319) Karfreitag 2019: GLAUBENSMANIFEST 6: DIE SAKRAMENTALE ORDNUNG

Karfreitag 2019

GLAUBENSMANIFEST von Gerhard Ludwig Kardinal Müller:

6) DIE SAKRAMENTALE ORDNUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der Karfreitag führt uns zum Kreuz Christi. In seinem ganzen Leben ist der Herr unser Erlöser. Doch ganz besonders am Kreuz. Am Kreuz vollzieht Christus das Erlösungsopfer. Deshalb beten wir gerne: Im Kreuz Christi ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.

           

Zwei besondere Zeichen beim Gekreuzigten, aus der Johannespassion, die wir hören durften. Die Evangelienworte des Apostels Johannes sind sehr genau. Es heißt im Urtext: „Einer der Soldaten öffnete mit der Lanze seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus“ (Joh 19,34).

           

Das erste Zeichen ist das geöffnete Herz. Das Herz Jesu wird nicht einfach von der Lanze durchbohrt. Der Evangelientext sagt, das Herz wird von der Lanze geöffnet. Diese Wortwahl des Apostels ist nicht nur ein Tatsachenbericht. Johannes war ja Zeuge. Die Wortwahl ist bereits Verkündigung und Deutung dessen, was da auf Golgota geschieht. Das geöffnete Herz steht sinnbildlich dafür, dass nun der durch die Ursünde verschlossene Zugang zu Gott wieder offen steht. Geöffnet ist der Zugang zum Herzen des himmlischen Vaters. Das Herz Jesu ist gleichsam selbst zur geöffneten Tür geworden, zur Tür zum Vater, zum Himmel.

           

Mit dem Zeichen des Herzens verbunden ist das Zeichen von Blut und Wasser, das dem geöffneten Herzen des Gekreuzigten entströmt. Das Wasser ist, organisch gesehen das Serum, eine wässrigartige Flüssigkeit, die sich durch den Erstickungstod am Herzen sammelt, und dann mit dem Blut ausgetreten ist. Blut und Wasser stehen, wie die Kirchenväter uns erschließen, für die Sakramente der Kirche. Aus dem innersten Herzen des gekreuzigten Gottmenschen stammt die Gabe der Sakramente, sie sind die Gabe Seiner selbst, vor allem im Hl. Messopfer. Die sieben Sakramente, die Christus während seines Lebens eingesetzt hat, werden uns vom Gekreuzigten sozusagen nochmals gegeben und geschenkt, zusammengefasst in den beiden Sakramenten Eucharistie und Taufe, dafür stehen Blut und Wasser. Taufe und Eucharistie sind die beiden Grundsakramente, die Sakramente, die die Kirche begründen.

           

Der Blick auf den Gekreuzigten, auf sein geöffnetes Herz, auf Blut und Wasser aus Seiner Seite, sind zutiefst Zeichen für Kirche. Es gibt viele Kirchenstiftende Handlungen im Leben Christi. Am Kreuz geschieht Offenbarung des sakramentalen Geheimnisses der Kirche. Die Kirchenväter lehren: So wie Gott aus der Seite des schlafenden Adam Eva gebildet hat, so ist aus der Seite des neuen Adam, der Christus ist, die Kirche geboren.

           

Christus ist der göttliche Bräutigam, die Kirche ist seine Braut. Der Bräutigam Christus gibt sich hin für seine Braut, für uns Menschen. Dieses bräutliche Geheimnis lebt weiter in den Sakramenten. In den heiligen Sakramenten ist Christus weiterhin derjenige, der sich an uns Menschen verschenkt, der uns das Leben der Gnade gibt und an sich zieht. Die Kirche ist von Christus her so sehr sakramental verfasst und geordnet, dass es ohne Sakramente keine Kirche gibt. Eine Kirche ohne Sakramente wäre eine Kirche ohne Christus. Ein Widerspruch in sich. Leben und überleben wird die Kirche nur dort, wo sie durch die hl. Sakramente und die Offenbarung an Christus gebunden ist.

           

Ein Abschnitt im Glaubensmanifest von Kardinal Müller behandelt die Verfassung der Kirche: Die sakramentale Ordnung: Kardinal Müller: Die Kirche ist in Jesus Christus das allumfassende Sakrament des Heils (776). Sie reflektiert nicht sich selbst, sondern das Licht Christi, das auf ihrem Antlitz widerscheint. Dies geschieht nur dann, wenn weder eine Mehrheit, noch der Zeitgeist, sondern die in Jesus Christus geoffenbarte Wahrheit zum Bezugspunkt wird, denn Christus hat der katholischen Kirche die Gnaden- und Wahrheitsfülle anvertraut (819): Er selbst ist in den Sakramenten der Kirche gegenwärtig.

           

Stichpunkt: Die Kirche ist das Sakrament des Heils. Christus hat die Kirche gestiftet, damit wir in den Sakramenten Sein Heil empfangen, die Gnaden der Erlösung.

           

Auf dem Antlitz der Kirche strahlt das Licht Christi. Sehen wir auf dem Antlitz der Kirche tatsächlich das Licht Christi? Oder sehen wir am Antlitz der Kirche mehr das Selbstgemachte, die selbstgemachten Lehren, dem Evangelium entgegenstehende Lehren usw.? Wir, jeder von uns, können als Kirche nur dann das Licht Christi widerstrahlen, wenn der Bezugspunkt für unser christliches Leben die geoffenbarte Wahrheit ist – nicht die Mehrheitsmeinung, nicht der Zeitgeist.

           

Kardinal Müller: Die Kirche ist kein von Menschen gegründeter Verein, über dessen Struktur seine Mitglieder nach Belieben abstimmen. Sie ist göttlichen Ursprungs. „Christus selbst ist der Urheber des Amtes in der Kirche. Er hat es eingesetzt, ihm Vollmacht und Sendung, Ausrichtung und Zielsetzung gegeben“ (874).

           

Die Kirche ist nicht unser Eigentum. Wir können mit der Kirche und ihrer Verfasstheit nicht machen, was uns beliebt. Vor dem mystischen Leib der Kirche halten zwei Engel ein Schild, darauf steht: Privateigentum! Der Leib der Kirche ist nicht unser Eigentum, sondern Eigentum dessen, der diesen Leib geschaffen hat. Auf dem zweiten Schild steht: Testament! Wir können die Kirche nur so weit gestalten und formen, als es dem Testament Christi entspricht. Das Testament Christi für seine Kirche hat eine solche Fülle, dass unser Leben zu kurz ist, um uns mit unseren Talenten, unseren Fähigkeiten und unserer Zeit in den Aufbau der Kirche einzubringen.

           

Kardinal Müller: Die Mahnung des Apostels gilt bis heute, dass verflucht sei, wer ein anderes Evangelium verkündet, „auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel“ (Gal 1,8). Die Vermittlung des Glaubens ist unlösbar mit der menschlichen Glaubwürdigkeit seiner Boten verbunden, die in einigen Fällen die ihnen Anvertrauten im Stich gelassen, sie verunsichert und ihren Glauben schwer geschädigt haben. Hier trifft das Wort der Schrift diejenigen, die der Wahrheit kein Gehör schenken und sich nach eigenen Wünschen richten, die den Ohren schmeicheln, weil sie die gesunde Lehre nicht ertragen (vgl. 2 Tim 4,3-4).

           

Die Glaubwürdigkeit der Boten, der Diener der Kirche, ist wichtig. Eine Hilfe sind uns die vielen heiligen Priester und Ordensleute der Kirche. Der Wahrheit Gehör schenken. Keine Schmeichelei für die Ohren suchen. Die gesunde Lehre ertragen, gerne hören.

           

Der letzte Absatz benötigt keinen Kommentar. Kardinal Müller: Aufgabe des Lehramtes der Kirche ist es, das „Volk vor Verirrungen und Glaubensschwäche zu schützen“, um „den ursprünglichen Glauben irrtumsfrei zu bekennen“ (890). Dies gilt besonders im Hinblick auf alle sieben Sakramente. Die hl. Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (1324). Das eucharistische Opfer, in dem uns Christus in sein Kreuzesopfer einbezieht, zielt auf die innigste Vereinigung mit Christus (1382). Daher mahnt die Heilige Schrift im Hinblick auf den Empfang der hl. Kommunion: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn, er isst und trinkt sich das Gericht“ (1 Kor 11,27.29). „Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt“ (1385). Von der inneren Logik des Sakramentes versteht sich, dass standesamtlich wiederverheiratet Geschiedene, deren sakramentale Ehe vor Gott besteht, nicht voll mit dem katholischen Glauben und der Kirche verbundene Christen, wie alle, die nicht entsprechend disponiert sind, die heilige Eucharistie nicht fruchtbar empfangen (1457), weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht. Darauf hinzuweisen entspricht den geistigen Werken der Barmherzigkeit.

           

„Einer der Soldaten öffnete mit der Lanze seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus“ (Joh 19,34). Die heilige Kirche – in ihrer sakramentalen Verfassung aus der geöffneten Seite Christi geboren. Danken wir dem Gekreuzigten, dass wir Glieder seiner Kirche sein dürfen. Leben wir innig und tief mit den heiligen Sakramenten. Nahe bei den Sakramenten heißt nahe beim Kreuz, nahe beim Gekreuzigten, nahe beim uns liebenden Herzen Jesu. Amen.

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