315) 3. Fastensonntag 2019: GLAUBENSMANIFEST 2: DAS SITTLICHE GESETZ

3. Fastensonntag 2019

GLAUBENSMANIFEST von Gerhard Ludwig Kardinal Müller:

2) DAS SITTLICHE GESETZ (im Manifest Punkt 4)

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Kardinal Müller: Glaube und Leben gehören untrennbar zusammen, denn Glaube ohne Werke, die im Herrn getan werden, ist tot (1815). Das sittliche Gesetz ist Werk der göttlichen Weisheit und führt den Menschen zur verheißenen Seligkeit (1950). Demzufolge ist die Kenntnis des göttlichen und natürlichen Sittengesetzes notwendig, „um das Gute zu tun und sein Ziel zu erreichen“ (1955). Seine Beachtung ist für alle Menschen guten Willens heilsnotwendig. Denn wer in Todsünde stirbt, ohne bereut zu haben, wird für immer von Gott getrennt sein (1033). Dies führt zu praktischen Konsequenzen im Leben der Christen, von denen viele heute verdunkelt sind (vgl. 2270-2283; 2350-2381). Das sittliche Gesetz ist nicht eine Last, sondern Teil jener befreienden Wahrheit (vgl. Joh 8,32), durch die der Christ den Weg des Heils geht und die nicht relativiert werden darf.

           

Anmerkungen:

Glaube und Leben gehören untrennbar zusammen. Den Glauben bestimmt inhaltlich die Offenbarung, das Credo. Das Leben bestimmen die 10 Gebote, das sogenannte sittliche Gesetz. Im sittlichen Leben findet der Glaube seine Anwendung.

           

Was ist das sittliche Gesetz? Wir glauben als Christen, dass Gott unser Schöpfer ist. Er hat unser menschliches Leben erdacht und geschaffen. Er hat unserem Leben auch einen Sinn und eine Ausrichtung gegeben, Er hat dem Leben sozusagen einen Kompass eingeprägt: Das ist das sittliche Gesetz. Es ist eine Weisung zum Leben, wie wir leben sollen, wie unser Leben „funktioniert“, zum Ziel im Himmel gelangt. Ein Vergleich: Ein Uhrmacher, der eine Uhr konstruiert und anfertigt, weiß am besten, wie sie funktioniert. Gott als Schöpfer weiß am besten, wie unser Leben „funktioniert“, dh sich entfaltet und erfüllt. Diese Ordnung, die Gott mit unserem Dasein verbunden hat, ist das sittliche Gesetz.

           

Das eine Sittengesetz vermittelt uns Gott auf eine zweifache Weise: Von innen und auch von außen: a) Das natürliche Sittengesetz - es ist den Menschen von Gott ins Herz geschrieben. Dh: Wir Menschen sind innerlich drauf angelegt, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Das entspricht unserem Leben. b) Das geoffenbarte Sittengesetz – durch Moses am Sinai dem Volk Israel gegeben. Es bestärkt und bestätigt das natürliche Sittengesetz. Aufgrund der Erbsünde, der Verwirrung und Verdunkelung, die durch die Sünde gekommen ist, hat Gott das Sittengesetz nochmals auch von außen geoffenbart.

           

Das sittliche Gesetz ist ein Werk der Göttlichen Weisheit. Gottes Weisheit ist auch Gottes Liebe. Das Leben nach dem Göttlichen Sittengesetz bedeutet Weisheit, das daran vorbeileben wird von der Heiligen Schrift oft als Dummheit bezeichnet. Wer gegen das Gesetz Gottes handelt, schadet sich selbst. „Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“ (Tob 12,10). Das Göttliche Sittengesetz ist weise, weil es Ordnung schafft. Alle Werke Gottes tragen das Siegel der Ordnung. Außerhalb der Göttlichen Ordnung herrschen Chaos und Tod.

           

Das Göttliche Sittengesetz ist keine Last. Wir sind nicht die „armen“ Christen, die die Last der Gebote Gottes durchs Leben schleppen müssen, während die anderen die Freiheit genießen können. Umgekehrt: Es ist ein Teil der befreienden Wahrheit, die zum Heil führt. Außerhalb der Gebote Gottes gibt es keine wahre innere Freiheit des Menschen. Christus gibt uns durch die Erlösung auch die Gnade, die Gebote Gottes halten zu können.

           

Das von Gott ins Herz geschriebene und im Alten Bund geoffenbarte, von Christus bestätigte Sittengesetz darf nicht relativiert werden. Es ist ein ewiges und unumstößliches Gesetz Gottes. „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen“, so der hl. Prophet Isaias (Isaias 5,20). Wer innerhalb oder außerhalb der Kirche das natürliche oder göttliche Sittengesetz relativiert, kann mit den Worten Christi als ein falscher Prophet bezeichnet werden: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe“ (Mt 7,15). Das Göttliche Sittengesetz ist nicht von der Kirche und auch nicht von anderen Menschen gemacht. Wir empfangen es von Gott. Wir erkennen es aus dem eigenen Herzen und aus der Offenbarung.

           

Es ist wichtig, dass der Mensch das Göttliche Sittengesetz a) kennt, b) auch hält. Kennen: Es muss vermittelt werden: In der Familie, von den Eltern, in der Predigt und kirchlichen Verkündigung. Der wichtigste Lernort für das Göttliche Sittengesetz ist sicherlich die Familie, weil die Eltern die Hinführung zum sittlichen Leben in besonderer Weise mit ihrer Liebe verbinden, auf ihre Kinder, auf ihr Alter und ihr Reifen angepasst; in der Familie ergänzen sich Theorie und Praxis.

           

Das Göttliche Sittengesetz ist für alle Menschen guten Willens heilsnotwendig. Ohne das Leben in der Lebensordnung Gottes können wir nicht in den Himmel kommen. Sterben in Todsünde ohne Reue führt zur ewigen Trennung von Gott.

           

Das Wissen um das Göttliche Sittengesetz hat praktische Konsequenzen im Leben der Christen, viele davon sind heute verdunkelt: ZB die Menschen erkennen oft nicht mehr, dass es Folgen hat, wenn wir an den Geboten Gottes vorbeileben. Kardinal Müller verweist auf einige Katechismusabschnitte. Es handelt sich um Bereiche des Sittengesetztes – der Gebote Gottes – wo heute allgemein eine große Verdunkelung herrscht: 2270-2283: Abtreibung, Euthanasie, Selbstmord;

2350-2381: Keuschheit vor der Ehe, verschiedene Formen von Unkeuschheit, Unzucht, Pornographie, Homosexualität, eheliche Liebe und Treue, eheliche Fruchtbarkeit, Kinder als Geschenk, Ehebruch.

           

Gott hat uns Menschen auch ein Organ gegeben, das Göttliche Sittengesetz aufnehmen zu können: Unser Gewissen. Das Gewissen ist nicht eine egoistische Instanz, mit der wir selber bestimmen, was gut und böse ist. Das Gewissen ist wie das Auge, das geschaffen ist, das Licht aufzunehmen. So ähnlich hat uns Gott das Gewissen gegeben, damit wir das Göttliche Gesetz – die Weisungen für das Leben – aufnehmen können.

           

Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1776: „Im Innersten seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muß und dessen Stimme ihn immer anruft, das Gute zu lieben und zu tun und das Böse zu meiden und so, wo nötig, in den Ohren des Herzens tönt ... Denn der Mensch hat ein Gesetz, das von Gott seinem Herzen eingeschrieben ist, dem zu gehorchen eben seine Würde ist... Und das Gewissen ist der verborgenste Kern und das Heiligtum des Menschen, in dem er allein ist mit Gott, dessen Stimme in seinem Innersten widerhallt (2. Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes/Kirche in der Welt von heute, 16)“.

           

Katechismus der Katholischen Kirche, 1778: „Das Gewissen ist ein Urteil der Vernunft, in welchem der Mensch erkennt, ob eine konkrete Handlung, die er beabsichtigt, gerade ausführt oder schon getan hat, sittlich gut oder schlecht ist. Bei allem, was er sagt und tut, ist der Mensch verpflichtet, sich genau an das zu halten, wovon er weiß, dass es recht und richtig ist. Durch das Gewissensurteil vernimmt und erkennt der Mensch die Anordnungen des göttlichen Gesetzes.“

Amen.

           

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