340) 28. Sonntag im JK 2019: DAS HL. MESSOPFER 16) TRANSSUBSTANTIATION

28. Sonntag im Jahreskreis C) - 18. Sonntag nach Pfingsten 2019

„ICH DANKE GOTT FÜR DIE GNADE, DIE EUCH GESCHENKT WURDE“ (vgl. 1 Kor 1,4)

DAS HEILIGE MESSOPFER 16)

HEILIGE WANDLUNG: DIE TRANSSUBSTANTIATION

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Heute darf ich mir als Euer Priester die Worte des Apostels Paulus zu Eigen machen und im Blick auf euch sagen: „Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde“ (1 Kor 1,4). Gott hat euch geschenkt, die größte Gnade in eurer Mitte haben zu dürfen, die auf Erden möglich ist: Das Heilige Messopfer. Das Heilige Messopfer ist die Quelle aller Gnaden für die Kirche und für die Welt. Mit anderen Worten: Wir haben durch die Heilige Wandlung die Gnade, zum geöffneten Herzen Jesu hintreten und die Gnaden des Heils schöpfen zu dürfen.

           

Bei der Heiligen Wandlung geschehen zwei große Wunder. Das erste Wunder ist –wir haben darüber am vergangenen Sonntag nachgedacht - die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers von Golgota. Das zweite große Wunder, das bei der Heiligen Wandlung geschieht, ist die Wesensverwandlung von Brot und Wein. Das Konzil von Trient beschreibt dieses Ereignis mit folgenden Worten: „Weil aber Christus, unser Erlöser, sagte, das, was er unter Gestalt des Brotes darbrachte (vgl. Mt 26,26-29 […] 1 Kor 11,24-26) sei wahrhaft Sein Leb, deshalb hat in der Kirche Gottes stets die Überzeugung geherrscht, und dieses heilige Konzil erklärt es jetzt von neuem: durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Transsubstantiation/Wesensverwandlung genannt“ (*). Mit anderen Worten gesagt: Im deutschen haben wir für diesen Höhepunkt des Hl. Messopfers den Begriff Hl. Wandlung, eine Übersetzung aus dem Lateinischen. Dieser Begriff Wandlung verweist uns eben genau auf das, was am Altar geschieht: Durch das Handeln und Opfern des geweihten Priesters verwandelt Christus Brot und Wein in Seinen Leib und in Sein Blut.

           

Dazu noch drei theologische Details – die Kinder haben diese Glaubenswahrheiten einst schon in der Volksschule gelernt:

a) Der Glaubensbegriff der Kirche ist exakter als das deutsche Wort Wandlung, nämlich: Transsubstantiation – dh Wesensverwandlung. Das Wesen von Brot und Wein hört auf zu bestehen, es wird daraus das Wesen des Leibes und Blutes Christi. Was bleibt ist nur die äußere Gestalt, die Akzidenzien: Es schaut aus wie Brot und Wein, schmeckt wie Brot und Wein – ist es aber nicht mehr. Eine konkrete Auswirkung: Achten wir bitte sorgfältig darauf, dass in Liedern und Gebeten die Heilige Kommunion nicht als Brot und Wein, oder die Heilige Hostie als „Heiliges Brot“ bezeichnet werden; solche Ausdrücke gehen am Wesen des Eucharistischen Geheimnisses vorbei.

 

b) Unter den Gestalten von Brot und Wein ist Christus wahrhaftig gegenwärtig, nicht bildlich, zeichenhaft oder symbolisch. Das Konzil von Trient hat uns die schönen Begriffe geschenkt: Christus ist nach der Heiligen Wandlung in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig: „wahrhaftig, wirklich und wesenhaft“ (**) – deutlicher kann es nicht mehr gesagt werden.

 

c) Unter beiderlei Gestalten des Brotes und Weines ist der ganze Christus gegenwärtig, als wahrer Gott und Mensch. Der ganze Christus ist unter der Gestalt des Brotes gegenwärtig, das nicht mehr Brot ist; und der ganze Christus ist unter der Gestalt des Weines gegenwärtig, der kein Wein mehr ist. Wer also zur Heiligen Kommunion „nur“ die Heilige Hostie empfängt, empfängt den ganzen Christus. Wer aus dem Kelch das Kostbare Blut empfängt, empfängt den ganzen Christus.

           

Dieses doppelte Geheimnis der Heiligen Wandlung – Kreuzesopfer und Wesensverwandlung – ist so groß, dass die Kirche bei der Heiligen Wandlung sozusagen voll Staunen, Erschütterung und Ehrfrucht ausruft: MYSTERIUM FIDEI/GEHEIMNIS DES GLAUBENS. Im traditionellen Ritus der Hl. Wandlung ist dieser Ausruf sogar in die Wandlungsworte hinein gebunden.

           

Im Vollzug der Heiligen Wandlung erleben wir zwei Zeichen:

           

Was tut der Priester unmittelbar nach den Wandlungsworten über Brot und Wein, wenn er also den Leib und dann im Kelch das Blut Christi in den Händen hält? Er beugt anbetend das Knie. Vor diesem Geheimnis können wir nur niederknien und anbeten. Ein Katholik soll bei der Heiligen Wandlung knien, wo immer die Heilige Messe gefeiert wird, auch am Berg oder sonst wo. Die Kniebänke für die Gläubigen gehören deshalb zum Grundinventar eines katholischen Gotteshauses. Das Konzil von Trient legt Wert darauf, uns an die Größe dieses Geheimnisses zu erinnern, es lehrt: „Es widerstreitet sich nämlich nicht, dass eben unser Erlöser entsprechend der natürlichen Daseinsweise [als Sohn Gottes] immer zur Rechten des Vaters in den Himmeln sitzt, und dass er nichtsdestoweniger an vielen anderen Orten in seiner Substanz sakramental gegenwärtig bei uns ist, in einer Daseinsweise, die wir zwar kaum mit Worten ausdrücken können, von der wir jedoch mit Hilfe der durch den Glauben erleuchteten Überlieferung erfassen können und unerschütterlich glauben müssen, dass sie Gott möglich ist (vgl. Mt 19,26; Lk 18,27)“ (**).

           

Das andere Zeichen ist die Erhebung der Heiligen Gestalten. Das Erheben von Leib und Blut Christi ist zuerst ein Aufopferungsritus, er bringt den Opfercharakter der Heiligen Messe zum Ausdruck. Mit der Elevation stellt der Priester dem himmlischen Vater das Opfer Christi vor Augen, gleichsam betend: „Vater im Himmel, wir stellen Dir Deinen Sohn vor Augen, schau auf sein Opfer am Kreuz, auf Sein Blut, hab Erbarmen mit uns, hilf uns, rette uns, zieh uns an Dich...“ Dann ist die Erhebung der Heiligen Gestalten ein Zeichen für die Gläubigen in der Kirche. Wir alle richten unsere Augen auf die Heilige Hostie und auf das Kostbare Blut, wir schauen auf den am Kreuz sich opfernden Gottessohn. ER schaut uns an und wir schauen auf IHN. Im Aufblick zu Christus in der Heiligen Hostie empfangen wir von Ihm heilende und erlösende Gnaden. Im heutigen Evangelium empfängt der Gelähmte durch den Blick und das Wort Christi Heilung für Seele und Leib. In Lourdes geschahen – und geschehen – bei der Krankensegnung mit dem Allerheiligsten außergewöhnliche Krankenheilungen. Für unser Beten: Unsere Vorfahren haben gerade bei der Hl. Wandlung gerne gebetet: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). Oder: „Jesus, Dir leb ich, Jesus, Dir sterb ich, Jesus, Dein bin ich, im Leben und im Tod.“

           

Das Konzil von Trient hat im 16. Jahrhundert den katholischen Glauben über das Heilige Messopfer verteidigt und abgegrenzt gegenüber den Irrlehren der Reformation. Heute ist die Heilige Wandlung, dieses Herz unseres katholischen Glaubens, nicht minder gefährdet. Haben nicht so manche Katholiken, wie an ihrem Verhalten zu erkennen ist, den katholischen Eucharistieglauben aufgegeben und protestantische Lehren angenommen? Leben nicht so manche Katholiken mit einem kalten oder gar versteinerten Herzen (Ezechiel 36,26) an diesem Geheimnis vorbei? – Die katholische Glaubenslehre über die Heilige Wandlung ist nichts Nebensächliches. Hier geht es um das Eingemachte, hier geht es um Sein und Nichtsein der Kirche. Es geht um das Kreuzesopfer von Golgota, es geht um das Wohnen Christi unter uns in der Heiligen Hostie, und es geht letztlich darum, dass durch das Heilige Messopfer und die Heilige Wandlung auch wir verwandelt werden.

„Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde.“ Ja, danken wir gemeinsam, dass wir das große Geheimnis der Heiligen Wandlung täglich unter uns haben. Was bedeutet sie uns?

           

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok