361) Pfingstsonntag 2020: KIRCHE DURCH GÖTTLICHES WORT

Hochfest Pfingsten 2020

„WENN EINER MICH LIEBT, WIRD ER MEIN WORT HALTEN.“ (Joh 14,23)

GÖTTLICHE HANDLUNGEN CHRISTI ZUM LEBEN DER KIRCHE:

1) DAS GÖTTLICHE WORT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Pfingsten wird gerne das Geburtsfest der Kirche genannt. Die Kirche beginnt mit der Menschwerdung Gottes in Nazareth. Christus ist als Gott das Haupt der Kirche und ihr erstes Glied; Maria ist das erste menschliche Glied der Kirche. Die Kirche wird dann von Christus während seines Erlöserlebens begründet. Kirchenstiftende Elemente sind zB die Predigt Christi, die Berufung der Apostel, die Einsetzung der Sakramente und des Petrusamtes. Am Kreuz erfüllt Christus seine Kirche mit dem neuen Leben der Erlösung. Am Pfingstfest tritt die Kirche dann in Jerusalem zum ersten Mal in die Öffentlichkeit.

           

Zu Pfingsten, wie uns die Lesung berichtet, geschieht Verkündigung des Wortes Gottes durch die Apostel, das führt zum Glauben und dann zur Taufe, so wird die Kirche ausgebreitet in den Herzen und als sichtbare Glaubensgemeinschaft. Der Heilige Geist hilft den Aposteln und uns, das Wort Gottes zu verstehen, damit wir erkennen, was wir zu tun und wie wir zu leben haben.

           

Was unterscheidet die Kirche von allen weltlichen Einrichtungen und Institutionen? Warum ist die Kirche nicht wie ein Staat, ein Wirtschaftsbetrieb, eine Gewerkschaft usw.? Leider ist es heute mit der Kirche oft so gekommen, dass sie mehr als eine weltliche Institution wahrgenommen wird. Alle weltlichen Einrichtungen und Institutionen begründen sich selbst, geben sich selbst ihre Statuten, ihre Ordnung und Ziele. Mit der Kirche ist es ganz anders. Die Kirche hat sich nicht selbst begründet, nicht sich selbst ihre Identität gegeben. Die Kirche ist eine Stiftung Gottes, und Gott selbst hat der Kirche ihr Wesen und ihre Identität gegeben. Deshalb kann sie auch nicht verändert werden. Am Beginn der Kirche steht das Handeln Gottes. Der Lebensweg der Kirche, der menschlich gesehen Höhen und Tiefen hat, ist vom Handeln Gottes geleitet und belebt. Auch die Vollendung der Kirche im Himmel wird ein Handeln Gottes sein.

           

Wir erkennen im gesamten Leben der Kirche zwei Handlungen Gottes, die die Kirche begründen und am Leben erhalten: Das Göttliche Wort und das Göttliche Blut. Bedenken wir heute das Göttliche Wort, morgen das Göttliche Blut.

           

1) Kirche beginnt immer mit dem Göttlichen Wort. Gott ruft und der Mensch antwortet auf den Ruf der Liebe Gottes. Das ist die Grundbedeutung des Wortes Kirche. Das Wort Kirche kommt aus der griechischen Antike, vom griechischen „ecclesía“, dh Versammlung; das Verbum heißt: ek-kálein = herausrufen. Davon kommt das lateinische Ecclésia, dann das deutsche Wort Kirche. Im alten Griechenland bedeutet das Wort Ecclesía Volksversammlung. Die Volksversammlung im alten Griechenland war etwas ganz Eigenes. Zusammengekommen sind 1. nur die Männer. Man ist 2. zusammen gekommen, um zu beschließen, was zu geschehen hat: für Politik, Kultur, Krieg-Frieden usw.

           

Dieses Wort Ecclesia finden wir dann in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes. Doch dieses Wort wird schon im AT in einem ganz anderen Sinn verwendet als bei den Griechen. Israel ist Ecclesia, Versammlung. Es ist das Volk Israel gemeint, das Gott herausgerufen hat aus den Heidenvölkern. Israel kommt zusammen, nicht um zu beschließen, sondern um zu hören, was Gott beschlossen hat, und dazu JA zu sagen (1). Ein großer Unterschied! Außerdem waren bei den Versammlungen Israels auch die Frauen und Kinder dabei. Die Sinaiversammlung wird dann zum großen Vorbild für Israel. Jede Versammlung Israels wird mit dem Gebet „Schemmai Israel – höre Israel“ begonnen. Auch das Morgengebet in der israelitischen Familie beginnt mit dem „Höre Israel“. Heute noch.

           

Dieses alttestamentliche Verständnis  von Kirche geht dann auch in das Neue Testament ein. Die Kirche ist das Volk, das Gott zusammenruft und vereint. Die Volksversammlung im NT ist ähnlich wie im AT. Die Kirche kommt zusammen, nicht um zu beschließen, sondern um zu hören, was Gott beschlossen hat, und dazu JA zu sagen. Der Wortgottesdienst beim Hl. Messopfer hat mit dem latreutischen Aspekt, der Gottesverehrung, auch diese Aufgabe. Wir kommen zusammen, um GOTTES Wort zu hören und unser Leben danach auszurichten.

           

Freilich gibt es im menschlichen Bereich der Kirche Beratungen und Beschlüsse, das hat es schon zur Zeit der Apostel gegeben. Denken wir an die Versorgung der Witwen in der Urgemeinde von Jerusalem durch die Diakone, hier hat man beraten und beschlossen. Doch die Grundberufung der Kirche ist es, im Bereich des Glaubens auf Gott zu hören und Gott zu gehorchen, in Liebe und Glaube. Das ist das Wesen der Kirche vom Wort Kirche her gesehen. Von dem her verstehen wir, dass die Kirche nie eine Demokratie sein kann, wo es um Mehrheiten geht. Über den Glauben, die von Gott geoffenbarte Wahrheit, kann man nicht demokratisch abstimmen, wie das vor Jahrzehnten z.B. in London im englischen Parlament geschehen ist, wo mit demokratischem Mehrheitsbeschluss für die anglikanische Hochkirche die Hölle als Glaubensinhalt abgeschafft wurde. Wenn zB in der katholischen Kirche 95 % der Katholiken etwas als Glaube annehmen, was mit der Offenbarung Gottes und dem überlieferten Glauben nicht übereinstimmt, wird es dadurch nicht wahr, es bleibt ein Irrtum.

           

Das erste Handeln Gottes, was die Kirche begründet und am Leben erhält: Das Göttliche Wort. Wenn wir Menschen uns nicht mehr durch Göttliches Wort rufen lassen, landen wir bei einem völlig säkularisierten Verständnis des Lebens und des Menschen, wo der Mensch nur mehr als ein Gebilde von Fleisch und Knochen gesehen wird, dessen „Gesundheit“ zu erhalten ist. Ein solches Verständnis ist eine der größten Krisen unserer Zeit, wenn nicht gar aller Zeiten. Ein solches Verständnis vom Menschen führt zum geistigen und ewigen Tod.

           

Wir haben in der heiligen Taufe und Firmung den Heiligen Geist und Seine sieben Gaben empfangen. Durch das Wort Gottes, in dem er spricht, ruft uns der Heilige Geist immer neu ins Leben, in die Liebe, in die Wahrheit. Ein großes Geschenk! Durch das Wort Gottes, das wir jeden Sonntag als Kirche demütig und aufrichtig hören wollen, ruft uns der Heilige Geist zu einem Leben im Geist und in der Wahrheit (Joh 4,24), zu einem ganzheitlichen Leben, das unserer geistigen und ewigen Berufung gerecht wird.

           

Zum Abschluss ein Weihegebet zum Heiligen Geist, vom ehrwürdigen Diener Gottes Papst Pius XII.:

           

„Komm, Heiliger Geist.  Dir schenke ich alle Fähigkeiten meines Leibes und meiner Seele. Beherrsche alle meine Leidenschaften, Gefühle und Regungen. Nimm hin meinen Verstand und meinen Willen, mein Gedächtnis und meine Phantasie. Heiliger Geist der Liebe, gib mir ein reiches Maß Deiner wirksamen Gnade. Gib mir die Fülle Deiner sieben Gaben, Deiner Früchte und Seligkeiten. Allerheiligste Dreifaltigkeit, möge meine Seele Dein Heiligtum sein. Amen.“

(1) Erläuterung zum Begriff ecclesia: Josef Ratzinger/Benedikt XVI., aus einem Vortrag über die Kirchenlehre des 2. Vatikanischen  Konzils am  27.2.2000.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.