339) 26. Sonntag im JK 2019: DAS HL. MESSOPFER 15): KREUZESOPFER

26. Sonntag im Jahreskreis - 16. Sonntag nach Pfingsten 2019

„DIE LIEBE CHRISTI VERSTEHEN, DIE ALLE ERKENNTNIS ÜBERSTEIGT“ (Eph 3,)

DAS HEILIGE MESSOPFER 15)

HEILIGE WANDLUNG: GEGENWÄRTIGSETZUNG DES KREUZESOPFERS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

In der heutigen Lesung bringt der hl. Apostel Paulus für die Christen in Ephesus einen Herzenswunsch zum Ausdruck. Seine Worte gelten jetzt für uns. Wir sollen, so ersehnt Paulus, in der Liebe fest verwurzelt und begründet sein. Wir sollen die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe der Liebe ermessen. Es nicht irgendeine diffuse, unklare Liebe gemeint. Es gibt nur eine Liebe, die wirklich von der Breite in die Länge und von der Höhe in die Tiefe reicht, nämlich die Liebe des Gekreuzigten. Die Liebe des Gekreuzigten reicht von der Breite zur Länge – vom linken Arm des Gekreuzigten zum rechten Arm, dh sie umfasst die ganze Welt und Zeit; sie reicht von der Höhe in die Tiefe – vom Haupt bis zu den Füßen – vom Herzen des Himmlischen Vaters bis zum konkreten Boden der Erde, auf dem diese Füße gegangen sind, dh bis zu uns Menschen herab. Paulus möchte, dass wir diese Liebe Christi begreifen! Dann sagt er gleich dazu: Die Liebe Christi übersteigt alles Begreifen.

           

Diese Worte über die Liebe Christi führen uns in einer Direttissima zum Höhepunkt des Hl. Messopfers; um bei den Worten des Paulus zu bleiben: In die Höhe und Tiefe des Hl. Messopfers, die Heilige Wandlung. Um es gleich zu sagen: Die Heilige Wandlung kann man nicht erklären und auch nicht begreifen. Sie ist Glaubensgeheimnis im eigentlichen Sinn. Wir können nur mit den Augen des Glaubens auf dieses Geheimnis schauen, es bestaunen und bekennen.

           

Bei der Heiligen Wandlung geschehen zwei unaussprechliche Wunder. Das erste – das wir uns heute in Erinnerung rufen – ist das Opfer Christi. Der volle Wortlaut, den jeder Katholik kennen soll: Bei der Heiligen Wandlung vollzieht sich – durch die Hände des geweihten Priesters - die unblutige Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers von Golgota. Das Konzil von Trient fasst die gesamte Lehre der Heiligen Schrift und kirchlichen Überlieferung zusammen und bringt, in Abgrenzung zu den Irrlehren der Reformatoren, dieses Glaubensgeheimnis mit folgenden Worten zum Ausdruck, sehr schlicht und sehr klar, der Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1366, zitiert aus dem Trienter Konzil:

           

„Unser Heiland hat beim letzten Abendmahl ein sichtbares Opfer eingesetzt, um dadurch das einmal am Kreuz darzubringende blutige Opfer darzustellen und das Andenken daran bis ans Ende der Welt zu erhalten. Unter den Gestalten von Brot und Wein brachte er Gott dem Vater, seinen Leib und sein Blut dar, reichte beides den Aposteln, die er damals zu Priestern des Neuen Bundes bestellte, unter denselben Zeichen zum Genuss und befahl ihnen und ihren Nachfolgern im Priestertum dieses Opfer darzubringen mit den Worten: ´Tut dies zu meinem Andenken´! Dieses Opfer, welches die Kirche getreu dem Befehl Christi unter den Gestalten des Abendmahlsopfers [Brot und Wein] durch ihre Priester Gott, dem Vater, darbringt, ist das heilige Messopfer. Dasselbe ist nicht etwa nur ein Abbild des Kreuzesopfers, wie ein Kreuz oder ein an der Wand hängendes Bild, auch nicht etwa nur Erinnerung an das Kreuzesopfer, sondern es ist dasselbe Opfer, das am Kreuz Gott dargebracht wurde, und daher ist es von dem nämlichen Wert und von derselben Wirksamkeit. Es ist ein wahres Versöhnungsopfer. Zwar werden wir dadurch nicht wieder, also neuerdings erlöst wie durch das blutige Kreuzesopfer, sondern die Früchte der Erlösung werden uns durch dieses unblutige Opfer zugewendet“(Cap. XXII, 2; vg. DS 1740ff).

           

Das unsichtbare Opfer Christi wird beim Hl. Messopfer durch sichtbare Zeichen angedeutet:

  • Bei oder auf jedem Altar muss sich ein Kreuz befinden. Das Kreuz kennzeichnet den Altar als Opferstätte.
  • Ein Zeichen für das Opfer ist auch die Doppelkonsekration. Brot und Wein werden bei der Opferung getrennt vorbereitet und geopfert, dann getrennt verwandelt in Leib und Blut Christi. Wenn man bei einem Menschen das Blut vom Körper trennt, stirbt der Mensch. Diese Trennung von Leib und Blut Christi nach der Hl. Wandlung ist ein sehr wichtiges Zeichen für die Heilige Messe als Opfer Christi.
  • Der Name Hostie heißt übersetzt Opfer.
  • Nach dem Hochgebet rufen wir den Herrn als Lamm Gottes an, das sich für uns "schlachten" hat lassen.

Nach dem Agnus Dei wird ein Partikel der Heiligen Hostie, also des Leibes Christi, in den Kelch mit dem Kostbaren Blut gesenkt, verbunden mit dem Friedensgruß des Auferstandenen: PAX VOBIS. Fleisch und Blut vereinigen sich. Das ist das Symbol für die Auferstehung Christi, mit der uns die Heilige Messe verbindet.

           

Abschließend und zusammenfassend:

           

  • Wir können uns die Lehr-Aussagen des Trienter Konzils über das Hl. Messopfer in ihrer vollen Länge natürlich nicht merken. Doch ein kleines Wort wollen wir tief in unser Herz prägen: Kreuzesopfer. Bei der Heiligen Wandlung wird das Kreuzesopfer Christi gegenwärtig. Deshalb der so schöne Begriff Heiliges Messopfer.
  • Opfer Christi meint Seine Hingabe, Sein Leiden und Sterben, Sein Göttliches Erlöserblut, die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe Seiner Liebe zu uns.
  • Die Frucht des Kreuzesopfers ist unsere Erlösung und das Leben. Das Heilige Messopfer hat deshalb einen unendlichen Wert für das Heil der Menschen, für die Lebenden und Verstorbenen.
  • Durch das Hl. Messopfer, vor allem durch die Sonntagsmesse, binden wir uns und unser Leben an das erlösende Kreuzesopfer Christi.
  • Beim Hl. Messopfer können wir alles zum Kreuz Christi hintragen, vom Segen des Kreuzes Christi beleben lassen.
  • Der 1956 im Ruf der Heiligkeit verstorbene Kooperator Josef Lambichler von Hall sagte gerne über die Mitfeier der Heiligen Messe: „Frage dich, meine Seele, bist du jetzt auf Golgota oder ganz wo anders?“

Ein geistliches Wort von Frank Duff, dem Gründer der Legio Mariä, das uns hilft, dem Geheimnis des Hl. Messopfers nahe zu kommen. Er sagt: „Die Hl. Messe ist das göttliche Mittel, die Distanz von 2000 Jahren zu überbrücken, die uns vom Zeitpunkt der Kreuzigung trennt. Sie bringt Kalvaria in unsere Mitte, oder anders gesagt, sie bringt uns zu dem Ort und Augenblick des wirklichen Opfers Christi. Durch die Hl. Messe nehmen wir teil an dieser Wirklichkeit; wir sind dort, zusammen mit Maria, Seiner Mutter und Johannes und all den anderen… Alle Messen treffen sich in Kalvaria, so wie alle Sonnenstrahlen ihre Mitte in der Sonne finden. So ist es auch bei der heiligen Messe: als der Herr am Kreuz hing, ruhten seine Augen zugleich auf jedem, der eine Hl Messe besucht oder je besucht hat“ (*).

           

Vielleicht ist es eine Hilfe, bei der Stille der Heiligen Wandlung manchmal an das zu denken: Jetzt bin ich auf Golgota. Christus hängt am Kreuz. Seine Augen sind auf mich gerichtet. Jetzt ist die Stunde der Gnade, für die Kirche, für die Armen Seelen, für die Welt, für mich persönlich. Amen.

           

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