318) Gründonnerstag 2019: Glaubensmanifest 5: DAS SAKRAMENT DER PRIESTERWEIHE

Gründonnerstag 2019

GLAUBENSMANIFEST von Gerhard Ludwig Kardinal Müller:

5) DAS SAKRAMENT DER PRIESTERWEIHE

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das Heilige Messopfer vom Letzten Abendmahl führt uns zum Herzen der Kirche. Zwei Sakramente haben im Abendmahlsaal ihren Ursprung, heute wollen wir als Kirche dem Herrn dafür von Herzen danken: Das Allerheiligste Altarsakrament und die Priesterweihe. Beide Sakramente sind so tief miteinander verbunden, dass Christus sie sozusagen im gleichen Atemzug gestiftet hat. Von der Einsetzung der Eucharistie hören wir heute interessanterweise nicht aus einem der Evangelien, sondern durch ein Zeugnis des hl. Apostels Paulus aus dem ersten Korintherbrief: „Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe“ (1  Kor 11,23). Die Apostel praktizieren bereits das, was sie – beim Letzten Abendmahl – vom Herrn als Gabe und Auftrag empfangen haben: Eucharistie und Priestertum.

           

Kardinal Ludwig Müller schreibt im Glaubensmanifest (aus Punkt 3): „Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort“ (1589). Hier ist der Kern der priesterlichen Berufung angesprochen. Wir Priester dürfen das Wirken Christi auf Erden weiterführen. Ein großer Anspruch! Etwas Wunderbares! Schon zu Lebzeiten der Apostel kristallisiert sich das Wesentliche des Priestertums heraus, so wie es im Wirken Christi, des Hohenpriesters, vorgebildet ist:  Christus ist der Lehrer des Evangeliums. Christus ist der Priester, der sich für uns am Kreuz opfert. Christus ist der Hirte, der uns eint und zum ewigen Leben führen will.

           

In der Apostelgeschichte und den Briefen der Apostel sind diese drei Wesenselemente des Priesteramtes bezeugt: Die Apostel lehren unermüdlich das Evangelium, die Offenbarung. Die Apostel bringen in der Eucharistie das Opfer Christi dar; das geschieht zuerst in den Häusern und Familien, dort entstehen zB in Rom die ersten Hauskirchen, nach 313 die ersten Basiliken. Die Apostel leiten als Hirten die von ihnen gegründeten urchristlichen Gemeinden oder betrauen Bischöfe bzw. Priester mit dieser Aufgabe. Natürlich tragen die Apostel als Priester noch nicht zB den schwarzen Priestertalar der Weltpriester, segnen noch nicht mit der Monstranz... Die äußere Ausformung der Sakramente vollzieht sich erst allmählich. Doch das Wesen von Eucharistie und Priestertum wird nach Ostern und Pfingsten von den Aposteln bereits ausgeübt und vollzogen. Die Apostel sind die ersten Priester und Bischöfe der Kirche. Sie erfüllen den Auftrag Christi: „Tut dies zu meinem Gedächtnis! Lehrt! Verkündet! Tauft! Segnet! Heilt!“

           

Die Apostel wiederum geben das Sakrament der Priesterweihe weiter – durch Handauflegung und Gebet; sie geben das weiter, was sie vom Herrn empfangen haben. Durch die Apostolische Sukzession, die ununterbrochene Nachfolge des apostolischen Amtes, wird das Sakrament der Priesterweihe weitergegeben, von seiner Einsetzung beim letzten Abendmahl, über die Apostel, über die Bischöfe als Nachfolger der Apostel, bis heute, bis zum Ende der Welt.

           

Im Perspektivenpapier der Diözese Innsbruck (Fastenzeit 2019, Seite 19) heißt es: „Priester werden im Veränderungsprozess ihres Berufsbildes aktiv begleitet.“ Haben wir es beim katholischen Priester mit einem gewöhnlichen Beruf zu tun, im Sinn eines Jobs, den wir uns auswählen? Mit einem Beruf, dessen Berufsbild sich verändert, dessen Berufsbild wir bestimmen? Im weltlichen Sinn gibt es wechselnde Berufs- und Rollenbilder für Männer und Frauen. Gilt das auch für den Priester? Wenn das auch für den Priester gälte, wäre gegen den erwähnten diözesanen „Veränderungsprozess“ für das priesterliche „Berufsbild“ nichts einzuwenden. Doch der Blick auf den Hohenpriester Jesus Christus und auf das, was Er am Beginn der Kirche gestiftet hat, der Blick auf die Apostel, die ersten Bischöfe und Priester der Kirche, der Blick auf die Kirchenväter, der Blick auf die heiligen Priester aller Jahrhunderte zeigen, dass das Priestertum kein Beruf im weltlichen Sinn ist, im Sinn einer beliebigen Berufswahl. Das Priestertum hat folgedessen auch kein Berufsbild das wir bestimmen, das nach Belieben gestaltet, verändert oder umgeschult werden kann. In keinem Dokument der Römischen Kirche habe ich Aussagen dieser Art gefunden, dafür jedoch etwas anderes:

           

Damit die Gläubigen zu einem Leib, in dem "nicht alle Glieder denselben Dienst verrichten" (Röm 12,4), zusammenwachsen, hat der gleiche Herr [Christus] einige von ihnen zu amtlichen Dienern eingesetzt. Sie sollten in der Gemeinde der Gläubigen heilige Weihevollmacht besitzen zur Darbringung des Opfers und zur Nachlassung der Sünden und das priesterliche Amt öffentlich vor den Menschen in Christi Namen verwalten. Daher hat Christus die Apostel gesandt, wie er selbst vom Vater gesandt war und durch die Apostel den Bischöfen als deren Nachfolgern Anteil an seiner Weihe und Sendung gegeben. Ihr Dienstamt ist in untergeordnetem Rang den Priestern übertragen worden; als Glieder des Priesterstandes sollten sie, in der rechten Erfüllung der ihnen von Christus anvertrauten Sendung, Mitarbeiter des Bischofsstandes sein(10). […] Das Amt der Priester […] nimmt […] an der Vollmacht teil, mit der Christus selbst seinen Leib auferbaut, heiligt und leitet. […] Das Priestertum der Amtspriester […] wird aber durch ein eigenes Sakrament übertragen. Dieses zeichnet die Priester durch die Salbung des Heiligen Geistes mit einem besonderen Prägemal und macht sie auf diese Weise dem Priester Christus gleichförmig, so daß sie in der Person des Hauptes Christus handeln können. Da die Priester für ihren Teil am Amt der Apostel teilnehmen, wird ihnen von Gott die Gnade verliehen, Diener Jesu Christi unter den Völkern zu sein, die das heilige Amt des Evangeliums verwalten, damit die Völker eine wohlgefällige und im Heiligen Geist geheiligte Opfergabe werden.  (2. Vatikanisches Konzil, Presbyterorum Ordinis/Dekret über Dienst und Leben der Priester, 2).

           

Hier und auch in anderen kirchlichen Dokumenten finden wir für den Priester die Begriffe: Amtliche Diener, heilige Weihevollmacht, priesterliches Amt, verwalten, Weihe, Sendung, Dienstamt, Priestertum, Priesterstand, Vollmacht, eigenes Sakrament, besonderes Prägemal…

           

Solche Worte der Kirche helfen uns, den Priester richtig zu erkennen. Das Priestertum ist zuerst eine Seinsberufung, die in der Weihe von Christus geschenkt wird. Der Priester darf schlicht und einfach Priester SEIN, in der Hingabe an Gott und für die Menschen. Das priesterliche Sein hat den Vorrang vor allen „Funktionen“.

           

Der Priester hat durch das Sakrament der Priesterweihe eine unauslöschliche Gleichgestaltung mit Christus und eine Vollmacht empfangen, wie das 2. Vatikanische Konzil sagt. Kardinal Müller drückt es im Glaubensmanifest so aus: „Christus selbst ist der Urheber des Amtes in der Kirche. Er hat es eingesetzt, ihm Vollmacht und Sendung, Ausrichtung und Zielsetzung gegeben“ (874). Was wir Priester sind, was unsere Sendung, unsere Ausrichtung und unsere Zielsetzung ist, stammt von Christus, ist von Ihm vorgegeben. Wie Jesus Christus darf und soll der Priester Lehrer, Priester und Hirte sein.

           

Kardinal Müller: „Die Priesterweihe „verleiht ihm [dem Priester] eine heilige Vollmacht“ (1592), die unersetzbar ist, denn durch sie wird Jesus Christus in seinem Heilshandeln sakramental gegenwärtig.“ Wir Priester haben keine Macht im weltlichen Sinn, wir haben eine heilige Vollmacht. Was ist das für eine Vollmacht? Der Priester darf mit heiliger Vollmacht sprechen: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut. Ich spreche dich los von deinen Sünden. Durch diese heilige Salbung. Es segne dich der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.“ Das ist die heilige Vollmacht des Priesters. Im Kern: Nirgends ist der Priester so sehr Priester als bei der Heiligen Wandlung und bei der Lossprechung. Mit anderen Worten: Christus verwendet den Priester als Werkzeug, um in den heiligen Sakramenten als Erlöser unter uns zu leben und zu wirken. Die Kirche ist von ihrem Ursprung her so sehr mit dem Priester und den Sakramenten verbunden, dass man ohne sie – ohne Priester und Sakramente - nicht von Kirche sprechen kann (KKK 1593).

           

Die heilige Vollmacht des Priesters betrifft alle drei Bereiche des Priestertums. Das Lehramt: Der Priester hat eine heilige Vollmacht, den Glauben zu lehren und zu verteidigen, auch Irrtümer zurückzuweisen. Das Priesteramt: Der Priester hat eine heilige Vollmacht zur Verwaltung und Ausspendung der göttlichen Geheimnisse, der Sakramente. Das Hirtenamt: Der Priester hat eine heilige Vollmacht zur Leitung der Gemeinden. Der Priester ist nicht ein Funktionär, ein Manager, ein Diskussionsleiter, ein Gremienbegleiter, ein Koordinator usw. Natürlich braucht der Priester, vor allem der Pfarrer, Mitarbeiter, Männer, Frauen, Jugendliche. Doch keine demokratischen Systeme, keine Teamarbeit usw. können die persönlich wahrgenommene Verantwortung und heilige Vollmacht des Priesters bzw. des Pfarrers auflösen oder umschulen. Wer das Wesen des katholischen Weihepriestertums erfasst versteht auch, warum sich gerade auch am Priester die Geister scheiden. „Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34).

           

Alle kirchlichen Pastoralpläne, Perspektiven, vermeintlichen neuen Wege usw., die nicht mit dem Priestertum und dem Hl. Messopfer verbunden sind, führen am Erlöserwirken Christi vorbei. Die Kirchengeschichte lehrt, dass solche Wege nicht nur großen Schaden anrichten, sie sind auf Dauer gesehen zum Scheitern verurteilt. Dasselbe gilt für das Wesen der priesterlichen Berufung. Wesen und Inhalt des sakramentalen Priestertums stammen von Christus und sind unveränderbar. Deshalb ist allen Plänen, die mit dem Glaubensinhalt der Sakramente nicht vereinbar sind, entschieden und offen zu widersprechen! Keine Bischofskonferenzen, keine Bischöfe, keine Diözesen, keine Universitäten, keine Pfarren… können die von Gott kommende Sendung des Priesters verändern, manipulieren, abschwächen, umschulen… Wer dies beabsichtigt, vergreift sich an der göttlichen Verfassung der Kirche.

           

Es gibt also nicht ein Priesterbild, das wir uns machen. So wie es auch nicht ein Gottesbild gibt, das wir uns machen. Gott hat sich uns geoffenbart. Nicht wir machen uns eine Vorstellung von Gott. Gott gibt auch dem Priester Sein und Identität, nicht wir machen uns ein Bild vom Priester. Wir Priester müssen uns an das halten, das zu leben versuchen, was Christus vorgegeben hat, dann haben wir auch innere Erfüllung, dann ist das priesterliche Leben auch ein schönes und bereicherndes Leben. Natürlich wird durch die Priesterweihe das Menschliche am Priester nicht ausgelöscht, Priester können auch tief abstürzen und Schaden anrichten. Die Krisen im Priesterleben beginnen dann, wenn der Priester nicht zur Identität seiner von Gott vorgegebenen Berufung geführt wird oder selber dort nicht genügend verankert ist. Wie jeder Getaufte muss sich auch der Priester um Bekehrung und Heiligung bemühen. Wie jeder Getaufte darf aber auch der Priester die verzeihende Liebe Gottes erfahren, die er selber den Gläubigen so oft im Sakrament vermittelt. Vergelt‘s Gott allen Gläubigen, die uns  Priester mit ihrem Gebet mittragen und begleiten.

           

Ein Wort des hl. Pfarrer von Ars soll diese heutige Besinnung zusammenfassen: „Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort … Verstünde man so richtig, was der Priester auf Erden ist, so stürbe man – nicht vor Schrecken, sondern aus Liebe … Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu“ (*). Amen.          

Katechismus der Katholischen Kirche, 1589   

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