02) Pfarrbrief Advent 2009: Rettet den Advent - Lichtquellen für unser Leben

Maria, Quelle des Lichtes und des Lebens

Heilige Maria, Muttergottes, du hast der Welt das wahre Licht geschenkt,

Jesus, deinen Sohn – Gottes Sohn.

Du hast dich ganz dem Ruf Gottes überantwortet und bis so

zum Quell der Güte geworden, die aus ihm strömt.

Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm. Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,

damit auch wir selbst wahrhaft Liebende

und Quelle lebendigen Wassers werden können

inmitten einer dürstenden Welt.

 

Papst Benedikt XVI. Schlussgebet der Enzyklika DEUS CARITAS EST/GOTT IST DIE LIEBE

Liebe Pfarrfamilie!

Das Gnadenbild von Mariazell ist uns allen bekannt. Gewöhnlich ist es mit festlicher Bekleidung zu sehen. Das Bild am Pfarrbriefmantel zeigt das Gnadenbild ohne Festkleid. Diese Statue der Gottesmutter Maria hat etwas Besonderes an sich. Maria hält nicht nur das Jesuskind auf dem Arm. Mit dem Zeigefinger ihrer linken Hand weist sie ganz deutlich auf das Jesuskind hin.

Das ist das große Anliegen der Gottesmutter Maria für den Advent und die weihnachtliche Zeit: Maria will uns auf JESUS CHRISTUS aufmerksam machen und uns zu IHM hinführen. Sie will uns den Menschgewordenen GOTTESSOHN bringen, den sie einst in Nazaret vom Heiligen Geist empfangen und in Bethlehem geboren hat.

Der Advent ist deshalb eine hoffnungsvolle Zeit, weil er uns das Kommen des Erlösers verheißt. Niemand geringerer als GOTT SELBER will zu uns heutigen Menschen kommen, mit unseren heutigen Problemen und Sorgen, die menschlich oft ohne Ausweg und Zukunft scheinen. Immer mehr Menschen in unseren Wohlstandsländern meinen, ein Leben ohne Gott leben zu können, (z.B. ohne Wort Gottes, ohne Sonntagsmesse und Feiertage, ohne Familiengebet, ohne Moral usw.) Papst Johannes Paul II. nannte diese bedenkliche Entwicklung eine geistige Verfinsterung des Herzen und Gewissen. Doch man braucht nicht weit zu schauen um zu erkennen, dass ein Leben ohne Gott schlicht und einfach nicht möglich ist. Ein Mensch, der ohne Gott auszukommen meint, wird krank und lebt am Leben vorbei.

Weihnachten sagt uns: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“(1 Joh 1,9). GOTT will uns heutige Menschen mit seinem LICHT erleuchten, damit wir durch die Erfahrung der erlösenden und heilenden barmherzigen Liebe Gottes, im Leben aufatmen und Hoffnung schöpfen, aus der seelischen Leere und Trostlosigkeit, in die der Wohlstand ohne Gott hineinführt, wieder herauskommen. Das Licht, das vom Christuskind in der Krippe ausgeht, hilft uns unser Leben auf Gott hin zu leben, und darüber wieder froh zu werden. Niemand braucht zu verzweifeln, der sich GOTT aufrichtig zuwendet und IHN sucht.

Schon seit Jahren wird der Advent durch eine immer weiter um sich greifende Entheiligung und Sinnentleerung zerstört und damit das Weihnachtsfest selber aufgelöst. Es nützt uns nichts, über diese Entwicklungen nur zu jammern. Wir sollten vor allem eines tun: zuerst darüber nachdenken, was im Advent und zu Weihnachten wesentlich ist, und dann dies ins eigene Leben integrieren und umsetzen. Jedes gute Beispiel wird Kreise ziehen und nicht umsonst sein. Der dörfliche Charakter in Imsterberg bietet uns wunderschöne Voraussetzungen, um den Advent richtig zu durchleben. Es liegt an jedem Einzelnen, die Gnade dieser Zeit zu erkennen und zu handeln. Was Weihnachten wirklich schenkt wird nur der erfahren können, der vorher den Advent mit seinem Ruf zum Gebet, Nächstenliebe und Umkehr ernst nimmt.

Die Beiträge in diesem Pfarrbrief greifen die Lichtsymbolik des Weihnachtsfestes auf. Die Lichtworte des Evangeliums sagen uns, dass es im Advent und zu Weihnachten nicht um Stimmung und Äußerlichkeit geht, sondern um Begegnung mit dem erlösenden Gott des Lichtes und der Wahrheit. Diesem Anspruch der Lichtbotschaft von Weihnachten wollen wir uns stellen. Manche stille Stunden im Advent und in der Weihnachtszeit bieten sich an, über das eine oder andere tiefer nachzudenken, um ein neues Jahr mit neuen Vorsätzen zu beginnen.

Der Pfarrbrief will diesmal einige unverzichtbare Prinzipien und Grundsätze des katholischen Glaubens zur Sprache bringen. Wenn wir Wille und Mühe zum Nachdenken aufbringen, können wir leichter die Versuchungen des Zeitgeistes und der Mode überwinden. Wer nicht mehr nachdenkt, hat verspielt, er wirkt an der Bewältigung der Gegenwart und Gestaltung der Zukunft nicht mehr mit.

Maria, die große Lichtbringerin, mit der wir durch den Advent zur Krippe unseres Herrn pilgern, wird uns helfen.

Einen schönen und lichtvollen Advent wünscht Euch

 

Euer Pf. Stephan Müller

Sonntägliches Asperges – Taufgedächtnis

Kirchlicher Akt des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Reue

Das 2. Vatikanische Konzil nennt den Sonntag als Tag der Auferstehung den URFEIERTAG der Christen. (Konstitution über die Heilige Liturgie, Nr. 106). Durch das Sakrament der Taufe sind wir in das österliche Heilswerk Christi eingegliedert.

Seit alter Zeit gibt es bei den Sonntagsmessen das so genannte ASPERGES, das sonntägliche Taufgedächtnis. Im Messbuch heißt es dazu: “Die Segnung und die Ausspendung des Weihwassers kann in allen Sonntagsmessen in allen Kirchen und Kapellen vorgenommen werden.“ Leider ist dieses sonntägliche Taufgedächtnis so ziemlich verloren gegangen. In unserer Pfarrkirche wurde das Asperges gelegentlich gehalten. Schon mehrmals wurde ich von Gläubigen angesprochen, ob man das nicht öfters machen könne.

Mit dem 1. Adventsonntag wird das Asperges künftig (in der Regel) an jedem Sonntag Vormittag gehalten. Nach dem Asperges beten wir – auch das ist vormittags neu - den kirchlichen Akt des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Reue.

Das Asperges und die vorbereitenden Gebete werden eine Bereicherung für uns sein. Es wird uns die Verbindung von Eucharistie und Taufe bewusst werden. Gleichzeitig bekräftigen wir unseren Taufbund und haben eine wertvolle Vorbereitung auf die Feier des Hl. Messopfers.

 

RETTET   DEN   ADVENT!

Was wir besser oder anders machen könnten

Liturgische Bildung: Advent ist Advent und Weihnachten ist Weihnachten

Damit der Advent als eigene Zeit ernst genommen werden kann, soll ein Katholik den grundlegenden Unterschied von Advent und Weihnachten erfassen. Der liturgische Advent ist im Kirchenjahr eine Zeit eigener Prägung. Der Advent ist noch nicht Weihnachten, sondern eine Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Die liturgische Zeitfarbe violett erinnert an den Bußcharakter des Advents, ähnlich der Fastenzeit. Der Advent ist keine Festzeit, sondern eine schlichte Zeit, eine – wenn auch hoffnungsvolle – Bußzeit. Wer denkt noch an das?

Weihnachten beginnt für die Kirche erst mit der Mette der Heiligen Nacht. Die weihnachtliche Festzeit hat mehrere Stufen: die große Weihnachtsoktav, vom 25. Dezember bis zum 1. Jänner ist wie ein einziger Tag, wie ein einziges Hochfest. Hier ist die eigentliche Festlichkeit und Feierlichkeit angesagt. Liturgisch bringen wir das in unserer Pfarre zum Ausdruck: an jedem Tag der Oktav feiern wir ein Weihnachtshochamt, an jedem Tag wird beim Angelus und beim Gottesdienst groß geläutet. Auch in der Familie kann die Weihnachtsoktav mit Freude und Festlichkeit begangen werden (z.B. durch die Mitfeier der Weihnachtsgottesdienste, Weihnachtsschmuck, festliches Geschirr usw.) Die Weihnachtliche Festzeit dauert bis zum Fest der Taufe des Herrn am Sonntag nach Dreikönig. Die nachweihnachtliche Zeit wird im Krippenland Tirol bis Maria Lichtmess, 2.2., fortgesetzt.

Hier eine Bitte: Niemand möge schon am 25. oder 26. Dezember (vor dem Fest der Taufe Jesu) die Redewendung gebrauchen: „Jetzt sind die Feiertage auch schon wieder vorbei!“ „Nein“, antworte ich dann immer deutlich, „wir fangen erst an! Es ist die Oktav, und dann ist noch Festzeit bis Taufe Jesu.“

Heiliger Bischof Nikolaus statt Weihnachtsmann

Der heilige Nikolaus erinnert uns an den hl. Bischof Nikolaus. Er wirkte im 4. Jh. in Myra. Wegen seiner Fürsorge und Nächstenliebe blieb er bis zum heutigen Tag in Erinnerung. Der Weihnachtsmann ist eine aus Amerika eingeschleppte Werbefigur, bei der es in der Geschäftswelt um Umsatz geht. Der Weihnachtsmann hat nichts mit unserer christlichen Kultur und nichts mit unserem Nikolaus zu tun! Wir sollten ihm nicht unsere Türen öffnen! Stattdessen kann der Nikolaus als „Bote des hl. Bischofs Nikolaus“ nach wie vor unsere Kinder erfreuen und sie väterlich an das Gebet und die Hl. Messe erinnern. Freilich kann man es auch mit dem Nikolaus übertreiben. Muss er in einer Woche gleich fünf Mal zu den gleichen Kindern kommen? Würde es nicht genügen, den Nikolaus in der Familie zu belassen?

Engel und Heilige statt Krampusse

Das Krampustreiben, das sich in Tirol in den letzten Jahren mit großen Umzügen entwickelt hat, hat nichts mehr mit altem Brauchtum zu tun, sondern ist ein Rückschritt Richtung Heidentum. Nicht nur das schöne Nikolausfest, bereits der Allerseelenmonat November und der Advent überhaupt, wird hier verdrängt und entweiht. Ich denke an eine Gemeinde in Tirol, die wegen dieser unsinnigen Entartungen das Krampustreiben im Advent untersagt hat. Respekt vor dieser Gemeinde! Mögen andere Dörfer den gleichen Mut aufbringen.

Noch ein Paradox ist hier auszusprechen. Auf der einen Seite wird mit den Krampussen das Teuflische dargestellt – und in dieser Form mit Recht natürlich nicht ernst genommen, es ist ja nur ein „Brauch“. Auf der anderen Seite wird die Existenz der Teufel und Dämonen und der Hölle geleugnet oder nicht mehr ernst genommen. Doch der Teufel und die Hölle sind leider eine Realität! Das sind von Christus eindeutig geoffenbarte Wahrheiten. Sie sind im Alltag der Welt leider auch oft genug erfahrbar.

Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt über die Existenz der Dämonen:

Hinter der Entscheidung unserer Stammeltern zum Ungehorsam steht eine verführerische widergöttliche Stimme, die sie aus Neid in den Tod fallen lässt. Die Schrift und die Überlieferung der Kirche erblicken in diesen Wesen einen gefallenen Engel, der Satan oder Teufel genannt wird. Die Kirche lehrt, dass er zuerst ein von Gott erschaffener guter Engel war. Die Teufel und die anderen Dämonen wurden zwar von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, sie wurden aber selbst durch sich böse. (KKK 391)

 

Wegen des unwiderruflichen Charakters ihrer Entscheidung und nicht wegen eines Versagens des unendlichen göttlichen Erbarmens kann die Sünde der Engel nicht vergeben werden. Es gibt für sie nach dem Abfall keine Reue, so wenig wie für die Menschen nach dem Tode. Die Schrift bezeugt den unheilvollen Einfluss dessen, den Jesus den „Mörder von Anfang an“ nennt (Joh 8,44) und der sogar versucht hat, Jesus von seiner vom Vater erhaltenen Sendung abzubringen. „Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören“(1 Joh 3,8). (KKK 393)

 

Die Macht Satans ist jedoch nicht unendlich. Er ist bloß ein Geschöpf; zwar mächtig, weil er reiner Geist ist, aber doch nur ein Geschöpf: er kann den Aufbau des Reiches Gottes nicht verhindern. Satan ist auf der Welt aus Hass gegen Gott und gegen dessen in Jesus Christus grundgelegtes Reich tätig. Sein Tun bringt schlimme geistige und mittelbar selbst physische Schäden über jeden Menschen und jede Gesellschaft. Und doch wird dieses sein Tun durch die göttliche Vorsehung zugelassen, welche die Geschichte des Menschen und der Welt kraftvoll und milde zugleich lenkt. Dass Gott das Tun des Teufels zulässt, ist ein großes Geheimnis, aber „wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28) (KKK 395)

Adventfeier statt Weihnachtsfeier

Auf Weihnachtsfeiern von Betrieben und Behörden haben wir keinen Einfluss. Es ist auch verständlich, dass ein Betrieb seinen Angestellten mit einer Feier ein Zeichen des Dankes geben will. Aber für uns als Kirche muss klar sein: Wenn im Advent eine „Feier“ stattfindet, muss sie Adventfeier und nicht Weihnachtsfeier heißen und dementsprechend gestaltet sein. Wenn irgendwie möglich, sollte das festliche Feiern nicht im Advent, sondern in der Weihnachtszeit stattfinden. Nur so kann der Advent als schlichte Zeit der Vorbereitung, Besinnung und Umkehr bewahrt werden. Wer schon den ganzen Advent hindurch festlich „feiert“, was will man dann zu Weihnachten noch feiern können? Ich persönlich nehme in meinen Pfarren – wie bekannt ist - im Advent in der Regel keine Einladungen zu Feiern mehr an. Auch gibt es in der Pfarre im Advent außer den Gebetszeiten und Gottesdiensten keine Veranstaltungen.

Schlichter Adventschmuck statt festlicher Weihnachtsschmuck

Als schlichte Zeit soll der Advent vor dem eigentlichen Weihnachtsschmuck verschont werden. Der klassische Adventschmuck ist der Adventkranz. Der klassische Weihnachtsschmuck ist der Christbaum. In der Pfarrkirche ist im Advent der Adventkranz zu sehen. Der Christbaum wird erst zum Heiligen Abend hin aufgestellt. Ein alter und schöner Brauch ist es, Barbarazweige einzufrischen: Kirschzweige, die zum Barbaratag (4. Dezember) geschnitten werden, und dann auf Weihnachten hin aufblühen. Barbarazweige symbolisieren den geistigen Weg zur Krippe: durch Einfachheit und Schöpfen aus den Quellen des Heils (Gebet, Wort Gottes und Sakramente, Nächstenliebe) sollen wir geistig erblühen und durch die Gnade der Erlösung Frucht tragen.

Herbergsuche statt Weihnachtskrippe

Die Krippe heißt Weihnachtskrippe und nicht Adventkrippe. Die Krippe wird in der Pfarrkirche auf den Heiligen Abend hin aufgestellt. Das ist Beispielhaft. Im Advent geht es nicht um Krippenstimmung, sondern darum, dass wir Gott in unserem Leben wieder mehr Raum und Zeit geben. Das entsprechende Adventzeichen ist die Herbergsuche. Es ist schön und wertvoll, dass in unserem Dorf 13 Herbergsbilder unterwegs sind und in fast allen Häusern aufgenommen werden.

Hauskirche statt Fernsehen

An jedem der vier Adventsonntage läuten um 17.00 Uhr die Kirchenglocken zur Hauskirche zum Adventlichen Singen und Beten im Familienkreis. Möge der Ruf dieser Glocken in unseren Familien eifrig gehört werden. Es ist eine gute Vorbereitung der Familie, wenn man sich im Familienkreis täglich zum Beten beim Adventkranz zusammenfindet (z.B. ein oder mehrere Gesetzchen vom Rosenkranz). Das gemeinsame Beten wird die Gemeinschaft und Liebe in der Familie stärken.

Ich möchte vor allem die Familien, die ein Erstkommunionkind oder einen Firmling daheim haben einladen und bitten, die Sonntagsmesse in großer Treue mitzufeiern. „Mit dem Sonntag steht und fällt das Christentum.“ Nach der Sonntagsmesse ist es das Rorate, das eine gute geistige Vorbereitung auf Weihnachten hin ermöglicht. Es ist sehr erfreulich, dass das Rorateamt bei uns auch von sehr vielen geschätzt wird.

Weihnachtsbeichte statt Bußandacht

Hier ist die einzige Ausnahme, wo etwas Weihnachtliches ganz in den Advent hineinpasst. Bitte mich nicht falsch zu verstehen. Selbstverständlich hat auch eine Bußandacht ihre Bedeutung. Doch sie muss im Geist der Kirche gehalten werden (d.h. als Vorbereitung zum Empfang der sakramentalen Beichte). Leider hat es sich in den letzten Jahrzehnten so entwickelt, dass die Bußandachten nicht im Sinn der katholischen Kirche gehalten wurden, z.B. unerlaubt mit Generalabsolution; sie wurden zum Anlass genommen, sich vom Sakrament der Beichte zu verabschieden. Wegen dieser Gegebenheiten biete ich in meinen Pfarrgemeinden auch weiterhin keine Bußandacht an. Dafür wird vermehrt und ausgiebig Zeit zum Empfangen des Bußsakramentes angeboten. Das persönliche Bekenntnis der Schuld (nicht nur bei schweren Sünden) und die persönliche Lossprechung sind durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch eine Bußandacht. Nichts vermag die Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selber so sehr zu stärken und zu heilen, als dieses von Christus eingesetzte Sakrament der Beichte. Zum Weihnachtsfest und zur würdigen Weihnachtskommunion gehören auch eine aufrichtige und vertrauensvolle Weihnachtsbeichte. Der Apostel Johannes ermahnt uns: „Wenn wir sagen, dass wir ohne Sünde sind, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden“(1 Joh 1,8-9).

Die Kirche als Reservat für einen echten Advent

Wenn Pflanzen oder Tiere vom Aussterben bedroht sind, wird ihnen heutzutage ein Reservat oder Biotop geschaffen, wo sie sich erhalten und geschützt entfalten können. So ähnlich ist es mittlerweile nicht nur mit dem Advent, sondern mit vielen menschlichen Werten. Die Kirche – dort, wo sie in Einheit mit dem Papst und der katholischen Gesamtkirche gelebt wird - ist so etwas wie ein Reservat geworden, in dem sich die tragenden Elemente unseres Lebens erhalten und entfalten. Wer die Grundlagen des Glaubens und die Grundwerte des Menschen und des Lebens erkennen will, findet das Licht in der Kirche Christi. Lernen wir deshalb von der Kirche. Sie hat nicht nur eine 2000jährige, sondern auch eine weise und reife Erfahrung.

Das bedeutet konkret: Gottesdienste (Hl. Messopfer, Anbetung, Vespern, Andachten, Glaubensvertiefung usw.) sollen einen festen Platz nicht nur im Leben der Pfarrgemeinde, sondern auch im persönlichen Leben haben. Wir wollen die kraftvollen Worte der Adventpropheten Jesaja, Johannes des Täufers und der Sonntagsevangelien ernst nehmen. Sie verkünden, was wesentlich ist: Glaube und Umkehr, Erwartung der Wiederkunft Christi, Mahnung an das Gericht Gottes, vor dem wir unser Leben zu verantworten haben, Werke der Nächstenliebe… Das sind die existentiellen christlichen Themen, die für das Leben und die Rettung unserer unsterblichen Seele letztlich wichtig sind. Wir dürfen sie nicht durch ständiges „feiern“, Show, Lärm, oberflächliches Leben und inhaltslose „Stimmung“ zudecken.

Um den Advent wieder zum Advent zu machen, und dadurch wieder zum Eigentlichen des Weihnachtsfestes zu gelangen – zum GOTTESKIND IN DER KRIPPE, DEM EINZIGEN ERLÖSER DER WELT – ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig. Aber wenn eine Pfarrgemeinde nach ihren kleinen Möglichkeiten bewusst den Advent lebt und Weihnachten vorbereitet, dann zieht das Kreise. Packen wir es rechtzeitig an. Versuchen wir, es richtig zu machen!      

Pf. Stephan Müller

 

 

                          L I C H T Q U E L L E N   F Ü R   U N S E R   L E B E N

 

Das KREUZ als Lichtquelle

Nach der Krippe von Bethlehem ist das KREUZ das große Lichtzeichen für die Welt. Das Licht, das vom Kreuz ausgeht, ist die Botschaft von der unendlichen Liebe Gottes, die uns in Christus erlöst und vom ewigen Tod befreit hat. Das Licht des Kreuzes ist auch das Licht der Auferstehung und des ewigen Lebens, da Christus am Kreuz die Sünde, das Leid und den Tod besiegt und uns den Zugang zum ewigen Leben geöffnet hat. Das Kreuz ist auch das Zeichen, dem widersprochen und das verfolgt wird.

Das Kreuzesurteil des Strassburger Menschenrechtsgerichtshofes ist nicht das erste Urteil dieser Art. Wer die Geschichte kennt und ein wenig tiefer denkt, erkennt in solchen Urteilen auch ein Wetterleuchten von noch anderen Dingen, die auf uns zukommen werden.

Erfreulich ist, dass vor allem in Italien nach dem Urteil in Strassburg eine landesweite Bewegung des Bekenntnisses zum Kreuz Christi ausgelöst wurde.

Wenn wir wollen, dass das Kreuz in Europa und in unserer Heimat erhalten bleibt, dürfen die Kreuze auf Bergen, Schulen, in Häusern und an Straßen nicht bloße Zierde sein. Das Kreuz wird uns nur erhalten bleiben, wenn wir Christen uns in unserem Alltag auch als Christen bekennen, den Glauben leben. Das Kreuz Christi aufstellen bedeutet auch, das Leben nach dem Gekreuzigten auszurichten, die Lehre des Kreuzes zu bekennen, den Siegestag des Kreuzes – den SONNTAG – zu heiligen usw. Eine Kultur, die sich nicht mehr nach dem Gekreuzigten ausrichtet, wird auch das Zeichen dieses Gekreuzigten schwer erhalten können.

„Christus hat, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leben und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.“

(2. Vatikanisches Konzil, Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, aus Nr. 4)

Der SONNTAG und die SONNTAGSMESSE als Lichtquelle

Die grundlegende Lichtquelle für uns Christen ist der

Sonntag als Tag der Auferstehung Christi.

Sonntäglich leben bedeutet, mit dem Auferstandenen

Christus leben, die österliche Perspektive des Sieges

und der Wiederkunft Christi im Auge haben und so

den Weg als Pilger durch diese irdische Welt zu gehen.

Ausgehend von der Sonntagsmesse empfangen wir das

Licht des WORTES GOTTES und die Fülle des Segens

Christi für unser Leben.

In der Feier des Sonntages verwirklicht sich das dritte Gebot Gottes: „Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig!“(Dtn 5,12). GEBOT will sagen: Der Sonntag ist für unser Leben und unser Christsein etwas ganz Grundlegendes. Das Gebot ist wie ein Wegweiser, ein Verkehrszeichen. Gott macht uns mit den 10 Geboten aufmerksam was wir beachten sollen, damit es uns im Leben gut geht und wir glücklich das letzte Ziel in der jenseitigen Welt erreichen: den Himmel.

Von dem her können wir das SONNTAGSGEBOT verstehen. Es ist nicht eine Last, sondern ein Geschenk. Wer Gott liebt, wirklich liebt, wird mit dem Sonntag und dem Hl. Messopfer am Sonntag keine Schwierigkeiten haben. Im Gegenteil. Er kann ohne dieses Geschenk Gottes nicht leben.

Die Kirche lehrt über die Sonntagsheiligung:

„Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den Sonntagen und gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z.B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch ihren Pfarrer dispensiert sind. Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.“ (KKK 2181)

„Die Teilnahme an der gemeinsamen sonntäglichen Eucharistiefeier bezeugt die Zugehörigkeit und Treue zu Christus und seiner Kirche. Die Gläubigen bestätigen damit ihre Gemeinschaft im Glauben und in der Liebe. Sie bezeugen gemeinsam die Heiligkeit Gottes und ihre Hoffnung auf das Heil. Sie bestärken einander unter der Leitung des Heiligen Geistes.“ (KKK 2183)

In diesem Zusammenhang denken wir daran, dass für kranke und alte Menschen daheim die Mitfeier von Gottesdiensten im Rundfunk und Fernsehen eine große Hilfe und Bereicherung ist. Wer gesund ist und nicht, wie oben erwähnt, verhindert, kann mit einer Übertragung im Rundfunk oder Fernsehen das Sonntagsgebot nicht erfüllen.

Das LEHRAMT DER KIRCHE als Lichtquelle

Der Nachfolger Petri als „Leuchtturm in der Finsternis“

Zur Bedeutung dieser für uns als Katholiken

so wertvollen Lichtquelle wollen wir zuerst

einige Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils

bedenken:

„Nach dem Willen Christi ist die katholische

Kirche die Lehrerin der Wahrheit; ihre Aufgabe

ist es, die Wahrheit, die Christus ist, zu verkündigen

und authentisch zu lehren, zugleich auch die Prinzipien

der sittlichen Ordnung, die aus dem Wesen des Menschen

selbst hervorgehen, autoritativ zu erklären und zu bestätigen.“ (2. Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit, aus Nr. 8)

„In der Kirche besitzt der römische Bischof als Nachfolger des Petrus, dem Christus seine Schafe und Lämmer zu weiden anvertraute, aufgrund göttlicher Einsetzung die höchste, volle, unmittelbare und universale Seelsorgsgewalt. Weil er also als Hirt aller Gläubigen gesandt ist, für das Gemeinwohl der ganzen Kirche und für das Wohl der einzelnen Kirchen zu sorgen, hat er den Vorrang der ordentlichen Gewalt über alle Kirchen.“ (2. Vatikanisches Konzil, Dekret über die Bischöfe, aus Nr. 2)

„Der religiöse Gehorsam des Willens und des Verstandes ist in besonderer Weise dem authentischen Lehramt des Bischofs von Rom, auch wenn er nicht kraft höchster Lehrautorität spricht, zu leisten; nämlich so, dass sein oberstes Lehramt ehrfürchtig anerkannt und den von ihm vorgetragenen Urteilen aufrichtige Anhänglichkeit gezollt wird, entsprechend der von ihm kundgetanen Auffassung und Absicht. Diese lässt sich vornehmlich erkennen aus der Art der Dokumente, der Häufigkeit der Vorlage ein und derselbe Lehre, und der Sprechweise.“(2. Vatikanisches Konzil, Dekret über die Kirche, aus Nr. 25)

Unser jetziger Heiliger Vater, Papst Benedikt, hat nicht das Anliegen, die Kirche durch viele neue Gesetzte zu leiten. Es ist besonders seine Art, durch geduldige und klare katholische Glaubensverkündigung und schlichtes Beispiel zu wirken. Denken wir z.B. an die Art und Weise, wie er die Sakramente feiert und spendet.

Als Glieder der katholischen Kirche sollen wir ein feines Gespür dafür entwickeln, was der Papst uns durch seine Worte und vor allem durch sein Beispiel sagen will. Wir wollen uns bemühen, diese seine Art der Hirtenausübung zu sehen und auch anzunehmen. Der Blick auf den Papst und die Einheit mit ihm – in der konkreten Annahme seiner Leitung – ist für uns als Katholiken substantiell. Ein „katholisches“ Christentum, das nicht mehr auf den Papst schaut und hört, hat sich selbst aufgegeben und wird keine Zukunft haben.

Wenn wir katholisch, d.h. weltkirchlich denken und beobachten, können wir leicht erkennen: Wo die Einheit mit dem Felsen Petri gelebt wird, lebt und entfaltet sich die Kirche: in Diözesen, in Orden und auch in Pfarrgemeinden. Auch ein persönliches Glaubenswachstum ist für einen Katholiken nur in Einheit mit dem Papst möglich.

 

Lasst uns beten für unsern obersten Hirten, Papst Benedikt.

Herr, lass ihn lange und glücklich leben auf Erden

und übergib ihn nicht den Händen seiner Feinde.

Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.

 

Allmächtiger Gott! Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, schau gnädig herab auf Deinen Diener N. den Du zum Hirten Deiner Kirche bestellt hast. Gib, dass er durch Wort und Beispiel das Heil Deiner Gläubigen fördert und führe ihn mit der ihm anvertrauten Herde zum ewigen Leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. A: Amen

Lichtquelle GEWISSEN und GEWISSENSBILDUNG

über den UNSCHULDSWAHN

Der Mensch muss sich von seinen stillen Lügen befreien, mit denen er sich selbst betrügt: Gott durchschaut sie, und die Konfrontation mit Gott nötigt ihn, sich selbst zu erkennen. Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist, betet der Psalmist (Ps 19, 13). Das Nichterkennen von Schuld, der Unschuldswahn, rechtfertigt und rettet mich nicht, denn ich bin selber Schuld an der Abstumpfung meines Gewissens, an meiner Unfähigkeit, das Böse in mir als solches zu erkennen. Wenn es Gott nicht gibt, muss ich mich vielleicht in solche Lügen flüchten, weil es niemand gibt, der mir vergeben könnte, niemand, der wirklich Maßstab ist. Aber die Begegnung mit Gott weckt mein Gewissen, damit es nicht mehr Selbstrechtfertigung, Spiegelung meiner selbst und der mich prägenden Zeitgenossen ist, sondern Hörfähigkeit für das Gute selber wird.

(Papst Benedikt XVI., Enzyklika SPES SALVI/ÜBER DIE HOFFNUNG)

Die LITURGIE DER KIRCHE als Lichtquelle

Eine kostbare Lichtquelle ist die Feier der Liturgie. Bei der Generalaudienz am Mittwoch, 11. Novwember, sprach der Papst über das mittelalterliche Reformkloster Cluny in Frankreich. Benedikt XVI. wies auf die bleibende Bedeutung der Liturgie hin. Dazu ein Beitrag aus kath.net vom 11. November 2009:

 

Die Reformbewegung von Cluny im Mittelalter hatte die Liturgie als Zentrum und brachte eine neue Blüte in einer Zeit des Verfalls. Daran erinnerte der Papst am Mittwoch,11. November, in der Audienzhalle bei seiner Generalaudienz. Vor mehreren tausend Pilgern und Besuchern erläuterte Benedikt, was diese Reformbewegung genau gewesen sei.


Im Mittelpunkt habe die Feier der Liturgie gestanden, die einen Vorgeschmack und eine Teilnahme an der Liturgie des Himmels darstelle. Dazu gehörte auch die Förderung der Musik, der Kunst und Architektur, vor allem aber die Schaffung eines Klimas des Gebets in Stille und innerer Sammlung, so der Papst.

 

„910 gründete Herzog Wilhelm III. von Aquitanien im burgundischen Cluny ein Benediktinerkloster, das rasch zu einem wichtigen geistlichen Zentrum werden sollte. Das abendländische Mönchtum war aufgrund verschiedener politischer und sozialer Umstände im Verfall begriffen. Cluny brachte hier eine Wende und neue Blüte durch die Rückführung des monastischen Lebens auf seine ursprünglichen Ideale und die erneute Einhaltung der Benediktregel.“

Viele Klöster schlossen sich der Reform von Cluny an oder waren Gründungen dieser Abtei, so dass schon bald ein Netz cluniazensischer Klöster Europa überzog.

 

„Die Verbreitung der Bewegung wurde auch dadurch begünstigt, dass die Klöster nicht der bischöflichen oder weltlichen Gewalt unterstellt waren, sondern direkt unter dem Schutz des Papstes standen. So konnte die cluniazensische Reform auf die ganze Kirche ausstrahlen und mithelfen, die Übel der Zeit – die Simonie, d.h. den Kauf von kirchlichen Ämtern, und die Unmoral vieler Kleriker – zu bekämpfen.

Die SCHÖNHEIT DER KUNST als Lichtquelle

Für den 21. November lud Papst Benedikt Künstler aus aller Welt zu einer Audienz. Bei einer Ansprache an die Künstler in der Sixtinischen Kapelle sprach der Heilige Vater über den Zusammenhang von Glaube, Wahrheit, Kunst und Schönheit und die Verantwortung der Künstler. Schönheit der Kunst ist letztlich ein Abglanz der ewigen Schönheit, Wahrheit und Liebe Gottes. Hier einige Auszüge aus der Ansprache des Papstes:

„Von seinen Anfängen an hat das Christentum den Wert der Kunst erkannt und klugen Gebrauch gemacht von den verschiedenen Ausdrucksweisen der Kunst, um die ewige Botschaft der Erlösung auszudrücken.“

Papst Benedikt zitierte ein Wort von Paul VI.: „Diese Welt in der wir leben braucht Schönheit, um nicht in Verzweiflung zu versinken. Schönheit, wie auch die Wahrheit, bringt dem menschlichen Herz Freude, und es ist diese kostbare Frucht, die dem Zahn der Zeit widersteht, die Generationen vereint und sie fähig macht, in Bewunderung zusammenzustehen. Und all dies durch das Werk eurer Hände. Vergesst nicht, dass ihr die Treuhändler des Schönen in der Welt seid.“

 

„Schönheit, sowohl die des Universums und der Natur als auch die durch Kunst ausgedrückt, kann ein Weg zur Transzendenz werden, zum letzten Geheimnis, zu Gott, weil sie die Horizonte menschlichen Bewusstseins erweitert und öffnet und uns so über uns selbst hinausweist und uns mit dem Abgrund der Ewigkeit konfrontiert.“

 

„Die großen biblischen Erzählungen, Themen, Bilder und Parabeln haben unzählige Meisterwerke in jedem Bereich der Kunst inspiriert, genauso wie sie zu den Herzen der Gläubigen jeder Generation durch das Handwerk der Volkskunst gesprochen haben, die nicht weniger beredsam und bewegend sind.“

Solche Worte sind für uns alle eine Bestärkung, unser schönes Gotteshaus weiterhin so zu pflegen und zu erhalten. Es ist uns eine Hilfe für den Glauben und die Begegnung mit dem lebendigen Christus.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok