334) 21. Sonntag im Jahreskreis 2019: ER HAT ALLES GUT GEMACHT

21. Sonntag im Jahreskreis - 11. Sonntag nach Pfingsten 2019

„ER HAT ALLES GUT GEMACHT“ (Mk 7,37)

           

Zum Kreuz Christi gehört die kleine Tafel über dem Haupt des Gekreuzigten. Pontius Pilatus hat einst eine solche Tafel mit einer Inschrift am Kreuz anbringen lassen: IESUS NAZARENUS REX IUDAEORUM. Wir könnten den Text dieser Inschrift austauschen und stattdessen etwas anderes hinschreiben: „ER HAT ALLES GUT GEMACHT.“ So sagen die Menschen nach der Heilung des Taubstummen über Christus. Er hat alles gut gemacht. Mit diesem kurzen Wort können wir das gesamte Leben Christi zusammenfassen.

           

Heilsgeschichtlich gesehen: Die große Wiedergutmachung vollbringt Christus durch die Krippe und das Kreuz. Beim Beten des Kreuzweges bekennen wir diese Wiedergutmachung: „Wir beten dich an Herr Jesus Christus, und preisen Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.“ Heilsgeschichtlich bedeutet Erlösung die Befreiung von Sünde, Tod und Teufel, wie die Kirchenväter es zusammenfassend formulieren. Aus dem Kreuz Christi entspringt seine Auferstehung, das neue Leben des Auferstandenen. Kreuz und Auferstehung Christi sind die zentralen Ereignisse und Inhalte unseres Glaubens. In der heutigen Lesung legt der hl. Paulus großen darauf Wert, uns auf das hinzuweisen. Kreuz und Auferstehung sind die Zusammenfassung des gesamten Evangeliums. Dann verweist Paulus auch auf die historischen Zeugen von Kreuz und Auferstehung Christi. Am Schluss seiner Aufzählung der Zeugen erwähnt er auch sich selbst, sehr demütig nennt er sich wegen seiner Vergangenheit, weil er ein Christenhasser und –Kirchenverfolger war, eine Missgeburt, nicht würdig, Apostel genannt zu werden.

           

Er hat alles gut gemacht. Das dürfen wir nie vergessen. Weil es in der Welt aufgrund der Sünde so viel Dunkelheit gibt haben wir es dringend nötig, Woche für Woche an diese große Wiedergutmachung Christi erinnert zu werden. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Jede Sonntagsmesse erinnert uns daran: Christus ist am Kreuz für uns gestorben und auferstanden. Wenn wir diesen sonntäglichen Blick haben, werden wir zwar manche Anfechtungen und Prüfungen erleiden, doch wir können nicht in die völlige Sinnleere oder Verzweiflung abstürzen. Wir sind von Kreuz und Auferstehung Christi gehalten.

           

Er hat alles gut gemacht. Gilt das auch für die heutige Welt? Die Welt und ihre Geschichte ist auch heute in Gottes Hand, auch wenn es oft nicht so aussieht. Es ist nicht leicht für uns, das Königtum Gottes über seine Schöpfung mit der Freiheit des Menschen zusammen zu denken. Gott lässt zu, wenn Menschen die Schöpfung stören oder zerstören. Trotzdem gibt es für die Schöpfung am Ende der Zeit einmal eine letzte und bleibende Wiedergutmachung.

           

Er hat alles gut gemacht. Gilt das auch für uns? Natürlich! „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28). Das bedeutet nicht dass Christus wie ein Schneepflug ist, der uns alle Hindernisse und Leiden aus dem Weg räumt. Christus macht alles gut für uns in seinem Sinn. Auch durch Leiden, durch Schwierigkeiten hindurch, dh verbunden mit dem Kreuz, nie ohne das Kreuz. Es gibt keine Heilung vom Kreuz. Wenn wir um Heilung vom Kreuz beten würden, dann würden wir beten um Befreiung gerade von jener Gnade, aus der das Heil kommt, dem Kreuz.

           

Er hat alles gut gemacht. Wie können wir das erfahren? Die große Wiedergutmachung in unserem persönlichen Leben geschieht im Sakrament der hl. Taufe. Im Sakrament der Taufe empfangen wir den ersten Anteil an der Erlösung. Der alte Adam in uns wird begraben. Wir werden gleichsam wiedergeboren zum Leben in der Gnade Gottes, wir werden in die Kirche Gottes aufgenommen. Die Taufe verleiht eine neue Seinsweise. Es beginnt ein neues Leben in uns. Durch die Erbsünde sind wir alle innerlich sozusagen wie Taubstumme. Die Ohren des Herzens sind sozusagen verstopft. Der innere Mund des Herzens ist sozusagen lahm. Die Taufgnade öffnet die Ohren des Herzens, der Getaufte bekommt die Fähigkeit, auf Gottes Wort zu hören. Die Taufgnade öffnet den Mund des Herzens, der Getaufte wird fähig, Gott zu loben, von innen her zu beten „Vater unser“ im Himmel, der Getaufte kann hören und sprechen, dh er wird fähig, in den Grundbeziehungen zu leben: zu Gott hin, zum Mitmenschen hin, zu sich selber. Wir können die Gnade der hl. Taufe nicht hoch genug einschätzen. Der Effata-Ritus ist deshalb nicht umsonst in die Feier der Taufe aufgenommen worden, um diese innere Heilung anzudeuten, die uns die Taufe schenkt.

           

Weil das Leben auch für einen Getauften nicht immer einfach ist, hat Christus uns die übrigen Sakramente geschenkt. In allen sieben Sakramenten begegnen wir Christus, dürfen wir alles Christus bringen: „Herr, ich bring es Dir, nimm es an, mache Du alles gut“.

           

Lernen wir noch etwas von der Heilung des Taubstummen. Der Taubstumme musste nichts leisten. Er wurde einfach beschenkt. Doch etwas musste er schon tun. Er musste zu Christus hinkommen. Das haben seine Angehörigen oder Freunde in die Wege geleitet. Auch wir brauchen nichts leisten, doch etwas müssen wir schon tun, um die Liebe des Herzens Jesu, zu empfangen: Wir müssen zu Christus hingehen: Ins Gotteshaus, zum Beichtvater, zum persönlichen Gebet. Dann kann Christus auch uns die Hände auflegen, unser Herz vom inneren Taubsein und Stummsein erlösen.

           

Und noch etwas Wertvolles. Wir dürfen stellvertretend im Gebet auch andere seelisch Taubstumme zu Christus bringen, dass er sie heilt.

           

Er hat alles gut gemacht. Amen.

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