006) Christkönig 2010: Das Laster des Spottes, eine Haltung des Teufels

Hochfest Christkönig C) 2010 - Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pf. Stephan Müller (Manuskript)

„IN JENER ZEIT

VERLACHTEN DIE FÜHRENDEN MÄNNER DES VOLKES JESUS.“ Lk 23,35

„SELIG, WER NICHT IM KREIS DER SPÖTTER SITZT.“ Ps 1,1

Über das Laster des Spottes, eine Haltung des Teufels.

Das Christkönigsevangelium des hl. Lukas führt uns zum Kreuz. Jesus ist am Kreuz der König der Liebe. Seine königliche Liebe ist die gekreuzigte Liebe. Es ist die Liebe, die die Welt erlöst. Die am Kreuz ausgebreiteten Arme des gekreuzigten Königs sind die Arme, die uns umarmen wollen. Wie ergeht es dieser königlichen Liebe Jesu am Kreuz? Das heutige Evangelium schildert, wie die Liebe Jesu auf eine zweifache Weise beantwortet wird. Einerseits mit lautem Spott und andererseits mit Glaube und Vertrauen.

Beginnen wir mit dem lauten Spott, der Jesus umgibt. Jesus erfährt im Leben immer wieder Spott. Auf Golgota findet dieser Spott seinen Höhepunkt. Die führenden Männer und die Hohenpriester spotten. Die Soldaten spotten. Der Verbrecher am Kreuz spottet. Die vorbeikommenden Leute spotten (Mt 15, 29-32). Der schlimmste Spott, den Jesus ertragen muss, kommt nicht von den Heiden oder von den Römern, sondern von den Pharisäern und Schriftgelehrten. Es sind diejenigen, die von Amts wegen Gott am nächsten sind. Sie suchen aber nicht Gott, sondern ihre Ehre und Macht.

Warum eigentlich? Was ist der Grund für diese Verspottung Jesu? Der Grund ist der Anspruch Jesu, der Sohn Gottes und Messias zu sein. Der Grund für den Spott ist auch, dass Jesus als Messias das Kreuz wählt, um uns zu erlösen. Diejenigen, die beim Kreuz Jesus verspotten, wissen um ihn. Sie wissen um seine Wunder und Krankenheilungen, sie kennen seine Predigt. Sie haben erlebt, dass Jesus der Gerechte und Heilige ist, doch sie konnten ihm bisher nichts antun. Jetzt, in dieser Stunde am Kreuz haben sie ihn in ihrer Gewalt. Jetzt können sie ihren Spott bis zum Letzten treiben, indem sie ihn töten. Der Spott wird sozusagen zur Lanzenspitze, die das Herz Jesu durchbohrt. Jesus lässt sich von diesem Spott der Sünde zu Tode verwunden, um uns zu erlösen und zu heilen. Das ist das Geheimnis der Liebe des Herzens Jesu. Wie Jesus diesen tödlichen Spott erträgt, offenbart seine unendliche Liebe.

Fragen wir nach dem Wesen des Spottes. Denken wir biblisch. Der Spott ist die Haltung des Teufels. Luzifer und seine Engel haben die Liebe Gottes zurückgewiesen und verloren. Nun beginnt Satan über Gott zu spotten. Er kann die Liebe Gottes nicht mehr ertragen, da er sie ja verworfen hat. So kann er Gott nur mehr verlachen und verspotten und versuchen, die Menschen auf seine Seite zu ziehen, ins Verderben. Die Spötter im Leben Jesu und bei seinem Kreuz nehmen diese Haltung des Teufels ein. Sie können Jesus, den Gerechten und Heiligen nicht ertragen, sie können nur auslachen und spotten.

Was sind Ursachen für den Spott? Es gibt viele Menschen, die Ehrfrucht und Respekt haben vor Gott, vor den Mitmenschen, vor dem Ehepartner, auch vor einem religiös oder politisch anders denkenden. Beim Spötter ist das nicht immer so. Eine Ursache für den Spott ist das Fehlen der Ehrfrucht, die mangelnde Werteerkenntnis, manchmal fehlt es auch am Anstand. Im Grunde genommen ist die Sünde die Ursache. Der Spott kann auch aus einem schlechten Gewissen kommen. Man spürt, dass man eigentlich so oder so tun sollte, etwas ändern sollte… Wenn man sich nicht ändert, sich nicht heilen lässt, geht man leicht zum Spott über. Am besten ist dieses Phänomen im Buch der Weisheit beschrieben: „Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der anderen nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden“(Weis 2,12.14f).

 

Der Spott der Welt

Wir meinem mit dem Spott eine Haltung, wo ein Mensch sich über andere Menschen oder über wertvolle Dinge lustig macht. Es gibt verschiedene Formen von Spott. Im Alltag, in den Medien, mit Bildern… In der Welt sind es die erhabenen Dinge, die zum Spott reizen: die reine Liebe, die Gerechtigkeit, die Wahrheit. Wer nicht verehren, aufblicken und anbeten kann, versucht im Spott die erhabenen Dinge herunterzuziehen.

Der Spott über die Kirche

Es ist wie bei Jesus am Kreuz, als ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten verspotteten. Die gemeinsten Angriffe und der übelste Spott auf die Kirche, ihre Lehre und auf den Papst kommen oft aus den eigenen Reihen. Von Leuten, die eine Berufung hatten, sich in der Kirche breitgemacht haben. Solche Menschen haben letztlich zu Jesus, dem Sohn Gottes nein gesagt, sie suchen ihre eigene Selbstverwirklichung. Je näher jemand in der Kirche von Amts wegen Gott war oder ist, desto schlimmer wird der Spott, wenn so ein Mensch sich nicht ganz Gott hingibt. Es kommt nicht selten vor, dass man als Priester mit so genannten Fernstehenden, Ungetauften oder Andersdenkenden einen respektvollen Umgang erlebt, dafür aber von Leuten aus den eigenen Reihen das Gegenteil erfährt.

Der Spott über den Glauben

Er kommt oft aus einem schlechten Gewissen. Wer nicht mehr zur Beichte geht, kommt in Versuchung, über die Beichte zu spotten. Manche, die nicht mehr zur Kirche gehen, neigen zum Spott über die Kirchgänger. Wer ein laues Leben führt, spottet leicht über die „extremen“ Christen, die dann zu „Fundamentalisten“ werden. Wer eine Lehre des katholischen Glaubens bewusst oder unbewusst ablehnt kommt in Gefahr, über den Glauben zu Spotten. Weil die Wahrheit als solches nicht angegriffen werden kann, werden dann jene ein Opfer des Spottes, welche die Wahrheit verkünden: der Papst, Bischöfe, Priester und Laien, die die Lehren des katholischen Glaubens öffentlich vertreten und bezeugen.

Wohin führt der Spott?

Der Spott ist ein Laster. Wer Spottet, der nimmt die Haltung des Teufels ein. Der Spott macht nicht glücklich. Wer das Gute und Edle nur herunterziehen kann, hat mit der Zeit nichts mehr, was ihn in seinem Leben halten kann. Das Leben des Spötters wird immer mehr zur Hölle. Spott führt zur Einsamkeit, zur Verzweiflung, schließlich zur Trennung von Gott, wie beim linken Schächer am Kreuz. Dieser treibt es in seinem Spott so weit, Christus zu verfluchen.

Wie können wir als Christen mit Spott umgehen?

 

  • Wer ernstlich den Weg des Glaubens geht, der wird in der gegenwärtigen Zeitsituation immer wieder Spott ernten. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jesus sagt: „Selig seid ihr, wenn ihr um meines Namens willen beschimpft und verfolgt und alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und Jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein“(Mt 5,11). Bei dem ist uns bewusst, dass auch wir selber schwache Menschen sind und hinter den Anspruch Christi zurückbleiben.
  • Bewahren wir Gelassenheit. Die Heilige Schrift sagt: „Gott lässt keinen Spott mit sich treiben“(Gal 6,7). An jenen, die sich nicht bekehren wollen, wird sich nach deren Tod das Wort Gottes erfüllen: „Ich werde jedem von euch vergelten, wie es seine Taten verdienen“(Offb 2,23).
  • Wir wollen die innere Not und die Gespaltenheit des Spötters sehen und für ihn beten, so wie Jesus am Kreuz für seine Spötter und Mörder gebetet hat.
  • Den Spott in Liebe ertragen, so wie Jesus den Spott ertragen hat, dies Jesus schenken zum Seelenheil der Spötter und für die eigene Heilung. Das ist Sühne.
  • An uns selber arbeiten, damit nicht wir selber die Ursache für den Spott anderer werden.
  • Nicht im Kreis der Spötter sitzen: „Selig der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt“(Ps 1,1)! Die Heilige Schrift warnt davor, mit solchen Menschen überhaupt Gemeinschaft zu pflegen.
  • Pflegen wir die Verehrung der Heiligen, die Anbetung und die Freude an der Weisung des Herrn.
  • Nehmen wir die Haltung des guten Schächers ein. Rufen wir zu Jesus um Erbarmen.

Jesus, der verspottete König am Kreuz. Inmitten des lauten Spottes leuchtet dennoch seine Liebe auf. Einige beim Kreuz nehmen diese Liebe an: Maria, der Apostel Johannes, Maria von Magdala, einige Frauen, der römische Hauptmann, und Dismas, der so genannte gute Schächer. Er hat sich nicht vom Spott der anderen beeindrucken lassen. Er hat sich Jesus geöffnet, ihn um Erbarmen angefleht. Und Jesus hat ihm seine ganze Liebe erwiesen. Wir könnten das für uns aktualisieren. Auch wir wollen uns nicht vom lauten Spott vereinnahmen lassen, der Jesus und die Kirche umgibt. Wir wollen die Liebe Christi erkennen, erbitten, uns ganz dieser Liebe hingeben. Das ist unser Weg zum Heil. Amen.

 

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