035) 26. Sonntag im Jahreskreis B: Gebetsformen bei der Hl. Messe - das innere Beten des Herzens

26. Sonntag im Jahreskreis B) 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie: VERSCHIEDENE FORMEN DER MITFEIER DER HEILIGEN MESSE

Zweiter Teil: DAS INNERE BETEN DES HERZENS

„Wer recht zu beten weiß, der weiß auch recht zu leben.“ Wie unser christliches Leben verläuft, wird immer wieder neu von unserem Beten abhängen, vor allem von der Wertschätzung und der Mitfeier der Hl. Messe.

Verschiedene Arten der Mitfeier der Hl. Messe: das Singen. Das mündlich gesprochene Gebet. Wir sind am letzten Sonntag beim Gedanken stehen geblieben: unserem mündlichen Gebet sind Grenzen gesetzt. Das mündliche Gebet vermag vieles nicht in Worte fassen. Auch wenn das Beten unseren Mund und unseren Körper einbezieht: Gebet ist zuerst ein innerer und geistiger Vorgang. Ziel unseres Betens ist, zum inneren Beten des Herzens zu gelangen. Auch die Mitfeier der Hl. Messe soll für uns ein inneres Beten des Herzens werden.

Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott. Unser Herz darf sich Gott öffnen, darf Gottes Gnade und Liebe berühren, unser Herz darf die Gegenwart Gottes erfahren, den Frieden Gottes verkosten, die heilende und verwandelnde Gnade Gottes erfahren. Mit diesen verschiedenen Erfahrungen können wir ein wenig andeuten, was mit dem inneren Beten des Herzens gemeint ist. Dieses innere Beten ist nicht so sehr eine Angelegenheit des Verstandes, sondern des Herzens!

Bei der Feier des Hl. Messopfers will uns die Kirche verschiedene Hilfen geben, damit wir zum Gebet des Herzens gelangen. Solche Hilfen sind: die Kirchenmusik, die Orgelmusik/die Königin der Instrumente, Chor- oder Instrumentalmusik, die Phasen der Stille, die liturgischen Symbole: die lateinische Sakralsprache, die schönen Symbole Zeichen der Sakralkunst, Bilder usw. Alle diese Zeichen wollen uns letztlich helfen, den inneren Menschen zur übernatürlichen Welt, zum Himmel, zu erheben, wollen uns helfen, in die Gegenwart Gottes einzudringen, so weit uns das im Pilgerstand auf Erden möglich ist.

Greifen wir eines dieser Zeichen auf: die Stille. Wir sind heute manchmal von viel Lärm umgeben. Manche Menschen können keine Stille mehr aushalten. Doch für unsere Gottesbeziehung im Gebet ist die Stille existenziell. Wir brauchen die Stille, um zum inneren Beten des Herzens zu gelangen.

Bei der gesprochenen Messfeier erfahren wir oft wenig Stille, wenn immer laut gebetet wird. Das ständig laut gesprochene Gebet bei der Hl. Messe lässt uns schwer zur Stille kommen. So verlernen wir es vielleicht sogar manchmal, bei der Hl. Messe uns auch persönlich mit dem Herzen einzubringen. Es wird uns doch auch drängen, Gott unser Herz auszuschütten, Gott das zu sagen, was uns am Herzen liegt. Oder: haben wir ganz persönlich Christus nichts mehr zu sagen? Brauchen wir immer jemanden, der uns laut vorbetet? Zwei Liebende wissen sich immer etwas zu sagen, sogar wenn sie schweigend Gemeinschaft pflegen, spricht ihr Herz.

Papst Benedikt hat schon mehrmals von der Bedeutung der Stille bei der Hl. Messe gesprochen. Diese Erfahrung der Stille erleben wir besonders bei der außerordentlichen Form der Heiligen Messe am Werktag. Längere Phasen der Stille kennt die traditionelle Römische Liturgie während der Opferung und während dem Kanon. Wer den Mut hat, sich in diese Stille hinein zu begeben, wird fast von selber zum inneren Beten des Herzens geführt. Dieses innere Beten kann so ausschauen:

- einfach da sein, vor dem Herrn, vor dem Drei Mal Heiligen Gott, in seiner heiligen und

   heilenden Gegenwart;

- in innerem Schweigen verharren, der Verstand steht still, dieses Rad in unserem Gehirn,

das ständig um Probleme oder um sich selbst kreist, soll still stehen, das Herz ruht beim

Herrn;

- in innerem Hören auf den Herrn lauschen: was hast Du mir zu sagen?

- wie der Lieblingsjünger Johannes am Herzen des Herrn ruhen, in seinem Frieden ruhen

und verweilen…

Wenn wir so beten lernen, ist Gebet nicht mehr so sehr unsere Aktion, unser Handeln, unser Denken, unsere Anstrengung, unsere Leistung… sondern ein Dasein, ein sich öffnen, ein empfangen von der Liebe des Herrn, wir lassen GOTT immer mehr an uns wirken. Auch bei der Mitfeier des Hl. Messopfers wollen wir dahin gelangen, dass wir immer mehr den Herrn handeln und wirken lassen… von seinem Erlösungsopfer her…

Das wahre Beten des Herzens ist eine Gnade, die Gott uns geben will. Doch um diese Gnade des inneren Betens wollen wir uns auch bemühen und sie lernen. Wer das übt, wird erfahren, wie viel Kraft und Heilung er empfängt, wie sehr das unser Leben bestimmt und trägt. „Wer recht zu beten weiß, der weiß auch recht zu leben.“

Wir haben uns drei Formen der Mitfeier des Hl. Messopfers in Erinnerung gerufen:

Das Singen. Das mündliche Beten. Das innere Beten des Herzens. Diese drei Formen gehören zusammen und ergänzen einander.

Gottesmutter Maria! Du hast das Wort Gottes gehört und in Stille in Deinem Herzen erwogen. Lehre uns die Liebe zur Stille. Führe uns zum inneren Beten des Herzens, damit der Herr uns die großen Ganden des Hl. Messopfers schenken kann. Amen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok