033) 24. Sonntag im Jahreskreis: Die liturtische Kleidung des Priesters - Zeichen für das Christusgeheimnis

24. Sonntag im Jahreskreis B) 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pf. Stephan Müller

DIE LITURGISCHE KLEIDUNG DES PRIESTERS: ZEICHEN FÜR DAS CHRISTUSGEHEIMNIS

Im Zentrum dieses Sonntagsevangeliums steht das Christusgeheimnis. „Wer ist Jesus Christus?“ Für unseren Glauben ist entscheidend: Christus ist der ewige Sohn Gottes, aus dem Herzen des Vaters gezeugt, aus dem Schoß der Jungfrau Maria geboren. Christus ist der Gottmensch, wahrer Gott und wahrer Mensch. Auf dem Bekenntnis zur Gottheit Christi bauen die Kirche, der Glaube, die Sakramente, das Evangelium, unser christliches Leben… alles. Wo Christus nicht mehr als der Sohn Gottes erkannt wird, da verlieren Glaube und Kirche ihre Grundlagen.

Das Christusgeheimnis drückt das Christentum seit den ersten Jahrhunderten durch viele Zeichen aus. Die Zeichen der Liebe, der Anbetung, der Verehrung: die Kniebeuge, die Sacralkunst, die Kirchenmusik, Gebete und Lieder…

Es gibt noch eine Form von liturgischen Zeichen, die letztlich zu Christus und seinem Geheimnis hinführen wollen: die liturgische Kleidung des Priesters bei der Heiligen Messe. Heute eine kleine liturgische Hinführung zu Symbolen, die wir bei jeder Hl. Messe erleben, damit wir sie auch kennen und verstehen.

Es hat eine tiefe Bedeutung, dass wir Priester nicht in der Alltagskleidung am Altar stehen, sondern eigene liturgische Gewänder tragen. Das hat nichts mit Personenkult zu tun. Nicht der Priester als Mensch will hier herausgehoben werden. Ganz im Gegenteil. Diese Gewänder sollen vom Menschlichen des Priesters wegführen und zu einem anderen hinführen, um den es eigentlich geht: Christus: Die liturgischen Gewänder wollen irgendwie andeuten und sichtbar machen, dass der Priester nicht als Privatperson Dienst tut, sondern in der Person eines anderen dasteht und handelt: Durch das Sakrament der Priesterweihe wird der Priester, wie das 2. Vatikanische Konzil sagt, Christus, dem ewigen Hohenpriester gleich gestaltet, um in der Person Christi, des Hauptes, handeln zu können. (2. Vatikanisches Konzil, PO 2). Der Priester darf bei der Hl. Messe Christus darstellen und bei der Hl. Wandlung in der Person Christi handeln. Christus, der Sohn Gottes, der Erlöser, wirkt und handelt bei der Hl. Messe durch den Priester. Dazu will die liturgische Kleidung hinführen. Wenn der Priester versus Dominum (nach Osten hin, zum Herrn hin) zelebriert, sind bei der Opferung und der hl. Wandlung auch das Gesicht des Priesters nicht mehr sichtbar. Bei diesen Augenblicken soll nichts Menschliches mehr vom Priester zu sehen sein. Natürlich ist nicht alles, was der Priester tut, Stellvertretung Christi. Auch der Priester ist ein Mensch mit Schwächen und Fehlern. Die Gläubigen mögen deshalb auch Geduld mit uns Priestern haben.

Die liturgischen Gewänder und Gefäße wurden immer aus kostbaren Materialien gefertigt, vor allem für die Sonn- und Feiertage. Gott ist ewige Liebe und Wahrheit. Und Liebe und Wahrheit sind immer Schönheit. Harmonie und Schönheit sind ein Kennzeichen der echten Kunst als ein Abbild der Schönheit Gottes. Diese Schönheit will unsere Seelen für die Schönheit des Himmels anziehen, für die Schönheit der Liebe und Wahrheit Gottes.

Das erste der priesterlichen Gewänder ist der Talar. Er ist eigentlich die Arbeitskleidung des Priesters und will die Zugehörigkeit zu Christus und zur Gemeinschaft der Priester der Kirche ausdrücken.

Über dem Talar – wenn er verwendet wird – trägt der Priester zuerst das Schultertuch. Es war früher eine Art Kapuze. Es wird zuerst am Kopf berührt, dann um die Schultern gelegt. Es ist ein Symbol für die „Zucht der Sinne und des Denkens“ (Benedikt XVI.). Bei der Hl. Messe sollen die Gedanken nicht bei den vielen Aufgaben und Problemen des Alltags kreisen, sondern auf den Herrn hin ausgerichtet sein.

Nach dem Schultertuch bekleiden wir uns mit der Albe, früher aus reinen Leinen gefertigt. Die Albe erinnert an die Reinheit und Jungfräulichkeit Christi, er ist der reinste und schönste aller Menschen. Von der Reinheit Christi her erinnert die Albe den Priester an die Notwendigkeit der Bekehrung und der Reinheit des Herzens. Der Priester und wir alle sollen mit gereinigter Seele an den Altar treten. Die Albe erinnert an die 144 000 der Apokalypse, die ihre Kleider im Blut des Lammes gereinigt haben.

Über der Albe wird die Stola getragen. Die Stola ist das Amtszeichen des Priesters. Immer wenn der Priester eine Amtshandlung vollzieht, im Namen Christi handelt, trägt er eine Stola: z.B. beim Beichthören, bei einer Segnung, bei einer Taufe... Die Stola will andeuten: „Jetzt segnet Christus!“ Jetzt tauft Christus!“ „Jetzt wandelt Christus Brot und Wein!“

Über der Stola trägt der Priester das Messgewand, die Casel. Casel kommt von Casula, Haus. In der Tradition erinnert die Kasel den Priester daran, das Joch Christi zu tragen: „Mein Joch ist nicht drückend, meine Last ist leicht“(Mt 11,30), sagt Christus.

Ein weiteres Kleidungsstück, das aus der Tradition her noch besteht, ist der Manipel, diese kleine Schleife, die am linken Arm getragen wird. Der Manipel war ursprünglich ein Schweißtuch, das dann später stilisiert wurde. Der Manipel erinnert den Priester daran, auch den Schweiß im Priesterdienst zu bejahen, auch das Mühsame und die Tränen, also das Kreuz.

Alle diese verschiedenen Teile der liturgischen Priesterkleidung zusammen sind also Zeichen, die den Priester und die Gläubigen auf den Hohenpriester Jesus Christus hinweisen wollen. Sie bringen zum Ausdruck, was das Priestertum der Kirche bedeutet: der Priester darf Christus vertreten, auf Christus hinweisen, und bei einigen ganz besonderen Augenblicken in der Person Christi handeln, wie z.B. bei der Hl. Wandlung. Er darf das Wort Christi, den Segen Christi, die Barmherzigkeit Christi an die Menschen weiterschenken, so wie Christus es auf Erden getan hat. Bei den vielen heiligen Priesterpersönlichkeiten der Kirche können wir das sehr schön erleben. Denken wir an den hl. Pfarrer von Ars, den hl. Pater Pio und viele andere, auch aus unserer Zeit.

Die Ankleidegebete des Priesters in der Sakristei (aus der Tradition):

Beim Waschen der Hände:

Gib Tugend, o Herr, meinen Händen, dass jeder Makel abgewaschen werde, damit ich Dir ohne jede Unreinheit des Leibes und der Seele zu dienen vermag.

Während er das Schultertuch über sein Haupt legt:

Setze, o Herr, auf mein Haupt den Helm des Heiles, damit ich alle teuflischen Anfechtungen

überwinde.

Während er die Albe anlegt:

Läutere mich, o Herr, und reinige mein Herz, damit ich, im Blut des Lammes weiß gewaschen, die ewigen Freuden genieße.

Während er das Zingulum anlegt:

Umgürte mich, o Herr, mit dem Gürtel der Reinheit und lösche aus meinen Lenden den Trieb der Begierlichkeit, damit in mir bleibe die Tugend der Enthaltsamkeit und Keuschheit.

Während er den Manipel an den linken Arm legt:

Möge ich würdig sein, o Herr, den Manipel der Tränen und des Schmerzes zu tragen, damit ich mit Jubel den Lohn der Arbeit empfange.

Während er die Stola um den Nacken legt:

Gib mir, o Herr, das Kleid der Unsterblichkeit zurück, das ich durch den Fall des Stammvaters verloren habe, und obwohl ich unwürdig Deinem Geheimnis mich nahe, möge ich doch die ewige Freude verdienen.

Während er das Messgewand anlegt:

O Herr, der Du gesagt hast: ‚Mein Joch ist süß und meine Bürde leicht‘, gewähre mir, dass ich

es so zu tragen vermag, dass ich Deine Gnade erlange. Amen.

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