341) Hochfest Allerheiligen 2019: CHRISTLICHE SELIGKEIT

Hochfest Allerheiligen 2019

„SELIG SEID IHR“ (Mt 5,11) – CHRISTLICHE SELIGKEIT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

„Selig!“ So beginnen die markanten Verheißungen Christi aus der Bergpredigt, die wir die acht Seligpreisungen nennen. Wie oft begegnet uns in der Heiligen Schrift das Wort und die Verheißung der Seligkeit! Seligkeit ist ein Grundwort der biblischen Offenbarung. Selig und Seligkeit – was bedeutet das? Im Alten Testament beginnt das Buch der Psalmen mit einer Seligpreisung: „Selig der Mann, der nicht im Kreis der Spötter sitzt, nicht den Weg der Sünder geht sondern seine Freude hat an der Weisung des Herrn“ (Ps 1,1). Elisabeth preist bei der Heimsuchung die Gottesmutter Maria selig: „Selig, die geglaubt hat“ (Lk 1,45). In den acht Seligpreisungen preist Christus jene Menschen selig, die in ihrem Leben das tun, was zeitliches und ewiges Glück nach sich zieht. Christus sagt: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war“ (Mt 18,11). Hier wird die Seligkeit bereits zum Inbegriff der Freuden des Himmels.

           

Christliche Seligkeit ist wie eine Medaille mit zwei Seiten. Die eine Seite der Medaille zeigt uns die Seligkeit als eine menschliche Tat. Die andere Seite der Medaille zeigt uns die Seligkeit als eine Verheißung Gottes. Schauen wir uns diese beiden Seiten noch etwas genauer an.

           

Die Seligkeit als menschliche Tat umfasst unseren Weg des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Gebote Gottes, der Tugend, der Christusnachfolge. Seligkeit als menschliche Tat bedeutet, dass wir Taten setzen müssen. Christusnachfolge besteht ja nicht in schönen Worten, sondern in Taten. In den acht Seligpreisungen der Bergpredigt geht es zuerst um konkrete menschliche Haltungen und Taten, zB. Armut im Geist: Demut vor Gott. Sanftmütig – geduldig sein. Barmherzigkeit üben – Verzeihung schenken. Frieden stiften. Verfolgung und Verleumdung um Christi willen ertragen. In der Heiligen Schrift tragen solche Taten den Stempel der Seligkeit. Ich denke, dass gemeint ist: Solche Taten zu setzen, zB Vergebung leben, Frieden schließen – ist nicht immer einfach für uns, das kann sogar sehr schwierig sein und viel Tugend und Selbstüberwindung kosten. Doch wenn wir mit Gottes Hilfe solche Taten setzen, haben sie die Gnade der Seligkeit in sich, sie machen uns selig, dh sie schenken nicht nur anderen, sondern uns selber inneren Frieden, Freude, sie machen uns glücklich.

           

Die Seligkeit als Verheißung Gottes umfasst den irdischen und himmlischen Lohn, den Gott uns Menschen gibt für das, was wir auf Erden aus aufrichtiger Liebe zu Gott und den Menschen an Gutem tun oder um des Glaubens willen erleiden. Seligkeit als Verheißung Gottes meint auch alle geistigen Güter und Gaben, die Gott jenen im Himmel schenkt, die ihn auf Erden geliebt haben. Seligkeit als Verheißung Gottes ist der Inbegriff der Freuden des Himmels. Seligkeit ist die Erfüllung all dessen, wonach sich unser menschliches Herz sehnt, kurz gesagt: Seligkeit ist die Stillung der Liebessehnsucht des Menschen.

           

Das sind die beiden Seiten der Medaille Seligkeit: Die menschliche Tat und die Verheißung Gottes. Die christliche Seligkeit ist keine billige Vertröstung ins Jenseits, wie der Kirche manchmal vorgehalten wird. Wer so denkt, hat vom Glaubensweg nichts begriffen und auch noch nichts erfahren. Wer sich bemüht, die menschlichen Taten der Seligpreisungen zu setzen, erfährt, dass Gott mit Seinen Verheißungen ernst macht, und zwar nicht erst in der Ewigkeit, sondern schon in dieser Welt. Wir dürfen schon in dieser Welt erfahren, dass Gott uns glücklich macht, uns mit Seinen Gaben beschenkt, uns tröstet, unsere Herzen erfüllt, uns Sein Erbarmen schenkt, uns als Seine geliebten Kinder leitet. Der Himmel ist dann die Vollendung dessen, was auf Erden schon beginnt. In diesem Sinn sagte der hl. Pfarrer von Ars gerne: „Ein guter Christ stirbt nicht, sondern geht täglich einen Schritt in den Himmel hinein.“

           

Der hl. Thomas von Aquin gibt uns noch wertvolle Erkenntnisse über die Seligkeit. Thomas spricht von der Seligkeit als einer geistigen Tätigkeit. Damit ist ausgedrückt, dass wir Menschen mit unseren seelischen Fähigkeiten in die Freuden des Himmels einbezogen sind. Der geistige Vorgang der Liebe ist ja nicht Passivität, nicht Erstarrung, sondern Geben und Empfangen, geistige Tätigkeit, nennt es Thomas. Deshalb wird es im Himmel auch nicht langweilig sein.

           

Der hl. Thomas von Aquin bringt auch zum Ausdruck, dass uns im Irdischen nichts Seligkeit vermittelt, was nicht in Bezug zu Gott steht. Rein Irdisches, wie zB innerweltliche Ehre, Ruhm, Reichtümer, Macht, körperlich

e Gesundheit usw. machen aus sich nicht selig, sagt Thomas. Irdische Werte, wenn sie den rechten Stellenwert haben, sind für den Glaubenden ein Vorgeschmack der Seligkeit des Himmels. Seligkeit hat als Motiv und Ziel immer GOTT. Was wir im Himmel verkosten dürfen, ist Gott als ewige Wahrheit, Gott als höchstes Gut, so Thomas von Aquin.

           

Weil wir Menschen schon im irdischen Leben auf Gott bezogen sind, Gemeinschaft mit Gott und untereinander aufbauen können, beginnt, wie wir schon bedacht haben, die Seligkeit bereits im irdischen Leben.

           

Thomas von Aquin spricht für das Irdische von einer unvollkommenen Seligkeit (beatitudo imperfecta). Gemeint ist: In der irdischen Welt ist die Erfahrung von Seligkeit immer auch beeinträchtigt, weil wir von vielen Leiden, Nöten und dem Tod geplagt sind. Im Himmel gibt es alle diese Nöte nicht mehr. Deshalb nennt der hl. Thomas den Himmel die vollkommene Glückseligkeit (beatitudo perfecta).

Ihr Heiligen der Kirche, vor allem ihr unsere lieben Namenspatrone! Helft uns, im Leben viele menschliche Taten der Seligkeit zu setzen. Nehmt uns an der Hand und führt uns den Weg zur ewigen Glückseligkeit. Amen.

           

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