363) Fronleichnamssonntag 2020: ZUR WEIHE DER RENOVIERTEN KIRCHENORGEL

2. Sonntag nach Pfingsten - Sonntag in der Fronleichnamsoktav 2020

„EIN MANN HIELT EIN GROSSES GASTMAHL UND LUD VIELE DAZU EIN“ (Lk 14,16)

ZUR WEIHE DER RENOVIERTEN KIRCHENORGEL

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

In unserem Land läuten wieder die Glocken. Auch die Glocken sind wie der Diener im heutigen Evangelium, der uns Menschen zum Gastmahl ruft, dh zum Heiligen Messopfer. Wer sich rufen lässt, äußerlich und innerlich rufen lässt, erfährt die Güte Gottes, der unsere Seelen nährt. Im Hymnus des hl. Thomas von Aquin singen wir in der Fronleichnamsoktav an jedem Tag: „Deinem Heiland, Deinem Lehrer, Deinem Hirten und Ernährer, Zion stimm ein Loblied an.“ Wir lassen uns laden, gerne laden, heute, an vielen Tagen, an jedem Tag, und sind jetzt dabei, das Loblied anzustimmen auf das Höchste Gut, auf das Allerheiligste Sakrament des Altares.

           

Zion, stimm ein Loblied an!“ Damit wir uns leichter tun mit dem Loblied, haben wir die Kirchenorgel. Der Klang der Orgel geht unserem Lob voraus, begleitet es und klingt noch nach. Unserem Organisten an dieser Stelle ein herzliches Vergelt’s Gott und viel Freude mit der renovierten Orgel! Die Orgel hilft uns, das Lob Gottes zu singen. Ein paar Worte über die Bedeutung der Kirchenorgel.

           

Eine Kirchenorgel ist nicht einfach ein Instrument wie andere Musikinstrumente. Nicht umsonst wird die Orgel gerne „Königin der Instrumente“ genannt, weil ihr Spiel menschliches Können und Kunst verlangt; ein Organist spielt mit Händen und Füßen, was eine nicht geringe Herausforderung darstellt. „Königin der Instrumente“, heißt die Orgel auch, weil sie nicht nur königlich, majestätisch erklingen kann, sondern weil sie auch alle Regungen des Herzens, alle Dimensionen des Lebens, anzusprechen und geistig zu erheben vermag.

           

Über das rein Musikalische hinaus ist die Orgel ein Sakralinstrument von höchster Bedeutung für den katholischen Kult und Gottesdienst. Das Zweite Vatikanische Konzil bringt die Wertschätzung für die Kirchenorgel mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie, Abschnitt 120).

           

Das Orgelgehäuse in unserer Pfarrkirche verweist uns auf tiefe katholische Wahrheiten. Das Gehäuse ist nicht einfach irgendwie verziert. Die gewählten Symbole haben einen theologischen Hintergrund.

           

Die Weinreben, die in der Mitte des Orgelprospektes zu sehen sind, sind ein Symbol für das Allerheiligste Altarssakrament und das Göttliche Blut Christi, das am Altar bei der Heiligen Wandlung gegenwärtig wird. So ist die Orgel wie ein Gegenüber zum Tabernakel, sie verweist uns auf den Altar und das Opfer Christi am Altar. Es ist bezeichnend, dass die Zierschnitzerei über dem Tabernakel ganz genau dasselbe Weinreben-Motiv aufweist, das auf der Orgel zu sehen ist. „Edler Weinstock, süße Traube, strömend ew’ge Lebensglut“, singen wir im Herz-Jesu-Lied. Die Speise beim Gastmahl im heutigen Evangelium ist nichts Geringeres als der Wahre Leib und das Göttliche Blut Christi. Orgelmusik ist also etwas Himmlisches und verweist auf das, was vom Himmel kommt: das Allerheiligste Sakrament des Altares.

           

Noch ein schönes Symbol ist am Orgelprospekt zu entdecken. Die Schnitzereien links und rechts am Gehäuse haben eine Trompete und ein Horn eingearbeitet. Das Pedal hat tatsächlich ein Trompetenregister, das der Organist bei festlichen Einzügen und Auszügen zum Klingen bringt – es ist dann nicht zu überhören. Die von „oben“ erklingende Trompete ist wie ein Herold vom Himmel, wie ein Weckruf an uns „kleine Erdmenschen“, die sich im Kirchenschiff befinden: Wenn der Priester mit den Ministranten beim feierlichen Einzug zum Altar schreitet, gleichsam unter Posaunen- und Trompetenschall, ist das eine Botschaft an die Gläubigen: Lassen wir jetzt das Profane hinter uns, jetzt ziehen wir zum Himmlischen Jerusalem, jetzt vereinigen wir uns durch das Opfer am Altar, das der Priester darbringt, mit der Kirche des Himmels und der Liturgie des Himmels. Die Orgel kündet uns also: „Vom Himmel und zum Himmel!“

           

Jeder Lobpreis Gottes ist für uns immer Segenbringend. In einer Präfation betet die Kirche: „Unser Lobpreis kann Deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil“ (Präfation für die Wochentage IV).

           

Abschließend zwei spirituelle Worte über die Orgel:

           

„Die Orgel wird seit alters und zu Recht als die Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle Töne der Schöpfung aufnimmt und die Fülle des menschlichen Empfindens zum Schwingen bringt“ (Papst Benedikt XVI. am 13.9.2006 bei der Weihe der neuen Orgel in der Regensburger Stiftskirche).

           

„Kunstvoll vorgetragene Orgelmusik kann uns helfen, das Lastende aufzubrechen und das Frohe zu bestärken. Die Orgel ist der wortlose, aber tonreiche Begleiter unserer Feste. Sie ist Symbol unseres Glaubens an das Himmelreich mitten unter uns. Mit jedem Ton singt und sagt sie: Meine Stärke und mein Lied ist der Herr (Ps 118,14)“ (Erzbischof Karl Braun, Bamberg).

           

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