330) Herz-Jesu-Sonntag 2019: HERZ JESU UND ÜBERWINDUNG DER MENSCHLICHEN EGOZENTRIK

Herz Jesu Sonntag 2019

„EINER DER SOLDATEN ÖFFNETE MIT DER LANZE SEINE SEITE“ (Joh 19)

DAS HERZ JESU UND DIE ÜBERWINDUNG DER MENSCHLICHEN EGOZENTRIK

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das Herz Jesu Fest zeigt uns zwei sehr unterschiedliche Herzen: Das menschliche Herz und das Herz Jesu. Es ist die Offenbarung, der Glaube, der uns diese beiden Herztypen aufzeigt.

           

Das menschliche Herz

           

Das menschliche Herz, das Gott so gut geschaffen hat, wurde durch die Ursünde im Paradies ein verwundetes Herz. Wir können die Wunden oder Folgen der Ursünde mit einem Wort unserer Zeit auch so beschreiben: Das menschliche Herz ist in eine tiefe Egozentrik geraten. Die ursprüngliche schöne und tiefe Bezogenheit auf Gott ist abgeglitten in eine Bezogenheit auf sich selbst. Das ist die eigentliche Wunde, die jeder Mensch sogar noch nach der hl. Taufe, in seinem Herzen hat. Unsere Zeitepoche ist gerade mit dieser Wunde gezeichnet, mit dieser Mentalität, mit einer um sich greifenden Egozentrik. Es gibt die Egozentrik im Lieben, im Denken, im Willen, im Handeln, überall. Die Egozentrik behindert uns im Leben, erschwert uns das Leben, nimmt uns die Freude am Leben. Die Egozentrik führt in die Einsamkeit, in die Isolierung, am einander Vorbeileben. Die ewige Gottesferne, biblisch: die Hölle, ist im Grunde nichts anderes als eine ausgereifte Egozentrik.

           

Das Heiligste Herz Jesu

           

Die Antwort Gottes auf den Absturz des Menschen in die Egozentrik ist das Heiligste Herz Jesu. Der ewige Sohn Gottes nimmt in der Menschwerdung ein menschliches Herz an. Sein Gott-Menschliches Herz ist das Gegenteil von Egozentrik. Das Herz Jesu ist das Herz das in Wahrheit liebt, das sich im Leben und im Leiden hingibt für uns, bis zum Letzten, bis zum Opfer- und Sühnetod am Kreuz. Das Letzte, was Christus an seinem Herzen geschehen lässt: Sein Herz wird von der Lanze des Soldaten durchbohrt und gleichsam aufgebrochen. Die Lanze, die in das Herz Jesu dringt, symbolisiert die Sünde der Welt, die Egozentrik der Menschheit, die der Sohn Gottes am Kreuz bitter an seinem Körper und in seinem Herzen durchleidet. In diesem Leiden bricht Christus die Sünde, die menschliche Egozentrik auf und führt die Erlösung herbei.

           

Dieses Geschehen am Kreuz ist ein heilsgeschichtlicher Vorgang. Die Egozentrik Adams und unsere eigene Egozentrik werden von Christus überwunden. Das durchbohrte Herz Jesu ist das neue Herz, das liebende Herz, das Herz, das alles neu schafft, das Herz, das uns zum Lieben fähig macht, das Herz, das uns zum Leben fähig macht. Es gibt für uns Menschen keinen anderen Weg, aus der Egozentrik herauszufinden, als das durchbohrte Herz des Sohnes Gottes, als die Gemeinschaft mit diesem Herzen.

           

Versuchen wir, das noch ein wenig konkreter in unserer Zeit hereinzustellen. Die Monstranz, die heute getragen wird, hat eine besondere Form. Die innere Kammer, die die Heilige Hostie birgt, hat die Form eines Herzens. Die Strahlen haben die Form von Feuerflammen und die Form eines Herzens. Die ganze Monstranz hat die Form eines brennenden Herzen. Das will uns sagen: Hier, in der Heiligen Hostie, ist das Heiligste Herz Jesu gegenwärtig! Hier ist der Herrgott. Hier ist derjenige der gesagt hat: „Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Unser schönes renoviertes Gotteshaus darf kein Museum werden. An uns liegt es, ob wir zuerst selber zu diesem Herzen hingehen und hinfinden, am Sonntag, am Werktag, bei der Aussetzung des Allerheiligsten. An uns liegt es, ob wir auch andere zu diesem Herzen hinführen: Die Eltern ihre Kinder, am Sonntag zur Heiligen Messe, die Großeltern ihre Enkelkinder, die Lehrer die Schulkinder… Oder brauchen wir das Herz Jesu und sein Haus nicht mehr? Dann gibt es für uns keine Heilung und keine Rettung. Unsere Gesellschaft wird immer tiefer in die Egozentrik abgleiten und mit dem Leben nicht mehr zurecht kommen.

           

Mit dem Herzen Jesu überwinden wir die Egozentrik des Denkens. Agnostizismus und Atheismus sind nichts anderes als Egozentrik des Denkens, gefangen sein in der eigenen Gedankenwelt. Was diese Egozentrik des Denkens aufbricht und überwindet ist das Licht des Glaubens, der Glaube, nicht wie wir ihn selber machen, das ist wertlos, sondern der Glaube, wie er von Gott geoffenbart und von der Kirche immer weitergegeben wurde. Der Glaube ändert sich nicht.

           

Mit dem Herzen Jesu überwinden wir die Egozentrik des Willens. Unser Wille ist oft schwach. Was die Egozentrik des Willens aufbricht ist die Bindung an die Gebote Gottes. Die Gebote Gottes führen in die Weite und in die Freiheit.

           

Mit dem Herzen Jesu überwinden wir die Egozentrik in der Liebe, in der wir ichbezogen sind. Was die Egozentrik im Bereich der Liebe aufbricht ist die Gabe der Liebe Gottes, die wir in den heiligen Sakramenten der Kirche empfangen. Die Liebe Gottes macht uns fähig zur Hingabe und zur Bindung, auch zum Opfer und zum Durchhalten.

           

Es gibt noch einige moderne Formen von Egozentrik:

           

Mit dem Herzen Jesu überwinden wir die Egozentrik des Aktivismus, des Lärms und der Geschäftigkeit. Es ist der Sonntag, die Heiligung des Sonntags, die Sonntagsmesse, die uns immer wieder aus dem Alltag herausführt.

           

Mit dem Herzen Jesu überwinden wir die Egozentrik des rein irdischen Denkens, Raum und Zeit. Es ist die Liturgie der Kirche, mit der wir immer wieder auf das Himmlische orientiert werden, die Grenzen von Raum und Zeit überschreiten. Die Liturgie hat eine kosmische und transzendente Dimension – die Überschreitung von Raum und Zeit.

           

Eine Form von Egozentrik ist Respektlosigkeit und Ehrfurchtlosigkeit gegenüber dem Leben, der Natur, dem Menschen. Alle Grenzen der Ehrfrucht und Pietät sind heute niedergerissen. Nichts ist mehr heilig. Mit dem Herzen Jesu haben wir Hilfe und Schutz. Durch die Liturgie dürfen wir in das Heilige eintreten, in die Nähe des Herzens Jesu, das verleiht uns Kraft und Schutz.

           

Zwei Herztypen: Das menschliche Herz, verwundet von der Egozentrik. Das Heiligste Herz Jesu, das uns liebt, und bei dem wir in die Schule der Liebe und des Lebens gehen dürfen.

           

Heiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser! Wir vertrauen auf Dich. Amen.

           

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