345) 33. Sonntag im JK 2019: DAS HEILIGE MESSOPFER 19) DAS HEILIGE

33. Sonntag imJahreskreis - 23. Sonntag nach Pfingsten 2019

„WENN ICH AUCH NUR SEIN GEWAND BERÜHRE, WERDE ICH GEHEILT“ (Mt 9,21)

DAS HEILIGE MESSOPFER 19) DAS HEILIGE

Predigt von Pf. Stephan Müller

Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.“ Eine schwer kranke Frau setzt ihr ganzes Vertrauen auf Christus. Voll Glauben berührt sie den Saum seines Gewandes und wird augenblicklich geheilt. Dieses schöne Ereignis hat durch ein Zeichen in das Heilige Messopfer Eingang gefunden. Bei der Heiligen Wandlung greift der Diakon bzw. der Ministrant nach dem Saum des Messgewandes und hebt es ein wenig empor.

           

Was damals eine kranke Frau erfahren durfte, erfahren wir beim Heiligen Messopfer. Mit dem Diakon oder Ministranten dürfen wir alle bei der Heiligen Wandlung sozusagen den Saum des Gewandes Christi berühren, dh wir dürfen Christus begegnen, der uns Seine barmherzige Liebe und Gnade schenkt. Forschen wir heute ein wenig genauer nach dem Bereich, wo für uns diese gnadenhafte Begegnung mit Christus stattfindet. Dieser Bereich ist das Heilige. Was ist das Heilige? Das Heilige oder Sacrale hat immer mit Gott zu tun. Gott selber ist der Heilige in Person, der Drei Mal Heilige, wie die Heilige Schrift sagt (vgl. Isaias 6). Das Heilige ist - ganz allgemein - der Bereich oder Raum, wo wir gnadenhaft die Gemeinschaft mit Gott und Seine Gnaden empfangen. Mit anderen Worten: Das Heilige ist das, was an einem konkreten Ort, in einem konkreten Bereich, von Gott oder von einem Göttlichen Geheimnis ausstrahlt.

           

Wir können uns jetzt leider nicht mit der Offenbarung über das Heilige im Alten Bund befassen, es wäre sehr aufschlussreich. Gehen wir gleich zur alttestamentlichen Erfüllung des Heiligen und zu seinem Höhepunkt: Das Heilige in der biblischen Heilszeit. Christus ist das fleischgewordene Geheimnis Gottes, der Gottmensch, ER ist der Heilige in Person. Und das Heilige ist das, was von Christus ausstrahlt, das Heilige ist das, was die Menschen gnadenhaft aber doch ganz konkret in der Nähe Christi geistig erfahren, oder sogar mit Händen greifen können, wie die Blutflüssige Frau. Die Dämonen müssen zähneknirschend Christus als den Heiligen und das Heilige bekennen, das von Ihm ausgeht: „Ich weiß wer du bist: der Heilige Gottes“ (Lk 4,34), ruft ein Dämon, bevor ihn Christus austreibt. In diesem Bereich des Heiligen erfahren die Menschen das Wirken Christi, in biblischer Zeit und wir heute.

           

Das Heilige hat auch ein Gegenüber, das ist das Unheilige. Die höchste Steigerung findet das Unheilige im Diabolischen, im Teuflischen. Luzifer hat die Heiligkeit Gottes verworfen und wurde dadurch das Unheilige in Person. Kennzeichen des Unheiligen sind zB das Fehlen von Liebe, Wahrheit, Freude, Frieden, Schönheit, Ordnung… stattdessen zeigt sich das Unheilige gerne im Kleid der Unordnung, der Verwirrung, der Auflehnung gegenüber den Geboten Gottes und der überlieferten Glaubensoffenbarung. Seit dem Sündenfall der Engel und der Menschen besteht in der Heilsgeschichte der Gegensatz zwischen Licht und Finsternis, man kann auch sagen: Der Gegensatz zwischen heilig und unheilig.

           

Können wir das Heilige und das Unheilige wahrnehmen? Selbstverständlich! Beides hat seine Ausstrahlung. Das Unheilige oder Diabolische macht genug Aufsehen und Lärm, in früheren Zeiten wie auch heute. Je stärker sich das Unheilige oder Diabolische in einer Zeitepoche kundtut, desto deutlicher und schöner ist auch das Heilige zu erkennen. Dem Heiligen begegnen wir auf verschiedene Weise und in verschiedener Intensität. Es gibt das Heilige zuerst im menschlichen Bereich, immer dort, wo Menschliches mit Göttlicher Gnade verbunden ist. ZB: Der Mensch ist als Person aufgrund der Gottesebenbildlichkeit etwas Heiliges, das Gewissen ist etwas Heiliges, das Ehebett ist etwas Heiliges... Jede Religion hat in ihrem eigenen Verständnis auch Vorstellungen über das Heilige. Im katholischen Glauben begegnen wir dem Heiligen auch überall dort, wo wir es mit Gott zu tun haben: Der Glaube als Solches ist etwas Heiliges, das Heilige Messopfer, die Sakramente, der Sonntag, das Gottgeweihte Leben, das Gotteshaus... Das sind alles Bereiche, wo wir das Heilige erfahren. Das Heilige findet für uns Katholiken die höchste Steigerung und Entfaltung in dem, was wir das Allerheiligste nennen, das Allerheiligste Sakrament des Altares: Jesus Christus in der Heiligen Hostie, gegenwärtig als wahrer Gott und wahrer Mensch.

           

Noch etwas zur Unterscheidung: Das Heilige ist eine geistige Wirklichkeit, wir können sie nicht sehen und nicht mit Rationalismus nachrechnen. Das Heilige hat nichts zu tun mit Emotion, Event, Stimmung bei Massenveranstaltungen usw. Der Ausdruck heilige oder sakrale Atmosphäre meint die Wahrnehmung des Heiligen, das „erspüren“ des Heiligen mit unseren Sinnen und den geistigen Fähigkeiten der Seele. Das Heilige wird nicht von uns gemacht, es ist etwas Gnadenhaftes, was von Gott und/oder einem Göttlichen Geheimnis ausstrahlt. Je aufrichtiger wir beim Gottesdienst nicht uns selber feiern, sondern GOTT ehren und GOTT anbeten tragen wir dazu bei, einander die Erfahrung des Heiligen zu erleichtern. Durch das Pflegen heiliger Zeichen wirken wir in gewisser Weise auch mit, das Heilige menschlich „erfahrbar“ zu machen.

           

Im Bereich der Liturgie hat uns Gott Hilfen gegeben, das sind die heiligen Zeichen, zum Beispiel:

Die priesterlichen Paramente sind ein Zeichen für den Hohenpriester Jesus Christus. Das Zweite Vatikanische Konzil spricht noch von den „heiligen Gewändern“ (Konstitution über die heilige Litgurgie/Sacrosanctum Concilium, Abschnitt 124).

Der Weihrauch ist ein Zeichen für die Gegenwart Gottes.

Das Gold in der Sakralkunst ist ein Zeichen für das Himmlische.

Die Liturgiesprache Latein ist ein Zeichen, sie wird Sakralsprache genannt. Die nicht allgemein verständliche lateinische Liturgiesprache weist uns darauf hin, dass wir es beim Heiligen Messopfer mit einem Geheimnis zu tun haben, das wir nicht durchschauen können.

Die Kanonstille und die Stille bei der Hl. Wandlung sind wie ein heiliger Schleier, der das Geheimnis bedeckt. Alle großen Dinge geschehen in Stille.

Nach dem Vorbild des alttestamentlichen Gottesdienstes im Jerusalemer Tempel haben wir in der katholischen Liturgie also viele kleine und große heilige Zeichen, die das Heilige der Gegenwart Gottes und der Göttlichen Geheimnisse ausdrücken. Diese heiligen Zeichen haben natürlich eine dienende Funktion, doch sie sind sehr wichtig, weil wir nicht Engel, sondern Menschen aus Fleisch und Blut sind, auf Zeichen angewiesen. Auch im menschlichen Bereich ist das so. Wenn zB in einer Ehe oder Familie gegenseitige Zuneigung und Wertschätzung nicht immer wieder in konkreten Zeichen ausgedrückt wird, verroht und verringert sich die geistige Liebe. Die Kirche hat das Göttliche Geheimnis des Heiligen Messopfers in der Tradition sehr sorgfältig und liebend mit heiligen Zeichen umgeben und geschützt. Diese heiligen Zeichen sind gleichsam das Gewand Christi. Das Christusgeheimnis können wir nicht berühren. Berühren können wir nur das Gewand Christi, so wie die Blutflüssige Frau im Evangelium.

           

Wir erleben in unseren Tagen einen sich ausbreitenden Kampf gegen das Heilige, in der Gesellschaft und leider auch in der Kirche. Im Übergehen liturgischer Weisungen der Kirche hat man das Kleid der Zeichen oft nicht mehr für notwendig befunden und sich davon verabschiedet. Damit ist das Göttliche Geheimnis für unser Bewusstsein vielfach verloren gegangen. Wo in der Liturgie das Heilige sogar gestört oder kaputt gemacht wird, schädigt oder zerstört man den Lebensraum der Religion, schädigt oder zerstört man den für uns notwendigen Raum der Gotteserfahrung. Die Zerstörung des Heiligen innerhalb der eigenen Religion nennt man Ikonoklasmus. Die Schändung oder Entweihung des Heiligen im Bereich der Religion nennt man Sakrileg. Auch die Auflehnung gegen das Heilige ist hier zu nennen. Solche Fehlhaltungen sind Sünden gegen die Gottesverehrung, gegen die ersten drei Gebote Gottes. Die Sünden gegen das Heilige sind im Letzten eine Auflehnung gegen Gott selber, sie sind auch vom Bösen Feind beeinflusst, der uns abhalten will, im Heiligen die Barmherzige Liebe Gottes zu erfahren.

           

Halten wir uns fern von allen Bereichen, wo das Unheilige oder Diabolische am Werk ist und ausstrahlt. Wie die Blutflüssige Frau wollen wir gerne nach dem Saum des Gewandes Christi greifen, dh treten wir gerne ein in das Heilige: Es ist nicht nur der einzige Raum, in dem wir Christus und seine Barmherzige Liebe erfahren. Das Heilige ist auch der einzige Schutz vor allem Unheiligen, das unser Leben und unseren Glauben bedroht. Im Buch der Weisheit heißt es: „Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz“ (Weish, 6,10). Am stärksten erfahren wir das Heilige beim Hl. Messopfer, beim Ausgesetzten Allerheiligsten, beim Tabernakel.

           

Beim Stufengebet betet der Priester das Gebet „Aufer a nobis“. Dieses kleine Gebet erinnert uns, dass wir beim Heiligen Messopfer zum Allerheiligsten hintreten dürfen: „Nimm weg von uns, so bitten wir, Herr, unsere Sünden, damit wir ins Heilige des Heiligsten mit reinem Herzen einzutreten verdienen.“           

Lieben wir das Heilige! Amen.          

 

           

 

           

           

     

 

     

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