314) 2. Fastensonntag 2019: GLAUBENSMANIFEST 1: DER EINE UND DREIFALTIGE GOTT - OFFENBART IN JESUS CHRISTUS

2. Fastensonntag 2019

„ER WURDE VOR IHREN AUGEN VERKLÄRT“ (Mt 17,2)

GLAUBENSMANIFEST von Gerhard Ludwig Kardinal Müller:

1) DER EINE UND DREIFALTIGE GOTT - OFFENBART IN JESUS CHRISTUS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes erleben auf dem Berg der Verklärung Ostern. Christus lässt sie schon, soweit das im Pilgerstand des irdischen Lebens möglich ist, ein wenig am Himmel teilhaben. Himmlische Zeichen sind: Die Verklärung, das Licht wie die Sonne, die Verwandlung/Verklärung des menschlichen Leibes Christi, das Antlitz Christi, das Antlitz Gottes schauen dürfen, die Erkenntnis Gottes, die Freude, der Friede... Alle menschliche Vorstellungskraft reicht nicht aus, uns die Schönheit des Himmels vorzustellen. Die Erfahrung auf dem Berg Tabor ist so stark, so innig, so durch „Mark und Bein“ gehend, dass die Apostel nicht mehr weg wollen, sie wollen bleiben, sie wollen nicht mehr zurück in das gewöhnliche Leben.

           

Doch das Taborerlebnis war nur ein kleiner Vorgeschmack, eine Stärkung auf dem Weg. Der reale Weg zum Himmel führt immer auf dem schmalen Weg, durch das enge Tor, durch viele Mühen, Leiden. „Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen“ (Apg 14,22), predigt Paulus in Antiochien. Kurz: „Es ist der Weg des Kreuzes, den Christus uns vorausgegangen ist, den die Apostel gegangen sind und den auch wir gehen.

           

Der Weg zum Licht ist nie einfach. In der jetzigen Phase der Kirchengeschichte sind wir auf diesem Weg von vielen Nöten heimgesucht. Das ist nichts Neues. Doch Christus stärkt uns immer wieder auf diesem Weg. Jeder Sonntag, jede Sonntagsmesse, jedes Hl. Messopfer ist ein kleiner Tabor. Dann gibt es noch die Taborerlebnisse, die für jeden persönlich zugeschnitten sind. Christus stärkt uns auch durch gute Hirten der Kirche.

           

In der Kirche herrscht gegenwärtig eine unsagbare Verwirrung. Doch es gibt die Hirten, die keine Menschenfurcht haben, die keine Mietlinge sind, die Angesichts der Wölfe die Herde schützen und mit dem Stock des Glaubenswortes vor den Wölfen warnen und sie vertreiben. Ein solches Hirtenwort stammt von Ludwig Kardinal Müller, sein MANIFEST DES GLAUBENS.

           

GLAUBENSMANIFST 1. Teil

Einleitung. Der Eine und Dreifaltige Gott. Offenbart in Jesus Christus.

           

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“ (Joh 14,1f)

von Ludwig Kardinal Müller

           

Angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens, haben viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien der katholischen Kirche mich um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung gebeten. Es ist die ureigene Aufgabe der Hirten, die ihnen Anvertrauten auf den Weg des Heils zu führen. Dies kann nur gelingen, wenn dieser Weg bekannt ist und sie ihn selber vorangehen. Dabei gilt das Wort des Apostels: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe“ (1 Kor 15,3).

           

Anmerkung: Der Hirte geht der Herde voran. Der Priester geht dem Volk voran und schwimmt nicht irgendwo mit. Der Hirte hat die Aufgabe, den Weg des Heils, den Weg Christi zu lehren und vorauszugehen. Dazu muss Christus bekannt sein, verkündet werden. Der Inhalt der Verkündigung ist nichts Selbstgemachtes. Natürlich darf und soll die Verkündigung die Züge der Persönlichkeit des Verkünders tragen, doch der Inhalt will mit Ehrfurcht empfangen und mit Ehrfurcht weitergegeben werden. Kein Papst, kein Bischof und kein Priester ist Herr über den Glauben, nur Vermittler, Bote, Zeuge, der hinweist auf Christus und seine Lehre.

           

Kardinal Müller: Heute sind vielen Christen selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewigen Leben zu verfehlen. Es bleibt aber die ureigene Aufgabe der Kirche, die Menschen zu Jesus Christus, dem Licht der Völker, zu führen (vgl. LG 1).

           

Anmerkung: Hier werden wir an etwas erinnert, was wir in der Kirche eher selten hören: Die Gefahr, den Weg zum ewigen Leben zu verlieren. Christus: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert“ (Mt 16,26). Der Glaube – der lebendige und gelebte Glaube – ist notwendig, um das ewige Leben zu erlangen.

           

Kardinal Müller: In dieser Lage stellt sich die Frage nach Orientierung. Nach Johannes Paul II. stellt der Katechismus der Katholischen Kirche eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ (Fidei Depositum) dar. Er wurde mit dem Ziel verfasst, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, deren Glaube durch die „Diktatur des Relativismus“ massiv in Frage gestellt wird.

           

Anmerkung: Das ist unsere Situation: Die grundlegendsten Lehren des Glaubens sind nicht mehr bekannt. Ursachen dafür sind vor allem auch Defizite in der kirchlichen Verkündigung, auch bei Bischöfen. Orientierung tut not. Bezugspunkt ist der Katechismus der Katholischen Kirche. Dh: Der überlieferte Glaube der Kirche ist der Bezugspunkt, das was bisher der Inhalt des Glaubens war, bleibt auch heute und in der Zukunft der Inhalt des Glaubens. Das, was unsere Eltern geglaubt haben, unsere Großeltern, was vor 300 Jahren, vor 1500 Jahren geglaubt wurde, gilt auch heute. Was bis 1950 grün war, ist auch heute grün; was rot war, ist auch heute rot. Es gibt Vertiefung des Glaubens, aber keine Veränderung.

           

Die „Diktatur des Relativismus“ stellt den Glauben massiv in Frage. Innerkirchlich: Das Infragestellen oder Relativieren von Geboten Gottes oder von Glaubenswahrheiten ist allgemein verbreitet, wie eine Diktatur geworden. Wer am Glauben festhält, wird von einer Diktatur des Relativismus bedrängt, als „Fundamentalist“ (was immer damit gemeint ist) bezeichnet.

           

  1. Der eine und dreifaltige Gott, offenbart in Jesus Christus

           

Kardinal Müller: Der Inbegriff des Glaubens aller Christen findet sich im Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir sind durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Jünger Jesu, Kinder und Freunde Gottes geworden. Die Verschiedenheit der drei Personen in der göttlichen Einheit (254) markiert im Hinblick auf andere Religionen einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben und im Menschenbild.

           

Anmerkung: Die Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die uns Christus geschenkt hat, schafft einen grundlegenden Unterschied. Der Unterschied betrifft a) den Gottesglauben. Der christliche Glaube ist wegen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit einzigartig. Der christliche Glaube ist eine Offenbarungsreligion, eine Religion, die nicht vom Menschen, sondern von Gott ausgeht. Die Verschiedenheit der Religionen stammt nicht von Gott sondern von Menschen. Der christliche Glaube ist die Religion, die Gott selbst gestiftet hat – durch die Offenbarung des Alten und Neuen Bundes.

           

Die Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit schafft auch b) einen Unterschied im Menschenbild. Das Verständnis des Menschen ist im Christentum ein anderes als bei anderen Religionen. Die christliche Anthropologie ist die von Gott kommende Wahrheit über den Menschen.

           

Kardinal Müller: Am Bekenntnis zu Jesus dem Christus scheiden sich die Geister. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, empfangen vom Heiligen Geist und geboren aus der Jungfrau Maria. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn Gottes, ist der einzige Erlöser der Welt (679) und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (846).

           

Anmerkung: Hier geht es um die Einzigkeit Jesu Christi. Daran scheiden sich die Geister: Wahrer Gott. Der einzige Erlöser der Welt. Der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. Die Verklärung Christi ist eine Offenbarung des Himmlischen Vaters über den Sohn Gottes, über die Einzigartigkeit Jesu Christi.

           

Kardinal Müller: Daher bezeichnet der erste Johannesbrief denjenigen als Antichrist, der seine Gottheit leugnet (1 Joh 2,22), da Jesus Christus, der Sohn Gottes von Ewigkeit her eines Wesens ist mit Gott, Seinem Vater (663).

           

Anmerkung: Kardinal Müller erwähnt den Antichrist. Der Antichrist ist nach der Lehre der Heiligen Schrift derjenige der leugnet, dass Christus der Sohn Gottes ist. Heute sollten wir so manchen in der Kirche die Frage stellen: Glaubst du wirklich, dass Christus der Sohn Gottes ist, wahrer Gott? Es fällt auf, dass manche nur mehr von Jesus reden, aber nicht mehr das Wort Christus in den Mund nehmen. Von Jesus zu reden ist nicht schwer – der Mensch Jesus. Doch Jesus ist DER CHRISTUS, dh der Gesalbte, der Messias, der Sohn Gottes.

           

Kardinal Müller: Mit klarer Entschiedenheit ist dem Rückfall in alte Häresien entgegenzutreten, die in Jesus Christus nur einen guten Menschen, Bruder und Freund, einen Propheten und Moralisten sahen. Er ist zu allererst das Wort, das bei Gott war und Gott ist, der Sohn des Vaters, der unsere menschliche Natur angenommen hat, um uns zu erlösen und der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Ihn allein beten wir in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist als den einzigen und wahren Gott an (691).

           

Anmerkung: Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation weiß, wovon er schreibt. Wir erleben in unseren Tagen eine Neuauflage frühchristlichen Irrlehren. ZB:

           

Neo-Arianismus: Leugnung der Gottheit Christi, nur mehr der Mensch Jesus, „Jesuanismus“.

Neo-Pelagianismus: Leugnung der Erbsünde, jeder ist in der Gnade, wir brauchen keine Kirche, keine Sakramente, keine Gnade… Alles, was wir zum Heil benötigen, haben wir aus uns selber.

Wir bekennen jetzt im Credo den Glauben an den Einen und Dreifaltigen Gott, an Christus, den Erlöser. Amen.

           

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