353) Hochfest der Gottesgebärerin 1.1.2020: WAS UNS DER GLAUE ÜBER DIE ZEIT SAGT

Weihnachten 2019/20 – Hochamt am Oktavtag von Weihnachten – 1.1.2020

WIR WARTEN „AUF DAS ERSCHEINEN DER HERRLICHKEIT

UNSERES GROSSEN GOTTES UND RETTERS CHRISTUS JESUS“ (Tit 2,13)

WAS UNS DER GLAUBE ÜBER DIE ZEIT SAGT

(Millenarismus, Befreiungstheologie, Privatoffenbarungen)

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Heute ist der Oktavtag von Weihnachten, Hochfest der Gottesgebärerin, Weltfriedenstag. Wir danken dem Herrgott für das vergangene Jahr, auch für alle Gnaden, die Er uns an diesem heiligen Ort durch die Feier der Göttlichen Geheimnisse geschenkt hat. Wir bitten um Gottes Segen für das neue Jahr. An Gottes Segen ist alles gelegen.

           

Es gibt für uns einen kleinen Anknüpfungspunkt zum bürgerlichen Jahreswechsel: Der Blick auf die Zeit. Heute einige Gedanken zum christlichen Verständnis der Zeit. Die Zeit ist von Gott geschaffen, sie beginnt mit der Schöpfung und endet mit dem Jüngsten Tag. Nach dem Jüngsten Gericht, nach dem Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus, wie es der hl. Paulus in der heutigen Lesung ausdrückt, ist die Zeit zu Ende, da gibt es nur mehr die Ewigkeit. Die Ewigkeit ist nicht endlose Zeit, ständiges Kreisen. Die Ewigkeit ist das Gegenteil von Zeit, für uns schwer vorstellbar, weil wir nur in der Zeit denken und handeln können. Der Schöpfung als Ganzes und unserem Menschenleben im Kleinen sind vom Schöpfergott Zeiten und Fristen zugemessen. Jeder von uns hat eine bestimmte Zeit seines Lebens, bestimmte Jahre und Tage. Deshalb ruft uns der heilige Paulus im Epheserbrief zu: „Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit“ (Eph 5,15.16).

           

1) Die Kirche lehrt im Katechismus, im Abschnitt über den Antichrist: „Dieser gegen Christus gerichtete Betrug [des Antichrist] zeichnet sich auf der Welt jedesmal ab, wenn man vorgibt, schon innerhalb der Geschichte die messianische Hoffnung zu erfüllen, die nur nachgeschichtlich durch das eschatologische Gericht zu ihrem Ziel gelangen kann. Die Kirche hat diese Verfälschung des künftigen Reiches, selbst in ihrer gemäßigten Spielart, unter dem Namen ´Millenarismus´ zurückgewiesen [Vgl. DS 3839], vor allem aber die ´zuinnerst verkehrte´ politische Form des säkularisierten Messianismus [Vgl. die Verurteilung des falschen ´Mystizismus´ dieser Fehlform der Erlösung der Armen in der Enzyklika ´Divini Redemptoris´ Pius‘ XI]“ Zitat Ende; (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 676).

           

Dazu eine kurze Erläuterung: Wir haben durch den Glauben die Hoffnung auf ein vollendetes jenseitiges Heil im Himmel, das ist die messianische Hoffnung. Diese messianische Hoffnung, den Himmel, wird es in der irdischen Welt und Zeit, in der wir leben, nur ansatzweise geben, nicht vollendet. Mit anderen Worten: Im Irdischen und Zeitlichen wird es nie ein vollendetes Reich Gottes, ein Paradies auf Erden, geben. Warum geht das nicht? Weil die Menschen aller Zeiten mit der Erbsünde behaftet ins Dasein treten. Es wird nie den „Supermenschen“ geben, der von den Belastungen der Erbschuld frei ist. Christus sagt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18.36). Es gibt nur Zeit- und Gesellschaftsepochen, die manchmal mehr, manchmal weniger vom christlichen Geist der Liebe erfüllt sind. Das liegt an den Menschen, wie sehr sie sich vom Evangelium formen und erneuern lassen.

           

Mit dem christlichen Verständnis der Zeit unvereinbar ist der Millenarismus, auch Chiliasmus genannt. Der Millenarismus ist die Vorstellung von einem Tausendjährigen Reich Christi oder Friedensreich Gottes auf Erden, sozusagen ein christlich/kirchliches Paradies auf Erden. Der Millenarismus entspringt einer falschen Auslegung der Heiligen Schrift.

           

Mit dem christlichen Verständnis der Zeit unvereinbar ist auch die Vorstellung eines politisch säkularisierten Messianismus. Das ist wieder die Vorstellung von einem Paradies auf Erden, doch diesmal ohne Gott und ohne Kirche. Diese Vorstellung vom irdischen politischen Paradies begegnet uns konkret im Marxismus. Der Marxismus will ein politisch errichtetes Paradies auf Erden, die Mittel dazu sind Gewalt und Klassenkampf. Dass das ganz und gar nicht funktioniert erkennen wir zB an der Geschichte des Kommunismus in Russland im 20. Jahrhundert.

           

Diese Vorstellung vom politisch säkularisierten Messianismus wurde von manchen auch innerhalb der Kirche nachgeäfft, in der sogenannten Befreiungstheologie. Die Befreiungstheologie vertauscht die Erlösung der Seele durch den einen Erlöser Jesus Christus, das jenseitige Reich Gottes, das Kind Gottes sein in der Gnade, mit der Befreiung aus der materiellen Armut. Die Befreiungstheologie will zuerst zwar der Armut abhelfen, vergisst dabei aber auf Gott, vergisst auf die Berufung des Menschen zum jenseitigen Heil. Das ganze geschieht dazu noch im Fahrwasser des Marxismus und ist verbunden mit der Errichtung von politischen Systemen. Solche Befreiungstheologie hat mit eigentlicher Theologie natürlich nichts mehr zu tun.  Wenn wir heute manche missionarische Einrichtungen der Kirche etwas genauer unter die Lupe nehmen, müssen wir mit Sorge erkennen, dass sich da manches im Fahrwasser der Befreiungstheologie befindet; da geht es nicht mehr um Gott, um Glaube und Gnade, sondern um Umweltschutz, Regenwald, Solidarität usw. Natürlich gibt es in der Kirche die immer notwendige Sorge um die Überwindung der Armut, doch nicht ohne Gott und nicht ohne die notwendige Erlösung der Seelen. Der Blick auf die sozialen Heiligen der Kirche hat über diesen echten christlichen sozialen Einsatz Großes zu berichten.

           

Das war jetzt eine irregeleitete Vorstellung über die Zeit, die Vorstellung von einem irdischen Paradies auf Erden. Diese falsche Vorstellung begegnet uns, wie wir gesehen haben, in zwei Mänteln: Im religiösen Mantel des 1000jährigen Friedensreiches. Im Politischen Mantel des Marxismus und der Befreiungstheologie. Beide Lehren wurden von der Kirche zurückgewiesen. Die Zurückweisung des Millenarismus als mit dem Glauben unvereinbar geschieht zB schon durch den hl. Augustinus, dann durch Thomas von Aquin; beide Kirchenlehrer deuten die 1000 Jahre als die gesamte Zeit der Kirche, die Zeit Christi von der Krippe bis zum Jüngsten Tag; 1944 wird der Millenarismus durch das Lehramt von Papst Pius XII. nochmals zurückgewiesen. Die Fehlentwicklung der Befreiungstheologie wurden sehr klar und deutlich von Johannes Paul II. (6.8.1984) und Benedikt XVI. zurückgewiesen.

           

2) „Die Kirche wird nur durch dieses letzte Pascha hindurch, worin sie dem Herrn in seinem Tod und seiner Auferstehung folgen wird [Vgl. auch GS 20-21], in die Herrlichkeit des Reiches eingehen. Das Reich wird also nicht in stetigem Fortschritt durch einen geschichtlichen Triumph der Kirche zustande kommen [Vgl. Offb 19,1-9], sondern durch den Sieg Gottes im Endkampf mit dem Bösen [Vgl. Offb 3,18]. In diesem Sieg wird die Braut Christi vom Himmel herabkommen [Vgl. Offb 20,7-10]. Nach der letzten kosmischen Erschütterung dieser Welt, die vergeht [Vgl. Offb 21,2-4], wird es in Gestalt des letzten Gerichts zum Triumph Gottes über den Aufstand des Bösen kommen [Vgl. 2 Petr 3,12-13]“ Zitat Ende; (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 677).

           

Dazu wieder eine kurze Erläuterung: Hier wird uns etwas sehr Wichtiges über die Zeit gesagt. Das Reich Gottes auf Erden wird nicht ständig zunehmen, bis wir ein irdisches kirchliches Paradies auf Erden haben. Es wird im Weltlichen und Zeitlichen nie einen geschichtlichen Triumph oder Sieg der Kirche geben, nach dem dann wieder der Himmel auf Erden da wäre. Christus sagt etwas ganz anderes voraus: Die Kirche wird immer verfolgt werden. Christus sagt: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33). Den endgültigen Sieg Gottes über das Böse und das vollendete Reich Gottes wird es in dieser Welt und innerhalb der Zeit nie geben, sondern nur in der Ewigkeit. Dieser  endgültige Sieg Gottes in der Ewigkeit ist verbunden mit der Wiederkunft Christi am Ende der Zeit und dem Jüngsten Gericht. Nach dem Jüngsten Gericht gibt es die Gestalt dieser Welt und die Zeit nicht mehr. Diese Lehre der Kirche ist eine klare Zurückweisung aller vermeintlichen „Privatoffenbarungen“ die vorgeben, es würde nach der Wiederkunft Christi nochmals ein Paradies auf Erden geben. Wenn wir im Vater unser beten: Dein Reich komme, dann beten wir nicht um ein irdisches Paradies, wir beten, dass das Reich Gottes in unseren Seelen und in der Kirche aufgebaut wird.

           

3) Für das neue Jahr brauchen wir natürlich eine ermutigende Sicht der Zeit. Diese haben wir auch. Wir brauchen nicht zu warten auf die Utopie eines 1000jährigen Friedensreiches, auf einen illusorischen Triumph der Kirche, der nie kommen wird. Auch die Armen in der Welt hätten nichts davon, wenn wir sie auf solche zukünftige bessere Zeiten vertrösten würden. Die Heiligung der Zeit, die Erlösung der Seelen, das neue Aufblühen der Kirche, die Hilfe für die geistigen und materiellen Nöte der Zeit, das alles kann und soll bereits HEUTE geschehen. „Heute ist euch der Retter geboren“ (Lk 2,11). Der Sohn Gottes ist durch die Fleischwerdung in die Zeit eingetreten, Er hat die Zeit geheiligt. Seit Bethlehem und Golgota ist die Zeit der Welt die Zeit Christi. Seit Bethlehem und Golgota ist uns Christus in der Zeit nahe, gibt es die Gnade für die Zeit. Das Göttliche Kind und der Gekreuzigte haben uns die Fülle der Gnade (Joh 1,16) gebracht. Das tausendjährige Friedensreich, von dem in der Apokalypse die Rede ist, meint nach katholischer Schriftauslegung die Zeit der Gnade, die mit der Menschwerdung Gottes beginnt und mit dem Jüngsten Tag endet. Der heilige Paulus sagt es so: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung“ (2 Kor 6,2). Auch die Linderung der menschlichen Nöte geschieht bereits im Heute, eben in dem Maß, als wir uns einsetzen.

           

Unser Leitstern für das neue Jahr ist also die Gnade. Die Gnade kann in der Zeit immer und überall empfangen werden: Für jeden Tag, für jede Stunde, für jede Situation. Die große Gnadenstunde ist das Heilige Messopfer. Die großen Gnadenmittel sind die heiligen Sakramente. Die Gnade steht uns immer zur Verfügung. An uns liegt es, sie anzunehmen, sie zu nutzen. Wo wir mit der Gnade leben, wird auch das neue Jahr menschlicher und schöner werden.

           

Göttliches Kind in der Krippe, Gottesmutter Maria, heiliger  Joseph! Wir legen die Zeit des neuen Jahres in eure Hände. Wir danken für das Geschenk der Zeit und das Geschenk der Gnade. Amen.

           

Anhang zur persönlichen Vertiefung:

           

Benedikt XVI. über die Befreiungstheologie

www.kath.net, 09 März 2014

           

Emeritierter Papst sagte im Interview: Papst Johannes Paul II. habe einem marxistisch inspirierten Befreiungsbegriff entgegenwirken, zugleich aber den Einsatz für Freiheit aus christlichem Glauben heraus fördern wollen.

           

Rom (kath.net/KNA) Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hat in einem Interview die Lehre seines Vorgängers Johannes Paul II. (1978-2005) gegenüber der Befreiungstheologie erläutert. Der Papst aus Polen habe einem marxistisch inspirierten Befreiungsbegriff entgegenwirken, zugleich aber den Einsatz für Freiheit aus christlichem Glauben heraus fördern wollen, sagte sein langjähriger Mitarbeiter und Nachfolger Benedikt XVI. dem polnischen Journalisten Wlodzimierz Redzioch. Auszüge des Interviews erschienen in der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera».

           

Nach seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Kommunismus in Polen sei es für Johannes Paul II. es ein dringendes Anliegen gewesen, sich mit der Befreiungstheologie auseinanderzusetzen, so Ratzinger. Die in Lateinamerika aufgekommene Theologie sei in Europa und Nordamerika übernommen worden, da man sie als Unterstützung für die Armen verstanden habe, also als ein Anliegen, dem man ohne weiteres zustimmen könne. «Aber das war ein Fehler», so der emeritierte Papst.

           

Denn zwar sei es diesen Theologien um Armut und Arme gegangen, aber nicht um Hilfeleistungen, sondern um eine «große Umwandlung, aus der eine neue Welt» entstehen sollte: «Der christliche Glaube wurde damit zum Motor für revolutionäre Bewegungen und damit zu einer Art politischer Macht umgewandelt», so Benedikt XVI.

           

Einer solchen Verfälschung des christlichen Glaubens habe man sich aus Liebe zu den Armen widersetzen müssen, war Johannes Paul II. laut Benedikt XVI. überzeugt. Der polnische Papst habe Versklavung durch die marxistische Ideologie, die auch die Befreiungstheologie beeinflusst habe, in seiner Heimat erlebt. Aufgrund dieser schmerzhaften Erfahrungen sei er entschlossen gewesen, dieser Art von vermeintlicher Befreiung entgegenzutreten.

           

Andererseits habe ihm gerade die Situation in seiner Heimat gezeigt, dass die Kirche tatsächlich für Freiheit und Befreiung agieren müsse. Allerdings nicht politisch, «sondern indem sie im Menschen über den Glauben die Kräfte einer authentischen Befreiung weckt», so Benedikt XVI.

           

Die Auseinandersetzung mit der Befreiungstheologie sei das erste große Thema gewesen, mit dem der Johannes Paul II. ihn nach seiner Ernennung zum Präfekten der Glaubenskongregation 1982 betraut habe.

           

Die Lehre der Kirche

über die sogenannten „Privatoffenbarungen“

Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 66-67

           

66: ,,Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund, niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus" (DV 4). Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen.

           

67: Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte ,,Privatoffenbarungen", von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu ,,vervollkommnen" oder zu ,,vervollständigen", sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. Unter der Leitung des Lehramtes der Kirche weiß der Glaubenssinn der Gläubigen zu unterscheiden und wahrzunehmen, was in solchen Offenbarungen ein echter Ruf Christi oder seiner Heiligen an die Kirche ist.

           

Der christliche Glaube kann keine ,,Offenbarungen" annehmen, die vorgeben, die Offenbarung, die in Christus vollendet ist, zu übertreffen oder zu berichtigen, wie das bei gewissen nichtchristlichen Religionen und oft auch bei gewissen neueren Sekten der Fall ist, die auf solchen ,,Offenbarungen" gründen.

           

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.