312) 4. Sonntag nach Epiphanie 2019: Das Hl. Messopfer 12) OPFERUNG - DER HERR NEHME DAS OPFER AN AUS DEINER HAND

4. Sonntag nach Epiphanie 2019

„DER HERR NEHME DAS OPFER AN AUS DEINER HAND“ (aus den Opferungsgebeten)

DAS HEILIGE MESSOPFER 12) OPFERUNG: AUS DER HAND DES PRIESTERS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das katholische Heilige Messopfer hat eine Besonderheit: Die Bindung an den Priester. Bei der Heiligen Messe wird deshalb sehr schön das Wesen des katholischen Priestertums sichtbar.

           

1) Der Hohepriester Jesus Christus und das Weihepriestertum

           

In der Kirche gibt es letztlich nur einen Priester, das ist unser Hohepriester Jesus Christus. Die Kirche betet in einer Osterpräfation (V): „Er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm.“ Um uns zu erlösen, hat sich Christus am Altar des Kreuzes als makelloses Opfer dem Vater dargebracht. Das Priestertum der Kirche – das Weihepriestertum – ist ein sichtbares und konkretes Priestertum. Es steht aber nicht separat neben dem Priestertum Christi. Christus übt sein Priestertum durch den Priester der Kirche aus.

           

2) Christus, der einzige Mittler zum Vater

           

Der Hohepriester Jesus Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (1 Tim 2,5). „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6). Als Hoherpriester und Mittler ist Christus der Pontifex, dh der Brückenbauer zwischen Gott und Menschen. Bei der Heiligen Wandlung und der vorausgehenden Opferung ist auch der Priester ein Mittler zwischen Gott und den Menschen. Wenn man es genau ausdrücken will: Der Mittler zwischen Gott und Mensch ist natürlich nur der Hohepriester Jesus Christus. Doch Christus hat durch die Spendung der Sakramente und die Verkündigung des Evangeliums den Priester in diesen Mittlerdienst eingebunden.

           

3) Das je verschiedene Handeln des Priesters und der Gläubigen beim Offertorium

           

Bei der Opferung weiht der Priester die beiden Opfergaben Brot und Wein und bringt betend die beiden geistigen Opfergaben dar, für die Brot und Wein Zeichen sind: Jesus Christus und das Opfer/Selbstopfer der Kirche. Das ist ein priesterlicher Auftrag aufgrund der Priesterweihe. Das Eigene des priesterlichen Dienstes bei der Opferung: Bei der Opferung handelt der Priester in Verbundenheit mit den Gläubigen, von den Gläubigen mitopfernd unterstützt.

           

Die Gläubigen opfern beim Offertorium mit, aber anders als der Priester. Die Gläubigen handeln nicht wie der Priester am Altar, sie stehen auch nicht am Altar. Die Gläubigen bringen sich selbst und ihre Gaben zu Gott durch die Hand des Priesters. Erinnern wir uns: Die Gläubigen legen ihr Opfer – ihr Leben und alles, was das Leben ausmacht – gleichsam auf die Patene. Die Patene opfert dann der Priester.

           

Lassen wir uns den Vorgang der Opferung nochmals mit einem Wort des Zweiten Vatikanischen Konzils erschließen, das wir schon gehört haben: Die Gläubigen „sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen“ (*).

           

Durch die Hand des Priesters“ bedeutet: Der Priester hat den Auftrag, beim Heiligen Messopfer das Leben der Gläubigen und ihre Gaben und ihre Anliegen zu Gott zu bringen, in das Opfer Christi hineinzulegen. „Gemeinsam mit ihm“ bedeutet: Die Gläubigen schauen nicht nur zu, sie sollen sich mit dem opfernden Priester am Altar geistig vereinigen.

           

In den Gebeten der Opferung (Missale Romanum 1962) ist beides enthalten: Das opfernde Handeln des Priesters und das geistige Mitopfern der Gläubigen. Manchmal betet der Priester in Ausübung seines priesterlichen Auftrages „Ich opfere Dir“, zB „Nimm an, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, diese makellose Opfergabe, die ich, Dein unwürdiger Diener, dir darbringe“ (aus der Opferung des Brotes). Mehrmals sind die Gebete in der Wir-Form gehalten: „Wir bringen Dir dar, Herr, den Kelch des Heiles“ (aus der Opferung des Kelches). „Herr, wir kommen zu Dir mit reumütigen Herzen und demütigen Sinn, nimm uns an und gib, dass unser Opfer Dir gefalle“ (Stillgebet In spiritu humilitatis). In der Tradition betet beim Levitenamt der Diakon die Opferung des Kelches mit und unterstützt den Priester ein wenig beim Emporheben des Kelches. Die Bitte des Priesters vor dem Secret/Gabengebet fasst das zusammen: „Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle.“ Die Gläubigen antworten: „Der Herr nehme das Opfer an aus deiner Hand, zum Lob und Ruhme seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.“ Auch in vielen Kirchenlieder wird dieser Auftrag des Priesters zum Ausdruck gebracht: „Nimm an o Herr die Gaben, aus deines Priesters Hand.“ (Offertoriumslied aus der Haydnmesse).

           

4) Der Mittlerdienst des Priesters für die Gläubigen

           

Hier erkennen wir etwas sehr Wesentliches: Der Priester ist Mittler zwischen Gott und den Menschen. Das gehört zum Wesen des Priestertums. Natürlich ist der Priester in seinem ganzen Handeln beim Heiligen Messopfer immer ein Hinweis auf den einzigen und wahren Mittler, auf den einzigen und wahren Hohenpriester, Jesus Christus, deshalb trägt der Priester auch ein Messgewand, um das anzudeuten. Im Letzten ist es Christus, der uns Menschen, unser Leben, unsere Opfer, unsere Hingabe… zu Gott Vater bringt. Es ist ein Geheimnis, dass Christus in sein Mittleramt und sein Priestertum Menschen einbindet: die Priester seiner Kirche.

           

Bei der Opferung wird sichtbar, was zum Wesen des Priesters gehört. Es ist sein Auftrag und sein Beruf, das Opfer Christi und das Opfer der Gläubigen zu Gott Vater zu bringen, symbolisiert in den geweihten Opfergaben Brot und Wein. Gott Vater will das Opfer Christi und das Opfer der Kirche aus der Hand des Priesters entgegennehmen. Diese innere Ausrichtung des Offertoriums findet in der Tradition auch ihren konkreten äußeren Ausdruck in der Gebetsrichtung: Der Priester steht am Altar versus Dominum, er blickt mit den Gläubigen zu Gott hin, dem das Opfer der Heiligen Messe dargebracht wird.

           

Hören wir dazu noch ein Wort des Zweiten Vatikanischen Konzils, mit dem dieser Mittlerdienst des Priesters beschrieben wird: „Auf der Stufe ihres Dienstamtes haben sie [die Priester] Anteil am Amt des einzigen Mittlers Christus (1 Tim 2,5) und verkünden allen das Wort Gottes. Am meisten üben sie ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium [Geheimnis] verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes [Christus] vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28), im Messopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (vgl. 1 Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden“ (**). Hier ist nichts anderes gesagt, als was die Kirche immer geglaubt und gelehrt hat.

           

Begreifen wir das Eigene und Besondere des katholischen Priesters? Der Priester ist kein liturgischer Darsteller, kein Showmaster, kein Unterhalter, kein Manager, kein Sozialarbeiter, kein Weltverbesserer, kein Brauchtumserhalter usw. Im Hebräerbrief heißt es über das Wesen des Hohenpriesters Christus und gleichzeitig über das Wesen des Priesters in der Kirche: Er „wird aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen“ (Hebr 5,1). Der Priester ist von Christus zuerst dazu erwählt und geweiht, das Hochheilige Opfer Christi darzubringen, zur Vergebung der Sünden, zum Heil der Lebenden und der Verstorbenen, und der Priester soll die Menschen, ihr Leben, ihre Opfer, ihre Anliegen… im Gebet Gott anempfehlen, vor allem beim Offertorium der Heiligen Messe mit dem Opfer Christi vereinigen. Diesem Kernauftrag des Priesters entspringen alle seine übrigen Dienste.

           

Das zu erkennen und anzuerkennen braucht Glaube und Demut. Die Reformatoren, die an beidem Mangel hatten, haben vor 500 Jahren die Sendung des Priesters abgelehnt und, folgedessen, auch die Abschaffung des ganzen Offertoriums gefordert, so Martin Luther. Auf uns heute bezogen: Wenn wir sagen: „Das mache ich mit dem Herrgott allein aus“, und aus dieser Gesinnung heraus die Sakramente für überflüssig halten, befinden wir uns in der Haltung der Reformatoren, weil wir dann die sakramentale Heilsordnung Christi ablehnen.

           

Zum Abschluss ein schönes Symbol: Bei der Opferung steigt der Priester gleichsam betend über die Altarstufen hinauf zum Opferaltar. Der Opferaltar ist Golgota. Die Heilige Wandlung wirft schon ihr herrliches Licht voraus. Die Gläubigen gehen bei der Opferung geistig mit, vereinigen sich mit dem Priester. Sie opfern innerlich durch die Hand des Priesters mit. Die Heilige Wandlung, das eigentliche Opfer, vollzieht der Priester allein, dh Christus durch den Priester. Christus setzt durch den Priester sein Kreuzesopfer unblutig gegenwärtig, sein liebendes Herz öffnet sich, es strömt gleichsam Blut und Wasser hervor. So dürfen wir mit Freuden lebendige Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils (vgl. Isaias 12,3). Amen.

           

(*)  2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie, aus Abschnitt 48

(**) 2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die hl. Kirche, Lumen gentium, 28

           

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