352) Fest des hl. Stephanus: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE, UND EIN MÄRTYRER IN DER WEIHNACHTSZEIT?

Predigt zum Fest des Heiligen Diakon Stephanus, Erzmärtyrer der Kirche

26. Dezember 2019, 2. Tag der Weihnachtsoktav

Ehre sei Gott in der Höhe, und ein Märtyrer in der Weihnachtszeit?

Predigt von Diakon Florian Kathrein

 

Liebe Wallfahrer zur Krippe, zum göttlichen Jesuskind!

           

Ein wenig befremdlich klingt das ja schon. Erst gestern durften wir die gnadenreiche Geburt unseres Heilands Jesus Christus erleben, heute schon wird gesteinigt! Wir hören in der Lesung vom Heiligen Stephanus, dem Erzmärtyrer der Heiligen Kirche, und auch der Herr selbst mahnt im Evangelium die Verfolgung und Ermordung derer an, welche von ihm gesandt worden sind, um das Wort Gottes zu verkünden. Ein genauerer Blick allerdings offenbart die Schönheit und Logik, welcher in der Anordnung dieses Festes durch die Heilige Katholische Kirche steckt. Was hat es also mit diesem Erzmärtyrer auf sich? Weshalb sein Gedenken mitten in der Weihnachtszeit? Was bedeutet das für uns selbst?

           

1.) Allein durch die Anordnung des Festes erkennen wir den ganzen Erlösungsweg Christi, den Heilsweg seiner Jünger und des gläubigen Menschen überhaupt. Weihnachten dauert in der Sprache der Kirche, welche den Geburtstag Jesu ja als Oktav feiert, nicht nur ein Tag, sondern eine ganze Woche. Also ist heute ja auch Weihnachtstag. Und am Weihnachtstag ereignet sich also das Erzmartyrium des Heiligen Stephanus. Daher erkennt man schon einen Hinweis auf das Ziel Christi, nämlich die Erlösung am Kreuz! Krippe und Kreuz, Liebe und Leid, Gnadenangebot mit Annahme sowie Ablehnung sind untrennbar miteinander verbunden, auch bei uns heute – Heiliges Messopfer, seine Gnadenfülle und die Passion Christi. Auch der Heilige Stephanus wurde von diesem „Liebesleid“ nicht verschont.

           

2.) Die göttliche Hierarchie, welche sich in der Kirche fortsetzt, wird erkennbar. Gott ist der erste der handelt, und der die zukünftige Gottesmutter grüßt. Maria als vollkommenes Geschöpf gibt in Freiheit ihre Zustimmung und wird Gottesgebärerin. Die Apostel werden von Christus unterrichtet und zu Bischöfen geweiht, diese wiederum weihen die Priester. Unter Handauflegung und Gebet werden dann die Diakone geweiht, auch der Heilige Stephanus. Diese Hierarchie, dieser „heilige Ursprung“ zeigt: Alles Gute, alles Heil geht allein von Gott aus, nichts jedoch macht die Gnade allein, alle Glieder der Kette haben die Freiheit zum Ja und zum Nein. Übrigens sehen wir bei allen diesen Gliedern, dass das volle „Ja“ nur dann fruchtbar zustande kommt, wenn man im Letzten mit ganzem Herzen auf den heiligen Ursprung ausgerichtet ist, also sich versus Dominum wendet. Maria hat das getan – „Ich bin die Magd des Herrn“ (Lk 1, 38), der Heilige Paulus hat das nach seiner Bekehrung getan – „nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir“ (Gal 2, 20), der Heilige Stephanus hat das getan – „ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“ (Apg 7, 56), manche Apostel zB haben das nicht getan, und es wurde ihnen zum Verhängnis! Weihnachten kann also dann nur fruchtbar werden, wenn die vollständige Ausrichtung auf Gottes Wort im Fleisch gegeben ist, andernfalls ist eine Verirrung etwa in den Materialismus, die Konsumwelt, eben ein Ausrichtungsersatz, unausweichlich. Zum schlimmsten Ausrichtungsersatz zählt die Ausrichtung auf sich selbst, der Egoismus, die Egozentrik. Das hat dann mit Anbetung Gottes nichts mehr zu tun, so wird auch ein Ja niemals fruchtbar, nur das eigene Ich wird überhöht – wenn zB die Liturgie dieser Ausrichtung folgt, dann ist das der Tod der gottesanbetenden Liturgie. Das Bejubeln und Beklatschen der Menschen innerhalb des Gottesdienstes geht an dessen Wesen vorbei und wird alles andere als fruchtbar und gnadenbringend.

           

3.) Wir können erkennen, um was es bei Weihnachten eigentlich wirklich geht. Natürlich, es geht um die Geburt des Heilands, des Erlösers. Aber genauer, es geht nicht um einen „Jingle Bells“-Jesus es geht eigentlich um den, durch den viele zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, das Zeichen des Widerspruchs, so wie es Simeon im Tempel andeutete (Lk 2, 34). Dieses „zu Fall bringen“ und „Aufrichten“ setzt sich fort in der Verkündigung der katholischen Amtsträger. So haben wir es heute eindrücklich gehört, Stephanus verkündigte und die Juden hielten sich die Ohren zu, sie knirschten mit den Zähnen. Hier sehen wir einen Kernpunkt von Weihnachten – das Zeugnis und seine Folgen. In der Krippe legte das Jesuskind, wie im wirkenden Alter, mit Vollmacht Zeugnis von sich selbst ab. Nach Christi Himmelfahrt übernehmen dieses Zeugnis seine auserwählten Jünger, welche ihrerseits wieder nach Gottes Auswahl weihen und weitergeben („geht hinaus in alle Welt,..., lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe,...“ – Mk 16, 15 & Mt 28, 20). Aufgerufen zum Zeugnis für Christus ist in den Grundsätzen aber auch jeder Getaufte und Gefirmte Katholik, der nach Heiligkeit strebt.

           

In Verbindung mit den vorhergehenden Punkten müssen wir sagen, dass das Zeugnis für Jesus Christus, dem wahren Gott und wahren Menschen, immer verbunden ist mit den Freuden des Jesukindleins in der Krippe, der Herrlichkeit des Auferstandenen, aber auch mit den Schmerzen der Dornenkrone des Gottessohnes und dem Spott durch Manche, die ihn verachten. Man wird bei der Diakonenweihe nicht umsonst 6 Mal nach dem Willen gefragt und antwortet mit seiner Bereitschaft. Danach aber, bei der Evangeliumsübergabe, wird man ermahnt: „Was du liest, ergreife im Glauben, was du glaubst, das verkünde, was du verkündest, erfülle im Leben“. Der Heilige Stephanus ist eben dazu heute ein Musterbeispiel der Erfüllung. Er legt Zeugnis für den Christus ab, ihm werden die Freuden des Jesukindes und des Auferstandenen zuteil – er sah den Menschensohn zur Rechten Gottes in seiner Allmacht und helfend stehen – er stieß auf Unverständnis und schließlich Ablehnung und Mord, er hat aber alles das, was er geglaubt und verkündigt hat, erfüllt im Leben. Geglaubt und verkündigt hat er das Wort Gottes, den Weg, die Wahrheit und das Leben, kurzum die Liebe. Daher hat er auch die Liebe erfüllt – „rechne ihnen diese Sünde nicht an“ (Apg 7, 60).

           

In zusammenfassender Schau gibt uns das Fest des Heiligen Stephanus richtig zu denken. Beispielhaft wird uns hier der Weg des Heils, der nur im Blick auf Christus und sein Kreuz gelingen kann, gezeigt, denn es ist uns ja „kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg 4, 12). Dieser Weg beinhaltet auch das Zeugnis über den fleischgewordenen Gottessohn. Dieses Zeugnis ist meist nicht ganz einfach zu geben – selbst in der heutigen Lesung dürfen wir uns Stephanus nicht als jemanden vorstellen, der das einfach mal so aus dem Ärmel schüttelt. Nein, richtiges Zeugnis setzt Glaube, Tatkraft und Wille zum Tun voraus, andernfalls geschieht gar nichts. Und mit diesem Willen zur Tat kommt auch Christi Hilfe, das Zeugnis zu vollenden (der offene Himmel mit dem Menschensohn zur Rechten Gottes). Haben wir auch keine falsche Vorstellung von demjenigen, von dem Zeugnis zu geben ist. Jesus Christus, der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6), ist die Liebe, zweifellos. Aber die Liebe des Wortes Gottes ist eben keine schnulzige Liebe, keine oberflächliche Pseudoliebe, keine Liebe zum Wohlbefinden, keine esoterische Energieliebe oder etwa eine kosmische Wesenheitsliebe. Die Liebe des Wortes Gottes, das Verkünden nicht irgendeines Jesus oder eines halben Jesus oder eines Gelegenheitsjesus sondern das Verkünden des ganzen Christus, voller Liebe aber auch voller Gerechtigkeit, der sagt, dass keines seiner Worte je vergehen wird, schneidet ins Herz, sie dringt zum Kern der Seele hervor, sie stellt unweigerlich vor Entscheidungen, dann hört jedes „Spielchen“ auf. Man wird unweigerlich zur Entscheidung gerufen. Zum Treffen einer Entscheidung sagt Christus selbst: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein, alles andere ist vom Bösen“ (Mt 5, 37). Man kann sich dann die Ohren zuhalten, mit den Zähnen knirschen, oder man kann diese Liebe in Demut und Reue aufnehmen. Bitten wir die Gottesgebärerin und den Heiligen Erzmärtyrer Stephanus, dass sie uns lehren, wie sie das Wort Gottes in unseren Herzen demütig und freudig aufzunehmen, auf dass wir Frucht bringen mögen durch das Zeugnis des fleischgewordenen Gottessohnes und so Weihnachten richtig feiern. Kommt lasset uns anbeten, Amen.

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