355) Fest der Heiligen Familie 2020: AUF WEN HÖRE ICH? - OFFENBARUNG GOTTES UND PRIVATOFFENBARUNGEN

Weihnachtshochamt am Fest der Heiligen Familie 2020

UND JESUS „WAR IHNEN GEHORSAM“ (Lk 2,51)

AUF WEN HÖRE ICH? - OFFENBARUNG UND PRIVATOFFENBARUNGEN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der Zwölfjährige Jesus leistet sich, menschlich gesehen, in Jerusalem ein ganz schönes Stück. Nicht nur Sein Verhalten, auch Seine Antwort werden von Maria und Josef nicht verstanden. Warum so ein Verhalten? Vielleicht will der Zwölfjährige Jesus Seiner Mutter und Seinem Pflegevater zu verstehen geben, dass Er da eine noch ganz andere Beziehung zu pflegen hat, dessen Geheimnis sich die beiden nicht vorstellen können – die Beziehung zu Gott Vater. Christus weiß sich als Kind in der Krippe, als Zwölfjähriger und als Erwachsener zuerst und immer Seinem Vater im Himmel verpflichtet. Als Sohn Gottes will Jesus in dem sein, was Seines Vaters ist. Der Sohn hört auf den Vater im Himmel. Der Sohn bringt und das Wort des Vaters. Der Sohn vollbringt den Willen des Vaters. Hier werden wir auf das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit aufmerksam. Genauso unfassbar für uns ist, dass der gleiche Sohn Gottes, der sich so sehr dem Vaters verpflichtet weiß, zwei Menschen unterordnet und auf sie hört: „Und Er war ihnen gehorsam.“ Jesus Christus, der Sohn Gottes, hört auf Gott Vater, und Er hört auf Seine Eltern. Und in dieser Schule nimmt Er als Mensch zu an Alter und Weisheit. Ein Beispiel für uns.

           

Aus diesem Evangelium am heutigen Fest der Heiligen Familie wollen wir für uns eine einzige Frage herausziehen: Auf wen hören denn wir? Auf wen höre ich persönlich? Diese Frage kann man wahrscheinlich gar nicht schnell beantworten. Da muss man in Ruhe darüber nachdenken. Auf wen höre ich? Welches Wort hat für mich Gewichtigkeit, Glaubwürdigkeit, moralische Autorität, sodass ich es glaube und beherzige, oder sogar mein ganzes Leben danach ausrichte.

           

Es gibt viele Worte, die um uns werben: Fangen wir ganz unten an: Die Worte der Zeitung. Die Worte der Nachrichten, die allgemeine Meinung, der Tratsch, die Gerüchteküche, „hast du schon gehört…“ Heikler wird es im Beriech der Religion. - Es gibt auch Menschen, die auf niemanden mehr hören, sie sind ganz an ihr Ego gebunden. Deshalb kommen sie in ihrem Menschsein und auf ihrem Weg zu Gott nicht wirklich weiter.

           

Auf wen hören wir in der Kirche? Können wir auf die Kirche überhaupt noch hören? Gibt es in der Kirche noch ein Wort, auf das wir uns absolut verlassen können? Wir hätten genügend menschliche Gründe, um der Kirche nicht zu vertrauen, um nicht mehr auf sie zu hören. Trotzdem ist es nicht richtig zu denken, es sei in der Kirche alles negativ, alles relativiert, oder man würde sich nicht mehr auskennen was wahr und falsch sei. Es gibt in der Kirche tatsächlich ein Wort, das trägt und hält, ein Wort, das über jeder Zeit und Mode steht. Dieses Wort ist das Wort Gottes. Das Wort Gottes ist das Wort der Offenbarung. Christus sagt: Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,35).

           

Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche, Zitat Beginn: Christus Jesus - der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung. In seinem Wort hat Gott alles gesagt.

           

65: ,,Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn" (Hebr 1,1-2). Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, ist das vollkommene, unübertreffbare, eingeborene Wort des Vaters. In ihm sagt der Vater alles, und es wird kein anderes Wort geben als dieses.

Das bringt der hl. Johannes vom Kreuz in seiner Auslegung von Hebr 1,1-2 lichtvoll zum Ausdruck: ,,Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein Wort ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem einen Worte gesprochen. Denn was er ehedem nur stückweise zu den Propheten geredet, das hat er nunmehr im ganzen gesprochen, indem er uns das Ganze gab, nämlich seinen Sohn. Wer demnach jetzt noch ihn befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott geradezu beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richten würde, ohne jegliches Verlangen nach anderen oder neuen Dingen" (Carm. 2,22). Zitat Ende.

           

Der Katholische Glaube ist Offenbarungsglaube. Die Offenbarung ist Gottes Liebeswort zu uns Menschen. Nichts von Seiner Offenbarung hat Gott zurückgenommen. Die Offenbarung ist klar und eindeutig, sie ist nicht Licht und Finsternis zugleich, sie ist Licht.

           

Die Kirche lehrt im Katechismus weiter über die Offenbarung:

           

Zitat Beginn: Es wird keine andere Offenbarung mehr geben.

66: ,,Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund, niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus" (DV 4). Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen. Zitat Ende.

           

Die Kirche hat die schöne und heikle Aufgabe, in die Offenbarung, in die volle Wahrheit hineinzuwachsen. Das ist im katholischen Verständnis die sogenannte Dogmenentwicklung. Der Offenbarungsglaube hat sich in seinem Wesen nie verändert, doch die Kirche ist in das Verständnis des Offenbarungsglaubens immer tiefer hinein gewachsen. Es gibt zwei Offenbarungsquellen: Die Heilige Schrift und die mündliche Überlieferung. Eine Gesamtschau der Offenbarung, für die Vernunft aufbereitet, bietet die Kirche im Katechismus: Was Gott geoffenbart hat halten wir fest im Glaubensbekenntnis. Was wir glauben, feiern wir in der Liturgie. Was wir glauben und feiern, wollen wir in den Geboten Gottes leben. Was wir glauben, feiern und leben findet Eingang in unser Beten. Das sind die vier klassischen Teile eines Katechismus: Credo – Sakramente – 10 Gebote – Vater unser. Der Katechismus ist für die Katholiken und für jeden Menschen guten Willens, der den Offenbarungsglauben kennenlernen will.

           

Unser persönlicher Glaube ist in der Kirche aller Zeiten immer wieder gefährdet. Die erste Gefährdung kommt aus den eigenen Reihen, von jenen Katholiken, Amtsträger und Laien, die den Boden der Offenbarung, den Boden des Glaubens verlassen; die also das verlassen, was in der Kirche alle Gläubigen zu allen Zeiten und überall geglaubt haben (hl. Vinzenz von Lérins). Hier ist das Durcheinander heute tatsächlich sehr groß geworden. Wer in der Kirche die Offenbarung Gottes, das Gut des Glaubens, angreift, der disqualifiziert sich selbst, egal wer es ist. Im Bereich des Glaubens dürfen wir uns nicht in die Irre führen lassen. Die Offenbarung, die Gott in seiner Liebe in die Welt herein gesprochen hat, die bleibt. Und darauf können wir bauen.

           

Eine andere Gefährdung kommt zu allen Zeiten von privaten Botschaften und Lehren, wenn sie gegen die Göttliche Offenbarung gerichtet sind. Der Katechismus spricht darüber im Abschnitt über die sogenannten „Privatoffenbarungen.“  

           

Die Kirche lehrt im Katechismus über die “Privatoffenbarungen“:

           

67 Zitat Beginn: Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte ,,Privatoffenbarungen", von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu ,,vervollkommnen" oder zu ,,vervollständigen", sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. Unter der Leitung des Lehramtes der Kirche weiß der Glaubenssinn der Gläubigen zu unterscheiden und wahrzunehmen, was in solchen Offenbarungen ein echter Ruf Christi oder seiner Heiligen an die Kirche ist. Zitat Ende.

Was uns hier gesagt ist: Es gibt tatsächlich Botschaften und geistliche Lehren, die begnadete Menschen – Heilige, Mystiker – von Gott empfangen  haben. Solche Botschaften und Lehren sind nie Offenbarung im eigentlichen Sinn. Solche Botschaften und Lehren können eine Hilfe sein. Einige von der Kirche anerkannte „Privatoffenbarungen“ sind zB: La Salette, Lourdes, Fatima. Keine dieser von der Kirche anerkannten „Botschaften“ gehört zum Offenbarungsglauben. Kein Katholik ist verpflichtet, diese Botschaften zu glauben.

           

Der Katechismus fährt fort:

           

67 Zitat Beginn: Der christliche Glaube kann keine ,,Offenbarungen" annehmen, die vorgeben, die Offenbarung, die in Christus vollendet ist, zu übertreffen oder zu berichtigen, wie das bei gewissen nichtchristlichen Religionen und oft auch bei gewissen neueren Sekten der Fall ist, die auf solchen ,,Offenbarungen" gründen. Zitat Ende.

           

Hier macht uns die Kirche auf eine Gefahr aufmerksam. Es gibt Botschaften und Lehren, die der Offenbarung Gottes widersprechen. Alle diese Botschaften und Lehren wurden und werden von der Kirche zurückgewiesen. Wenn man diese fragwürdigen Botschaften anschaut fällt eines sogleich auf: Sie sind gerne mit Irrlehren verbunden, oft ganz subtil, und sie sind oft seitenlanges Geschwätz. Unser katholischer Glaube baut nicht auf privaten Botschaften und Lehren, sondern auf dem Zeugnis der Offenbarung Gottes. Wer auf fragwürdige „Privatoffenbarungen“ baut, wird sich immer weiter vom geoffenbarten Glauben der Kirche und dem Dreifaltigen Gott entfernen.

           

In Zeiten großer Verwirrung ist es sehr wichtig, nüchtern und wachsam zu sein (1 Petr 5,8). Hören wir auf das Wort Gottes, auf die Offenbarung, auf das Dogma der Kirche, auf das, was in der Kirche von allen, immer und überall geglaubt wurde. Dazu brauchen wir die Heilige Schrift und den Katechismus. Diese beiden Bücher, eingebunden in das sakramentale Leben mit der Kirche, sind sehr wichtig für uns. Lesen wir sie regelmäßig. Ein schöner Jahresvorsatz!

           

Wir kennen die Verheißung Christi über die Kirche, die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Das Konzil von Trient lehrt, was damit gemeint ist. Es ist nicht gemeint, dass die Kirche als menschliche Gemeinschaft unzerstörbar sei. Jedes Land, jede Diözese, jede Pfarre, jeder einzelne Katholik… kann den Glauben verlieren. Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen bedeutet: Das Dogma des Glaubens, die Offenbarung Gottes, kann nicht zerstört werden. Bleiben wir auf diesem Grund, den Gott selbst gelegt hat, und den niemand zerstören kann. Auf diesem Grund wird auch uns persönlich ein froher und tragender Glaube geschenkt. Amen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.