031) Hochfest der Kirchweihe 2012: Entscheidung für Christus und Kirchengemeinschaft

Jahresgedächtnis der Kirchweihe (2.9.1792) – Hochfest der Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

„ENTSCHEIDUNG FÜR CHRISTUS UND KIRCHENGEMEINSCHAFT“

Während vor etwas mehr als 200 Jahren in Frankreich der Terror der französischen Revolution wütete, wurde hier unser Gotteshaus gebaut. Welcher Gegensatz! Am 2. September 1792 wurde die neue Kirche vom Brixner Fürstbischof Karl Franz von Lodron feierlich eingeweiht. Jedes Jahr ist dieser Weihetag für uns ein Hochfest. Wir wollen Gott danken, dass wir hier Christus in den heiligen Sakramenten begegnen und im Gebet zu ihm kommen können.

Es ist mir als Priester auch ein Anliegen, am Kirchweihfest allen ein herzliches Vergelts´ Gott sagen, die unser Gotteshaus das ganze Jahr über mit viel Einsatz pflegen und betreuen. Der Herr möge alle segnen und in ihren Anliegen ein Helfer sein, die sich um die Heiligkeit und Würde dieses Ortes sorgen.

Wozu brauchen wir ein Gotteshaus? Unser schönes Gotteshaus wurde zuerst und vor allem für die EUCHARISTIE errichtet, für die Feier der Hl. Messe. Hier erfüllen wir den Auftrag Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19)! Das katholische Gotteshaus ist viel mehr als ein Versammlungsort. Es ist der Ort, den Christus selber erwählt hat, um im Hl. Messopfer seine Liebe am Kreuz unter uns lebendig werden zu lassen, damit wir daraus leben können. Hier wird am Altar, durch die Hände des geweihten Priesters, das Heilige Opfer vollzogen. Das Hl. Messopfer öffnet den ganzen Reichtum der Erlösung und des Segens des Himmels für uns. Das ist das stille Geheimnis eines katholischen Gotteshauses, dass Christus uns hier einen Ort geschenkt hat, an dem ER SELBER Himmel und Erde miteinander verbindet und uns an sein Herz ziehen will.

Vor allem um der Eucharistie willen wurde unser Gotteshaus errichtet:

< Wo es um die Eucharistie geht, um das Allerheiligste, geht es zuerst um den Herrn selber. Er wohnt hier im Tabernakel als der stille und oft unerkannte Nachbar, weil er selber es will. Wir haben hier die Möglichkeit, den Herrn zu besuchen, vor seiner Gegenwart zu verweilen, mit ihm ins Gespräch kommen, vor seiner Gegenwart Heilung zu finden. Nützen wir diese Chance!

< Wo es um die Eucharistie geht, geht es um den ganzen Glauben. Denn die Eucharistie ist eine Zusammenfassung des ganzen von Gott kommenden Glaubens. Alle Glaubenswahrheiten gehen in der Eucharistie gleichsam wie in einer Ellipse zusammen: Dreifaltigkeit, Gottheit Christi, Erlösertod, Auferstehung, die Mariendogmen, Kirche, Sakramente… alles! Das 2. Vatikanische Konzil lehrt: „Die Heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle“(2. Vatikanisches Konzil, Dekret über Leben und Dienst der Priester, 5). Im katholischen Gotteshaus will, von der Eucharistie her, die ganze Fülle des Glaubens aufleuchten. Deshalb wollen wir hier gerne die Anstrengung schöne Pflicht auf uns nehmen, den ganzen von Gott kommenden Glauben zu hören, zu vertiefen und unser Leben damit konfrontieren.

< Wo es um die Eucharistie geht, dann kann die Kirche nicht anders, als es so wie Jesus zu machen: Wer über die Eucharistie murrt und diese Lehre im Glauben nicht annehmen will, der muss sich von Christus die Frage gefallen lassen: „Willst auch du weggehen?“(vgl. Joh 6,67) Am katholischen Eucharistieglauben scheiden sich die Geister. Das war immer so. Nach der Eucharistischen Predigt Jesu in Kapharnaum. In der Zeit der Reformation. Heute.

In dieser nicht einfachen kirchlichen Situation stehen auch wir persönlich mitten drin. Niemand kann neutral bleiben. Auch von uns erwartet der Herr, dass wir uns entscheiden: An Christus glauben und Kirchengemeinschaft leben ist nur möglich, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden und uns die Treue zu dieser Entscheidung erkämpfen. Ich denke, eine tragende Entscheidung in diesem Sinn ist die Sonntagsheiligung, die treue Mitfeier der Sonntagsmesse und das Leben mit der hl. Beichte.

Wir bräuchten heute mehr denn je wieder bekennende Christen, die sich öffentlich zu Christus, zum Papst und zur Kirche bekennen: Priester, Jugendliche, Männer, Frauen und Kinder. Leuchtende Beispiele aus England sind z.B. der hl. Bischof und Kardinal John Fisher und der heilige Laie Thomas Morus, Lordkanzler und Familienvater. Thomas Morus legte damals in England vor dem Parlament und somit vor der öffentlichen Meinung folgendes Bekenntnis ab:

„Das Gesetz des Parlamentes widerspricht direkt den Gesetzen Gottes und Seiner heiligen Kirche. Die höchste Leitung der Kirche oder irgendeines ihrer Teile gehört rechtmäßig nur dem Heiligen Stuhl von Rom. Unser Heiland selbst hat diesen Vorrang des heiligen Petrus und seiner Nachfolger im Bischofsstuhl von Rom mit Seinem eigenen Mund bekräftigt.“

Dieses Bekenntnis kostete Thomas Morus und auch Kardinal John Fisher das Leben. 1535 wurden beide hingerichtet. Wie sehr bräuchten wir heute in Europa Katholiken – Geistliche und Laien - wie Thomas Morus und John Fisher, welche die Treue zum Papst und die Gesetze Gottes furchtlos gegen die öffentliche Meinung bekennen.

Die Feinde der Kirche kamen in früheren Zeiten von außen. Heute gibt es Zerstörer des katholischen Glaubens sowohl von außerhalb der Kirche, als auch immer mehr im Innenraum der Kirche, wie Benedikt XVI. mehrmals andeutete: durch Sünde, durch Ungehorsam, durch Häresie und Irrlehre, oft auch in den Reihen der Priester. Um diese Not zu überwinden, müssen wir ganz bewusst den biblischen Weg der Bekehrung und des Glaubens gehen, jeden Tag neu, und nach Heiligkeit streben, d.h. nach der Christusnachfolge. Je mehr wir selber lebendige Kirche sind, Glaubende und Liebende - mit Feuer im Herzen, im Bekenntnis nach außen - trägt unser kleines Leben zur wahren Erneuerung der Kirche bei. Amen.

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok