350) 4. Adventsonntag 2019: DER ANTICHRIST

4. Adventsonntag 2019

DER ANTICHRIST

 

Der Antichrist

Nach den Worten des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes

1 Joh 2,18-27

Meine Kinder, es ist die letzte Stunde. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist.       

Sie sind aus unserer Mitte gekommen, aber sie gehörten nicht zu uns; denn wenn sie zu uns gehört hätten, wären sie bei uns geblieben. Es sollte aber offenbar werden, dass sie alle nicht zu uns gehörten.     

Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es. 

Ich schreibe euch nicht, dass ihr die Wahrheit nicht wisst, sondern ich schreibe euch, dass ihr sie wisst und dass keine Lüge von der Wahrheit stammt.         

Wer ist der Lügner - wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist: wer den Vater und den Sohn leugnet.          

Wer leugnet, dass Jesus der Sohn ist, hat auch den Vater nicht; wer bekennt, dass er der Sohn ist, hat auch den Vater.                                 

Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn das, was ihr von Anfang an gehört habt, in euch bleibt, dann bleibt ihr im Sohn und im Vater.         

Und seine Verheißung an uns ist das ewige Leben.

Dies habe ich euch über die geschrieben, die euch in die Irre führen.        

Für euch aber gilt: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat.

 

Der Antichrist

Die Lehre der Kirche im Katechismus der Katholischen Kirche

Artikel 675: Vor dem Kommen Christi muß die Kirche eine letzte Prüfung durchmachen, die den Glauben vieler erschüttern wird [Vgl. Lk 21,12;Joh 15,19 -20]. Die Verfolgung, die ihre Pilgerschaft auf Erden begleitet, wird das „Mysterium der Bosheit" enthüllen: Ein religiöser Lügenwahn bringt den Menschen um den Preis ihres Abfalls von der Wahrheit eine Scheinlösung ihrer Probleme. Der schlimmste religiöse Betrug ist der des Antichrist, das heißt eines falschen Messianismus, worin derMensch sich selbst verherrlicht, statt Gott und seinen im Fleisch gekommenen Messias [Vgl. 2 Thess 2,4-12; 1 Thess 5,2-3; 2Joh 7; 1 Joh 2,18.22].

 

Der Antichrist

Vom heiligen John Henry Newman

John Henry Newman (1801 bis 1890) ist der wohl berühmteste englische Konvertit aus der anglikanischen Kirche. Seine Schriften tragen den Charakter eines weisen und weitblickenden Kirchenlehrers, auch wenn ihm dieser Titel von der Kirche (noch) nicht verliehen ist.

 

Papst Franziskus hat diesen treuen Sohn der Kirche in England am 13. Oktober 2019 in Rom heiliggesprochen. Mit der Heiligsprechung erhält Kardinal Newman für die katholische Universalkirche eine Bedeutung. Auch sein Gedenktag wird künftig auf der ganzen Welt liturgisch gefeiert werden.

 

1835 hielt Newman mehrere Adventpredigten über das Thema: „Die Lehre der Kirchenväter über den Antichrist“. Später gab Newman diese Predigten als kleines Buch heraus und fügte seinen persönlichen Ausführungen über den Antichrist noch ein bemerkenswertes Post-Scriptum bei. Es handelt sich um eine Stelle in einem Brief des Bischofs Horsley, der 1838 geschrieben wurde.

Newman sieht seine persönlichen Ausführungen in diesem Brief des Bischofs Horsley wiedergegeben, bestätigt und zusammengefasst. Es sind prophetische Worte. Wie weit sie in unserer Zeitepoche Erfüllung finden, möge jeder für sich persönlich bedenken.

 

„Die Kirche Gottes auf Erden wird der Zahl ihrer Anhänger nach stark reduziert werden in den Zeiten des Antichrist (...) durch die offene Desertion der Mächte der Welt. Diese Desertion wird beginnen mit einer erklärten Gleichgültigkeit gegenüber irgendeiner besonderen Form des Christentums unter dem

Vorgeben allgemeiner Toleranz; diese Toleranz wird nicht der Ausfluss eines wahren Geistes der Liebe und der Geduld sein, sondern einer Absicht, das Christentum zu unterminieren durch Vervielfältigung und Ermutigung der Sektierer.

Die vorgegebene Toleranz wird weit hinausgehen über eine gerechte Toleranz (...) Die Regierungen werden gegenüber allen Gleichgültigkeit vorgeben und keinen im Vorzug beschützen. Aller staatliche Schutz wird beiseitegetan werden. Von der Toleranz der verruchtesten Häresien werden sie weiterschreiten zur Toleranz des Mohammedanismus, des Atheismus und schließlich zu einer positiven Verfolgung der Wahrheit des Christentums.

In jenen Zeiten wird der Tempel Gottes reduziert werden fast auf die Heilige Stätte, das heißt auf die kleine Zahl wirklicher Christen, welche den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit und ihre Lehre und ihre Verehrung und ihr ganzes Verhalten strikt nach dem Wort Gottes regeln. Die bloßen Namenschristen werden alle das Bekenntnis der Wahrheit im Stich lassen, wenn die Mächte der Welt es im Stich lassen.

Und ich halte dafür, dass dieses tragische Ereignis vorgebildet wird durch den Befehl an den heiligen Johannes, den Tempel und den Altar zu 'messen' und den äußeren Hof (die nationalen Kirchen) den Heiden zu überlassen, dass sie ihn mit ihren Füßen zertrampeln (Off. 11,1-2).

Das Eigentum des Klerus wird geplündert werden, der öffentliche Gottesdienst beschimpft und erniedrigt von diesen Deserteuren des Glaubens, die ihn einst bekannten, die aber doch nicht Apostaten genannt werden können, weil sie niemals ernstliche Bekenner waren. Ihr Bekennen war nichts weiter als ein Mitmachen mit Mode und öffentlicher Autorität. Im Prinzip waren sie immer, was sie nun offenbar sind, Heiden.

Wenn dieses allgemeine Desertieren vom Glauben stattfindet, dann wird der Dienst der Zeugen beginnen in Sack und Asche... Da wird nichts mehr von Glanz sein in der äußeren Erscheinung ihrer Kirchen; sie werden keine Unterstützung finden von den Regierungen, keine Ehren, keine Gehälter, keine Privilegien, keine Autorität, sondern das, was keine irdische Macht wegnehmen kann, was sie von Ihm bekamen, der ihnen den Auftrag gab, Seine Zeugen zu sein.“

Quelle: John Henry Newman: Der Antichrist. Kösel Verlag 1951, S. 92-94

 

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