322) 2. (3.) Sonntag der Osterzeit 2019: GLAUBENSMANIFEST 7: BEICHTE - PRIESTER (2. Teil) - AUFRUF

2. (3.) Sonntag der Osterzeit 2019

GLAUBENSMANIFEST von Gerhard Ludwig Kardinal Müller:

7) DAS SAKRAMENT DER BUSSE – DER PRIESTERZÖLIBAT - FRAUENPRIESTERTUM - AUFRUF

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Kardinal Müller: Das Bekenntnis der Sünden in der heiligen Beichte wenigstens einmal im Jahr gehört zu den Kirchengeboten (2042). Wenn die Gläubigen ihre Sünden nicht mehr bekennen und die Lossprechung von ihren Sünden erfahren, dann läuft die Erlösung ins Leere, schließlich ist Jesus Christus Mensch geworden, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Auch für die schweren und lässlichen Sünden, die wir nach der Taufe begehen, gilt die Vollmacht der Vergebung, die der auferstandene Herr den Aposteln und ihren Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt übertragen hat. Die aktuelle Beichtpraxis lässt deutlich werden, dass das Gewissen der Gläubigen nicht ausreichend geformt ist. Gottes Barmherzigkeit ist uns geschenkt, dass wir seine Gebote erfüllen, um dadurch eins zu werden mit seinem heiligen Willen und nicht, damit wir der Forderung zur Umkehr ausweichen (1458).

           

Anmerkungen:

           

Damit die Erlösung für uns persönlich nicht ins Leere läuft, sondern uns erreicht, ist das Leben mit der heiligen Beichte wichtig. Es braucht das persönliche Bekenntnis und die persönliche Lossprechung, das kann durch keine Bußandacht ersetzt werden. Die Barmherzige Liebe Gottes empfangen ist ein Liebesvorgang, den Gott dem einzelnen Menschen schenken will. Wir sind vor Gott keine Nummern, keine Gruppe, keine Masse… Jeder ist vor Gott eine einmalige Person. Durch die hl. Beichte dürfen wir mit der Barmherzigkeit Gottes leben. Das ist ein großes Geschenk und eine große Hilfe im Leben.

           

Ein Mal im Jahr beichten und dadurch die Osterkommunion vorbereiten ist das kleinste Minimum. Ob das in der heutigen Gesellschafts- und Kirchensituation wohl ausreichend ist? Die Kirche hat immer die regelmäßige, zB monatliche, Beichte empfohlen. Zur regelmäßigen Kommunion gehört auch die regelmäßige Beichte.

           

Zur aktuellen Beichtpraxis: Die Lebendigkeit einer Gemeinde erkennt man an der Beichtpraxis.

Ergänzung zum Priester (aus Abschnitt 3) – Zölibat und Frauenpriestertum:        

Kardinal Müller: „Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort“ (1589). Die Priesterweihe „verleiht ihm eine heilige Vollmacht“ (1592), die unersetzbar ist, denn durch sie wird Jesus Christus in seinem Heilshandeln sakramental gegenwärtig. Daher entscheiden sich Priester freiwillig für den Zölibat als „Zeichen des neuen Lebens“ (1579). Es geht um die Selbsthingabe im Dienst Christi und Seines kommenden Reiches.

           

Anmerkung: Der Priester will die Lebensform Christi nachahmen. Christus hat jungfräulich gelebt. Der Priester schenkt sich ganz Gott, um sich ganz den Menschen schenken zu können. Die Schwierigkeiten im priesterlichen Leben kommen nicht aus dem Zölibat, sondern aus einer verweltlichten und oberflächlichen priesterlichen Lebensweise. Wenn Priester mit dem Zölibat Schwierigkeiten haben ist das kein Grund, den Zölibat in Frage zu stellen. Das wäre so, wenn wir wegen Ehebruch und Schwierigkeiten von Eheleuten die Ehe in Frage stellen. Die Lösung liegt immer in der Vertiefung und Belebung der je eigenen christlichen Berufung.

           

           

Kardinal Müller: Im Hinblick auf den Empfang der Weihe in den drei Stufen dieses Amtes weiß sich die Kirche „durch [die] Wahl, die der Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglich, Frauen zu weihen“ (1577). Hier eine Diskriminierung der Frau zu unterstellen, zeigt nur das Unverständnis für dieses Sakrament, bei dem es nicht um irdische Macht geht, sondern um die Repräsentation Christi, des Bräutigams der Kirche.

           

Johannes Paul II. hat am 22.5. 1994 endgültig klargestellt, dass ein Frauenpriestertum in der Kirche nicht möglich ist. Er nennt mehrere Gründe, vor allem: Christus hat nur Männer als Apostel berufen. Die Kirche hat immer und überall an dieser Ordnung des Priestertums festgehalten. Johannes Paul II. erwähnt noch: Die größten im Himmel sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen. An der Spitze der Heiligkeit steht übrigens eine Frau: Die Gottesmutter Maria.

           

Johannes Paul II. in ORDINATIO SACERDOTALIS:

„Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen. […] Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“.

           

Aufruf

           

Kardinal Müller: Als Arbeiter im Weinberg des Herrn haben wir alle die Verantwortung, diese grundlegenden Wahrheiten in Erinnerung zu rufen, indem wir an dem festhalten, was wir selber empfangen haben. Wir wollen Mut machen, den Weg Jesu Christi mit Entschiedenheit zu gehen, um durch die Befolgung Seiner Gebote das ewige Leben zu erlangen (2075).

           

Bitten wir den Herrn, Er möge uns erkennen lassen, wie groß das Geschenk des katholischen Glaubens ist, durch den sich die Tür zum Ewigen Leben öffnet. „Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommt“ (Mk 8,38). Daher setzen wir uns ein für die Stärkung des Glaubens, indem wir die Wahrheit bekennen, die Jesus Christus selber ist.

           

Gerade wir Bischöfe und Priester sind angesprochen, wenn Paulus, der Apostel Jesu Christi, seinem Mitstreiter und Nachfolger Timotheus diese Mahnung mit auf den Weg gibt: „Ich beschwöre dich bei Gott und bei Jesus Christus, dem kommenden Richter der Lebenden und Toten, bei seinem Erscheinen und seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne in aller Geduld und Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln; und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle deinen Dienst!“ (2 Tim 4,1-5).           

 

Möge Maria, die Mutter Gottes, uns die Gnade erflehen, am Bekenntnis zur Wahrheit Jesu Christi ohne Wanken festzuhalten.

           

Im Glauben und Gebet verbunden, Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

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