03) Pfarrbrief Advent 2012: Eschatologie - die Lehre von den Letzten Dingen

„Von dort wird er kommen

zu richten die Lebenden und die Toten.“

 

aus dem Credo der Kirche

 

                                                                                                                           Advent 2012

Liebe Pfarrfamilie, liebe Gläubige!

Der Advent ist für die Kirche Christi eine Zeit der Erwartung, der Bekehrung und der Hoffnung. Heilsgeschichtlich sprechen wir von einem dreifachen Advent. Das lateinische Wort Adventus bedeutet Ankunft.

Der erste Advent: unser Blick wendet sich zurück zur Zeitenwende, zur historischen Stunde der Geburt Christi in Bethlehem vor 2000 Jahren. Wir gedenken des ersten demütigen Kommens Jesu Christi in unserem sterblichen Fleisch. Dieses Kommen hat uns die Liebe von Gott Vater geschenkt. Er hat die Jungfrau Maria erwählt, er hat sie durch die Gnade der unbefleckten Empfängnis geheiligt und vorbereitet, um die Mutter des Sohnes Gottes werden zu können.

Der zweite Advent: unser Blick richtet sich nach vorne, in die Zukunft. Wir erwarten und erbitten das letzte glorreiche Wiederkommen Christi, des Herrn der Geschichte und universalen Richters.

Der dritte Advent: wir leben in der freudigen Hoffnung, dass die von Christus bewirkte Erlösung schon jetzt gegenwärtig ist und unser Leben verwandelt. Wir bereiten unsere Herzen für die Gnade Gottes, damit Christus mit der Feier seines Geburtsfestes neu und tiefer in unser Herz kommen und die Gnade der Erlösung uns wirksamer ergreifen kann. „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“(Joh 1,12).

Wenn wir diese Bedeutung des Advents bedenken, werden wir von selber mit unserem Alltag, mit dem Leben, so wie es ist, konfrontiert. Ein Jahr mit vielen Ereignissen geht zu Ende. Vieles kommt uns in den Sinn: wir haben Gott für seine Liebe und für viele Gnaden zu danken. Wir erinnern uns an manche schmerzliche Erlebnisse. Denken wir z.B. an das Abschiednehmen von Angehörigen, die uns im Tod in die Ewigkeit vorausgegangen sind. Es gab bei uns und in unserem Land auch einige besonders schmerzliche Todesfälle. So manche Menschen leben mit Zukunftsängsten. Wie wird es mit der Welt, die von vielen Naturkatastrophen und Krisenherden erschüttert wird, und mit der Kirche, die von Glaubensverfall gezeichnet ist, weiter gehen?

Was auffällt: Tragische Ereignisse machen manche Menschen sehr betroffen, werden aber bald wieder vergessen. Zumindest gibt es kaum mehr Ereignisse, die menschliche Herzen so erschüttern und ergreifen, dass es zu bewussten Entscheidungen für Umkehr und Glaube kommt. Man ist zwar betroffen, lebt aber dann so weiter, als ob nichts gewesen wäre. Der christliche Glaube lehrt uns, dass diese Geisteshaltung für das Seelenheil sehr bedenklich ist. Christus mahnt uns daher zu Wachsamkeit, um in der Stunde unseres Todes bereit zu sein, unserem Herrn und Schöpfer entgegenzutreten und für unser Leben Rechenschaft abzulegen.

„Ach Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen!“

Johann Sebastian Bach

Arie aus der Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit, BWV 106

Der heurige Adventpfarrbrief will vor allem die Bedeutung des zweiten Advent aufgreifen: die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten. Dies ist ein Thema, das für unsere Lebenseinstellung und unsere Entscheidungen von grundlegender Bedeutung ist. Der Advent ist dazu bestens geeignet. Er will in uns wieder neu dafür sensibel machen, dass wir in der irdischen Welt nur Pilger sind und dem wiederkommenden Herrn entgegengehen. Das Evangelium vom 1. Adventsonntag richtet unseren Blick auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten. Himmel und Erde, alles Irdische und Materielle, werden vergehen, sagt der Herr. Bleiben werden die Letzten Dinge.

„Dann wird man den Menschensohn

mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.

Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“

Lk 21,27.28

Wenn wir die heilsame Lehre von den Letzten Dingen an unsere Seele herankommen lassen, wird sie unser Leben sehr bereichern. Wir erhalten zum Leben eine andere Einstellung als jene, die nur an das diesseitige Leben denken. Wir leben dadurch auch bewusster, verantwortungsvoller, hoffnungsvoller und dankbarer. Möge dieser Bereich der Lehre der Kirche, den wir im Jahr des Glaubens vertiefen wollen, uns im Glauben stärken! Möge uns die Lehre von den Letzten Dingen viel Mut geben, uns für Christus zu entscheiden, uns zu helfen, die Grundentscheidungen für das ewige Heil unserer Seele zu treffen (z.B. die Entscheidung für die 10 Gebote Gottes, die regelmäßige Umkehr im Bußsakrament, die Heiligung des Sonntages, die tätige Nächstenliebe usw.).

In diesem Sinne wünsche ich der Pfarrfamilie und allen Lesern dieses Pfarrbriefes einen gesegneten und besinnlichen Advent.

                                                            Euer Pf .Stephan Müller                                     

Eschatologie /die Lehre von den Letzten Dingen – ein adventliches Thema

 

Der Begriff Eschatologie kommt aus dem Griechischen. Er bedeutet wörtlich: die „äußersten/letzten Dinge“. Von diesem Wort her kommt im Deutschen der katechetische Begriff „die Letzten Dinge“. Er meint einen Teilbereich des katholischen Glaubensgutes, jene Wahrheiten, die den Tod und das Leben danach betreffen:

 

Tod – persönliches Gericht – Himmel – Hölle – Fegfeuer –

Jüngstes Gericht – Auferstehung des Fleisches

 

Alles Irdische vergeht, die Letzten Dinge aber (Himmel und Hölle) bleiben für immer, eine Ewigkeit lang. Da wir im Jahr des Glaubens von Benedikt XVI. besonders zum Studium des Katechismus der Katholischen Kirche aufgerufen wurden, wollen wir die Lehre von den Letzten Dingen vor allem mit Hilfe des Katechismus vertiefen. Die Zitate aus dem Kompendium des Katechismus zeigen uns die amtliche und unangreifbare Lehre der Kirche. Das Besondere und Schöne an dieser Katechismuslehre ist ihre Klarheit, Schlichtheit und Eindeutigkeit. Es gibt für einen Menschen, der die katholische Lehre kennen lernen will, nichts Erfrischenderes, als diese vom Heiligen Geist geoffenbarte und von der heiligen Kirche vermittelte göttliche Lehre.

 

Abkürzungen: KKK = Katechismus der Katholischen Kirche (aus dem Jahr 1992)

                       Kompendium = Kurzfassung des KKK (aus dem Jahr 2005)

                       Die Ziffern danach bezeichnen den Artikel

 

Gibt es das ewige Leben noch?

„Erinnere dich, dass du am Ende mit deinem ganzen Leben vor Gott erscheinen musst!“

Zur grundsätzlichen Bedeutung der Lehre von den Letzten Dingen

vom seligen Papst Johannes Paul II.

 

Der selige Papst Johannes Pauls II. schreibt:

 

„Erinnern wir uns daran, dass bis in nicht allzu weit zurückliegende Zeiten die Letzten Dinge – Tod, Gericht, Hölle, Paradies und Fegfeuer – in Predigten bei Einkehrtagen und Gemeindemissionen einen feststehenden Punkt des Meditationsprogramms darstellten und dass die Prediger sehr wirksam und eindrucksvoll davon sprechen konnten. Wie groß ist die Zahl der Menschen, die von diesen Predigten und Gedanken über die letzten Dinge zur Umkehr und Beichte geführt wurden!

 

Außerdem muss man zugestehen, dass dieser Pastoralstil zutiefst personalistisch war: ´Erinnere dich, dass du am Ende mit deinem ganzen Leben vor Gott erscheinen musst, dass du vor seinem Gericht die Verantwortung für all deine Taten tragen musst, dass du nicht nur über deine Taten und Worte, sondern auch über deine geheimsten Gedanken gerichtet wirst.´ Wir können sagen, dass solche Predigten, die mit dem Inhalt der Offenbarung im Alten und Neuen Testament völlig in Einklang standen, zutiefst in die innere Welt des Menschen eindrangen. Sie rüttelten das Gewissen wach, sie warfen den Menschen auf die Knie und führten ihn zum Gitter des Beichtstuhls; sie hatten eine zutiefst heilbringende Wirkung. Der Mensch ist frei, und deshalb ist er verantwortlich. Seine Verantwortung ist persönlich und sozial; es ist eine Verantwortung vor Gott. Es ist die Verantwortung, in der seine Größe liegt.

 

Man kann tatsächlich fragen, ob die Kirche ohne diese Botschaft noch in der Lage wäre, Heldentum und Heilige hervorzubringen. Ich spreche nicht so sehr von jenen ´Großen´, die selig gesprochen werden, sondern, im Sinn des Wortes des ersten christlichen Schrifttums, von den ´alltäglichen´ Heiligen.“

 

Johannes Paul II., in: Die Schwelle der Hoffnung überschreiten, 1994, Seite 205f

 

 

Die katholische Glaubenslehre über die Letzten Dinge

aus dem Katechismus der Katholischen Kirche/Kompendium

 

 

Der Tod

 

Kompendium 205. Was geschieht im Tod mit unserer Seele und unserem Leib?

                             (KKK 992-1004.1016-1018)

 

Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt. Der Leib fällt der Verwesung anheim. Die Seele, die unsterblich ist, geht dem Gericht Gottes entgegen und wartet darauf, wieder mit dem Leib vereint zu werden, der bei der Wiederkunft des Herrn verwandelt auferstehen wird. Das Wie dieser Auferstehung übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen.

 

Kompendium 206. Was bedeutet Sterben in Christus Jesus? (siehe KKK 1005-1014)

 

Es bedeutet, in der Gnade Gottes, ohne Todsünde, zu sterben. Wer an Christus glaubt und seinem Beispiel folgt, kann den eigenen Tod zu einem Akt des Gehorsams und der Liebe zum Vater machen. „Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben“ (2 Tim 2, 11).

 

Das ewige Leben

 

Kompendium 207. Was ist das ewige Leben? (KKK 1020)

 

Das ewige Leben ist das Leben, das gleich nach dem Tod beginnt. Es wird kein Ende haben. Ein besonderes Gericht durch Christus, den Richter der Lebenden und der Toten, wird für jeden Menschen dem ewigen Leben vorangehen, und durch das Letzte Gericht wird es bestätigt werden.

 

Das besondere Gericht

 

Kompendium 208. Was ist das besondere Gericht? (KKK 1021-1022)

 

Es ist das Gericht der unmittelbaren Vergeltung, die jeder gleich nach seinem Tod in seiner unsterblichen Seele entsprechend seinem Glauben und seinen Werken von Gott erhält. Diese Vergeltung besteht im Eintreten in die Seligkeit des Himmels, unmittelbar oder nach einer entsprechenden Läuterung, oder im Eintreten in die ewige Verdammnis der Hölle.

 

Kompendium 209. Was versteht man unter „Himmel“? (KKK 1023-1026)

 

Unter „Himmel“ versteht man den Zustand höchsten, endgültigen Glücks. Jene, die in der Gnade Gottes sterben und keiner weiteren Läuterung bedürfen, werden mit Jesus und Maria, mit den Engeln und den Heiligen vereinigt. Sie bilden so die Kirche des Himmels, wo sie Gott „von Angesicht zu Angesicht“ (1 Kor 13, 12) schauen, in einer Liebesgemeinschaft mit der heiligsten Dreifaltigkeit leben und für uns eintreten.

„Der Vater ist seinem Wesen nach und in Wahrheit das Leben. Über alles gießt er durch seinen Sohn und im Heiligen Geist seine himmlischen Gaben aus. Das ewige Leben aber hat er in seiner Menschenfreundlichkeit uns Menschen untrüglich verheißen“ (hl. Cyrill von Jerusalem).

 

Das Fegfeuer

 

Kompendium 210. Was ist das Purgatorium (Fegefeuer)? (KKK 1030-1031)

 

Das Purgatorium ist der Zustand jener, die in der Freundschaft Gottes sterben, ihres ewigen Heils sicher sind, aber noch der Läuterung bedürfen, um in die himmlische Seligkeit eintreten zu können.

 

Kompendium 211. Wie können wir den Seelen im Purgatorium helfen? (KKK 1032)

 

Kraft der Gemeinschaft der Heiligen können die Gläubigen, die noch auf Erden pilgern,

den Seelen im Purgatorium helfen, indem sie Fürbitten und besonders das eucharistische Opfer, aber auch Almosen, Ablässe und Bußwerke für sie darbringen.

 

Die Hölle

 

Kompendium 212. Worin besteht die Hölle? (KKK 1033-1035)

 

Sie besteht in der ewigen Verdammnis jener, die aus freiem Entschluss in Todsünde sterben. Die schlimmste Qual der Hölle besteht im ewigen Getrenntsein von Gott. Einzig in Gott kann ja der Mensch Leben und Glück finden. Dafür ist er geschaffen, und das ist seine Sehnsucht.

Christus fasst diese Wirklichkeit in die Worte: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer!“ (Mt 25, 41).

 

Kompendium 213. Wie verträgt sich die Existenz der Hölle mit der unendlichen Güte Gottes? (KKK 1036-1037)

 

Gott will zwar, „dass sich alle bekehren“(2 Petr 3, 9), aber er hat den Menschen frei und eigenverantwortlich erschaffen und respektiert seine Entscheidungen. Darum ist es der Mensch selbst, der sich in völliger Autonomie freiwillig aus der Gemeinschaft mit Gott ausschließt, wenn er bis zu seinem Tod in der Todsünde verharrt und die barmherzige Liebe Gottes zurückweist.

 

Das Letzte oder Jüngste Gericht

 

Kompendium 214. Worin wird das Letzte Gericht bestehen? (KKK 1038-1041)

 

Das Letzte (allgemeine) Gericht wird im Urteil zum seligen Leben oder zur ewigen Verdammnis bestehen. Wenn Jesus Christus als Richter der Lebenden und der Toten wiederkommt, wird er über die „Gerechten und Ungerechten“ (Apg 24, 15), die alle vor ihm versammelt sein werden, dieses Urteil aussprechen. Im Anschluss an das Letzte Gericht wird der auferstandene Leib Anteil erhalten an der Vergeltung, welche die Seele im besonderen Gericht erhalten hat.

 

Kompendium 215. Wann wird dieses Gericht stattfinden? (KKK 1040)

 

Dieses Gericht wird am Ende der Welt stattfinden, dessen Tag und Stunde Gott allein kennt.

 

Kompendium 216. Was ist die Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde?

                               (KKK 1042-1050)

 

Nach dem Letzten Gericht wird auch die ganze Welt von der Sklaverei der Vergänglichkeit befreit werden und mit dem Anbrechen des „neuen Himmels“ und der „neuen Erde“ (2 Petr 3, 13) an der Herrlichkeit Christi teilhaben. Damit wird das Reich Gottes vollendet, das heißt der Heilsplan Gottes, „das All in Christus wieder unter ein Haupt zu fassen, alles, was im Himmel und auf Erden ist“ (Eph 1, 10), wird endgültig verwirklicht sein. Gott wird dann, im ewigen Leben, „alles in allen“ sein (1 Kor 15, 28).

 

Kompendium 133. Wie herrscht Jesus, der Herr, jetzt? (KKK 668-674)

 

Als Herr der Welt und der Geschichte und als Haupt seiner Kirche bleibt der verherrlichte Christus auf geheimnisvolle Weise auf der Erde, wo sein Reich in der Kirche schon als Keim und Anfang gegenwärtig ist. Einst wird er wiederkommen in Herrlichkeit, doch kennen wir den Zeitpunkt nicht. Darum leben wir in wachsamer Erwartung und rufen: „Komm, Herr!“ (Offb 22, 20).

 

Kompendium 134. Wie wird das Kommen des Herrn in Herrlichkeit sein? (KKK 675-677)

 

Nach der letzten kosmischen Erschütterung dieser vergänglichen Welt wird das Kommen Christi in Herrlichkeit mit dem endgültigen Triumph Gottes in der Parusie [= Wiederkunft Christi] und mit dem letzten Gericht einhergehen. So wird das Reich Gottes zur Vollendung gelangen.

 

Bilder: Allegorie zu den Letzten Dingen – Stiftskirche Aldersbach in Bayern

(wir besuchten diese Kirche bei der Pfarrwallfahrt nach Passau 2011)

 


der Tod

die Hölle


 


das Gericht

der Himmel


Kompendium 135. Wie wird Christus die Lebenden und die Toten richten?

                             (KKK 678-679)

 

Christus wird mit der Vollmacht richten, die er erworben hat als Erlöser der Welt, der gekommen ist, um die Menschen zu retten. Die innersten Gesinnungen der Herzen sowie das Verhalten eines jeden gegenüber Gott und dem Nächsten werden aufgedeckt werden. Jeder Mensch wird nach seinen Werken entweder mit Leben erfüllt oder für die Ewigkeit verdammt werden. So wird das „Vollmaß Christi“ (Eph 4, 13) erreicht, in dem „Gott alles in allen“ sein wird (1 Kor 15, 28).

 

Die Auferstehung des Fleisches

 

Kompendium 202. Was bezeichnet der Ausdruck Fleisch und worin liegt seine

                               Bedeutung? (KKK 988-990.1015)

 

Der Ausdruck Fleisch (wie die Formulierung im apostolischen Glaubensbekenntnis wörtlich lautet) bezeichnet den Menschen in seiner Schwäche und Sterblichkeit. „Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heils“ (Tertullian). Wir glauben an Gott, den Schöpfer des Fleisches; wir glauben an das Wort, das Fleisch geworden ist, um das Fleisch zu erlösen; wir glauben an die Auferstehung des Fleisches, in der sich seine Schöpfung und Erlösung vollenden.

 

Kompendium 203. Was bedeutet „Auferstehung des Fleisches“? (KKK 990f)

 

Es bedeutet, dass der endgültige Zustand des Menschen nicht nur die vom Leib getrennte Geistseele betrifft, sondern dass auch unsere sterblichen Leiber einst wieder lebendig werden.

 

Kompendium 204. Welche Beziehung besteht zwischen der Auferstehung Christi und unserer Auferstehung? (KKK 988.1002f)

 

Wie Christus wahrhaft von den Toten auferstanden ist und für immer lebt, so wird er selbst alle am Letzten Tag mit einem unvergänglichen Leib auferwecken: „Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht“ (Joh 5, 29).

 

Das Jüngste Gericht nach Matthäus 25,31-46

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm,

dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Das Fresko des Jüngsten Gerichtes

in der Sixtinischen Kapelle in Rom

Das Bild auf der Umschlagseite des Pfarrbriefes zeigt das berühmte Fresko JÜNGSTES GERICHT von Michelangelo Buonarroti (1475-1564). Es befindet sich an der Altarseite der Sixtinischen Kapelle in Rom. Dieses Fresko gehört zu den berühmtesten Malereien der Kunstgeschichte. Es wurde von Michelangelo vor 500 Jahren (1536-1541) vollendet. In den Jahren 1980 bis 1995 wurden Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle restauriert. Der Besuch der Sixtinischen Kapelle mit dem Verweilen vor diesem Fresko gehört zu den ergreifendsten Augenblicken einer Rompilgerfahrt. Als echter Künstler hat es Michelangelo verstanden, mit diesem Werk Ewiges und Göttliche Botschaft aufleuchten zu lassen. Durch solche Kunstwerke vermag Gott die Seelen zu berühren. Er hilft uns, die ewigen Wahrheiten mittels der Sinne gleichsam zu berühren und tief in uns aufzunehmen.

Gedanken zum Jüngsten Gericht nach Matthäus 25

von Pf. Stephan Müller

„Um zu richten bin ich in diese Welt gekommen:

damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.“

Joh 9,39

Wer vor ein menschliches Gericht geladen wird, als Angeklagter oder als Zeuge, wird vielleicht nicht gerade gerne hingehen. Doch in Mt 25 geht um das Gericht Gottes. Mancher wird denken: ist denn Gott ein Richter, ist Gott nicht die Liebe? Christus tritt am Jüngsten Tag als Richter vor uns. Das Alte und Neue Testament kennt viele Aussagen von Gott, dem Richter der Lebenden und der Toten. Auch im christlichen Kirchenbau hat dies Ausdruck gefunden. An der Ostseite der Kirchen (Apsis), Richtung Sonnenaufgang, hat man zuerst meist den verklärten Christus dargestellt, später das Kreuz, das Bild der Hoffnung. An der Westseite der alten Kirchen findet man oft die Darstellung des Jüngsten Gerichtes.

Wichtig ist es, die Botschaft vom Gericht Gottes recht zu verstehen. Wie kann die Botschaft vom Gericht Gottes Frohbotschaft sein? „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Reich in Besitz, das von Anfang der Welt für euch bereitet ist.“ Dieses Wort ist gut zu hören. Aber dann: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“

a) Ist das das Jüngste Gericht nicht doch ein Bild des Schreckens? Benedikt XVI. sagt, das Gericht Gottes ist eine Botschaft der Verantwortung. Das Jüngste Gericht macht uns die Verantwortung für unser Leben bewusst. Mein Leben ist ein Geschenk der Liebe Gottes. Doch ich muss mein Leben, Denken, Reden und Tun, einmal vor Gott verantworten. Es ist nicht egal, wie ich lebe. Der Gedanke an das Gericht motiviert uns im Leben. Wir werden angeregt, mit Entschiedenheit die Sünde zu meiden und umzukehren. Und wir werden motiviert, das Gute mit zu wollen und zu tun. Das Gericht Gottes ist deshalb eine Schule der Hoffnung, weil es uns ermuntert, das Gute, Wahre und Echte zu erstreben und zu erkämpfen.

Jetzt könnten wir denken: Hat also der Herrgott mit dem Jüngsten Gericht nicht doch die Peitsche in der Hand, um uns zu leiten? Nein! Jeder Mensch hat einen freien Willen. Und Gott zwingt niemanden zu etwas; er macht uns nur in Liebe aufmerksam, dass es vor Gott eine Verantwortung gibt. Wir können die ewige Glückseligkeit erlangen, oder das ewige Verderben, die ewige Trostlosigkeit.

2) Das Gericht macht uns bewusst, dass es eine letzte Gerechtigkeit Gottes gibt. Auch deshalb ist das Gericht Frohbotschaft. Warum? Wieviel Ungerechtigkeit gab und gibt es in der Welt! Wie vielen Menschen wurde und wird Unrecht getan! Sie haben niemanden, der sich für sie einsetzt. Jahwe im Alten Testament und Christus im Neuen Testament machen sich zum Anwalt der Wehrlosen, Unschuldigen, Versklavten, Entrechteten usw. Auch in unserer modernen Welt gibt es viele Menschen, die keine andere Hoffnung haben als die Hoffnung auf die letzte Gerechtigkeit Gottes. „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“(1 Sam 16,7). Gott schafft Gerechtigkeit. Er kennt unser Herz. Er weiß alles. Das ist ein großer Trost für uns.

Gerechtigkeit Gottes kann auch so gedeutet werden: Gott wird einmal in Ordnung bringen, d.h. „zurecht-rücken“ und „gerade-rücken“, was Menschen in ihrem Leben verbogen und verdreht haben.

Papst Benedikt sagt, dass dieser Ruf des Menschen nach der letzten Gerechtigkeit Gottes das stärkste Argument für das Ewige Leben ist. Dieses Argument ist noch stärker, als die Sehnsucht unseres Herzens nach Glück und Erfüllung.

3) Das Gericht ist Frohbotschaft, weil es uns zur Barmherzigkeit Gottes führt. Die Gerechtigkeit Gottes ist immer auch verbunden mit der Barmherzigkeit. Das wissen wir durch den Blick auf das Kreuz und die Auferstehung. Christus hat in seinem Kreuzestod Gericht gehalten. Die Kirchenväter sagen: Christus hat gesiegt über die Sünde, den Tod und den Teufel. Gerade darin besteht die Barmherzigkeit und die Gnade, die aus dem Gericht Christi entspringt. Es ist wichtig, dass wir Gerechtigkeit Gottes immer im Zusammenhang sehen mit seiner liebenden Barmherzigkeit und Gnade.

Anregende Impulse für unser Leben – auch für eine Weihnachtsbeichte:

  • Nehme ich die Verantwortung für mein Leben und für mein ewiges Seelenheil wahr? Schiebe ich diese Verantwortung auf die „lange Bank“, „des Teufels liebstes Möbelstück“?
  • Lebe ich verantwortungslos in den Tag hinein („Wochenend-“ und „Freizeitkultur“ als Religionsersatz)?
  • Öffne ich mich dem Licht Gottes? Lebe ich mit dem Licht Christi, mit den Grundsätzen des Evangeliums und der Lehre der Kirche?
  • Bemühe ich mich, die Gnade des „Glaubensjahres“ aufzugreifen? Lese ich in der Bibel? Im Katechismus? Was tue ich, um den Glauben zu vertiefen? Weiterzugeben? Zu bezeugen? Wie viel Zeit verwende ich für Weltliches? Wie viel Zeit für Geistiges und für den Glauben?
  • Schon jetzt kann ich Gerechtigkeit üben und leben: der ganze Bereich der Nächstenliebe.
  • Wie stehe ich zum geistigen oder materiellen Besitz? Bin ich bereit, mit anderen Menschen zu teilen?
  • Habe ich ein Recht, über meine Mitmenschen zu urteilen? Wie denke oder spreche ich über meine Mitmenschen? Über die Kirche? Über Priester? Über Respektspersonen usw. ?
  • Lebe ich wenigstens einigermaßen mit der Gnade und barmherzigen Liebe Gottes?
  • Gibt es in meinem Leben eine regelmäßige Gewissenserforschung? Kann ich mich kraft des Bußsakramentes unter das heilende Gericht Gottes stellen? Bin ich der Meinung, das Bußsakrament nicht nötig zu haben?
  • Lasse ich mich von Gott führen? Durch mein tägliches Gebet, durch die Sonntagsmesse? Durch den würdigen Empfang der Sakramente? Liebe ich Jesus Christus, die Gottesmutter Maria usw.?

„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.“

aus Psalm 23

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