier Kardinaltugenden

1. Klugheit                 

2. Gerechtigkeit

3. Tapferkeit

4. Mäßigung


Die zwölf Früchte des Heiligen Geistes


1. Liebe                     

2. Freude                   

3. Friede                    

4. Geduld                   

5. Freundlichkeit        

6. Güte                                   

7. Langmut                 

8. Sanftmut                 

9. Treue                     

10. Bescheidenheit

11. Enthaltsamkeit

12. Keuschheit

 

Die Sechs Grundwahrheiten unseres Glaubens

1. Es ist ein Gott.

2. Gott ist ein gerechter Richter, der das Gute belohnt und das Böse bestraft.

3. In Gott sind drei Personen: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

4. Die zweite göttlich Person ist Mensch geworden, damit er uns am Kreuz erlöse und ewig

   selig mache.

5. Die Seele des Menschen ist unsterblich.

6. Ohne die Gnade Gottes können wir nicht selig werden (d.h. nicht in den Himmel kommen).

 


Die fünf Gebote der Kirche

1. Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen an der Hl. Messe teilnehmen und

   keine Arbeiten und Tätigkeiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden.

2. Wenigstens einmal im Jahr die eigenen Sünden beichten.

3. Wenigstens zu Ostern das Sakrament der Eucharistie empfangen.

4. Die von der Kirche gebotenen Fast- und Abstinenztage halten.

5. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten der Kirche in ihren materiellen Erfordernissen

   beistehen.

 

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit

1. Die Hungrigen speisen.

2. Den Dürstenden zu trinken geben.

3. Die Nackten bekleiden.

4. Die Fremden aufnehmen.

5. Die Kranken besuchen.

6. Die Gefangenen besuchen.

7. Die Toten begraben.

 

Die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit

1. Die Unwissenden lehren.

2. Den Zweifelnden recht raten.

3. Die Betrübten trösten.

4. Die Sünder zurechtweisen.

5. Die Lästigen geduldig ertragen.

6. Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen.

7. Für die Lebenden und für die Toten beten.

Die sieben Sakramente

1. Sakrament der TAUFE

2. Sakrament der EUCHARISTIE

3. Sakrament der FIRMUNG

4. Sakrament der EHE

5. Sakrament der PRIESTERWEIHE

6. Sakrament der BUSSE

7. Sakrament der KRANKENSALBUNG

 

Ein besonderes Gnadenmittel – ABLASS ZUM JAHR DES GLAUBENS(+)

 

Papst Benedikt XVI. bietet den Gläubigen zum „Jahr des Glaubens“, das vom 11. Oktober 2012 bis zum 24. November 2013 dauert, ein besonderes Gnadenmittel an: Während dieses Jahres können vollkommene Ablässe (Befreiung von zeitlichen Sündenstrafen) für sich selbst oder für Verstorbene gewonnen werden.

Der Ablass ist nach katholischem Verständnis ein Zeichen der Gnade, der den Menschen von „zeitlichen Sündenstrafen“ befreit. Im Bußsakrament wird dem reuigen Sünder nach dem Bekenntnis die Sündenvergebung durch Gott zugesprochen. Mit der Befreiung von „zeitlichen Sündenstrafen löst Gott auch die Auswirkungen von Sünden auf, die zwar im Bußsakrament bereits vergeben wurden, aber die Menschen weiter belasten. Das kirchenamtliche Wort für „Ablass“, das lateinische „indulgentia“, bedeutet ursprüngliche Nachsicht, Güte und Zärtlichkeit. Ablass hat daher nichts mit einem mysteriösen Handel zu tun, sondern lenkt die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf Gott und seinen barmherzigen Umgang mit fehlerhaften und sündigen Menschen.

 

Folgende Bedingungen sind zur Gewinnung eines Ablasses zu erfüllen:

            1. Entschlossene Abkehr von jeder Sünde.

            2. Die sakramentale Beichte.

            3. Der Empfang der Heiligen Kommunion.

            4. Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters (z.B. Vaterunser, Ave

                                     Maria, Glaubensbekenntnis).

            5. Die Erfüllung eines vorgeschriebenen Werkes.

 

Für den vollkommenen Ablass zum „Jahr des Glaubens“ soll der Gläubige eines der hier vorgeschlagenen Werke verrichten.

- Mindestens drei Predigten der Missionen zum Jahr des Glaubens hören oder an mindestens drei geistlichen Betrachtungen über Lehren zum Zweiten Vatikanischen Konzil oder über den Katechismus der Katholischen Kirche teilnehmen.

- Bei einem Besuch/Wallfahrt einer Basilika, christlichen Katakombe, einer Kathedrale oder einem anderen heiligen Ort, der für das „Jahr des Glaubens“ dafür ausgewiesen ist, beten und/oder an einer Betrachtung/Meditation teilnehmen und dies mit einem Vaterunser, dem Glaubensbekenntnis und einer Anrufung Mariens (z.B. Ave Maria) oder zu den Heiligen Aposteln beschließen.

- An der Eucharistiefeier der Kirchen an hohen Feiertagen teilnehmen.

- Die eigene Taufkirche besuchen und dabei das Taufversprechen erneuern (siehe Gotteslob Nr. 50)

Einen Ablass kann der Gläubige unter Beachtung der Anforderungen während des „Glaubensjahres“ täglich entweder für sich selbst oder einen verstorbenen Mitmenschen gewinnen.

 

Zuletzt hatte Johannes Paul II. für das Heilige Jahr 2000 einen vollständigen Ablass für ein ganzes Jahr gewährt.

 

Wer sich um einen Ablass bemüht, darf sich nach der Lehre der Kirche gewiss sein, der Nachsicht und Güte Gottes zu begegnen. Um dadurch auch selbst Nachsichtiger und gütiger zu werden.

 

 

Programmpunkte für das Jahr des Glaubens

aus einem Hirtenbrief der US-Bischöfe (+)

 

- NEHMEN SIE AN DER HL. MESSE TEIL.

Das Jahr des Glaubens soll die persönliche Begegnung mit Jesus fördern. Dies geschieht am unmittelbarsten in der Feier der Hl. Eucharistie. Regelmäßiger Messbesuch stärkt den eigenen Glauben durch die Schriftlesungen, das Credo und andere Gebete, durch Kirchenmusik, die Predigt, den Kommunionempfang und durch Teilhabe an einer Glaubensgemeinschaft.

 

- GEHEN SIE ZUR HL. BEICHTE.

Wie beim Messbesuch finden Katholiken Kraft und wachsen weiter in den Glauben hinein, indem sie das Sakrament der Buße und Versöhnung empfangen. Die Hl. Beichte ermutigt die Menschen, zu Gott zurückzukehren, ihr Bedauern darüber auszudrücken, dass sie nachgelassen haben, und ihr Leben Gottes heiligender Gnade zu öffnen. Die Hl. Beichte vergibt die Fehler der Vergangenheit und rüstet mit Kraft für die Zukunft aus.

 

- LERNEN SIE DAS LEBEN VON HEILIGEN KENNEN.

Die Heiligen sind nie veraltende Beispiele dafür, wie man das christliche Leben führen kann, und sie geben endlose Hoffnung. Zum einen waren sie Sünder, welche versuchten, näher zu Gott zu wachsen, zum anderen dienen sie als Beispiele für die Wege, mit denen ein Mensch Gott dienen kann: durch Lehren, Missionieren, Nächstenliebe, Gebet und durch das schlichte Bemühen, Gott in den normalen Handlungen und Entscheidungen des Alltagslebens zu gefallen.

 

- LESEN SIE TÄGLICH IN DER BIBEL.

Die Heilige Schrift bietet den direkten Zugang zum Wort Gottes und erzählt die Geschichte der Erlösung der Menschen. Katholiken können die Heilige Schrift beten (mittels der lectio divina oder anderer Methoden), um sich mehr auf das Wort Gottes einzustimmen. Auf jeden Fall ist die Bibel ein „Muss“ für das Wachstum im Jahr des Glaubens.

 

- STUDIEREN SIE DEN KATECHISMUS.

Der Katechismus der Katholischen Kirche, der genau 30 Jahre nach Konzilsbeginn veröffentlicht wurde, fasst den Glauben, die Morallehre, die Gebete und die Sakramente der katholischen Kirche in einem einzigen Band zusammen. Er ist eine Quelle, um im Glaubensverständnis zu wachsen.

 

- BETEILIGEN SIE SICH EHRENAMTLICH IN DER GEMEINDE.

Das Jahr des Glaubens soll sich nicht nur um Studium und Reflexion drehen. Die gesunde Grundlage der Bibel und des Katechismus muss in Handlung umgesetzt werden. Ein hervorragender Ort, um damit zu beginnen, ist die Gemeinde, und die Gabe jeder Person hilft, die Gemeinschaft aufzuerbauen. Menschen sind willkommen als Begrüßungsdienste, als Musiker und Lektoren in der Liturgie, als Katecheten und in anderen Aufgaben des Gemeindelebens.

 

- HELFEN SIE DENEN, DIE HILFE BRAUCHEN.

Der Vatikan bittet die Katholiken, im Jahr des Glaubens für wohltätige Zwecke zu spenden und sich in der Hilfe für Arme einzubringen. Dies bedeutet, Christus im Armen, im Ausgegrenzten und Verletzlichen persönlich zu begegnen. Anderen zu helfen, ermöglicht Katholiken die Begegnung mit Christus von Angesicht zu Angesicht und gibt der restlichen Welt ein Beispiel.

 

- LADEN SIE EINEN GUTEN FREUND ZUR HL. MESSE EIN.

Das Jahr des Glaubens mag zwar globale Reichweite haben und auf eine Erneuerung des Glaubens und der Evangelisierung der gesamten Kirche abzielen, aber die wirkliche Veränderung vollzieht sich auf der lokalen Ebene. Eine persönliche Einladung kann viel verändern bei jemanden, der vom Glauben weggeglitten ist oder der sich der Kirche entfremdet hat. Jeder kennt solche Leute, also kann auch jeder für ein herzliches Willkommen sorgen.

 

- INTEGRIEREN SIE DIE SELIGPREISUNGEN IN DAS ALLTAGSLEBEN.

Die Seligpreisungen (Mt 5, 3-12) stellen eine reichhaltige Vorlage für das christliche Leben zur Verfügung. Ihre Weisheit kann helfen, demütiger, geduldiger, gerechter, transparenter, liebevoller, vergebender und freier zu leben. Dies ist genau das Beispiel gelebten Glaubens, welches benötigt wird, um im bevorstehenden Jahr des Glaubens Menschen in die Kirche zu holen.

 

„GLAUBE IST KEIN EGO-TRIP!“

Interview mit Walter Kardinal Brandmüller (+)

 

Der Theologe und Kirchenhistoriker Walter Brandmüller, Jahrgang 1929, wurde 2010 von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal der römisch-katholischen Kirche erhoben. Zuvor war er elf Jahre lang Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften in Rom. Ein besonderes Anliegen ist dem Kirchenhistoriker die Frage des „Vernünftig-Glauben-Könnens“.

 

 

 

Kardinal Brandmüller in Imsterberg

am 3. Fastensonntag, 11. März 2012

(nach dem Pontifikalgottesdienst in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus)

 

PUR Spezial: Was ist „Glauben“ eigentlich, richtig verstanden?

 

Kardinal Brandmüller: Anders als nicht wenige meinen, besteht Glaube keineswegs in tiefen Gemütserlebnissen, erhabenen, feierlichen Stimmungen und Gefühlen oder religiösen Erfahrungen. All das kann erfreulich sein, kann dankbar erlebt werden, aber Glaube, wahrer Glaube, beginnt erst da, wo all das aufhört, was manche dafür halten. Glauben heißt zunächst – rein menschlich gesehen – zu sagen: Ich glaube Dir, ich glaube, dass es wahr ist, was Du sagst. Diesen Glauben üben wir vielmals Tag um Tag zwischen Mensch und Mensch. So geht es auch zwischen Mensch und Gott. Ich sage zu Gott: Ich glaube Dir, was Du sagst. Glauben, gerade das „An-Gott-Glauben“ ist aber kein Sprung vom 7-Meterbrett mit verbundenen Augen in ein Becken, in dem vielleicht Wasser ist! Nur dann kann ich glauben, wenn ich den, dem ich glauben will, als wahrhaftig, zuverlässig erkannt habe. Hier ist nun der Einsatz unserer Vernunft gefordert, mit der wir die Glaubwürdigkeit dessen prüfen müssen, der mit einer Botschaft an uns herantritt. Ein Glaube ohne Vernunft kann tödlich sein. Wenn aber diese Prüfung geschehen ist, dann kann jenes bewusste Ja zur Botschaft Jesu Christi und jene vertrauensvolle Hingabe an ihn geschehen, die wir Glaube nennen. So ist es zunächst unsere Vernunft, die uns das Tor zum Glauben eröffnet – und die Gnade Gottes gibt uns Impuls und Kraft, die Schwelle zu überschreiten. Ein ebenso intellektuelles wie existenzielles Ja zur Botschaft des Evangeliums – das ist echter Glaube. Glaube bedeutet aber nicht nur jenes Ja zur Botschaft Jesu Christi. Wenn wir von Glauben sprechen, dann meinen wir auch den Inhalt dieser Botschaft.

 

PUR Spezial: Viele denken, zum Christsein weder Papst noch Kirche zu brauchen.

 

Kardinal Brandmüller: Der Glaube – sagt der Apostel – kommt vom Hören, vom Hören auf die Boten, und das sind die Apostel und ihre Nachfolger – Papst und Bischöfe. Durch ihre lebendige Verkündigung kommt uns die von Gott geoffenbarte Wahrheit zu. Es ist die Kirche, die uns die Heilige Schrift an die Hand gibt und sie erklärt. Sie tut es durch die Lehre der Päpste und Konzilien, der Kirchenväter und der Heiligen. Glauben kann man nicht allein, nur in der alle Erdenteile und Zeiträume umgreifenden Gemeinschaft der Kirche. Glaube ist kein Ego-Trip, ist kein Speisen á la carte, bei dem jeder das auswählt, was ihm schmeckt: Glauben ist notwendigerweise das Ja zum Ganzen und unverfälschten Glaubensgut der Kirche. Dieses Ja erweist sich dann als echt, wenn wir in unserem Denken, Entscheiden und Handeln mit Gott und seinem Wort ebenso realistisch rechnen wie mit dem Stand unseres Bankkontos.

 

PUR Spezial: Papst Benedikt XVI. spricht von der „Tür des Glaubens“, die allen offen steht.

 

Kardinal Brandmüller: In der Tat tut sich uns, im Augenblick, da wir zu glauben beginnen, ein Tor auf, das uns einen Zugang zu einer Welt eröffnet, die menschlichem Begreifen, menschlicher Vorstellungskraft gänzlich unzugänglich ist, die dennoch wirklicher ist als alle menschlich-irdische Wirklichkeit. Gott, Gnade, Ewiges Leben, Teilhabe des erlösten Menschen an der göttlichen Natur, Kirche als geheimnisvoller Leib Christi, all das sind nicht bloße blutleere Begriffe, sondern lebensvolle Wirklichkeiten, wirklicher als alles, was wir mit den Augen sehen und mit Händen greifen können.

 

PUR Spezial: Trotzdem scheinen sich immer weniger Menschen bei uns in Europa für die Welt des Glaubens zu interessieren und auch für Christen wird das Glauben schwieriger.

 

Kardinal Brandmüller: Konnte man einstmals von einem gesellschaftlichen, kulturellen Umfeld sprechen, das vom christlichen Glauben geprägt war, das den Glauben des Einzelnen eher stützen konnte, so muss sich heute in der Tat der Glaube jedes einzelnen Katholiken in einem mehrheitlich glaubenslosen, wenn nicht glaubensfeindlichen, Umfeld täglich neu behaupten. Soll dies gelingen, ist das tägliche bewusste „Ja, ich glaube“ notwendig. Die Bitte

 

um Bewahrung, Vertiefung und Stärkung des Glaubens gehört zum täglichen Gebetsprogramm. Vonnöten ist aber auch das Bemühen um eine immer bessere Kenntnis der Glaubenslehre und Glaubenspraxis der Kirche.

 

PUR Spezial: Braucht es dazu ein „Jahr des Glaubens“?

 

Kardinal Brandmüller: Ja. Dieses „Jahr des Glaubens“ hat der Heilige Vater uns, der ganzen Kirche, wie eine lebensrettende Medizin verordnet. Dieser „Verordnung“ geht die Diagnose voraus, dass die Katholiken – ich sage bewusst nicht: die Kirche – namentlich in Mitteleuropa von einem tief greifenden Glaubensschwund befallen sind. Eines ist klar: In diesem Zustand der Lähmung und Schwäche, in dem zumal der deutsche Katholizismus sich seit Jahrzehnten dahinschleppt, sind wir nicht in der Lage, den elementaren Sendungsauftrag zu erfüllen: Geht, verkündet das Evangelium, macht alle Menschen zu meinen Jüngern, denn: Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet!

 

PUR Spezial: Wie können wir diesen Sendungsauftrag Christi in unserer Zeit noch erfüllen?

 

Kardinal Brandmüller: Das Wirksamste ist das Lebenszeugnis jedes einzelnen Katholiken. Hierher gehört auch das Wort von der „Entweltlichung“ der Kirche, mit dem Papst Benedikt die offiziellen deutschen Katholiken so sehr erschreckt hat. Ihm ging es dabei nicht um die Kirchensteuer. Ihm klang das Pauluswort im Ohr: Macht euch nicht gleichförmig dieser Welt! Erneuert euer Denken! Der Christ kann und darf sein Denken, Urteilen und Entscheiden eben nicht nach den Maßstäben der gottvergessenen Gesellschaft von heute ausrichten, sondern am Evangelium Jesu Christi. Wenn dann ein Katholik sich nicht vom ungehemmten Gewinnstreben beherrschen lässt, wenn er im Handel und Wandel nicht betrügt und übervorteilt, wenn ihm eheliche Treue heilig ist und Güte und Liebe im Umgang mit dem Nächsten, wenn ihm dann auch das diskrete, doch klare Bekenntnis – wenn ihm all das selbstverständlich ist – dann, ja dann wird dieser Christ zum Magneten, der mit starker Kraft manchen anzuziehen vermag, der bislang fern von Jesus Christus und seiner Kirche gelebt hat. Eben das – und nicht pastorale Strukturreformen und Strategien – war auch das Geheimnis der erstaunlichen Ausbreitung des Glaubens in den ersten Generationen nach den Aposteln.

 

PUR Spezial: Haben Sie Hoffnung, dass in Deutschland, Europa, überhaupt in der modernen Welt die Glaubenserneuerung gelingen wird?

 

Kardinal Brandmüller: Die gesellschaftlichen, kulturellen Bedingungen, unter denen der Glaube an Christus heute gelebt und bezeugt werden muss, gleichen in Vielem denen der ersten Jahrhunderte nach Christus. Wie damals die Zukunft dem Glauben gehört hat, so kann es heute wiederum geschehen, wenn wir alle Müdigkeit und Resignation von uns werfen.

 

„Das   ´an Gott - glauben´ ist kein Sprung vom Siebenmeterbrett mit Verbundenen Augen in ein Becken, in dem vielleicht Wasser ist.“

 

 

Hinweis: Die obigen Artikel, die mit diesem Zeichen (+) markiert sind, wurden mit freundlicher Genehmigung des Verlages entnommen: PUR SPEZIAL, 4/2012. Hauptstraße 22, D-88353 Kisslegg-Immenried. Tel: für Bestellungen: 0049 – 7563 – 92007

 

 

 

 

 

 

„GEDULD, GEDULD –

WAS SIND SCHON FÜNFZIG JAHRE?“

Fünfzig Jahre nach der Eröffnung des Zweiten Vatikanums

Ein Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller

über die Früchte

 

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des Verlages entnommen: DIE TAGESPOST, Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, Dominikanerplatz 8, D – 97070 Würzburg; www.die-tagespost.de  (Donnerstag, 25.10.2012, Nr. 128)

 

Das Zweite Vatikanum war ein Pastoralkonzil, das aber auch dogmatische Erklärungen abgegeben hat. Hat es das in der Geschichte der Kirche schon einmal gegeben? Das Apostelkonzil oder das Konzil von Trient etwa hatten ja durchaus pastorale Themen, haben aber auch „Lehre definiert“…

 

Es scheint in der Tat so, dass mit dem Zweiten Vatikanum ein neuer Konzilstyp geschaffen wurde. Allein schon die Sprache und die Ausführlichkeit der Texte lässt erkennen, dass die Väter des Konzils weniger neue kirchlich und theologisch strittige Fragen klären, als sich im Stile der Verkündigung an die kirchliche Öffentlichkeit und die ganze Welt wenden wollten.

 

Jetzt heißt es immer, die katholischen Gläubigen sollten die Texte des Konzils lesen. Ist das nicht neu? Normalerweise haben die Konzilien der Kirchengeschichte die Klärungen offener theologischer oder disziplinärer oder pastoraler Fragen herbeigeführt und diese Klärungen dann an den Episkopat und den Klerus zur Umsetzung weitergegeben. Haben früher auch die einfachen Gläubigen Konzilstexte gelesen und sich zu Herzen genommen?

 

Das ist wohl etwas zu viel gesagt. Natürlich gibt es Inhalte des Konzils, die zu kennen allen Gläubigen gut anstünde – namentlich etwa die Konzilskonstitutionen über die Kirche „Lumen Gentium“, über die Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ und über die Offenbarung „Dei Verbum“, besonders aber über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et Spes“. Andere hingegen betreffen doch eher Bischöfe und Priester. Im Übrigen ist es deren Aufgabe, die Gläubigen mit den Lehren beziehungsweise Weisungen des Konzils bekannt zu machen.

 

Ein „Novum“ gab es beim Zweiten Vatikanum: Das Heer von Konzilsberichterstattern und die Medien, die den Verlauf des Konzils und dessen Ergebnisse öffentlich verbreitet haben. Da wurden dann oft mehr die „Machtkämpfe“ in der Konzilsaula nach außen transportiert als die mit großer Mehrheit angenommenen Konzilsdokumente und deren Inhalte. War das nicht eine Fehlkonstruktion?

 

Nun, so ganz neu ist es nicht, dass ein Konzil zum Weltereignis wird. Denken Sie an das Erste Vatikanum, das – im Rahmen des damals Möglichen – in dieser Hinsicht durchaus mit dem Zweiten Vatikanischen Konzils zu vergleichen ist. Die deutschen Leser seien nur an die Rolle erinnert, die die in Augsburg erscheinende – der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vergleichbare – „Allgemeine Zeitung“ im Hinblick auf das Konzil gespielt hat. Es war besonders der berühmte Münchner Theologe Ignaz von Döllinger, der zusammen mit seinem Schüler und Freund Lord Acton mit der „Allgemeinen Zeitung“ eine europaweite journalistische Kampagne gegen das Konzil und gegen Pius IX. orchestriert und dirigiert hat. Und: Schon damals gab es – trotz strengem Geheimhaltegebot – eine üppige „Dokumentenflucht“ aus der Konzilswerkstatt. Auf diese Weise sollten nicht nur die Konzilsväter manipuliert, sondern auch die Weltöffentlichkeit davon überzeugt werden, dass das Konzil einen Generalangriff auf die moderne Kultur und Gesellschaft vorbereite.

 

Auf jeden Fall gab es nach dem Zweiten Vatikanum so etwas wie einen „Geist des Konzils“. Eine typische Erscheinung in der Konziliengeschichte?

 

„Konzilsgeist“: Das Wort mag eine Erfindung unserer Zeit sein – auch in der spezifischen Bedeutung, in der es heute gebraucht wird. Man meint damit doch häufig einen eher gefühlsmäßigen Drang nach Veränderung. In einem positiven Sinn kann man jedoch vom „Geist des Konzils“ im Zusammenhang mit dem Konzil von Trient sprechen. Dessen Dekrete über Erbsünde, Rechtfertigung, Messopfer und so weiter haben ein erneuertes Glaubensbewusstsein geschaffen und damit den Grundstein zu einem gewaltigen religiös-kulturellen Aufschwung gelegt, von dem wir noch heute zehren.

 

Wenn ein Konzil nach fünfzig Jahren vom Kirchenvolk nicht ordentlich rezipiert worden ist, muss man es dann nicht für gescheitert erklären und wiederholen? „Gescheitert“ ist ein hartes Wort. Aber Benedikt XVI. selber hat in seiner ersten Weihnachtsansprache vor der römischen Kurie zwei Konzils-Hermeneutiken gegenübergestellt und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als sei die vom Papst nicht bevorzugte Hermeneutik diejenige, die sich vor allem in Europa und Nordamerika durchgesetzt hat.

 

Das ist eine typische Frage, die ganz dem neuartigen, hektischen Lebensgefühl unserer Zeit entspricht. Aber was sind denn schon fünfzig Jahre?! Denken Sie doch einmal an das Konzil von Nicäa, das 325 stattgefunden hat. Die Auseinandersetzungen um das Dogma dieses Konzils – der Sohn ist gleichen Wesens mit dem Vater – dauerten länger als ein Jahrhundert. Zum fünfzigsten Jahrestag des Konzils von Nicäa wurde der heilige Ambrosius Bischof von Mailand – und stand dann bis zu seinem Tod in heftigsten Auseinandersetzungen mit den Arianern, die das Nicänum ablehnten. Wenig später war ein neues Konzil – das Erste Konstantinopolitanum von 381 – notwendig geworden, um das Glaubensbekenntnis von Nicäa zu vervollständigen, und der heilige Augustinus hatte bis zu seinem Tod im Jahre 430 mit den Häretikern zu kämpfen. Auch das Konzil von Trient hatte zu seinem fünfzigsten Jahrestag – 1596 – herzlich wenige Früchte gebracht. Erst musste eine neue Generation von Bischöfen und Priestern im „Geiste des Konzils“ heranwachsen, ehe dieses seine Wirkung entfalten konnte. Wir sollten doch einen etwas längeren Atem haben. Und nun fragen Sie nach der Hermeneutik des Bruches zur Interpretation nicht nur dieses Konzils, sondern aller Konzilien und sonstigen authentischen Lehraussagen der Kirche nicht in Frage kommen kann, ist offensichtlich und selbstverständlich. Wenn – und das ist katholischer Glaube – die Verheißungen Christi nicht bloßer Schall und Rauch sein sollen, dann bleibt der Herr bei seiner Kirche, dann lenkt und leitet er sie durch seinen Heiligen Geist, der sie in die ganze Wahrheit einführt und sie vor Irrtum bewahrt. Wer dies glaubt, kann es nie und nimmer für möglich halten, dass die Kirche Jesu Christi jahrhundertelang Lehren geglaubt und ihnen entsprechend gelebt habe, die dann durch ein Konzil als irrig und durch neue Lehren überholt erklärt werden könnten. Der Heilige Geist widerspricht sich nicht. Insofern ist die von Benedikt XVI. postuliere Hermeneutik der Reform in Kontinuität die einzig legitime Weise, mit der Glaubensgeschichte der Kirche umzugehen. Dazu sollte man diese allerdings kennen.

 

Das Zweite Vatikanum fand in einem ganz bestimmten historischen Kontext statt. Da war die Fortschritts-Euphorie der sechziger Jahre und nach zweihundert Jahren Antikirchlicher Aufklärung, Revolutionen und Kulturkämpfen sah es so aus, als könne ein Schulterschluss mit der modernen Welt wieder möglich sein: Paul VI. sprach vor den Vereinten Nationen und selbst der Dialog mit kommunistischen Regimen schien nicht ausgeschlossen zu sein. Doch das Konzil tagte – und wenige Jahre später kam die 68er- Bewegung, die auch den Klerus und viele Laien erfasste, und zog der katholischen Kirche den Boden unter den Füßen weg. Ein Zweites Vatikanum von 1972 bis 1975 wäre wohl ganz anders verlaufen. Vielleicht sehr viel schlimmer. Vielleicht aber auch gereifter nach einigen bösen Erfahrungen. Sei es, wie es sei: Warum hat es der liebe Gott so eingerichtet, dass sein „Bodenpersonal“ in so hohem Maße zeitlichen und weltlichen Einflüssen unterliegt?

Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie die Bedeutung des historischen Kontextes hervorheben, in welchem das Konzil stattgefunden hat. Ein Konzil spricht aus der Erfahrungswelt seiner Väter heraus – und in sie hinein. Das gilt es zu beachten und es gilt, von diesen zeitbezogenen Elementen zu abstrahieren, wenn die überzeitlich gültige Aussage eines Konzils ermittelt werden soll. Dass die 68er-Bewegung der Kirche den Boden unter den Füßen weggezogen habe… Damit meinen Sie doch nicht den Felsen, auf den sie der Herr errichtet hat? (lacht…) Doch Spaß beiseite: Die Erschütterungen der 68er-Kulturrevolution innerhalb der Kirche waren heftig und sind bis heute nicht überwunden. Ob ein 1972 bis 1975 tagendes Konzil anders verlaufen wäre, das weiß der Herr der Geschichte, der Historiker weiß es nicht. Lassen wir es dahingestellt. Und warum „sein Bodenpersonal“ in so hohem Maße – wie Sie sagen – weltlichen Einflüssen unterworfen ist? Warum hat Gott es auch zugelassen, dass im vierten Jahrhundert „der ganze Erdkreis seufzte und mit Erstaunen feststellte, dass er arianisch geworden war“ (Hieronymus). Warum? „Fluctuat nec mergitur! Von Wogen geschüttelt wird es dennoch nicht untergehen!“ Das gilt nicht nur für das Schifflein im Stadtwappen von Paris, das gilt noch mehr für die Kirche.

 

So – jetzt reden wir auch einmal über die Früchte des Konzils. Was fällt Ihnen da ein?

 

Fürchte des Konzils? Wie gesagt, Sie sind sehr ungeduldig…

 

Eine Frucht war sicherlich der „Katechismus der Katholischen Kirche“…

 

Natürlich, der „Katechismus der Katholischen Kirche“. Das ist eine Analogie zum Tridentinum: Nach dem Konzil von Trient wurde der Catechismus Romanus herausgegeben, der Pfarrern, Predigern und so fort als Maßstab für die Predigt und Verkündigung an die Hand gegeben wurde. Auch der Kodex des kanonischen Rechts von 1983 ist als Frucht des Konzils zu bezeichnen – man wird freilich sagen dürfen, dass letztere Frucht noch der Nachreife bedarf. Dass die nachkonziliare Liturgieform mit ihren Fehlentwicklungen und Umbrüchen nicht dem Konzil und seiner – nach wie vor noch nicht wirklich umgesetzten – Liturgiekonstitution anzulasten ist, sei ausdrücklich bemerkt. Die weithin erfolgte Entfernung des Latein und des Gregorianischen Chorals wie auch die nahezu flächendeckende Aufstellung von Volksaltären können sich keinesfalls auf Vorschriften des Konzils berufen. Die Etablierung von Pfarrgemeinde-, Dekanats- und Diözesanräten hat – wo nicht mit gesundem Hausverstand durchgeführt – zu einer, wie schon Klaus Mörsdorf kritisch bemerkte, Parallelhierarchie, zu einer mit der sakramental-hierarchischen Struktur nicht zu vereinbarenden „Demokratisierung“ der Kirche und damit zu großen Problemen geführt. Dabei kann von einer wirklichen demokratischen Repräsentanz der Gläubigen überhaupt keine Rede sein, denkt man an die meist lächerlich geringe Beteiligung an den Pfarrgemeinderatswahlen. Laienverantwortung und deren Mitarbeit hatte es längst vor dem Konzil und in erheblichem Umfang gegeben.

 

Die Verbreitung des „Katechismus der Katholischen Kirche“ ist ein zentrales Anliegen des Papstes für das „Jahr des Glaubens“. Konzil – Katechismus – Glaubensjahr: Benedikt XVI. hat diesen Zusammenhang ganz explizit herausgestellt. Was kann man tun? Volksmissionen? Sonntagsschulen? In vielen Familien greift die Weitergabe des Glaubens ja nicht mehr. Und der Religionsunterricht hat sich anderen Themen zugewandt…

 

Damit weisen Sie allerdings auf das vielleicht größte und brennendste Problem hin, das es zu bewältigen gilt: die Glaubensvermittlung. Auf diesem Gebiet gibt es seit Jahrzehnten bedrückende Missstände. Da ist zuerst der Religionsunterricht, der, Gott sei Dank, noch in den Schulen stattfinden kann, zu nennen. Dieser Unterricht erfolgt, wie die von Francois Reckinger durchgeführten Untersuchungen beweisen, auf weite Strecken hin nach Materialien, die selbst grobe Glaubensirrtümer enthalten. Es ist kaum zu verstehen, dass diese die Approbation durch die bischöflichen Behörden erlangen konnten. Die acht vorzüglichen, mit dem Deutschen Schulbuchpreis ausgezeichneten katechetischen Bände von Bischof Andreas Laun hingegen sind andererseits bisher als Lehrmittel nicht zugelassen. Hier stellt sich eine Aufgabe von größter Dringlichkeit, die jetzt im Blick auf das „Jahr des Glaubens“ mit Entschiedenheit in Angriff genommen werden muss. Warum – auch das ist nachdrücklich zu fragen – gibt es bis heute keine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz zur Evangelisation der Millionen von Immigranten aus nichtchristlichen Kulturbereichen? Wäre das nicht auch im Sinne einer wirklichen Integration dringend nötig? Das alles kann, soll, muss im „Jahr des Glaubens“ in Angriff genommen werden. Nur eine missionierende, verkündigende Kirche ist eine lebendige Kirche! Damit sie das wieder werden kann, ist es unerlässlich, all jene, die im Dienst der Verkündigung stehen, beginnend mit den theologischen Fakultäten, alle Referenten katholischer Institutionen, Religionslehrer, Erwachsenenbildner und Leiter/innen von Erstkommunion- und Firmgruppen darauf zu verpflichten, den authentischen katholischen Glauben zu vermitteln.

 

Ein für jeden feststellbares Merkmal der „nachkonziliaren Kirche“ ist die veränderte Liturgie. Die Reform der Liturgie wurde von den Konzilsvätern „in Auftrag gegeben“ – gemacht haben sie andere. Im Sinne des Zweiten Vatikanums?

 

Diese Frage ist zweifellos zu stellen, und sie kann nur mit erheblichen Einschränkungen bejahend beantwortet werden. Insbesondere sieht man im Rückblick deutlich, mit welchem Mangel an seelsorgerischem Einfühlungsvermögen, an pastoralem Hausverstand bei der Liturgiereform vorgegangen wurde. Man denke nur an die geradezu an den Bildersturm des achten Jahrhunderts erinnernden Exzesse in den Kirchen, die zahllose Gläubige heimatlos gemacht haben. Doch darüber ist längst alles gesagt. Mittlerweile setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Liturgie eine elementare Lebensäußerung der Kirche ist, die zwar der geschichtlichen organischen Entwicklung unterliegt, nicht aber, wie geschehen, per ordre de mufti abrupt dekretiert werden kann. An den Folgen leiden wir noch heute.

 

Eine abschließende Frage: Stehen wir unter Zeitdruck, offene Fragen, die das Konzil hinterlassen hat, jetzt bald zu klären? Oder wäre es vielleicht besser, das Konzil und die Unruhezeit im Anschluss zu vergessen und stattdessen wieder zum Wesentlichen des katholischen Glaubens zurückzukehren? Also zu den Kernfragen der menschlichen Existenz woher kommen wir, wer sind wir, was wird aus uns? -, anstatt in irgendwelchen Dialogprozessen „Reizthemen“ zu diskutieren – wiederverheiratete Geschiedene, Frau und Amt, homosexuelle Partnerschaften und so weiter.

 

Damit, meine ich, ist diese Frage auch schon beantwortet. Lassen wir uns nicht die ewiggestrigen Reizthemen aufdrängen und dadurch vom Wesentlichen ablenken, wie es der Feind Gottes und der Menschen so oft mit Erfolg versucht. Kein „Dialog“, sondern Verkündigung heißt das Gebot der Stunde! Ein unter völlig neuer Führung arbeitender Weltbild-Verlag könnte hierfür ein wirksames Instrument werden.

Ein herzliches Vergelts´ Gott

allen Lesern, die für den Pfarrbrief zur Deckung der Kosten eine Spende gegeben haben – bzw. noch geben wollen.

Für Überweisungen: Pfarrkirche Imsterberg, RAIKA Arzl und Imsterberg,

BLZ 36207, Konto Nr. 120 105

Die Zeit… eilt, teilt und heilt.

„Nutzt die Zeit, denn diese Tage sind böse“(Eph 6,16).

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