321) Weißer Sonntag 2019: "DEINEM HEILAND ... DEINEM ERNÄHRER"

Weißer Sonntag 2019

„DEINEM HEILAND … DEINEM ERNÄHRER“

Predigt von Pf. Stephan Müller für die Erstkommunionkinder

           

In einem österlichen Lied, das wir heute singen, reden wir Jesus Christus gleich hintereinander mit vier Namen an: Heiland, Lehrer, Hirte, Ernährer. Jesus Christus ist unser Heiland, der uns durch sein Kreuz und die Auferstehung das Heil bringt. Jesus ist unser Lehrer, der uns das Wort Gottes lehrt. Jesus ist unser Hirte, der uns zum ewigen Leben führen will. Der vierte Name, mit dem wir Jesus Christus in diesem Lied anrufen, ist für uns heute wichtig: Ernährer. Jesus Christus ist als wahrer Gott und Mensch unser Ernährer.

           

Es gibt zwei Formen von Hunger. Es gibt den Hunger des Leibes und den Hunger der Seele. Es gibt auch zwei Speisen für unser Leben, die diesen Hunger stillen. Es gibt die natürliche Speise für unseren Körper. Und es gibt die übernatürliche Speise für unsere Seele.

           

Beide Speisen schenkt uns Gott. Gott gibt uns das tägliche Brot. Dazu müssen wir Menschen natürlich schon beitragen, von selber fällt kein Brot vom Himmel. 821 Millionen Menschen mussten im vergangenen Jahr Hunger leiden (Welthungerindex). Dafür können wir natürlich nicht Gott verantwortlich machen, das hat andere Ursachen. Und Gott gibt uns auch die übernatürliche Speise für unsere Seele. Unsere Seele, unser Herz, braucht zB Geborgenheit, Zuwendung, geliebt sein, Freude…Das alles ist übernatürliches Brot für die Seele.

           

Gott bedient sich auch der Menschen, um uns dieses übernatürliche Brot der Geborgenheit, Zuwendung, Liebe, Freude … zu geben. Wir empfangen das von Eltern, Großeltern, Freunden, edlen und guten Menschen. Doch hat Gott gewusst, dass wir Menschen auch ihn selber brauchen, direkt. Deshalb hat unser Herr Jesus Christus uns ein „Brot vom Himmel“ gegeben, „Brot der Engel“ wird es auch genannt. Dieses Brot ist kein irdisches Brot, kein gewöhnliches Brot, sondern Christus selbst. Christus ist in der Heiligen Hostie gegenwärtig als wahrer Gott und wahrer Mensch, wahrhaftig, wirklich und wesenhaft, nicht symbolisch oder bildlich.

           

Christus hat einmal gesagt: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). Es ist zu wenig, wenn wir Menschen nur das irdische Brot haben, davon übersättigt sind, vielleicht gar nicht mehr erfassen, wie gut es uns geht. Unser Herz, unsere Seele benötigt mehr. Wir brauchen die geistige Speise für unsere Seele: Den heiligen Leib und das Kostbare Blut Christi. Wir brauchen die Göttliche Liebe. Wir brauchen die Barmherzige Liebe Gottes. Wir brauchen die Göttliche Gnade.

           

Von wem empfangen wir diese geistige und übernatürliche Speise, den Leib Christi? Wer gibt uns die Heilige Kommunion? Die Heilige Kommunion gibt uns Jesus Christus selber. Er gibt sie uns und er will unsere Seele damit ernähren. Die traditionelle Form der Kommunionspendung, mindestens seit dem 8. Jahrhundert, hat eine schöne Geste, um das auszudrücken: Der Ritus der Mundkommunion. Diese Geste bedeutet: Christus selbst in der Person des Priesters ernährt die Gläubigen. Nicht ich selber nehme mir die Heilige Kommunion oder greife nach der Heiligen Kommunion, sondern Christus reicht sie mir. Ein Vergleich. Wie wird ein kleines Kind ernährt?  Von der Muttermilch an der Brust der Mutter. So ähnlich wollen wir uns wie Kinder von Christus ernähren lassen, demütig und gläubig, wie ihr Kinder.

           

Beim gewöhnlichen Essen im Leben würden wir das nicht so machen. Das, was wir essen wollen, nehmen wir schon selber in den Mund. Liebe Erstkommunionkinder! Wenn eure Eltern versuchen würden, euch heute das Mittagessen in den Mund zu schieben, würdet ihr euch wehren, würdet ihr sagen, das kann ich ja schon selber. Bei der Heiligen Kommunion ist das ganz anders, weil sie keine natürliche Speise ist. Wir wollen sie uns von Christus reichen lassen. Er will uns ernähren. Und wir wollen uns von ihm ernähren lassen. Die Liebe versteht das.

           

Zwei kleine Beispiele aus dem Leben. Im Orient war zur Zeit Christi folgendes üblich. Wenn in einer Familie besondere Gäste da waren, hat der Hausvater einen Bissen Brot genommen, in eine Sauce getunkt, und dem Gast in den Mund gesteckt. Das war ein Zeichen besonderer Verbundenheit. Das hat man nur bei Freunden so gemacht. Ein zweites Beispiel, vielleicht habt ihr das schon wo beobachtet. Wenn ein Mann und eine Frau sehr verliebt sind, egal ob jung oder alt, kommt es vor, dass der eine dem anderen eine Speise in den Mund gibt, als ein Zeichen der Liebe.

           

Die Heilige Kommunion ist nichts Gewöhnliches, sie ist JESUS CHRISTUS. Wir dürfen sie deshalb nie wie etwas Gewöhnliches nehmen oder essen. Christus reicht uns die Heilige Kommunion. Christus will uns ernähren. Er will uns ernähren mit den Gnaden der Erlösung, mit Seiner Barmherzigen Liebe, mit dem Evangelium, seinem Wort, mit seinem Segen… Wir wollen als Christen wie Kinder sein, die von ihm empfangen.

           

Der heilige Apostel Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt“ (1 Petr 2,2).

           

Jesus Christus – unser Ernährer. Wie oft wollen oder sollten wir uns von Jesus Christus ernähren lassen? Wie oft essen wir das natürliche Brot? Jeden Tag! Sonst können wir nicht arbeiten und nicht lange leben. Wie oft brauchen wir die übernatürliche Speise, den Leib Christi? Ein Mal im Jahr? Ein Mal im Monat? Damit wir während einer Woche genügend seelische Kraft zum christlichen Leben haben, hat uns Jesus Christus den Sonntag geschenkt. Ein katholischer Christ lässt sich an jedem Sonntag durch die Heilige Messe von Christus ernähren. Da ist für jeden Mitfeiernden etwas dabei: Der Bußakt. Die Lesung. Das Evangelium. Die Predigt. Die Opferung. Die Heilige Wandlung. Der Segen. Für jene, die dazu bereitet sind, so wie ihr Erstkommunionkinder heute: Die Heilige Kommunion. Kommt fleißig und gerne in die Sonntagsmesse, damit Jesus Christus eure Seelen ernähren kann und ihr im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe heranwachst. Jesus wartet auf euch. Amen.

           

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