009) Taufe des Herrn 2012: Die Kirche als Braut Christi

Weihnachten – Fest der Taufe des Herrn 8.1.2012 – Pfarrkirche Ismterberg

Homilie von Pf. Stephan Müller (Manuskript):

„HEUTE WURDE DEM HIMMLISCHEN BRÄUTIGAM DIE KIRCHE VERMÄHLT; DENN AM JORDAN HAT CHRISTUS IHRE SÜNDEN ABGEWASCHEN.“(Benedictus Antiphon von Dreikönig): DIE KIRCHE ALS BRAUT CHRISTI.

Im Stundengebet betet die Kirche an Dreikönig in der Benedictus Antiphon folgende Worte, sie stammen aus dem frühen 1. Jahrtausend: „Heute wurde dem himmlischen Bräutigam die Kirche vermählt; denn im Jordan hat Christus ihre Sünden abgewaschen“. Versuchen wir, diese Lehre der Kirchenväter über Christus und die Kirche, die auf der Heiligen Schrift beruht, zu erfassen.

Von den Propheten, z.B. Hosea, wird das Verhältnis zwischen Jahwe und seinem Volk Israel mit dem Bild von Bräutigam und Braut beschrieben. Gott ist der Bräutigam und Israel ist die Braut. Es ist ein menschliches Bild, das das Liebesverhältnis zwischen Jahwe und seinem Volk ausdrücken will. Das versteht jeder: „Gott liebt euch Menschen so sehr, wie ein Bräutigam seine Braut.“ In der gleichen Symbolik wird bei Jeremia die Untreue Israels mit dem Ehebruch verglichen. Israel, die Braut Jahwes, die dem Götzendienst verfallen ist, lebt durch ihre Untreue Jahwe gegenüber in Unzucht und Ehebruch.

Christus greift dieses Bild Jahwe – Israel, Bräutigam – Braut, nicht nur auf. Er erfüllt es. Die Kirchenväter sehen die Taufe Christi im Zeichen der Vermählung: Christus – Kirche, Bräutigam - Braut. Es geht um die Liebe Christi zu uns, seiner Kirche: Christus reiht sich am Jordan in die Reihen der Menschen, die sich vor Johannes als Sünder bekennen. Welche Demut des Herrn! Jesus vermählt sich gleichsam mit der sündigen Menschheit, der Bräutigam mit seiner Kirche. Christus zeigt uns sündigen Menschen seine Liebe, indem er uns als Kirche zu seiner Braut macht. Der Weg von der Taufe am Jordan führt dann weiter bis zum Kreuz. wo sich das Zeichen am Jordan erfüllt: Christus, der himmlische Bräutigam, gibt für seine Braut, die Kirche sein Leben und Blut hin, um uns zu erlösen, um uns das göttliche Leben zu erschließen und den Himmel zu öffnen. Das sinngemäß der Gedankengang der Kirchenväter. Der heilige Paulus beschreibt es so: „Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie (am Kreuz) hingegeben, um sie rein und heilig zu machen“(Eph 5,25).

Viele sehen die Kirche nur mehr rein Menschlich, als Institution, als Wirtschaftsbetrieb, als Verein usw. mit ihren Mängeln, Schwächen und Sünden, die sie im menschlichen Bereich natürlich immer haben wird. Diese Lehre der Kirchenväter zum Fest der Taufe Christi – Bräutigam und Braut - hilft uns die Kirche in ihrer Übernatürlichkeit zu sehen, das Glaubensgeheimnis der Kirche. An jedem Sonntag beten und bekennen wir: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“ Was bedeuten diese Worte?

Die Kirche ist zuerst Christus, der Menschgewordene Christus selbst, der himmlische Bräutigam. Die Kirche beginnt mit dem Kommen des Bräutigams Christus in diese Welt, mit der Menschwerdung aus der Jungfrau Maria in Nazareth. Die Kirche wird schrittweise geoffenbart: den Hirten, den Heiligen Drei Königen, am Jordan dem Volk Israel, zu Pfingsten der ganzen Welt.

Von Gott her gesehen ist die Kirche Jesus Christus. Das Haupt. Von uns Menschen her gesehen ist die Kirche die Braut Christi. Wir als Menschen, als Getaufte und Gefirmte, sind Kirche im Vollsinn des Wortes. Wir sind die Braut, die sich der himmlische Bräutigam erwählt und im Blut seiner Liebe am Kreuz angetraut hat. Wir sind diejenigen, die Christus in seine Nähe gerufen hat.

Ob wir nun die Kirche vom Bräutigam her betrachten, von Christus her, oder von der Braut her, von uns Menschen aus: immer ist die Kirche Gottes Werk. Nicht wir haben Christus erwählt, sondern, ER, der Bräutigam, hat uns, seine Braut erwählt. Zu den Aposteln sagt der Herr: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“(Joh 15,16).

Christus, der himmlische Bräutigam. Die Kirche als Braut Christi. Diese schöne und tiefe Bild über das Glaubensgeheimnis der Kirche kann uns sagen:

Es bezeugt uns die tiefe Liebe Christi zu uns Menschen als seine Kirche. In dieser Liebe wissen wir uns geborgen!

Es erinnert uns an den Kern unserer christlichen Berufung: das Leben in der Liebe Christi, die Erwiederung der Liebe Christi durch unsere Gegenliebe. Im Zentrum des Christseins steht das Leben in der Liebesbeziehung zu Christus, das Leben in der persönlichen Beziehung zu ihm. Alle anderen Dimensionen der Kirche entspringen diesem Kern: die Liebe zu den Menschen bis hin zur Caritas. Ohne diese Liebe wäre unser christliches Leben seelen- und fruchtlos.

Jeder Getaufte ist zu dieser bräutlichen Dimension der Kirche berufen. Einige Stände und Berufungen in der Kirche haben dies als Lebensauftrag: Ordensleute und Ordensschwestern haben als Wesenselement ihrer geistlichen Berufung die bräutliche Liebe der Kirche; sie haben die Berufung, zuerst und vor allem Christus zu lieben. Viele Ordensleute tragen als Zeichen ihrer „Vermählung“ mit Christus einen Professring.

Noch eine Symbolik der bräutlichen Liebe der Kirche gibt es: Ein Bischof vertritt in der Kirche Christus, den himmlischen Bräutigam. Der Bischofsring, den der Bischof trägt, ist Zeichen seiner Vermählung mit der Kirche, konkret der Kirche in seiner Diözese, für die er sich einsetzen und aufreiben soll.

Wir Priester haben den Auftrag, die bräutliche Dimension der Kirche durch den Zölibat zu leben. Der Zölibat ist viel mehr als nur Ehelosigkeit. Er ist eine Lebensform, in welcher der Priester versucht, Christus ganz und ungeteilt zu lieben. Dieser Vorrang der Christusliebe schenkt die Freiheit und Fähigkeit, sich auch ganz an die Menschen – an die Kirche als Braut Christi – zu verschenken.

Danken wir heute für die Gnade der heiligen Taufe. Bei der Taufe hat Christus uns persönlich in das Leben des Dreifaltigen Gottes hineingenommen. Diese Gnade wollen wir beständig nähren und entfalten: durch das Wort Gottes, durch die Sakramente, durch das Zeugnis für den Glauben, bis Christus diese Gnade einmal im ewigen Leben vollenden kann. Amen.

Weil die Kirche Gottes Werk ist, das Werk der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, ist sie einig, heilig, katholisch und apostolisch.

Die Kirche ist einig: sie ist in ihrem Wesen nicht gespalten, nicht sozusagen zerstückelt wie ein Kuchen. Nach diesem falschen Verständnis wäre die Kirche dann erst eins, wenn alle Konfessionen und Gruppen sich zusammenschließen. Die Braut Christi ist eins.

Die Kirche ist heilig: Von Christus hergesehen ist die Kirche heilig, makellos und sündenlos. Christus ist der drei Mal heilige Gott. Von Christus her gesehen sprechen wir von der heiligen Kirche. Das Heilige des Sohnes Gottes durchblutet und erfüllt die Kirche: heilig ist sie in ihrer hierachischen Verfassung, im Wort Gottes, in den Sakramenten, in ihrer Lehre, in ihrem Segnen. Die Kirche ist das Heiligste, das es in dieser Welt gibt. Sie ist das Zelt Gottes auf Erden. Deswegen müssen wir in Ehrfurcht und Liebe von der Kirche denken und sprechen. Wir sollten von der Kirche sprechen, so wie wir über unsere eigene Mutter sprechen, selbst wenn sie im Menschlichen Fehler macht.

Die Kirche ist katholisch: Katholisch bedeutet allumfassend, universal. Die Kirche umfasst alle Zeiten, alle Menschen, alle Sprachen, alle Völker. Sie beinhaltet die ganze Reinheit und Schönheit der von Gott geoffenbarten Wahrheit, die ganze Reinheit und Schönheit des Gottesdienstes, der Liturgie, alle Mittel der Gnade und der Heiligkeit. Das bedeutet die Kirche ist katholisch.

Die Kirche ist apostolisch: Zur Kirche gehört noch folgendes wesentlich dazu: sie hat ein sichtbares Haupt, welches Christus, das unsichtbare Haupt, sichtbar macht. Und das sind Petrus und seine Nachfolger, die Päpste. In jedem der römischen Bischöfe, in jedem Papst, lebt Petrus, der oberste sichtbare Hirte der Herde Christi, in einem gewissen Sinn weiter. Jede christliche Generation kann deshalb sagen: „Wir haben Petrus“, wie es auch die erste christliche Generation gesagt hatte. „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen“(Mt 16,28). Die Kirche ist von Christus auf dem Felsen Petri und der übrigen Apostel erbaut. Das alles bedeutet: die Kirche ist apostolisch.

Papst Benedikt XVI. sagte zu Pfingsten 2011: „Die Kirche ist katholisch von ihrem ersten Augenblick an. Von ihrem Anfang an ist die Kirche eins, heilig, katholisch und apostolisch. Sie ist heilig nicht wegen der Fähigkeit ihrer Mitglieder, sondern weil Gott selbst, mit Seinem Geist, sie immerfort erschafft, reinigt und heiligt“(Benedikt XVI., 12.6.2011).

Wenn einer Person oder eine Gruppe die Vollständigkeit der geoffenbarten Glaubenswahrheiten fehlt, oder die Unterordnung und der Gehorsam gegenüber dem Papst, dann kann dieser Mensch oder diese Gruppe, selbst wenn es Priester oder Professoren wären, nicht in Wahrheit sagen: „Ich bin katholisch“. Solch eine Behauptung wäre dann unwahr. Gott hat in Seiner Kirche eine sichtbare und aktuelle Garantie und ein Maßstab für die Reinheit des Glaubens und der Liturgie hinterlassen: und das ist das Petrusamt, d.h. das Papstamt.

Taufe Christi am Jordan. Christus, der himmlische Bräutigam, vermählt sich seiner geliebten Braut, der Kirche. Dazu noch einige praktische Anwendungen.

< Heute befindet sich die katholische Kirche in einer großen Not. Um diese Not zu überwinden ist es notwendig, das Glaubensgeheimnis der Kirche wieder zu erfassen. Das wiederum hängt zusammen mit der wahren Gottheit Christi. Sich hineinbeten und hineinknien in das Glaubensgeheimnis der Kirche. Ich lade euch ein, im Katechismus die Kapitel über die Kirche zu lesen und zu betrachten.

< Wir bräuchten heute mehr denn je wieder Bekenner des Glaubens und der Treue zum Papst, und zwar in allen Ständen und Gliedern der Kirche. Leuchtende Beispiele dieser Treue aus der zweitausendjährigen Kirchengeschichte sind z.B. der heilige Bischof und Kardinal John Fisher und der heilige Laie Thomas Morus, Lordkanzler und Familienvater. Thomas Morus legte damals in England vor dem Parlament und somit vor der öffentlichen Meinung folgendes Bekenntnis ab: „Das Gesetz des Parlamentes widerspricht direkt den Gesetzen Gottes und Seiner heiligen Kirche. Die höchste Leitung der Kirche oder irgendeines ihrer Teile gehört rechtmäßig nur dem Heiligen Stuhl von Rom. Unser Heiland selbst hat diesen Vorrang des heiligen Petrus und seiner Nachfolger im Bischofsstuhl von Rom mit Seinem eigenen Mund bekräftigt.“ Dieses Bekenntnis kostete Thomas Morus und auch Kardinal John Fisher das Leben. 1535 wurden beide hingerichtet. Wie sehr bräuchten wir heute in Europa Katholiken wie Thomas Morus und John Fisher, die die Treue zum Papst und die Gesetze Gottes furchtlos gegen die öffentliche Meinung bekennen.

< Die Feinde der Kirche kamen in früheren Zeiten von außen. Heute gibt es Zerstörer des katholischen Glaubens sowohl von außerhalb der Kirche, als auch immer mehr im Innenraum der Kirche: durch Sünde, durch Ungehorsam, durch Häresie und Irrlehre, oft auch in den Reihen der Priester. Um diese Not zu überwinden, müssen wir ganz bewusst den biblischen Weg der Bekehrung gehen, Jeden Tag neu, und nach Heiligkeit streben, d.h. nach der Christusnachfolge. Je mehr wir selber Glaubende und Liebende sind, trägt unser kleines Leben zur Erneuerung der Kirche bei.

DIE EINE, HEILIGE, KATHOLISCHE UND APOSTOLISCHE KIRCHE.


UND DER CHRISTLICHE GRUNDWASSERSPIEGEL – EIN BLICK AUF DIE GEISTES- UND LEBENSHALTUNG UNSERER ZEIT

Zu finden: Homilie Taufe Jesu 2011

Ist schon korrigiert – für ein anderes Jahr

Heiligung der Schöpfung – kosmische Liturgie –

Pantheismus – christlicher Schöpfungsglaube

Schöpfung als Hilfe auf dem Heilsweg

Erlösung der Schöpfung bei Paulus (Schöpfung wird von der Sklaverei der Verlorenheit der Sünde befreit werden

„Jordan sing! Schwing deine Wasser über die Wüste hin.

Trunken bist du vom Glanz darin:

Jesus, der Christus, steht als Lamm in den Fluten.

Menschheit, auf! Lauf ihm entgegen, deine Geburt ist nah!

Sieh, der Geliebte, die Hochzeit ist da:

Trink seinen Wein, den neuen, glühenden, guten!

Herrliches All! Fall vor ihm nieder, bring dich als Gabe dar!

Christus erwandelt dich wunderbar.

Ewiges Leben wird dich im Tode durchbluten!

Unsere heilige Mutter Kirche versteht es, uns mit ihren Festen das Geheimnis Gottes nahe zu bringen. Zum Fest der Taufe des Herrn singt die Kirche in der Matutin diesen Hymnus. Mit Worten der der Liebe und Dichtung wird das Geheimnis der Taufe Jesu im Jordan angesprochen. Jesus ist das unschuldige Lamm Gottes. Er, der ganz Reine und Drei Mal Heilige, steigt in das Wasser des Jordan, er tritt ein in das Elend der sündigen Welt. Er bereitet uns einen neuen, glühenden Wein: die Liebe der Erlösung am Kreuz. Wir werden eingeladen, diesen neuen Wein zu trinken, die Gabe der Erlösung in den Sakramenten empfangen, beginnend mit der hl. Taufe, dann im Bußsakrament. Nicht nur die ganze Menschheit, der ganze Kosmos soll angesichts dieses unbegreiflichen Dramas Gott anbeten und sich als Gabe darbringen.

Wir feiern heute ein Christusfest, das weihnachtlichen Charakter hat, das Fest seiner Taufe am Jordan. Es ist wie Dreikönig auch ein Epiphaniefest, ein Fest der Erscheinung des Herrn. Deshalb wird unmittelbar nach Dreikönig gefeiert. Wir erkennen hier eine durchgehende Linie, einen Zusammenhang. Der Sohn Gottes wird zuerst im Verborgenen empfangen, dann den verborgen den Hirten geoffenbart, dann den Heiden. Am Jordan gibt Christus sich zum Ersten Mal seinem Volk zu erkennen. Johannes der Täufer darf auf ihn zeigen: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

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