332) 17. Sonntag im Jahreskreis - 8. Sonntag nach Pfingsten 2019: DAS GESCHENK DES ABLASSES

Sonntag nach Pfingsten – 4. August 2019

„ICH WEISS, WAS ICH TUN MUSS“ (Lk 14,4) – DAS GESCHENK DES ABLASSES

           

Christus stellt im heutigen Evangelium zwei Menschengruppen gegenüber: Die Kinder der Welt und die Kinder des Lichtes. Der ungerechte Verwalter gehört zur ersten Gruppe, er ist der Weltmensch ohne Gott. Im Bereich der Welt „auf Zack“, gerissen, er vermag alles so zu richten und zu drehen, inklusive Lug und Trug, dass es zu seinem Vorteil ist. Die Mentalität der Welt ist wahrscheinlich oft so.

           

Am Schluss vom Gleichnis heißt es: „Der Herr lobte den ungerechten Verwalter.“ Das Gleichnis ist natürlich nicht ein Lob für Ungerechtigkeit. Christus will sicher auch nicht jeden gesunden Wettbewerb und jeden Erfolg in Arbeit und Wirtschaft kritisieren, wenn er an die Prinzipien der Gerechtigkeit und Wahrheit gebunden ist. Wer einen Betrieb hat und Angestellten einen Lohn zu zahlen hat, braucht auch Erfolge und auch Rücklagen. Vielleicht kann man das Anliegen des Gleichnisses so ausdrücken - Christus will uns sagen: Schaut euch die egoistischen Weltleute an; sie wissen in ihrem weltlichen Bereich genau, wie sie es anstellen müssen, damit sie zu ihrem Gewinn und Vorteil kommen, da sind sie „auf Zack“. Ihr müsst es als Glaubende auf dem Weg zum Himmel so machen. Seid „auf Zack“, wenn es darum geht, die irdischen und himmlischen Güter, die Gott euch gegeben hat, so zu gebrauchen, damit ihr reich werdet an Werken der Liebe, damit ihr durch eure guten Taten Freunde bekommt, die euch bei Eurem Sterben dankbar empfangen und beim Gericht für euch eintreten… Das ist der Sinn des Gleichnisses vom ungerechten Verwalter. Nochmals: Einen guten Gebrauch machen von den irdischen und himmlischen Gütern, damit wir auf  dem Weg zum Himmel gut vorankommen.

           

Der heutige Sonntag heißt Portiukula-Sonntag. Er erinnert uns an eine der vielen himmlischen Gaben, die Gott uns durch die Kirche gibt: Der Ablass. Heute und am 2. August kann der Portiunkula Ablass, der vollkommene Ablass, empfangen werden. Damit wir zum Ablass einen Zugang haben ist es wichtig, einige Zusammenhänge zu verstehen.

           

Wir brauchen ein klares Bewusstsein von Schuld – ihren Folgen – ihre Wiedergutmachung.

           

Alles, was wir Menschen tun, hat Folgen und Auswirkungen. Eine gute Tat hat gute Folgen, im Verhältnis zu Gott, zum Mitmenschen und zu uns selber. Eine gute Tat bringt uns Gott näher, verbindet uns mit den Mitmenschen, macht uns im Herzen froher… Eine schlechte Tat - eine Sünde -  hat schlechte Folgen, wiederum im Verhältnis zu Gott, zum Mitmenschen und zu uns selber. Sünde entfernt von Gott, von den Menschen, verwundet unser Inneres. „Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“(Tob 12,10).

           

Ein Beispiel. Ein Alkoholiker schädigt durch Unmäßigkeit seine Gesundheit, er kann sogar sterben. Diese Auswirkung ist nicht eine Strafe Gottes, es ist vom Menschen selber verursacht. Oder denken wir an einen Streit; er verursacht gestörte Beziehung, innere Verletzungen… Das sind Folgen, die wir selber verursachen.

Der Katechismus nennt die Nachwirkungen und Auswirkungen der Sünde Sündenstrafe. Mit Strafe ist hier nicht eine Vergeltung Gottes gemeint, es ist nicht gemeint, dass Gott uns straft. Es sind Auswirkungen gemeint, die wir selber uns verursachen. Wir unterscheiden in der katholischen Glaubenslehre ewige und zeitliche Sündenstrafen – Folgen und Auswirkungen von Schuld. Bei einer schweren Sünde ist die Folge, dass wir Gott verlieren. Diese Auswirkung einer Schuld wird uns in der hl. Beichte nachgelassen. Lässliche Sünden oder Wundsünden verursachen zeitliche Sündenstrafen, -folgen. ZB schlechte Gewohnheiten, Vermehrung der Selbstsucht, Verletzungen in der eigenen Seele und bei anderen.

           

Diese Folgen von Schuld brauchen eine Wiedergutmachung, mit anderen Worten, eine Heilung, eine Erlösung. Bleiben wir beim Beispiel vom Streit. Wenn wir beichten, wird uns die Sünde vergeben. Aber die Folgen sind noch da und brauchen eine Wiedergutmachung, zB Unversöhntheit mit einem Mitmenschen, innere Verletzungen bei uns selber und bei anderen. Und das braucht Wiedergutmachung, Heilung.

           

Es gibt viele Formen der Wiedergutmachung im Leben: eine Tat der Liebe, ein gutes Wort, eine Entschuldigung, ein Gebet, eine Spende für einen guten Zweck… Wenn wir die Folgen unserer lässlichen Sünden im Leben aufarbeiten, ist das schon auf Erden die Gnade des Fegfeuers. Wenn wir die Folgen unserer Schuld im Leben nicht aufarbeiten, müssen wir das nach dem Tod bewältigen, das ist das Fegfeuer nach dem Tod.

           

Der Ablass ist eine Gnade der Wiedergutmachung, der Erlösung von zeitlichen Sündenfolgen. Der Ablass kommt aus der Binde- und Lösegewalt der Kirche und aus dem Gnadenschatz der Kirche.

           

Wir können uns das so vorstellen. Die Kirche ist eine große Fürbittgemeinschaft. Es gibt in der Kirche einen Segen, eine Auswirkung der guten Tat. Die größte Gute Tat in der Kirche ist das Kreuzesopfer Christi, des Sohnes Gottes, es hat einen unendlichen Wert. Die größten Guten Taten sind nach Christus das Leben der Gottesmutter, der Martyrer und der Heiligen. Davon dürfen wir profitieren. Das ist der „Gnadenschatz“ der Kirche. Auch wir dürfen mit unseren guten Taten einander Segen vermitteln. Papst Johannes Paul II. hat diese geheimnisvolle Fürbittgemeinschaft der Kirche einmal so erklärt: „So kommt es zwischen den Gläubigen zu einem wunderbaren Austausch geistlicher Güter, kraft dessen die Heiligkeit des einen den anderen zugute kommt, und zwar mehr als die Sünde des einen anderen schaden kann. Es gibt Menschen, die geradezu ein Übermaß an Liebe, an ertragenem Leid, an Reinheit und Wahrheit zurücklassen, das die anderen einbezieht und aufrichtet. Es ist die Wirklichkeit der ´Stellvertretung´, auf die sich das ganze Geheimnis Christi gründet.“

           

Die Kirche unterscheidet den vollkommenen Ablass und den Teilablass. Die Bedingungen für den Vollkommenen Ablass: Sakramentale Beichte, willentliche entschlossene Abkehr von jeder Sünde, Empfang der Hl. Kommunion, Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters. Am Portiunkula-Tag oder Portiunkula-Sonntag kommt dazu: Der Besuch einer Pfarrkirche oder franziskanischen Ordenskirche. Einen vollkommenen Ablass können wir zB auch durch den Segen URBI ET ORBI, durch eine halbe Stunde Eucharistische Anbetung oder das Beten des Kreuzweges erlangen. Ein Teilablass ist mit vielen Gebeten, guten Taten und Bußwerken verbunden. Der Ablass kann fürbittend auch den Armen Seelen zugewendet werden.

           

Um früher, bis ins Hochmittelalter, einen vollkommenen Ablass gewinnen zu können, musste man große Bußübungen vollbringen, eine Wallfahrt nach Rom oder ins Heilige Land. Der hl. Franziskus hat den Papst um einen Vollkommenen Ablass für das kleine Portiunkula-Kirchlein erbeten. Der Papst hat ihm diesen Ablass für den 2. August gewährt. Das war damals etwas ganz Neues. Später wurde dieser Ablass auf alle Pfarrkirchen und franziskanischen Ordenskirchen der ganzen Welt ausgeweitet.

           

Der Ablass, eine Gabe des Himmels zu unserem geistigen Nutzen und zum Nutzen der Armen Seelen im Fegfeuer. Machen wir gerne einen guten Gebrauch davon. Amen.

           

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