036) 27. Sonntag im Jahreskreis B: Aspekte der christlichen Lehre über Ehe und Ehescheidung

27. Sonntag im Jahreskreis, 7. Oktober 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie: „WAS GOTT VERBUNDEN HAT, DARF DER MENSCH NICHT TRENNEN“ (Mk 10,9) ASPEKTE DER CHRISTLICHEN LEHRE ÜBER EHE UND EHESCHEIDUNG

In diesem Sonntagsevangelium geht es um die Ehe und die Ehescheidung. Wir wären heute versucht, diesem Thema auszuweichen, und stattdessen Erntedank oder Rosenkranzsonntag zu wählen. Doch möchten wir uns heute diesem Thema stellen! Wie denken wir über den Ehebund, über sein Wesen, über die Ehescheidung? Das sind für uns grundlegende Fragen. Fast jeden Tag haben wir damit zu tun. Für einen Katholiken sollte nur eines ausschlaggebend sein: Wie sieht denn Christus die Ehe? Was sagt der Herr dazu? Wir können uns nicht genug einsetzen, um Ehe und Familie zu stärken. Es ist wichtig, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Die Worte Christi über die Ehe und über die Scheidung sind so deutlich und klar, dass schon die Apostel erschrocken reagieren: „Wenn die Sache so steht zwischen Mann und Frau, dann ist es nicht ratsam zu heiraten“(Mt 19, 10).

Die erste Lesung führt uns mit der Genesis zum Ursprung der Ehe. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht“(Gen 2,18). „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch sein“(Gen 2,24). Das ist die Stiftungsurkunde der Ehe. Die Ehe ist älter als der Staat. Sie kommt aus der schöpferischen Liebe und dem Willen des Dreifaltigen Gottes. Die Ehe ist etwas Göttliches. Sie ist eine Berufung zu einer leib-seelischen Liebe zwischen Mann und Frau. Christus selber deutet das Gotteswort des Alten Testamentes. Er sagt, dass GOTT selbst Mann und Frau miteinander verbindet, und dass deshalb diese Verbindung vom Menschen nicht mehr gelöst werden kann.

Diese ursprüngliche Würde der Ehe wurde durch die Sünde verwundet. So sind Mann und Frau seit dem Sündenfall nicht mehr in der ursprünglichen Harmonie und Einheit, wie Gott es wollte. In der Folge entwickelte sich die Trennung, die Scheidung, die es unter bestimmten Bedingungen auch im Volk Israel gab.

Was ist nun das Neue, das mit Christus für die Ehe gekommen ist? Christus führt die durch die Sünde verwundete Ehe von Mann und Frau wieder zum ursprünglichen Schöpfungsplan Gottes zurück. Er spricht davon, wie es am Anfang der Schöpfung war. Christus will den Heilsplan Gottes für die Ehe wieder herstellen. Mit anderen Worten: er will die Ehe heilen, heiligen, er will Mann und Frau wieder zur wahren Einheit und Gemeinschaft führen. Von daher müssen wir seine klaren Worte zum Ehebruch sehen. Das Heilmittel, das Christus der Ehe gegeben hat, ist das Ehesakrament. Das Ehesakrament bedeutet ein gnadenhaftes Eingreifen Gottes in die Beziehung von Mann und Frau, ein heilendes, heiligendes Wirken Gottes. Ja, noch mehr: durch das Ehesakrament wird die Naturehe auf eine höhere Ebene gehoben, sie wird in die Erlösung hineingenommen. Das ist die christlich-sakramentale Ehe. Es ist die Ehe „im Herrn“ (1 Kor 7,39).

Wie können wir im Alltag der heutigen Gesellschaft mit dieser Lehre Christi zurechtkommen? Das ist nicht einfach! Wir erleben heute ein säkulares, völlig verweltlichtes Eheverständnis. So manche sind verwirrt und hin und her gerissen. Wir können natürlich in der Verkündigung so tun, als ob wir die Worte Christi über die Ehe und die Ehescheidung nicht kennen würden. Doch das wird uns nicht weiterbringen. Wir wollen uns bemühen, um die Worte Christi zu wissen und versuchen, sie zu verstehen. Die Lehre Christi über die Ehe ist für Ehe und Familie eine Heilung und ein Schutz.

Vielleicht kann es uns helfen, wenn wir in Bezug auf Ehe und Ehescheidung zwei Ebenen sehen.

Da ist erstens die objektive Ebene: das hohe Ideal der Ehe, das aus dem Schöpfungsplan Gottes kommt. Christus hat dieses Ideal bestätigt, ja sogar noch verstärkt. Die gültig geschlossene und vollzogene sakramentale Ehe ist unauflöslich bis zum Tod. Kein Papst kann eine solche Ehe trennen. Die Kirche kann nicht anders, als das Wort Gottes ernst zu nehmen. Die Kirche ist an das Gebot Gottes und an das Wort Christi gebunden. Wenn die Kirche dieses hohe Ideal der Ehe aufgeben würde – durch die Einführung einer kirchlichen Scheidung – dann würde sie das Wort Gottes verraten. Die Eheauffassung einer Gesellschaft oder einer Zeitepoche hätte dann keinen Bezugspunkt mehr. Sie würde sich auflösen. Der Heilige Stuhl, das Lehramt der Kirche, muss hier gegen den Strom schwimmen, und das hohe Ideal der Ehe, das von Gott kommt, festhalten, nicht nur in Treue zu Gott, sondern auch als unverzichtbarer Dienst an der Gesellschaft. Je mehr eine Gesellschaft die Ehe untergräbt, desto mehr muss die Kirche dieses hohe Gut aufzeigen und daran festhalten, dazu ermutigen, dazu hinführen.

Dann gibt es zweitens die subjektive Ebene, die menschliche Ebene. Wie geht es unseren Ehepaaren mit diesem Ideal der unauflöslichen Ehe? Viele Ehepaare haben dieses Ideal gelebt, und leben es auch heute. Wie schön ist es, wenn wir eine Goldene Hochzeit feiern können. Nicht alle Ehepaare haben die gleichen guten Voraussetzungen, günstige Umstände usw. um dieses Ideal zu erreichen oder durchzuhalten. Wie viel Schweres und Leidvolles über eine Ehe oder Familie hereinbrechen kann, braucht nicht ausgeführt zu werden. Wichtig scheint mir, dass subjektiv über die Situation einer Ehe oder einer Scheidung niemand urteilen darf. Gott allein kennt die Herzen. Und ER weiß alles.

Objektive und subjektive Ebene. Dazwischen spielt sich so vieles ab:

< Es gibt Ehepaare, die ihre Ehe unter schweren Bedingungen aufrecht halten.

< Es gibt Ehepaare, bei denen es zu einer staatlichen Scheidung kommt. In diesen Fällen    

   bleibt die Ehe vor Gott gültig.

< Manche Geschiedene bleiben allein, manche heiraten wieder, manchmal um der Kinder

   willen.

< Es gibt die kirchliche Annullierung, ein kirchliches Gericht stellt fest, dass die Ehe nie

   bestanden hat. Das hat mit Scheidung nichts zu tun.

In all diesen Situationen versuchen wir als Christen, einerseits am Wort Gottes festzuhalten, andererseits den Betroffenen zu helfen. Wahre Hilfe gibt es jedoch nur in der Wahrheit.

Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt, bauend auf das Wort Gottes, über die Ehe und die Ehescheidung folgendes:

Katechismus Artikel 1649:

Es gibt jedoch Situationen, in denen das eheliche Zusammenleben aus sehr verschiedenen Gründen praktisch unmöglich wird. In diesen Fällen gestattet die Kirche, dass sich die Gatten dem Leib nach trennen und nicht länger zusammenwohnen. Die Ehe der getrennten Gatten bleibt aber vor Gott weiterhin aufrecht; sie sind nicht frei, eine neue Ehe zu schließen. In dieser schwierigen Situation wäre, falls dies möglich ist, die Versöhnung die beste Lösung. Die christliche Gemeinde soll diesen Menschen behilflich sein, in ihrem Leben diese Situation christlich zu bewältigen, in Treue zu ihrem Eheband, das unauflöslich bleibt [Vgl. FC 83;  CIC, cann. 1151-1155].

Katechismusartikel 1650:

In vielen Ländern gibt es heute zahlreiche Katholiken, die sich nach den zivilen Gesetzen scheiden lassen und eine neue, zivile Ehe schließen. Die Kirche fühlt sich dem Wort Jesu Christi verpflichtet: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet" (Mk 10,11-12). Die Kirche hält deshalb daran fest, dass sie, falls die Ehe gültig war, eine neue Verbindung nicht als gültig anerkennen kann. Falls Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetze Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen. [Man darf einfügen: sie sollen die Hl. Messe mitfeiern und geistig kommunizieren;] (...) Die Aussöhnung durch das Bußsakrament kann nur solchen gewährt werden, die es bereuen, das Zeichen des Bundes und der Treue zu Christus verletzt zu haben, und sich verpflichten, in vollständiger Enthaltsamkeit zu leben.

 

 

An dieser Stelle noch einige Worte aus dem Hirtenbrief der Österreichischen Bischöfe zum Jahr des Glaubens - September 2012

Oft wird „der Kirche“ Unbarmherzigkeit vorgeworfen, wenn sie versucht, die Treue zur Weisung Jesu gegen alles Unverständnis unserer Zeit zu wahren. Viel zu wenig wird darauf hingewiesen, dass Jesu Worte über die Unauflöslichkeit der Ehe aus Seinem Erbarmen mit uns Menschen kommen und dass viel Leid, viele Verletzungen, auch viel Unbarmherzigkeit durch unsere Untreue Seinem Wort gegenüber entstehen, unter denen Partner, Kinder, ganze Familien oft schwer zu leiden haben.


Die Kirche ist oft auf einsamem Posten in unserer Gesellschaft, wenn sie Ehe und Familie beschützt und verteidigt. Sie tut es aus Barmherzigkeit und nicht aus Härte. Aber sie hat sich auch immer neu an Jesu Haltung den Sündern gegenüber zu orientieren, die die Sünde benennt, dem Sünder aber voll Barmherzigkeit begegnet. Jesus lässt auch die, deren Beziehung in Brüche gegangen ist, nicht alleine zurück. Durch den Glauben schenkt er Heilung und Neuanfang.


Wie aber, so wird oft zu Recht gefragt, soll dies praktisch aussehen: die Sünde als Sünde sehen und benennen und doch mit dem Sünder barmherzig sein? Hier werden oft von uns Rezepte erwartet, die wir nicht geben können, generelle Lösungen, die mit den klaren Worten Jesu und mit der Treue zur Lehre der Kirche unvereinbar sind. In unseren Diözesen bemühen wir uns, einen Weg der Klarheit und auch der Milde, der Treue und der Barmherzigkeit zu gehen. Wenn uns vorgeworfen wird, dies sei unehrlich oder gar die Förderung einer Doppelmoral, so schmerzt das.

 

Wir spüren: Die von Christus kommende Lehre über die Ehe ist für uns Menschen sehr anspruchsvoll. Doch unser Leben als Solches ist anspruchsvoll. Es geht letztlich um die Rettung der Seelen für das ewige Leben. Es ist nicht gleichgültig, ob wir das ewige Leben gewinnen oder verlieren. Die Lehre Christi über die Ehe ist auch ein Kreuz, das Menschen manchmal tragen müssen. Doch es ist ein Kreuz, das der Herr für uns schon getragen hat und tragen hilft. Wer die Ehe als Kreuz zu tragen hat, der darf sicher sein, dass der Segen des Herrn nicht ausbleiben wird. Auch hier brauchen wir den Mut zur Kreuzesnachfolge.

Herr, segne unsere Ehen und Familien, besonders auch all jene, die es schwer haben, die sich auseinander gelebt haben. Sei du ihnen nahe. Hilf ihnen! Amen.

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