333) Maria Himmelfahrt 2019: MARIA VEREINIGT DIE GLAUBENSGEHEIMNISSE IN SICH UND STRAHLT SIE WIEDER

Hochfest Maria Himmelfahrt 2019

„EINE FRAU, MIT DER SONNE UMKLEIDET“ (Offb 12,1)

MARIA VEREINIGT DIE GLAUBENSGEHEIMNISSE IN SICH UND STRAHLT SIE WIEDER (2. Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 65)

           

Nicht unwichtig für unser Leben ist die Blickrichtung. Auf was und auf wen blicken wir? Mit dem heutigen Feiertag stellt uns die Kirche ein Zeichen vor Augen, auf das wir schauen sollten: Die Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen, auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Bereits der Introitus des Hl. Messopfers leitet uns an, auf dieses Zeichen am Himmel zu schauen. Es fällt uns nicht schwer, auf die Gottesmutter Maria zu blicken, auf ihre Leib-seelische Vollendung im Himmel. Sie ist der Weg Christi zu uns Menschen. Sie ist unser Weg zu Christus, sie ist unser Leitstern, unsere Helferin in allen Anliegen, unsere Trösterin in unseren Leiden.

           

Eine der vielen Darstellungen der Muttergottes im Himmel wollen wir heute zu uns sprechen lassen. 1830 erscheint Maria der hl. Katharina Labouré, es war in Paris im Kloster der Barmherzigen Schwestern in der Rue du Bac, eine von der Kirche anerkannte Erscheinung. Nach den Visionen der hl. Katharina Labouré wurde die sogenannte wundertätige Medaille geprägt, wie sie überall genannt wird. Sie zeigt die Muttergottes auf der Weltkugel stehend, der Schlange, dh dem Teufel, den Kopf zertretend, auf dem Haupt eine Krone mit zwölf Sternen. Am 27. November 1830 hat die hl. Katharina Labouré jene berühmt gewordene Erscheinung, bei der Maria uns Menschen einlädt, durch ihre Vermittlung und Fürbitte die Gnaden des Himmels zu erlangen. Maria bringt das bei dieser Erscheinung am 27. November 1830 symbolisch zum Ausdruck. Sie breitet ihrer Hände aus, von diesen gehen Lichtstrahlen aus, die die Welt, also uns Menschen erreichen. Maria selber erklärt dieses Symbol und sagt der jungen Schwester: «Diese Strahlen symbolisieren die Gnaden, die ich über jene ausgieße, die mich darum bitten». Bitten wir Maria gerne um viele Gnaden.

           

Es gibt noch eine weitere symbolische Bedeutung dieser Strahlen, die von den Händen Mariens ausgehen. Ein Wort des Zweiten Vatikanischen Konzils erinnert uns daran: „Maria vereinigt, da sie zuinnerst in die Heilsgeschichte eingegangen ist, gewissermaßen die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wider“ (*). Alle Glaubensgeheimnisse, die der Dreifaltige Gott in der Heilsgeschichte geoffenbart hat, die wir als Katholiken bekennen, vereinigt Maria in sich, wie das Konzil es ausdrückt. Was bedeutet das?

           

Von allen Heiligen können wir sagen, dass sie zu den Glaubensgeheimnissen in ihrem Herzen eine tiefe Beziehung haben. Das gilt natürlich auch im höchsten Maß von Maria. Doch hat Maria im Bereich des Glaubens noch etwas Einzigartiges, das sonst bei keinem Menschen vorhanden ist. Maria hat nicht nur in ihrem Herzen eine Beziehung zu den Glaubensgeheimnissen, die Glaubensgeheimnisse sind auch mit ihrem jungfräulichen Leib verbunden, gleichsam mit ihrem Leib verwachsen. Deshalb heißt es im Konzilstext: Maria vereinigt die größten Glaubensgeheimnisse in sich. Das gibt es nur bei ihr.

           

Betrachten wir einige Situationen im Leben der Gottesmutter; die schöne Glasmalerei unserer acht Kirchenfenster hilft uns heute dabei. Die Darstellungen zeigen uns große Glaubensgeheimisse, die Maria in ihrem Herzen und in ihrem Leib birgt. Beginnen wir beim Fenster im Presbyterium, rechts vom Hochaltar.

           

Die Verkündigung durch den Erzengel. Maria birgt das Glaubensgeheimnis der Menschwerdung Gottes in sich. Die zweite Göttliche Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Sohn Gottes, nimmt aus Maria die menschliche Natur an.

Die Heimsuchung. Maria trägt das Christusgeheimnis in ihrem Schoß: Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch; darin eingeschlossen ist das Eucharistische Glaubensgeheimnis: Maria ist bei der Heimsuchung wie eine lebendige Monstranz, sie trägt Christus, die Heilige Hostie, in sich.

Die Geburt in Bethlehem. Maria birgt das Glaubensgeheimnis des Erlösers in sich. Das Kind in der Krippe mit dem Namen Jesus ist der Erlöser der Welt.

Die Darstellung oder Opferung des Jesuskindes im Tempel zu Jerusalem. Der Jerusalemer Tempel ist auch Vorbild der Kirche des neuen Bundes. Maria trägt auch das Glaubensgeheimnis der Kirche als Stiftung Gottes in sich. Sie ist, wie auch das Konzil sagt, Urbild und Mutter der Kirche.

Der Zwölfjährige Jesus mit Maria und Joseph im Tempel: Maria birgt das Glaubensgeheimnis der Ehe und Familie in sich. Das Wesen von Ehe und Familie ist vom Schöpfergott vorgegeben, es kann von keiner kirchlichen oder weltlichen Macht verändert oder manipuliert werden. Die sakramentale Ehe ist in gewisser Hinsicht auch ein Glaubensgeheimnis, das uns auf den Gott der Liebe verweist, auf das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Maria steht unter dem Kreuz. Sie ist Zeuge des Erlösungsopfers, sie assistiert beim Opfertod Christi. Maria birgt das Geheimnis des Erlösungsopfers Christi am Kreuz in sich.

Maria Himmelfahrt. Maria birgt das Glaubensgeheimnis der jenseitigen Berufung des Menschen in sich – die Leib-Seelische Vollendung des Menschen im Himmel.

Die Krönung Mariens im Himmel. Maria birgt das Glaubensgeheimnis vom jenseitigen Lohn und Verdienst in sich, darin eingeschlossen das Glaubensgeheimnis vom Jüngsten Gericht.

           

Alle diese Glaubensgeheimnisse, die Maria in ihrem Herzen und in ihrem Leib birgt, sind nicht immanent, dh Maria hat sie nicht selbst erfunden, sie kommen nicht aus ihr selbst. Maria hat keinen selbstgemachten Glauben, einen solchen gibt es übrigens nicht. Die Glaubensgeheimnisse, die Maria in sich birgt, sind transzendent, dh sie kommen vom Himmel, von der Offenbarung Gottes. Maria empfängt die Glaubensgeheimnisse von der Kirche des Alten Bundes: Von ihren heiligen Eltern Joachim und Anna, von den Priestern Israels; einige Glaubensgeheimnisse empfängt sie durch direkte Offenbarung Gottes, wie zB durch die Verkündigung des Erzengels Gabriel.

           

Maria strahlt alle diese Glaubensgeheimnisse wider, sie strahlen aus ihrem Herzen und aus ihrem Leib. Die Menschen, die während ihres irdischen Lebens Maria begegnet sind, haben sicherlich erlebt, dass Maria eine besondere und übernatürliche Ausstrahlung hat.

           

Weil Maria Vorbild und Urbild der Kirche ist, sollen die göttlichen Glaubensgeheimnisse besonders in der Kirche und in ihren Gliedern erstrahlen. Auch das katholische Gotteshaus ist wie Maria ein Zeichen vom Himmel. Ein katholisches Gotteshaus, unabhängig von der Kunstepoche, ist nicht leer, trostlos, zweckentfremdet… In einem echt katholischen Gotteshaus erstrahlt in vielen heiligen Symbolen und Zeichen die Fülle der göttlichen Glaubenswahrheiten. Durch das Heilige des Gotteshauses dürfen wir in die Glaubenswahrheiten hineinwachsen, und das formt und trägt unser ganzes Leben.

           

Wir wollen als Katholiken marianische Menschen sein. Marianisch sein bedeutet auch, dass wir wie Maria mit den Glaubensgeheimnissen leben.

           

Wie Maria die Glaubensgeheimnisse empfangen. Auch für uns sind die Glaubensgeheimnisse nicht immanent, sie kommen nicht aus uns selbst, sie sind transzendent. Wir empfangen die Glaubensgeheimnisse durch die Vermittlung der Kirche, dh zB durch die Glaubenserziehung der Eltern, durch die Predigt der Kirche, durch die Heilige Schrift und den Katechismus der Kirche.

           

Wie Maria die Glaubensgeheimnisse im Herzen tragen. Von Maria heißt es nach der Anbetung der Hirten in Bethlehem: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Ein Christ ist ein Mensch, der die Glaubensgeheimnisse im Herzen trägt, darüber reflektiert.

           

Wie Maria die Glaubensgeheimnisse leben. Das ganze Leben Mariens ist das Leben der Glaubensgeheimnisse. Die nach außen sichtbare Seite unseres christlichen Lebens ist das Leben nach den 10 Geboten Gottes, das sind die gelebten Glaubensgeheimnisse.

           

Wie Maria die Glaubensgeheimnisse widerstrahlen. Ein Katholik, der die von Gott kommenden Glaubensgeheimnisse im Herzen trägt, strahlt das aus; auch wenn man das selber nicht merkt, die anderen Menschen merken es. Ein Beispiel: Wenn wir den Sonntag heiligen durch Messopfer und Arbeitsruhe, strahlen wir den Ostersieg Christi aus.

           

Es ist eine der großen Wunden der Kirche unserer Tage, dass die Glaubensgeheimnisse bei so manchen Getauften offenkundig keine Rolle spielen und deshalb die Entfremdung und Entfernung von Gott immer größer wird. Wir wollen es so machen wie Maria. Wir wollen echte und lebendige Glieder der Kirche sein.

           

Maria, hilf uns, so wie du die göttlichen Glaubensgeheimnisse zu empfangen, ins Herz aufzunehmen, zu bedenken, ins Leben umzusetzen und für unsere Mitmenschen auszustrahlen. Hilf uns, an Deiner Hand den einfachen und demütigen Weg des Glaubens zu gehen, damit wir auch wie Du die Krone des Ewigen Lebens im Himmel empfangen dürfen. Amen.

           

(*) 2. Vatikanisches Konzil, Kostitution über die Kirche, Lumen Gentium,65

           

Ergänzung zur persönlichen Besinnung:

           

Der gesamte Abschnitt Lumen Gentium 65:

           

Während aber die Kirche in der seligsten Jungfrau schon zur Vollkommenheit gelangt ist, in der sie ohne Makel und Runzel ist (vgl. Eph 5,27), bemühen sich die Christgläubigen noch, die Sünde zu besiegen und in der Heiligkeit zu wachsen. Daher richten sie ihre Augen auf Maria, die der ganzen Gemeinschaft der Auserwählten als Urbild der Tugenden voranleuchtet. Indem die Kirche über Maria in frommer Erwägung nachdenkt und sie im Licht des menschgewordenen Wortes betrachtet, dringt sie verehrend in das erhabene Geheimnis der Menschwerdung tiefer ein und wird ihrem Bräutigam mehr und mehr gleichgestaltet. Denn Maria vereinigt, da sie zuinnerst in die Heilsgeschichte eingegangen ist, gewissermaßen die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wider. Daher ruft ihre Verkündigung und Verehrung die Gläubigen hin zu ihrem Sohn und seinem Opfer und zur Liebe des Vaters. Die Kirche aber wird, um die Ehre Christi bemüht, ihrem erhabenen Typus ähnlicher durch dauerndes Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe und durch das Suchen und Befolgen des Willens Gottes in allem. Daher blickt die Kirche auch in ihrem apostolischen Wirken mit Recht zu ihr auf, die Christus geboren hat, der dazu vom Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau geboren wurde, daß er durch die Kirche auch in den Herzen der Gläubigen geboren werde und wachse. Diese Jungfrau war in ihrem Leben das Beispiel jener mütterlichen Liebe, von der alle beseelt sein müssen, die in der apostolischen Sendung der Kirche zur Wiedergeburt der Menschen mitwirken.

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