311) 3. Sonntag nach Epiphanie 2019: DAS HL. MESSOPFER 11) OPFERUNG: DAS OPFER/SELBSTOPFER DER KIRCHE

3. Sonntag nach Epiphanie 2019

„LASS UNS DURCH DAS GEHEIMNIS DIESES WASSERS UND WEINES AN DER GOTTHEIT CHRISTI TEILHABEN“ (aus dem Gebet zur Vermischung von Wein und Wasser)

DAS HEILIGE MESSOPFER 11) OPFERUNG: DAS OPFER/SELBSTOPFER DER KIRCHE

Predigt von Pf. Stephan Müller (zur persönlichen Besinnung erweiterte Fassung)

           

Die bei der Opferung geweihten Opfergaben von Brot und Wein sind Zeichen für die makellose Opfergabe Jesus Christus und Zeichen für das Opfer/Selbstopfer der Kirche, wir Menschen.

           

Mit dem Opfer Christi ist es so wie bei der Menschwerdung Gottes. Der Sohn Gottes ist nicht auf eine rein Geistgewirkte Weise Mensch geworden. Die Menschwerdung Gottes hat es nur gegeben, weil ein konkreter Mensch, Maria, eingewilligt und ihr Herz und ihren jungfräulichen Schoß Gott zur Verfügung gestellt hat. So ähnlich wird das Kreuzesopfer Christi bei der Heiligen Wandlung auch nicht nur rein Geistgewirkt gegenwärtig, sondern nur durch das konkrete Mitwirken der Kirche. Ohne Maria – keine Menschwerdung! Ohne Kirche und Priester – keine Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers bei der Heiligen Wandlung.

           

Dieser Zusammenhang bei der Heiligen Wandlung ist sehr wichtig: Kreuzesopfer Christi und Kirche. Wegen diesem Mitwirken der Kirche bei der Eucharistischen Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers ist die Heilige Messe auch das Opfer der Kirche. Und nicht nur das Opfer Christi wird bei der Heiligen Messe dargebracht. Auch die Kirche selber bringt sich bei der Opferung dar, wir Menschen mit allem, was unser Leben ausmacht. Deshalb sagen wir sehr schön: Das Selbstopfer der Kirche.

           

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt über den inneren Mitvollzug der Heiligen Messe folgendes: „So richtet die Kirche ihre ganze Sorge darauf, dass die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sie sollen vielmehr durch die Riten und Gebete dieses Mysterium [Geheimnis] wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewusst, fromm und tätig mitfeiern, sich durch das Wort Gottes formen lassen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden. Sie sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler, von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei. (*)

           

In Bezug auf das Opfer/Selbstopfer der Kirche, das wir heute bedenken, ist für uns ein Satz aus diesem Konzilstext zentral: „Sich selber darbringen lernen.“ Bei der Opferung sollen wir lernen, uns selber und alles, was unser Leben ausmacht, Gott zu opfern, dh darzubringen, zu schenken. Das kann nur jeder für sich selbst tun. Das muss man lernen und üben. Natürlich sind die Akte der Hingabe und Opfer an Gott nicht auf das Heilige Messopfer beschränkt. Wer Gott liebt, wird in seinem Alltag oft etwas haben, was er aus Liebe zu Gott aufopfert und annimmt. Doch die Opferung der Heiligen Messe ist ein bevorzugter Ort dies zu tun, weil wir nahe beim Kreuz Christi sind.

           

Bei der Opferung geht es also, um es nochmals zu sagen, nicht nur um das Opfer Christi, sondern auch um unsere Teilnahme am Opfer Christi. Die aktive Teilnahme der Gläubigen am Heiligen Messopfer besteht vor allem in diesem sich selber darbringen, im geistigen Mitopfern. Ein Katholik, der beim Hl. Messopfer sich selber darbringt und mitopfert, ist kein Außenstehender oder stummer Zuschauer mehr, auch nicht bei einer Stillmesse. Mit Begriffen aus unserer Zeit ausgedrückt: Wer sich beim Hl. Messopfer selber darbringt und mitopfert, ist ein Insider, er ist involviert, er ist in das Geheimnis des Hl. Messopfers hineingekommen. Das ist die wahre aktive Mitfeier.

           

Wie können wir uns selber darbringen? Unsere Vorfahren hatten einen schönen Ausdruck für das „sich selber darbringen“: „Auf die Patene legen.“ Bei der Opferung sollen und dürfen wir uns selber und unsere geistigen Opfer gleichsam auf die Patene legen. Wir brauchen dazu nicht viele Worte machen, wir brauchen nicht „plappern wie die Heiden“, wie Christus einmal über das Gebet sagt (Mt 6,7). Vielleicht wäre es wirklich gut, sich ein paar Minuten vor der Heiligen Messe still zu fragen: Was lege ich heute auf die Patene? Manches tun wir vielleicht „mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“, wie der hl. Paulus sagt (Röm 8,26); mit einem Akt des Herzens wie zB: „Herr, nimm es hin. Herr, ich gebe mich Dir. Herr, nimm mich…“ Es kann sein, dass ein Katholik bei der Heiligen Messe von Sorgen bedrückt ist, sich mit der äußeren Aufmerksamkeit schwer tut… Wenn so jemand nur zustande bringt: „Herr, nimm alles hin. Totus tuus - ganz Dein!“, dann ist das Wichtigste getan! Wenn wir nur in der Hingabe sind.

           

„Sich selber darbringen.“ „Auf die Patene legen.“ Eine Hilfe dazu ist die Stille bei der Gabenbereitung. In der Tradition wird der Ritus der Opferung immer in Stille vollzogen. Opfer und Hingabe brauchen die Stille. Und die Gläubigen haben durch die Stille die Möglichkeit, sich selbst und ihre Anliegen einzubringen. Durch ständig lautes Beten beim Hl. Messopfer verlernen wir das persönliche Beten. Bei einem Hochamt kann die Kirchenmusik eine Hilfe sein: Das Spiel der Orgel oder ein Opferungslied. Die Opferung ist tatsächlich jener Teil der heiligen Messe, in dem die Gläubigen innerlich am meisten gefordert sind.

           

Fragen wir uns noch: Warum werden bei der Heiligen Messe die makellose Opfergabe Jesus Christus und das Opfer/Selbstopfer der Kirche dargebracht? Die makellose Opfergabe Jesus Christus wird Gott Vater dargebracht um uns die Erlösungsgnaden des Keuzesopfers zuzuwenden, zum Heil der Lebenden und Verstorbenen. Das Opfer/Selbstopfer der Kirche wird Gott dargebracht: Damit wir verwandelt werden. Damit wir erneuert werden. Damit wir, wie der kranke Knecht im heutigen Evangelium, gesund und heil werden. Damit unsere Opfer und unser Leben vom Kreuz Christi befruchtet werden und Ewigkeitswert bekommen. Damit wir mit Gott und untereinander vereinigt werden. Im Konzilstext, den wir gehört haben, war es so formuliert: Damit wir „zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei.“

           

Der liturgische Ritus der Opferung hat Zeichen, mit denen der opfernde Priester am Altar und die mitopfernden Gläubigen ihre Opfergesinnung zum Ausdruck bringen.

           

Die alte Kirche hatte den Opfergang der Gläubigen. Die Zeugnisse der Kirchenväter für den Opfergang reichen ins 2. Jahrhundert zurück, zB bei Irenäus von Lyon und Tertullian. Die Gläubigen haben damals materielle Gaben gebracht, Brot, Wein und Lebensmittel. Aus diesen Gaben der Gläubigen wurden Brot und Wein für die Opferung entnommen. Das übrige war für die Armenversorgung und für den Unterhalt des Priesters. Daher der zunächst praktische Ritus der Händewaschung des Priesters bei der Opferung. Später wurden die materiellen Opfergaben durch die Kollekte, die Geldspenden, ersetzt. Das ist praktisch auch leichter durchführbar. Vergessen wir nicht: Auch die Kollekte hat den gleichen Sinn wie der alte Opfergang: Die Gläubigen geben etwas aus ihren materiellen Gütern zum Zeichen dafür, dass sie sich selbst in der Heiligen Messe mitopfern.

           

Die Mischung von Wein und Wasser: Bei der Bereitung des Kelches gibt der Priester dem Wein mit einem kleinen Löffelchen einen Tropfen Wasser bei. Bei der Einsetzung des Hl. Messopfers, beim Letzten Abendmahl, hat Christus diese Mischung durchgeführt. Die Kirchenväter haben dafür eine Christologische Deutung, die im Mischungsgebet enthalten ist, im Missale 1962: „Gott, Du hast die Würde der menschlichen Natur wunderbar erschaffen und [mit der Erlösung] noch wunderbarer erneuert. Lass uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines an der Gottheit dessen teilhaben, der sich gewürdigt hat, unsere Menschennatur anzunehmen, Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

           

Dieses Gebet zur Mischung von Wein und Wasser bekennt das Weihnachtsgeheimnis, das Dogma der hypostatischen Union: Der Sohn Gottes vereinigt seine Göttliche Natur mit unserer menschlichen Natur, um unsere menschliche Natur, Leib und Seele, den ganzen Menschen, zu erlösen. Was Christus in seiner Liebe bei der Menschwerdung vollbracht hat, setzt sich beim Hl. Messopfer fort, nur umgekehrt: Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet, so vereinigen wir uns mit dem Opfer Christi, damit wir Anteil am Göttlichen Leben erhalten, damit wir zur Gemeinschaft mit Gott gelangen. Gott Vater nimmt das Opfer/Selbstopfer der Kirche an, um unser ganzes Leben durch das Opfer Christi zu befruchten und um uns in seine Gemeinschaft hineinzunehmen.

           

Zusammenfassend können wir über das Opfer/Selbstopfer der Kirche sagen: Das Offertorium des Heiligen Messopfers ist für uns eine wertvolle Schule, um die Gesinnung des Opfers - mit anderen Worten - die Gesinnung der Hingabe – nochmals mit anderen Worten – die Gesinnung der Liebe zu lernen. Amen.

           

(*) 2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie, aus Abschnitt 48

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