343) 31. Sonntag im Jahreskreis 2019) DAS HL. MESSOPFER 17) MYSTERIUM FIDEI

Sonntag nach Pfingsten 2019

„DU HAST ALLES GEMACHT, DEN HIMMEL UND DIE ERDE“ (Introitus)

DAS HEILIGE MESSOPFER 17) MYSTERIUM FIDEI

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Wir sind verwöhnte Kinder Gottes! Ist uns das bewusst? Wir sind umgeben, umsorgt, behütet und geleitet von den Geheimnissen Gottes. Alle Geheimnisse Gottes bündeln sich im Heiligen Messopfer, noch genauer gesagt: In der Heiligen Wandlung. Papst Paul VI. schreibt in seiner Enzyklika über die Eucharistie, Mysterium fidei, aus dem Jahr 1965: Die Eucharistie ist „ein ganz großes Geheimnis, ja, wie die heilige Liturgie sagt, Geheimnis des Glaubens im eigentlichen Sinn. ,<In ihm allein sind>, wie sehr weise Unser Vorgänger Leo XIII. sagte, <in einzigartiger Fülle und Vielfalt der Wunder alle übernatürlichen Wirklichkeiten enthalten>“ [*].

           

Vor dem unaussprechlichen Wunder der Heiligen Wandlung ruft die Kirche aus: MYSTERIUM FIDEI. Im überlieferten Messritus ist dieser Ausruf direkt in die Wandlungsworte hineingebunden. Bei der Wandlung des Weines in das Blut Christi hält der Priester sozusagen mitten im Geschehen kurz inne, und spricht MYSTERIUM FIDEI. Es ist ein Ruf des Staunens, der Liebe, der Fassungslosigkeit vor diesem Handeln der Liebe Gottes.

           

Halten wir heute ein wenig inne bei diesem Ausruf MYSTERIUM FIDEI, der mit der Heiligen Wandlung verbunden ist, in der Mitte des Hl. Messopfers. Wie können wir mit einem so großen Geheimnis umgehen? Wie sollen wir überhaupt den Geheimnissen Gottes, dem Geheimnis als Solches, begegnen? Vom rechten Umgang mit dem Geheimnis hängt viel ab. Dazu heute ein paar Impulse – vom rechten Umgang mit den Geheimnissen Gottes.

           

1) Uns der Geheimnisse Gottes inne werden

Wir sind von vielen Geheimnissen Gottes umgeben. Die Geheimnisse Gottes, die unseren Lebensweg begleiten und erleuchten, sind so zahlreich wie die Sterne an einem klaren Nachthimmel. Sie umgeben uns, nur sehen wir sie oft nicht, was verschiedene Ursachen haben kann. Im heutigen Introitus ist das Geheimnis der Schöpfung angesprochen. Die Lesung spricht vom geheimnisvollen Geisteskampf zwischen Gut und Böse, das Evangelium handelt vom Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes und der menschlichen Barmherzigkeit, die am Bespiel Gottes Maß nehmen soll. Denken wir an die vielen anderen Geheimnisse Gottes: Das Geheimnis des Lebens, das Geheimnis der menschlichen Liebe, das Geheimnis der Empfängnis eines Kindes. Dann die Geheimnisse des Glaubens: Das Geheimnis des Einen und Dreifaltigen Gottes, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, das Geheimnis der Erlösung, das Geheimnis der Kirche… Im Zentrum der Glaubensgeheimnisse steht die Heilige Wandlung, das was Gott dort für uns wirkt.

           

2) Die Geheimnisse Gottes demütig anerkennen

Erkennen wir an, dass es viele Dinge gibt, die größer sind als unser Verstand, größer sind als wir selber. Wenn das schon für die Geheimnisse des Lebens gilt, für die Liebe, wie viel mehr gilt das für Gott und für die Geheimnisse unseres Glaubens. Die beiden großen Wunder bei der Heiligen Wandlung – die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers von Golgota und die Transsubstantiation/Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi – können wir nur demütig anerkennen. Kein Mensch und kein Engel kann dieses Geheimnis erklären.

           

Der hochmütige Mensch will alles mit seiner Vernunft verstehen bzw. mit seinen Händen angreifen, alles im Griff haben. Was wir hochmütig begreifen wollen, entzieht sich unserem Zugang. Papst Paul VI. warnt in der erwähnten Enzyklika Mysterium fidei vor dem „Gift des Rationalismus“. Gemeint ist: Dem Geheimnis der Heiligen Wandlung und des Hl. Messopfers kommen wir nicht nahe, wenn wir es begreifen wollen. Mit Rationalismus, mit diesem hochmütigen „Verstehen-wollen“ kommen wir nicht weiter. Das Geheimnis des Hl. Messopfers demütig anerkennen, wie ein Kind. Eine Herausforderung für uns.

           

3) Die Geheimnisse Gottes respektieren

Respekt vor dem Geheimnis ist der erste Schritt der Ehrfurcht, Respekt ist der erste Schritt, dass wir überhaupt in die Nähe eines Geheimnisses gelangen können. Die Kirche hat das große Geheimnis des Glaubens, das Allerheiligste Altarssakrament, mit Zeichen des Respekts und der Ehrfurcht umgeben: ZB die frühchristlichen Chorschranken, die den Altarraum vom Kirchenschiff abtrennen, daraus entwickelte sich die Kommunionbank; die das Heilige verhüllenden Zeichen: Messgewand, Weihrauch, die Sakralsprache Latein.

           

Die Geheimnisse Gottes – auch das Altarssakrament – respektieren bedeutet auch: Wir dürfen das Göttliche Geheimnis des Hl. Messopfers nicht auf unser menschliches, profanes, alltägliches, gewöhnliches oder gar primitives Niveau herunterziehen. Das Geheimnis des Hl. Messopfers steht über uns, als solches wollen wir es stehen lassen.

           

Die Geheimnisse Gottes respektieren bedeutet auch: Wir dürfen nicht greifen nach dem Geheimnis, das Geheimnis ist unserer Willkür, unseren Vorlieben, unserer „Messgestaltung“ usw. entzogen. Im Paradies greifen Adam und Eva nach der Frucht am Baum der Erkenntnis von Gut und Böse; gemeint ist: Adam und Eva greifen, im Verlangen ihres Herzens, nach dem Geheimnis Gottes, nach dem Geheimnis des Lebens. Sie wollen den Code des Lebens knacken, sie wollen selber wie Gott sein. Was ist die Folge? Sie verlieren Gott und richten einen großen Schaden an. Wer nach dem Geheimnis greift, verliert es. Wenn wir zB das Geheimnis einer Rose entdecken wollen, sie zerlegen und zerpflücken, dann machen wir sie kaputt.

           

4) Die Geheimnisse Gottes verehren

Wo wir Menschen die Geheimnisse Gottes anerkennen und respektieren, beschreiten wir den Weg der Ehrfurcht, der Weg der Ehrfurcht wird zum Weg der Liebe. Wie können wir das Geheimnis der Heiligen Wandlung verehren? Beginnen wir mit dem Staunen. Ein Kind kann über Schönes, Großes und sogar Kleines stauen, im sprichwörtlichen Sinn große Augen machen vor Stauen. Das Zeitalter des Machens und der Elektronik hat das Staunen verlernt. Papst Johannes Paul II. hat der Kirche 2005 die Enzyklika ECCLESIA DE EUCHARISTIA geschenkt. Wie er selber sagte, wollte er uns damit anleiten, wieder das „Staunen über die Eucharistie“ zu entdecken und zu lernen (**).

           

Über etwas Großes und Wundervolles Staunen kann nur ein demütiger Mensch, ein Mensch mit einem kindlichen Herzen. Aus dem Staunen entspringt auch eine direkte Quelle der Freude. „Staunen nur kann ich und staunend mich freuen!“, singen wir im Gloria der „Schubert-Messe“.

           

Das Göttliche Geheimnis der Heiligen Wandlung und des Allerheiligsten Altarssakramentes verehren wir innerlich durch unsere Liebe und Wertschätzung, äußerlich durch die Zeichen der Ehrfurcht, wenn es körperlich möglich ist: Eine schöne Kniebeuge, das Knien, würdige Kleidung usw.

           

5) Aus den Geheimnissen Gottes leben

Von Karl Rahner stammt das Wort: „Hoffnung schöpfen kann man nur aus dem Geheimnis!“ Wir können dieses Wort erweitern und sagen: Gnade, Frieden, Segen, innere Erbauung… schöpfen können wir nur aus dem Geheimnis. Die Geheimnisse Gottes, auch das Geheimnis der Heiligen Wandlung und des Hl. Messopfers, sind nicht dazu da, dass wir sie verstehen, sondern dass wir aus ihnen leben.

           

Ein Wort von Josef Eger: „Geheimnisse kann man verehren und dann ertragen. Vielleicht kann der moderne Mensch das gar nicht mehr: ein Geheimnis der Schöpfung ruhig verehren. Er möchte alles aufdecken in der Natur und in der Menschenseele. Aber unter jedem ausgeleuchtetem Abgrund tut sich ein neuer auf, und jedes aufgestörte Geheimnis rächt sich. Es gibt ein gutes Forschen und Suchen. Es gibt aber auch das ungute Wühlen und Grübeln, das nur umkehrt, durcheinanderbringt. Nicht alles soll ans Tageslicht. Vieles, vielleicht gar das Eigentliche, braucht das Hütende Dunkel und den bergenden Schoß“ (***) – ich darf ergänzen: Das Geheimnis. Amen.

           

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