354) Namen Jesu Fest 2020: DAS HEILIGE MESSOPFER 21) DIE SPRACHE DES KÖRPERS

Fest des Allerheiligsten Namens Jesus – Sonntag vor Dreikönig 2020

„IM NAMEN JESU SOLLEN ALLE KNIE SICH BEUGEN

IM HIMMEL, AUF DER ERDE UND UNTER DER ERDE“ (Phil 2,10)

DAS HEILIGE MESSOPFER 21) DIE SPRACHE UNSERES KÖRPERS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Manche Tiroler Orte beginnen jetzt, wie vor kurzem zu hören war, sich für die Fasnacht zu rüsten. Nein, wir sind mit Weihnachten noch nicht fertig. Die Kirche leitet uns an, uns für etwas anderes zu rüsten. Acht Tage lang wurde uns die Freude der Weihnachtsbotschaft verkündet. Jetzt geht es um unsere Antwort, um unsere persönliche Antwort, um die Antwort der ganzen Schöpfung. Diese Antwort ist die Anbetung Gottes. „Im Namen Jesu sollen alle Knie sich beugen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.“ Das Namen Jesu Fest ist eine einzige Huldigung an den Namen Jesus, an die Person des Erlösers.

           

„Im Namen Jesu sollen alle Knie sich beugen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.“ Die Anbetung des Namen Jesus geschieht zum ersten Mal an der Krippe. Der Menschgewordene Gottessohn empfängt die Anbetung des Himmels, die heiligen Engel beten ihn an. Die Kirche huldigt dem Namen Jesu, die Kirche in ihren ersten Gliedern an der Krippe: Maria, Josef, die Hirten, dann die Heiligen Drei Könige. Sogar die Schöpfung huldigt dem Namen Jesu: Unvernünftige Tiere beugen ihre Knie. In unserer Hochaltarkrippe sehen wir anbetende Schafe, auch bunte Vögel sind zur Stelle, die dem Göttlichen Kind ein Ständchen zwitschern, die Huldigung der Schöpfung an der Krippe.

           

„Im Namen Jesu sollen alle Knie sich beugen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.“ Die Anbetung des Namens Jesus, die an der Krippe beginnt, wird durch die Kirche aller Zeiten fortgesetzt. Immer wird es Christen geben, die den Namen Jesu anbeten, die Jesus Christus als Erlöser der Welt und als ihren persönlichen Erlöser lieben, die Huldigung des Herzens darbringen. Die vollkommenste Huldigung/Anbetung des Namens Jesus geschieht im Heiligen Messopfer. Alles, was beim Heiligen Messopfer vom Priester und von den Gläubigen vollzogen wird, ist auf Gott ausgerichtet, auf die Huldigung des Namen Jesu, auf die Anbetung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

           

Diese Anbetung Gottes ist nicht nur ein geistiger Akt der Seele. Wir sind ja keine Engel. Auch unser Körper ist in die Anbetung einbezogen, Leib und Seele gehören ja untrennbar zusammen. Überdenken wir heute die schöne Sprache unseres Körpers, die verschiedenen Haltungen unseres Körpers beim Heiligen Messopfer, was diese Haltungen ausdrücken – immer gesehen als Huldigung an den Namen Jesus. Selbstverständlich gelten diese körperlichen Ausdrucksformen beim Hl. Messopfer nicht für betagte und kranke Menschen, nur für jene, die körperlich dazu in der Lage sind. Die Tradition hat beim Heiligen Messopfer den Gläubigen in Bezug auf die Körperhaltungen viel Freiheit gelassen. Nur für die markanten Teile der Hl. Messe haben sich allgemeine Gebetshaltungen des Körpers entwickelt, die mit den betreffenden Teilen der Hl. Messe innerlich zusammengehen. Diese Körperhaltungen formen unser Herz, unsere Geisteshaltung. Auch deshalb wollen wir sie pflegen und beibehalten.

           

Die erste Haltung ist das GEHEN. In der Krippe sehen wir Hirten auf dem Weg zur Krippe. Sie gehen zu Jesus, die Engel ermutigen sie und weisen ihnen den Weg. Die Heiligen Drei Könige sind auf dem Weg zur Krippe. Für uns beginnt das Gehen zu Jesus Christus daheim, wenn wir uns auf den Weg in die Kirche machen. Auch uns helfen die Schutzengel, dass wir rechtzeitig aufbrechen, um uns vor der heiligen Feier in der Bank noch ein wenig vorbereiten zu können. Beim Gottesdienst wird das Gehen zum liturgischen SCHREITEN. Das Schreiten beim Gottesdienst ist kein gewöhnliches gehen, es drückt bereits aus, dass wir uns an einem heiligen Ort befinden. Nicht hastig, mit Bedacht, mit freudiger Erwartung, schreiten wir zum Altar, von Orgelmusik begleitet. Das festliche Schreiten des Priesters und der Altardiener durch das Kirchenschiff erinnert an den Einzug in das Himmlische Jerusalem. Das Schreiten zur Kirchenbank bzw. zum Altar drückt schon aus, dass wir nicht zu einem Picknick, nicht zu einer Unterhaltung usw. gehen, sondern zum Thron Gottes, zum Himmlischen Jerusalem, zum Allerheiligsten Namen Jesu, von dem wir Heil und Leben empfangen.

           

Die einfachste liturgische Haltung ist das SITZEN. Das Sitzen ist mit der Lesung und der Predigt verbunden. Das Sitzen ermöglicht ein entspanntes und bewusstes Zuhören. In unserer Krippe ist nur die Gottesmutter sitzend dargestellt, sie ist der Thron der Gnade. Ihr Blick ist auf Jesus gerichtet. Ihr Sitzen erinnert an das betrachtende Gebet; Maria erwägt in ihrem Herzen (Lk 2,19) was da geschieht. Auch für uns ist es passend, beim betrachtenden Gebet ruhig und entspannt zu sitzen.

           

Was wir beim Hl. Messopfer hören, sind keine banalen oder gewöhnlichen Worte. Deshalb ist die etwas lockere Haltung des Sitzens nicht immer passend. Das Heilige Messopfer hat Teile, die eine größere Ehrfurcht erfordern als das Sitzen. Diese größere Ehrfurcht bringen wir mit der liturgischen Haltung des STEHENS zum Ausdruck. Blicken wir auf die Krippe. Der hl. Joseph spricht mit einem Hirten. Der hl. Joseph ist der Hüter des Heiligen. Er darf einen Menschen ganz nahe an der Krippe auf das Göttliche Kind hinweisen. So nahe am Geheimnis spricht der hl. Joseph stehend. Und stehend lauscht der Hirte seinen Worten. Merken wir den Unterschied: Die Höhe des Geheimnisses und die Höhe der Botschaft verlangen eine höhere Ehrfrucht der Seele und des Körpers.

           

So ähnlich ist es auch beim Heiligen Messopfer. Das höchste Wort Gottes ist das Evangelium, das Herrenwort, das Göttliche Wort Jesu Christi, das in Ewigkeit nicht vergehen wird (Mt 24,35). Aus Ehrfrucht hören wir das Evangelium nie sitzend sondern stehend. Das Stehen beim Evangelium drückt noch etwas aus. Wer beim Hören steht, der ist schon bereit zu gehen, bereit etwas zu tun. Das Wort Gottes will nicht nur angehört, sondern auch getan und gelebt werden. Noch etwas: Das Stehen wird zum Einstehen. Für das Evangelium müssen wir einstehen, für den Glauben müssen wir einstehen, öffentlich, mit Überzeugung. Wenn wir das Credo beten, haben wir die gleiche Körperhaltung wie beim Evangelium. Wir beten das Credo stehend, weil wir für den katholischen Glauben einstehen wollen.

           

Es gibt noch einige Messteile, wo das Stehen von Bedeutung ist. Die Gebete der Heiligen Messe haben verschiedene Grade der Intensität und des Stellenwertes. Der Priester ist beim Hl. Messopfer der erste Beter, der Beter von Amtswegen. Herausragende Amtsgebete des Priesters sind, abgesehen vom Kanon, die drei großen Orationen, Präsidialgebete genannt. Das Tagesgebet, Gabengebet und Schlussgebet. Bei diesen drei Gebeten steht der Priester kraft der Priesterweihe als Vertreter des gläubigen Volkes vor dem Thron Gottes, dankend und bittend, ein heiliger Augenblick. Das Zweite Vatikanische Konzil drückt das so aus: „Überdies werden die Gebete, die der Priester, in der Rolle Christi an der Spitze der Gemeinde stehend, an Gott richtet, im Namen des ganzen heiligen Volkes und aller Umstehenden gesprochen“ (*). Wenn der Priester diese Gebete spricht dürfen wir denken: Jetzt betet Christus beim Vater für uns, ein heiliger Augenblick. Deshalb sollen die Gläubigen bei diesen Gebeten nicht sitzen, sondern stehen oder knien. Man kann es von den Ministranten abschauen. Beim feierlichen Gottesdienst stehen die Ministranten, bei der Werktagsmesse knien sie. Auch wenn der Priester noch eine zweite oder dritte Oration anfügt wollen wir uns noch nicht niedersetzen, sondern uns stehend oder kniend mit ihm vereinigen. Auch beim sonntäglichen Asperges, dem Taufgedächtnis, entspricht das Stehen dem inneren Charakter des Bekenntnisses.

           

Der höchste Ausdruck der Ehrfrucht ist für uns in der Tradition der Römisch-abendländischen Kirche das KNIEN. Das Knien, das sich vor Gott niederwerfen, ist Ausdruck einer ganzheitlichen, leib-seelischen Anbetung Gottes. Bei den heiligsten Augenblicken, bei den größten Göttlichen Geheimnissen sollen wir das Knien pflegen: Bei der Heiligen Wandlung, bei der Heiligen Kommunion, beim Sakramentalen Segen, bei der Sakramentalen Lossprechung; unsere Vorfahren haben sich auch zum Priestersegen niedergekniet. Das vor-Gott-Knien verleiht uns Menschen eine innere Würde, gibt uns eine große Kraft fürs Leben und für den geistlichen Kampf. Das Knien ist auch für das Hochgebet die passende Haltung, zumindest ab dem Sanctus, bis zum Vater unser. Die Gebete des Priesters und der Gläubigen vor und nach der Heiligen Wandlung haben einen hohen Stellenwert, deshalb auch der Name Hochgebet. Beim Hochgebet pflegen wir durch das Knien auch die Hoch-Form der Ehrfrucht.

           

„Im Namen Jesu sollen alle Knie sich beugen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.“ Herr Jesus! Wir wollen Deinem Heiligen Namen beim Hl. Messopfer huldigen, mit Leib und Seele. Lass die Anbetung Deines Heiligen Namens Dir zur Ehre gereichen und uns zum Heil und zum Segen. Dein Heiliger Name sei uns Segen, Freude und Schutz im Leben, im Sterben und im Himmel auf ewig. Amen.

           

(*) 2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, aus Abschnitt 33           

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