344) 32. Sonntag im JK: DAS HL. MESSOPFER 18) HL. MESSOPFER UND PRIESTERTUM

32. Sonntag im Jahreskreis - 22. Sonntag nach Pfingsten 2019

„DAS IST MEIN LEIB – DAS IST MEIN BLUT“ (aus den Wandlungsworten)

DAS HEILIGE MESSOPFER 18) HEILIGES MESSOPFER UND PRIESTERTUM

Predigt von Pf. Stephan Müller

          

Das Göttliche Geheimnis des Heiligen Messopfers, in seiner Herzmitte die Heilige Wandlung, steht nicht isoliert und für sich alleine da, es ist mit einem anderen Göttlichen Geheimnis verbunden, mit dem Priestertum. Die Verbindung des Hl. Messopfers mit dem Priestertum ist so tief, dass es das eine ohne das andere nicht gibt; ohne den Priester gibt es kein Heiliges Messopfer, ohne das Heilige Messopfer kann kein Priester leben oder überleben.

           

Denken wir heute über das Priestertum nach. Das Staunen über das Sakrament der Eucharistie (Johannes Paul II.) führt uns auch zum Staunen über das Sakrament der Priesterweihe.

           

Der Priester wird mit dem, was er in der Kirche lehrt und sakramental vollzieht, von vielen nicht mehr verstanden. Das hängt nicht damit zusammen, dass der Priester scheinbar keinen Zugang zu den Menschen hat, es ist, denke ich, eher umgekehrt, es haben Menschen keinen Zugang mehr zum Priester als Priester. Vielleicht ist an diesem Dilemma mancher Priester selber nicht ganz unschuldig, wenn er nämlich menschlich-moralisch nicht durch und durch priesterlich lebt, nicht authentisch ist. Dass der Priester oft nicht mehr verstanden wird hängt jedoch auch vom Leben der Getauften ab. Wer als Getaufter religiös, menschlich, moralisch usw. nicht mehr Christlich lebt, sondern in anderen Weltanschauungen beheimatet ist, der kann den Priester mit seinem Auftrag nur schwer verstehen.

           

Wer ist der Priester? Versuchen wir heute, uns einige theologisch-dogmatischen Grundlinien des katholischen Priestertums in Erinnerung zu rufen.

           

1) Christus, der Hohepriester

           

Um den Priester zu verstehen, müssen wir vor allem auf Christus schauen. In der Kirche gibt es letztlich nur ein Priestertum, das Priestertum Jesu Christi. Christus ist unser Priester bzw. Hohepriester, wie der Hebräerbrief sagt. Damit ist gemeint: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Um uns zu erlösen, hat sich Christus am Altar des Kreuzes als makelloses Opfer dem Vater dargebracht. Die Kirche betet in einer Osterpräfation (V): „Er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm.“ Jesus Christus, durch sein Erlösungsopfer am Kreuz unser Mittler, unser Weg zu Gott, das ist der Kern des Priestertums Christi. Der katholische Priester ist – vom Mittlertum Christi her gesehen – ein Mittler zwischen Gott und den Menschen. Wenn man es ganz genau ausdrücken will: Der Mittler zwischen Gott und Mensch ist natürlich nur der Hohepriester Jesus Christus (1 Tim 2,5). Doch Christus hat durch die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der hl. Sakramente den Priester in diesen Mittlerdienst eingebunden. Kurz: Der Priester will den Menschen eine Hilfe sein, um zu Gott zu finden und in den Himmel zu kommen, wie der hl. Pfarrer von Ars gerne sagte. Dieser Dienst ist wesentlich mehr als Lebenshilfe oder Krisenbewältigung.

2) Einsetzung eines sichtbaren Weihepriestertums durch Christus

           

Unser Herr Jesus Christus übt dieses sein Priestertum nicht auf eine rein „charismatische“, dh eine rein geistgewirkte Weise aus. Christus hat konkret die zwölf Apostel auserwählt und zu Priestern des Neuen Bundes geweiht und eingesetzt. Kennt ihr die Geburtsstunde des Sakramentes der Priesterweihe? Beim Letzten Abendmahl hat Christus zusammen mit der Hl. Eucharistie auch das Priestertum der Kirche gestiftet. Das Priestertum ist so sehr mit der Hl. Eucharistie verbunden, dass Christus es gleichsam in einem Atemzug gestiftet hat. Das ist die dogmatische Lehre der Kirche über die Einsetzung des Allerheiligsten Altarssakramentes und des Sakramentes der Priesterweihe beim Letzten Abendmahl.

           

3) Durch die hl. Weihe wird der Priester Christus gleichförmig

           

Was geschieht mit dem Priester bei der Priesterweihe? Durch das Sakrament der Priesterweihe wird der Priester dem Hohenpriester Jesus Christus gleichförmig, wie es das 2. Vatikanisches Konzil formuliert (2. Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum Ordinis, 2), damit Christus durch den Priester wirken kann. Die Gleichgestaltung des Priesters mit Christus durch die Priesterweihe ist Seinsmäßig, ein Eingriff in die Seele. Die Priesterweihe verleiht daher ein unauslöschliches Prägemal. Jeder Priester ist „Priester auf ewig“ (Ps 110,4). Das katholische Priestertum kann nicht reduziert werden auf einen Job, auf ein Management, auf Organisation, Weltverbesserung, Brauchtumserhaltung usw. Das Priestertum ist eine Seinsberufung. In allem, was der Priester tut, darf er Priester sein.

           

4) Der priesterliche Zölibat

           

Ein äußeres Zeichen dafür, dass der Priester eine Seinsberufung hat, ganz in Christus verwurzelt ist, ist der Zölibat, die jungfräuliche Lebensform des Priesters. Der Priester will so leben, wie Jesus Christus. Natürlich ist die Gleichgestaltung mit Christus für den Priester als Mensch auch eine große Herausforderung. Deshalb muss auch der Priester, wie jeder Getaufte, sich um Bekehrung, um Tugend, um Glaube… bemühen.

           

5) Der Priester handelt in der Person Christi, des Hauptes der Kirche

           

Dem Priester werden bei der Weihe nicht einfach äußere Funktionen oder Aufgaben übertragen. Es ereignet sich mehr. Christus vereinigt sich mit der Seele des Priesters, Christus bindet sich an die Seele des Priesters, damit das priesterliche Wirken ein Wirken Christi wird. Kurz: Christus handelt und wirkt durch den Priester. Der hl. Augustinus lehrt zB über die hl. Taufe: Wann immer einer tauft, ist es Christus selber, der tauft (*). Oder: Wenn der Priester segnet, ist es Christus, der segnet. Am eindrucksvollsten merken wir das bei der Heiligen Wandlung und bei der heiligen Beichte. Bei der Heiligen Wandlung sagt der Priester nicht: „Das ist der Leib Christi.“ Er sagt in der Person Christi: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“ Bei der Lossprechung sagt der Priester nicht: „Christus spreche dich los.“ Er sagt in der Person Christi: „Ich spreche dich los.“ Das ist ein tiefes Geheimnis. Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt das in der Glaubenssprache: Der Priester handelt bei den zentralen Augenblicken der Sakramentenspendung, wie zB bei der Heiligen Wandlung und der Lossprechung „in der Person Christi, des Hauptes der Kirche“ (2. Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum Ordinis, 2). Um das Handeln in der Person Christi auch nach außen hin anzudeuten, trägt der Priester beim Hl. Messopfer ein Messgewand, bei priesterlichen Amtshandlungen eine Stola.

           

Der Priester wird vor allem dazu geweiht, bei der Heiligen Wandlung das Opfer Christi darzubringen, zum Heil der Lebenden und der Toten (Konzil von Trient). Alle übrigen Dienste des Priesters, der Verkündigungsauftrag, die Spendung des Bußsakramentes und der anderen Sakramente, der soziale Einsatz… all das geht aus dem Opfer und dem Opfern am Altar hervor.

           

Bei der Heiligen Wandlung handelt der Priester allein - in seiner Weihevollmacht. Es braucht keine Zustimmung und kein Mitwirken der Getauften. Nur der geweihte Priester kann gültig die Heilige Wandlung vollziehen. Johannes Paul II. lehrt in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia (17.4.2003): „Der Dienst der Priester, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, macht in der von Christus bestimmten Heilsordnung deutlich, dass die von ihnen gefeierte Eucharistie eine Gabe ist, die auf radikale Weise die Vollmacht der Gemeinde überragt. Das priesterliche Dienstamt ist unersetzlich, um die eucharistische Konsekration gültig an das Kreuzesopfer und an das Letzte Abendmahl zu binden“ (Ecclesia de Eucharistia, 29).

           

Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt diesen Dienst des Priesters mit folgenden Worten: „Auf der Stufe ihres Dienstamtes haben sie [die Priester] Anteil am Amt des einzigen Mittlers Christus (1 Tim 2,5) und verkünden allen das Wort Gottes. Am meisten üben sie ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28), im Messopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (vgl. 1 Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden“ (2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die hl. Kirche, Lumen gentium, 28). Hier ist nichts anderes gesagt, als was die Kirche immer geglaubt und gelehrt hat.

           

Beten wir deshalb nicht nur um Priesterberufungen. Beten wir auch darum, dass das Sakrament der Priesterweihe, so wie Christus es eingesetzt und die Kirche es überliefert hat, wieder im Glauben erfasst und angenommen wird. Amen.

           

(*) Vgl. Augustinus, In Ioannis Evangelium Tractatus VI., cap. I, n.7: PL 35, 1428. Angeführt in: 2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie, SACROSANCTUM CONSILIUM, Abschnitt 7;

           

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