008) Dreikönig 2012: Selbstgemachter und geoffenbarter Glaube

Hochfest Dreikönig 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pf. Stephan Müller (Manuskript):

„DURCH EINE OFFENBARUNG WURDE MIR DAS GEHEIMNIS CHRISTI MITGETEILT.“(Eph 3,3)

SELBSTGEMACHTER UND GEOFFENBARTER GLAUBE

Dreikönig ist das ursprüngliche Weihnachtsfest der Kirche. Die ersten Glaubenden aus dem Judentum sind die Hirten. Die ersten Glaubenden aus dem Heidentum sind die heiligen Drei Könige. Die historischen Personen, die von der Heiligen Schrift genannt werden, zeigen uns zwei gegensätzliche Formen von Glauben.

Da wird zuerst König Herodes genannt, er regierte 37 bis 4 vor Christus. Er trägt den Beinamen der Große, wegen seiner Bautätigkeit, seiner Leistungen für Handel und Landwirtschaft. Herodes ließ auch den Tempel renovieren und verschönern. Er war unter der Aufsicht Roms ein großer Politiker und Herrscher, das muss man ihm zugestehen. In Wahrheit war er allerdings nicht nur ein Machtmensch, er war ein grausamer und gefürchteter Tyrann! Er ließ z.B. aus Machtgier den Großteil seiner eigenen Familie ermorden, einschließlich seiner Frauen und seiner Söhne. Er gab auch den Auftrag zum Kindermord in und um Bethlehem. Herodes war Jude. Doch mit seinem Leben hat er den Glauben Israels verleugnet. Vor den Heiligen Drei Königen hat er ein frommes Getue zur Schau gestellt. Die Heiligen Drei Könige haben ihn durchschaut und die Gefahr erkannt, die von ihm ausging.

Als nächstes erwähnt die Bibel die Hohenpriester und Schriftgelehrten. Sie waren von Amts wegen die in der Glaubenslehre Israels Gebildeten. Sie waren große Kenner der Bibel des Alten Testamentes und konnten viele Teile auswendig. Doch alle diese Leute, Herodes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, hatten keinen wahren Glauben. Der Glaube des Herodes war durch Macht und Mord erstickt. Der Glaube der Hohenpriester und Schriftgelehrten war durch Hochmut und Eifersucht verwirrt und irregeleitet. Kurz: der Glaube dieser Leute war ein selbstgemachter Glaube. Sie haben nur das geglaubt, was sie selber zusammengestellt und annehmen konnten. Alles, was über ihr eigenes Ich und über ihr vermeintliches Verstehen hinausging, lehnten sie ab. Die Heilige Schrift zeigt uns, dass ein solcher selbstgemachter Glaube wertlos ist. Sie haben nicht zu Christus hingefunden. Sie sind nicht in Beziehung zum Erlöser Jesus Christus gekommen. Sie konnten von Ihm kein Heil empfangen. Sie sind in der Finsternis und Gottesferne geblieben.

Ganz anders ist der Glaube der Heiligen Drei Könige. An ihnen wird das Wesen des Glaubens sichtbar. Der Glaube ist nicht etwas, was wir uns selber ausdenken, selber machen oder zusammenstellen. Der Glaube ist ein Licht, das wir von Gott empfangen. Der Glaube ist, wie Paulus in der 2. Lesung sagt, die Offenbarung des Geheimnisses Christi. Mit anderen Worten: Der Glaube ist nicht das Machen, sondern das Empfangen des Christusgeheimnisses, das Annehmen einer Offenbarung, die von Gott kommt, das Annehmen einer Wahrheit, einer Lehre, die über uns ist. Und diese Wahrheit ist nichts Abstraktes, sondern eine lebendige Person: JESUS CHRISTUS.

Selbstgemachter Glaube und geoffenbarter Glaube. Versuchen wir jetzt, die Verbindung zur Gegenwart und zu unserem Leben herzustellen.

Müssen wir nicht sagen, dass sich heute im Christentum vielfach ein selbstgemachter Glaube ausgebreitet hat?! Viele Christen kennen weder die Bibel noch den Katechismus. Viele lehnen – bewusst oder unbewusst - christliche Lehren mehr oder weniger vollständig ab. Denken wir an die christliche Ehelehre, an den katholische Eucharistieglauben, der sehr anspruchsvoll ist, man behandelt die Heilige Messe oder die Heilige Kommunion als etwas Gewöhnliches, das man sich nach belieben holen kann, denken wir an die Gebote Gottes und die Heiligung des Sonntages, denken wir an die Bindung und der Gehorsam zum Papst als obersten Lehrer und Hirten der Kirche. Man nimmt im Bereich des Glaubens nur das an, was einem persönlich zusagt. Das ist der selbstgemachte Glaube. Er ist genauso wertlos wie der selbstgemachte Glaube des Herodes, der Hohenpriester und Schriftgelehrten. Er führt nicht zu Christus und führt nicht zu den Heilsgnaden, nicht zum Licht.

Papst Benedikt XVI. hatte beim Deutschlandbesuch im September 2011 auch Begegnungen mit Vertretern der evangelischen Christen. Im Vorfeld hatten manche vom Papst ein ökumenisches Gastgeschenk erwartet, er sollte den evangelischen Christen in konkreten Punkten der Lehre da und dort entgegenkommen. Dieser Vorstellung hat Benedikt XVI. eine klare Absage erteilt. Er sagte unter anderem: „Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken und aushandeln.“

Im heutigen Christentum ist dies ein Wurzelproblem: der von vielen selbstgemachte Glaube. Bei der Vesper in St. Peter am 31.12. wies der Papst auf dieses Problem hin. Er sagte unter anderem. „Mann muss der Wahrheit den Vorrang einräumen.“ Der Heilige Vater will damit sagen: Wir müssen wieder lernen, im Bereich des Glaubens wieder nach der ewigen Wahrheit Gottes fragen. Die Wahrheit Gottes ist unser Bezugspunkt, nicht die Meinung der Zeit oder einer Mehrheit.

Wo immer ein Christentum, das einem selbstgemachten Glauben huldigt, mit dem geoffenbarten Glauben konfrontiert wird, gibt es natürlich Spannungen und Schwierigkeiten. Das geht dem Papst so, den Bischöfen und auch guten Laien, die den geoffenbarten Glauben vertreten. Doch diese Schwierigkeiten müssen wir aushalten, sind notwendig, damit es zu einer Erneuerung der Kirche kommen kann.

Die Kirche ist in den Augen Gottes nur in dem Maß lebendig, als sie in der Wahrheit lebt. Wenn wir an Gottes Geboten und Wahrheit vorbeileben, sind wir als Kirche krank oder gar tot. Die Kirchengeschichte lehrt: Die Kirche kann nur leben und überleben, wenn sie in der Wahrheit lebt. In der Wahrheit sind wir, wenn wir uns für den geoffenbarten Glauben öffnen. Römisch katholische darf sich nur derjenige nennen, der das ganze Christusgeheimnis, den ganzen geoffenbarten Glauben, annimmt und zu leben versucht.

Selbstgemachter und geoffenbarter Glaube. Wir können uns persönlich fragen und prüfen, wo und inwieweit wir uns selber einen selbestgemachten Glauben zurechtgelegt haben, oder wie weit wir uns dem Christusgeheimnis, dem geoffenbarten Glauben, geöffnet haben. Das Fest der Heiligen Drei Könige lädt uns ein, von den ersten Glaubenden an der Krippe zu lernen:

Die Heiligen Drei Könige lehren uns das innere Suchen der Wahrheit, die Christus ist, sie lehren uns, dass wir für das Eindringen in den Glauben auch Mühe und Anstrengung und Zeit auf uns nehmen. Sie lehren uns eine kindliche und demütige Haltung, ohne die wir überhaupt nicht glauben oder im Glauben wachsen können, sie lehren uns die Anbetung Gottes, die sich im Knien vor Gott und in der Demut des Herzens ausdrückt. Diese Haltungen haben die Heiligen Drei Könige zu Christus geführt. Sie konnten dem Erlöser begegnen, sie haben den Glauben als Licht und Offenbarung empfangen. So zeigen uns die Heiligen Drei Könige, dass der wahre Glaube ein Weg zu Christus ist, ein Weg mit Christus, ein Weg in Christus.

„DURCH EINE OFFENBARUNG WURDE MIR DAS GEHEIMNIS CHRISTI MITGETEILT.“ SELBSTGEMACHTER UND GEOFFENBARTER GLAUBE.

Ihr heiligen Drei Könige, ihr ersten Glaubenden aus dem Heidentum, helft uns, eurem inneren Weg zu Christus zu folgen.

Christus ist uns erschienen. Kommt, lasset uns anbeten! Amen.

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