038) Allerheiligen Vesper/Gräbersegnung: Der Kampf um die Siegespalme des ewigen Lebens

Allerheiligen 2012 – Imsterberg – Ansprache bei der Vesper zur Gräbersegnung

„ICH SAH EINE GROSSE SCHAR, SIE TRUGEN PALMZWEIGE IN DEN HÄNDEN“

(Offb 7,9)

DER KAMPF UM DIE SIEGESPALME DES EWIGEN LEBENS

Die Lesung, die wir gehört haben – aus der ersten Lesung des Allerheiligenfestes – leitet uns an, mit dem Apostel Johannes zum Himmel zu schauen. Johannes schaut in einer Vision die Kirche des Himmels, die triumphierende Kirche, d.h. die durch Christus Erlösten in der Vollendung. Sie tragen Palmzweige in den Händen.

Der Palmzweig ist ein frühchristliches Symbol. Wir entdecken es schon in den Katakomben in Rom. Der Palmzweig wurde vor allem zum Zeichen der Märtyrer. Auch heute noch stellen wir die Märtyrer gerne mit einem Palmzweig in der Hand dar. Die Symbolik betrifft uns alle. Das ewige Leben ist eine unverdiente Gnade Gottes. Doch es ist eine Gnade, die wir uns mit unserer Willensentscheidung und unserem Lebenseinsatz erringen müssen. Die Seele kann das ewige Leben erreichen oder durch eigene Schuld auch verlieren. Es ist nicht gleich, was wir tun und wie wir leben. Alles hat seine Folgen, wenn wir nicht Reue und Umkehr leben.

Paulus beschreibt diesen Kampf um den Glauben im 1. Brief an Timotheus so: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist“(1 Tim 6,11). Was ist das für ein Kampf und für ein Sieg, den Paulus hier anspricht, den die Heiligen und auch unsere Verstorbenen Angehörigen gekämpft haben?

< Es ist der Kampf um die Treue im Glauben: die Treue im täglichen Gebet, die Treue in der Sonntagsheiligung, die Erfüllung unserer Sonntagspflicht, die Mühe um die Vertiefung des Glaubens.

< Es ist der Kampf mit sich selbst: gegen die Konkupiszenz, d.h. die Neigung zur Sünde, die als Folge der Erbschuld im Herzen geblieben ist, ein Kampf gegen die Versuchungen aus dem eigenen Herzen.

< Es ist der Kampf mit dem Leben, mit widrigen Umständen, mit Schicksalsschlägen, mit Prüfungen, Belastungen, Misserfolge usw.

< Es ist der Kampf um das Wachsen in der Liebe zu Gott und den Menschen, die Überwindung des Egoismus.

< Es ist der Kampf gegen das Mitschwimmen mit dem Strom der Oberflächlichkeit, der Lauheit, dem rein irdischen und materiellen Denken.

< Es ist der Kampf gegen ein Leben ohne Gott, wo man so lebt, als ob es Gott nicht geben würde…

Auch die Heiligen, die Verstorbenen, die uns vorausgegangen sind, haben solche Kämpfe gekannt. Sie haben gerungen. Sie sind manchmal auch gefallen. Sie sind mit der Gnade Gottes aufgestanden und weitergegangen. So haben sie die Siegespalme errungen, das ewige Leben.

In der gegenwärtigen Zeitsituation ist dieser Kampf um die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens als Solches, um den Glauben, der Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gott und Satan sehr groß. Der heilige Paulus sagt uns, wir sollen für diesen Kampf die Waffenrüstung Gottes anziehen:

„Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn! Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt. Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, auch für mich: dass Gott mir das rechte Wort schenkt, wenn es darauf ankommt, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, als dessen Gesandter ich im Gefängnis bin. Bittet, dass ich in seiner Kraft freimütig zu reden vermag, wie es meine Pflicht ist“(Eph 6,10-17).

Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., lädt uns in diesem Sinn zu einem Jahr des Glaubens ein. Er sagte zur Eröffnung des Glaubensjahres am 11. Oktober:

Wenn die Kirche heute ein neues Jahr des Glaubens und die neue Evangelisierung vorschlägt, dann nicht, um ein Jubiläum zu ehren, sondern weil es notwendig ist, mehr noch als vor fünfzig Jahren! (…) In diesen Jahrzehnten ist eine geistliche „Verwüstung“ vorangeschritten. Was ein Leben, eine Welt ohne Gott bedeutet, konnte man zur Zeit des Konzils bereits aus einigen tragischen Vorfällen der Geschichte entnehmen, heute aber sehen wir es leider tagtäglich in unserer Umgebung. Es ist die Leere, die sich ausgebreitet hat. Doch gerade von der Erfahrung der Wüste her, von dieser Leere her können wir erneut die Freude entdecken, die im Glauben liegt, seine lebensnotwendige Bedeutung für uns Menschen. In der Wüste entdeckt man wieder den Wert dessen, was zum Leben wesentlich ist; so gibt es in der heutigen Welt unzählige, oft implizit oder negativ ausgedrückte Zeichen des Durstes nach Gott, nach dem letzten Sinn des Lebens. Und in der Wüste braucht man vor allem glaubende Menschen, die mit ihrem eigenen Leben den Weg zum Land der Verheißung weisen und so die Hoffnung wach halten. Der gelebte Glaube öffnet das Herz für die Gnade Gottes, die vom Pessimismus befreit. Evangelisieren bedeutet heute mehr denn je, ein neues, von Gott verwandeltes Leben zu bezeugen und so den Weg zu weisen. [Wir können] dieses Jahr des Glaubens [auch] bildlich darstellen: als eine Pilgerreise durch die Wüsten der heutigen Welt, bei der man nur das Wesentliche mitnimmt: keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd – wie der Herr den Aposteln aufträgt, als er sie aussendet (Lk 9,3), sondern das Evangelium und den Glauben der Kirche. Soweit Papst Benedikt.

Zurück zu Allerheiligen. Die Heiligen und unsere lieben Verstorbenen sind diesen Weg des Glaubens gegangen. Wir wollen dem Glaubenserbe, das wir von ihnen empfangen haben, treu bleiben. Wir wollen für die Armen Seelen, die sich noch in der Läuterung befinden, im Fegfeuer, gerne beten, vor allem morgen und im Allerseelenmonat. Unsere lieben verstorbenen Angehörigen und Freunde helfen uns, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen und so die Siegespalme des ewigen Lebens zu erlangen.

Bittet für uns, alle Heiligen Gottes, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Gottes. Amen.

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