335) Schutzengelsonntag 2019: DAS HL. MESSOPFER 13) DIE ENGEL BEIM HEILIGEN MESSOPFER

Schutzengelsonntag 2019

DAS HEILIGE MESSOPFER 13) „PREISET DEN HERRN, ALL SEINE ENGEL“ (Introitus)

DIE ENGEL BEIM HEILIGEN MESSOPFER

           

In Eurem Glaubensleben sind die heiligen Engel, wenn ich so sagen darf, eine Selbstverständlichkeit. Ihre Existenz, ihr Wirken, ihr Anliegen ist uns bewusst. Der Schutzengelmonat September lädt uns ein, vielleicht bewusster als sonst in Gemeinschaft mit den Engeln zu leben. Der Schutzengelsonntag, den wir heute liturgisch feiern, ist ein Dank an den Dreifaltigen Gott, der uns Erzengel, Engel und die heiligen Schutzengel als Wegbegleiter und himmlische Helfer und Freunde an die Seite gestellt hat.

           

Greifen wir heute ein Detail auf: Was tun die Engel beim heiligen Messopfer? Der überlieferte Messritus bietet uns eine wunderschöne Hinführung in die Glaubenswahrheit der heiligen Engel.

           

Die Tätigkeit der Engel beim Hl. Messopfer beginnt sicherlich schon einige Zeit vor dem Beginn der Heiligen Messe. Das „Ersteläuten“ zur Heiligen Messe ist auch im Himmel zu hören. Wenn die Engel im Himmel das „Ersteläuten“ hören, machen sie sich auch auf den Weg zur Heiligen Messe, wahrscheinlich sind sie schon vorher andächtig in der Kirche und warten auf das Heiligste Geschehen, das es auf Erden gibt – die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers. Und sie warten auch auf uns. Vielleicht muss der Schutzengel daheim uns manchmal ein wenig stupfen, uns diskret ermahnen, die Arbeit liegen zu lassen, das Telefon nicht mehr abzuheben, rechtzeitig aufzubrechen… damit wir nicht erst in letzter Sekunde an unserem Platz in der Kirche sind, sondern uns noch ein wenig vorbereiten können.

           

Der hl. Pater Pio bezeugt uns noch etwas Geheimnisvolles, das sich vor der Hl. Messe mit den heiligen Engeln ereignet. Wenn Pater Pio von der Sakristei aus mit Kelch und Messgewand zum Altar schritt, um das Hl. Messopfer darzubringen, durfte er regelmäßig eine Engelschar in Prozession ihm voraus zum Altar ziehen sehen. Ja, die Engel des Himmels geleiten den Priester zum Altar, wenn er zum Hl. Messopfer schreitet. Am Altar wohnen die heiligen Engel betend, lobend, anbetend, bittend dem Hl. Opfer bei. Betrachten wir das ein wenig genauer.

           

Bereits vor dem Hl. Messopfer, beim sonntäglichen Asperges, bitten wir Gott, dass er uns seinen Heiligen Engel sendet, damit er alle, die „in diesem Haus weilen, behüte, bewahre, besuche und beschirme.“ Unser Beten ist immer gefährdet: Von Schwachheit, Zerstreuungen, Ablenkungen, mangelndem Vertrauen… Die Engel helfen uns zu beten, gut zu beten, sie springen sicher gelegentlich beim Gebet für uns ein, wenn wir mit dem Herzen nicht bei der Sache sind, nicht beim Altar sind, nicht beim Herrn sind. Denken wir manchmal daran: Mein Schutzengel ist neben mir und will mir helfen, die Heilige Messe gut und gnadenbringend mitzufeiern. Was wir beim Asperges für die hl. Messe erbitten, ist uns auch für unseren Alltag geschenkt: Die hl. Engel „behüten, bewahren, besuchen und beschirmen“ uns.

           

Beim traditionellen Confiteor begegnen wir niemand geringerem als dem hl. Erzengel Michael, dem Fürsten der Engel. Wir bekennen uns auch vor dem hl. Erzengel Michael als Sünder und bitten ihn namentlich um Fürsprache. Der hl. Erzengel Michael und die heiligen Engel bitten für uns um das Erbarmen Gottes, um Nachlass unserer Sünden.

           

Eine weitere Anrufung des hl. Erzengels Michael betet der Priester zur Segnung des Weihrauchs beim Offertorium: „Auf die Fürsprache des hl. Erzengels Michael, der zur Rechten des Rauchopferaltars steht, und all seiner Erwählten, möge der Herr diesen Weihrauch segnen und ihn als lieblichen Wohlgeruch annehmen.“ Hier ist der aufsteigende Weihrauch ein Symbol für unsere Gebete, die der Erzengel Michael zu Gott emporträgt.

           

Das Gloria beginnt mit dem freudigen Gesang der Engel von Bethlehem in der Heiligen Nacht: „Gloria in excelsis Deo.“ So erinnern uns die Engel daran: Als Geschöpfe Gottes ist es unsere Lebensaufgabe, Gott zu loben und zu preisen. Wenn wir das tun, vor allem an den Sonn- und Feiertagen, macht uns das glücklich. Wir loben und preisen in der Liturgie nicht uns selber, sondern den Dreifaltigen Gott.

           

Der Lobpreis Gottes im Gloria setzt sich fort und vertieft sich in der Präfation. Jede Präfation schließt mit der Anrufung der neun Chöre der heiligen Engel oder einiger davon: „Durch ihn loben die Engel Deine Majestät, beten sie an die Herrschaften, erbeben die Gewalten. Die Himmel und die Himmlischen Mächte und die seligen Seraphim feiern sie in gemeinsamem Jubel. Mit ihnen lass, so flehen wir, auch unsere Stimmen sich vereinen und mit tiefer Ehrfrucht rufen“ (allgemeine Präfation). Katholische Liturgie ist kein sich verschließen einer Gruppe im Kreis oder im Innerweltlichen. In der Liturgie des Hl. Messopfers überschreiten wir die Grenze von Raum und Zeit, Himmel und Erde verbinden sich. Im Blick auf die hl. Engel geschieht im hl. Messopfer Vereinigung von himmlischer und irdischer Liturgie.

           

Das Sanctus, das auf die Präfation folgt, bringt nochmals eine Steigerung. Die Worte des Sanctus sind Großteils aus der Berufungsvision des Propheten Isaias (Isaias 6). Die Cherubim singen vor dem Thron Gottes das dreimalige ewige Sanctus (Isaias 6,3). Beim Sanctus nehmen uns die hl. Engel gleichsam an der Hand und führen uns in das Heilige ein, in die Nähe des heiligen Opfers Christi. Die Engel vermitteln uns das Heilige, damit wir Heil und Heilung empfangen. Wo es um das Heilige geht, sind immer die Engel da, die es schützen. Die Auflehnung gegen das Heilige, Angriffe gegen das Heilige, die Schändung und Entweihung des Heiligen, kommen immer vom Teufel oder von Menschen, die von ihm beeinflusst sind.

           

Ein Höhepunkt der Anrufung der hl. Engel geschieht im Kanon, nach der Hl. Wandlung. Der Priester betet: „Dein heiliger Engel trage dieses Opfer zu Deinem himmlischen Altar empor, vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät, auf dass wir mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden.“ Das bedeutet: Die Engel tragen unsere Gebete, Opfer und Anliegen zum himmlischen Altar – zu Gott – empor, bringen Gottes Gnaden und Erbarmen zu uns herab. Die Engel haben also auch eine Mittlerfunktion.

           

Der hl. Johannes Chrysostomus (+ 407), Kirchenvater der Ostkirche, beschreibt dieses Geheimnis einmal mit folgenden Worten: „Wenn der Priester das furchtbare und ehrfurchtgebietende Opfer vollzieht, da stehen die Engel bei ihm, und es ruft der ganze Chor der himmlischen Geister, und der Platz nahe beim Altar ist ganz erfüllt mit den Chören der Engel, zu Ehren dessen, der da geschlachtet wird. “ - „Zur selben Zeit rufen nicht allein die Menschen zu Gott, auch die Engel beugen vor ihm die Knie, und die Erzengel bitten für uns Menschen. Dann haben sie eine gelegene Zeit, dann kommt ihnen das Opfer zu Hilfe. Sie rufen gleichsam: Wir bitten, o Herr, für diejenigen, welche dein Sohn so sehr liebte, dass er für sie den Tod erlitt; für jene halten wir an, für welche dein Sohn sein Blut vergossen hat.“

           

Nach dem Hl. Messopfer pflegt die Kirche in der Tradition nochmals eine Anrufung des hl. Erzengels Michael, das sogenannte Michaelsgebet. Auch Papst Franziskus hat uns aufgerufen, es täglich zu beten. Wir brauchen den Schutz der hl. Engel vor den Nachstellungen des Teufels, vor dem Geist der Welt.

           

Die Engel beim Heiligen Messopfer. Wir haben gesehen, wie die Kirche in ihren Mess-Gebeten nicht nur den Glauben an die Existenz der Engel zum Ausdruck bringt, sie anruft und verehrt. Das Hl. Messopfer mit seinen dogmatischen Gebeten – im Gegensatz zum esoterischen Engelkult – formt auch unser Leben, es bringt das Licht und die Wahrheiten des Himmels in unser Leben, auch die heiligen Engel.

Verehren wir gerne die hl. Engel. Und rechnen wir mit ihrer Hilfe. Amen.

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