013) 1. Fastensonntag B 2012: Über das Wesen der Versuchungen und ihre Überwindung

 

1. Fastensonntag B) 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

JESUS WURDE „VOM SATAN IN VERSUCHUNG GEFÜHRT“(Mk 1,13)

ÜBER DAS WESEN DER VERSUCHUNG UND IHRE ÜBERWINDUNG

Christus geht nach der Taufe am Jordan für 40 Tage in die Wüste. Er fastet. Er betet. Er bereitet sich für sein öffentliches Wirken vor. Doch ist da noch etwas, was er in der Wüste erfährt: die Versuchung: Er „wurde vom Satan in Versuchung geführt.“ Die anderen Evangelisten schildern diese Versuchung etwas ausführlicher als Markus. Christus hat diese Versuchung zugelassen. Nicht wegen ihm, sondern für uns. Jesus hat alle Folgen der Sünde auf sich genommen und durchlitten. Dazu gehört auch die Erfahrung der Versuchung. Jesus hat es zugelassen, dass die ganze Bosheit des Versuchers, also des Teufels, auf ihn einstürmen kann. Christus hat uns damit Wesentliches über die Versuchung gezeigt und uns die Kraft gegeben, die Versuchungen überwinden zu können. Die Versuchung Christi in der Wüste scheint von unserem Alltag weit entfernt zu sein. Doch wir werden sehen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wir können für unser geistliches Leben vieles lernen.

A) Was ist eine Versuchung? Versuchung meint - allgemein – jeden geistigen oder körperlichen Einfluss auf unser Herz, um zur Sünde zu verführen, und uns auf diese Weise von Gottes Liebe und Gnade zu entfernen. Eine Versuchung will uns zur Sünde verleiten und durch die Sünde zum Tod, im letzten zur Trennung von Gott.

B) Woher kommen die Versuchungen?

a) Eine Versuchung kommt niemals von Gott. Der Apostel Jakobus sagt in seinem Brief, dass Gott niemand in Versuchung führt. Im Leben Christi war die Quelle der Versuchung der Satan: „Und er wurde vom Satan in Versuchung geführt.“ Es gibt den Versucher in Person. Die Versuchung, die Christus vom Satan erleidet, ist von anderer Art als die Versuchungen, die wir kennen. Bei Christus geschieht die Versuchung sozusagen auf einer ganz anderen Ebene als bei uns. Der Satan konnte Christus nicht in seiner Gottheit und Menschheit angreifen, er ist der drei Mal Heilige Gott. Christus erleidet die Versuchung auf der Ebene des Erlösungsauftrages. Er wurde versucht, anders Messias zu sein, als der Vater es wollte. Er war die Versuchung, das Kreuz zu umgehen und den Beifall der Menschen zu bekommen, ein Messias in irdischer Macht und Glorie zu werden. Christus hat dieser Versuchung widerstanden. Er ist dem Vater gehorsam geblieben bis zum Tod am Kreuz.

Wie schaut die Versuchung durch den Satan bei uns Menschen aus? Der Versucher ist ein gefallener Engel, er ist reiner Geist, und versucht vor allem auf der Ebene des Geistes, des Denkens. Er versucht uns vor allem durch den Stolz: er will, dass wir unser Menschsein anders leben als Gott es will: er will uns dahin führen, dass wir unser Geschöpf- und Kindverhältnis zu Gott verlieren, uns von Gott losmachen, und so selber gleichsam wie Gott werden. Er will uns einreden, dass wir unfrei sind, wenn wir mit Gott gehen. Er will schleichend, ohne dass wir es merken, unsere kindliche Bindung an Gott zerstören: diese Bindung an Gott geschieht durch die Sakramente, die Gebote, die Kirche.

b) Die meisten Versuchungen, die wir Menschen erfahren, kommen zunächst nicht vom Versucher, sondern aus uns selber. Hier gibt es eine wichtige Aussage im Jakobusbrief: „Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor.“(Jak 1,14-15) Mit anderen Worten: der Herd der Versuchung ist die Konkupiszenz, die eigene Begierlichkeit, die eigenen Leidenschaften, die im Herzen stecken, das ist eine Folge der Erbsünde. Ein Vergleich: eine mechanische Orgel kann man nur spielen, wenn der Wind geliefert wird. Der Teufel kann, wie bei einer Orgel, aus uns Menschen nur dann einen Ton herausbringen, wenn wir ihm den Wind dazu liefern. Und diesen Wind liefern wir ihn durch die Zustimmung zur Versuchung. Wenn wir nicht zustimmen, kann der Versucher arbeiten wie er will, er kann nichts ausrichten.

c) Die Versuchung Jesu in der Wüste zeigt uns vom Versucher: er arbeitet mit Lüge. Jesus nennt ihn den „Vater der Lüge“(Joh 8,44). Im Paradies sagt er vor dem Sündenfall: „Nein, ihr werdet nicht sterben, wenn ihr davon esst!“ (Gen 3,4). Eine glatte Lüge! „Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von der Frucht zu essen.“(Gen 3,6) Gemeint ist: Der Versucher hat durch Lüge die Sünde schön – köstlich - dargestellt und verschwiegen, welche katastrophalen Folgen sie hat. Durch Zufall hörte ich einmal beim Autofahren einen alten Schlager aus den 30ger Jahren: „Kann denn Liebe Sünde sein“, hieß es die ganze Zeit. Damals hat die Sängerin noch ein Gewissen gehabt. Heute würde das wahrscheinlich niemand mehr singen, „kann denn Liebe Sünde sein“, das ist gar kein Thema mehr. Man kann auch umgekehrt fragen: Kann denn Sünde Liebe sein? Der Versucher arbeitet mit Lüge.

C) Die Versuchung Christi zeigt uns noch etwas: Christus ist versucht worden, aber er hat nicht gesündigt. Wir müssen unterscheiden: Versuchung als solches, die Zustimmung zur Versuchung und die Prüfung.

< Die Versuchung als solches: Sie ist keine Sünde. Das ist eine Gegebenheit der gefallenen Menschennatur.

< Etwas anderes ist die Zustimmung zur Versuchung. Eine Versuchung wird erst zur Sünde, wenn wir einwilligen und zustimmen. Dann führt die Versuchung, wie der Jakobus gesagt hat, zur Sünde und die Sünde führt zum Tod.

< Noch einmal etwas anderes ist die Versuchung als Prüfung. Eine Versuchung, der wir nicht zustimmen, wird zur Prüfung. Gott lässt Versuchungen zu, damit wir uns bewähren und im inneren Leben wachsen. In diesem Sinn haben wir alle unter Prüfungen zu leiden, jeden Tag. Solche Prüfungen sind keine Sünde. Wir dürfen daran wachsen.

D) Christus hat den Versucher überwunden. Wie hat er das geschafft? Wie können wir es schaffen?

< Christus hat sich nicht auf den Teufel eingelassen, er hat nicht mit ihm Dialog geführt. Er hat ihm einen Exorzismus entgegengeschleudert, das Wort Gottes, sein Wort, und der Versucher musste weichen. Das bedeutet für uns: mit dem Versucher kann man nicht spielen. Da werden wir den kürzeren ziehen. Wer sich in den Wirkbereich des Versuchers begibt, wird draufzahlen. Wirkungsbereiche des Versuchers sind z.B.: die Irrlehre, der Ungehorsam gegenüber Gott und der Kirche, das Leben außerhalb der schützenden 10 Gebote Gottes, der Hochmut, der Aberglaube, die Esoterik usw. Das alles sind Einfallstore des Versuchers.

< Christus hat den Versucher mit Gebet überwunden. Er hat in der Wüste gebetet. Er hat am Ölberg gebetet, wo er wieder versucht worden ist. Auch wir brauchen das Gebet. Wir können nur in der Kraft des Gebetes und der hl. Sakramente kämpfen und siegen. Wer täglich und treu betet, wird immer wieder siegen, und wenn man gefallen ist, wird man sofort die Kraft bekommen, um wieder aufzustehen.

< Christus hat den Versucher überwunden durch eine klare Entscheidung auch seines menschlichen Willens. Um einer Versuchung widerstehen zu können, ist eine Entscheidung des Herzens verlangt. Man muss wollen! Unser menschlicher Wille ist oft schwach. Wir müssen ihn an die Gebote Gottes binden. Wir müssen ihn stärken durch Gebet und durch die heiligen Sakramente.

Im Vater unser bitten wir: Und führe uns nicht in Versuchung. Gemeint ist: Wir bitten um den Geist der Unterscheidung, dass wir erkennen, was Versuchung, Zustimmung und Prüfung ist, welche Folgen die Sünde hat. Wir bitten Gott, dass er uns von den Versuchungen, die aus uns selber kommen befreit, uns die Kraft schenkt, die Versuchungen zu überwinden und zu siegen. Maria, Mutter der Barmherzigkeit, bitte für uns. Amen.

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