310) 2. Sonntag nach Epiphanie 2019: DAS HL. MESSOPFER 10) DIE MAKELLOSE OPFERGABE JESUS CHRISTUS

Sonntag nach Epiphanie 2019

„ZU KANA IN GALILÄ FAND EINE HOCHZEIT STATT“ (Joh 2,1)

DAS HEILIGE MESSOPFER 10) OPFERUNG: CHRISTUS, DIE MAKELLOSE OPFERGABE

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Die Hochzeit von Kana führt uns in das Christusgeheimnis hinein. Christus ist der himmlische Bräutigam, der sich seine Kirche zur Braut erwählt. Am Kreuz, im Neuen Bund, vermählt sich der himmlische Bräutigam mit seiner Braut, der Kirche. Der Brautpreis, mit dem Christus seine Braut erkauft, ist sein Erlöserblut. Die Verwandlung von Wasser in Wein verweist auf das noch größere Wunder der Heiligen Messe: Die Verwandlung des Weines in das Kostbare Blut Christi bei der Heiligen Wandlung. Das sind Gedanken der Kirchenväter. Die Hochzeit von Kana führt uns also hinein in das bräutliche Geheimnis der Liebe Christi, das sich in seinem Blut und Opfer vollzieht - und uns im Heiligen Messopfer zugänglich wird.

           

Was ist ein Opfer? Das Geheimnis des Opfers kann man letztlich nicht erklären, nur die Grundzüge des Opfers. Opfer meint liebende Hingabe, Hingabe des Herzens bis hin zur Ganzhingabe, Hingabe, die bei uns Menschen, auch bei Christus, auch den Körper miteinschließt. Ein Opfer ist immer mit Liebe und Freiheit des Willens verbunden. Das größte Opfer ist das Opfer Christi am Kreuz, seine leib-seelische Ganzhingabe an den Vater für uns. Jedes echte Opfer wird fruchtbar, bringt neues Leben. Aus dem Opfer Christi am Kreuz entspringt das neue Leben, alle Gnade, alles Heil. Auch unsere echten menschlichen Opfer bringen Segen und Heil, wenn sie vom Opfer Christi befruchtet werden. Damit sind wir schon mitten in der biblisch-katholischen Opferlehre.

           

Die sichtbaren Opfergaben von Brot und Wein werden bei der Opferung geweiht – nicht verwandelt! – der Welt entrissen, für die Heilige Wandlung vorbereitet. Damit werden Brot und Wein Zeichen für das eigentliche Opfer, das Gott dargebracht wird: Das Opfer Christi und das Opfer/Selbstopfer der Kirche. Mit anderen Worten: Die beiden Opfergaben, die bei der Opferung dargebracht oder geopfert werden sind: Der Bräutigam der Kirche, Jesus Christus, und die Braut Christi, die Kirche: Wir Menschen mit allem, was unser Leben ausmacht.

           

Wenn wir von der Heiligen Messe das Wesen der Opferung begreifen wollen, müssen wir die Gebete beachten, die der Priester bei der Opferung spricht, und zwar die Opferungsgebete nach dem überlieferten Römischen Ritus, nach dem tridentinischen Missale Romanum von 1962 oder vorher.

           

Der Priester betet bei der Opferung des Brotes: „Nimm an, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, diese makellose Opfergabe, die ich, Dein unwürdiger Diener, Dir, meinem lebendigen und wahren Gott, opfere [óffero], für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten, für alle Umstehenden und auch für alle lebenden und verstorbenen Christgläubigen, damit sie mir und ihnen zum Heil gereiche zum ewigen Leben. Amen.“ Der Priester betet bei der Opferung des Weines: „Wir bringen Dir dar, Herr, den Kelch des Heiles und flehen Deine Milde an, dass er zum Angesicht Deiner göttlichen Majestät für unser und der ganzen Welt Heil mit lieblichem Wohlgeruch emporsteige. Amen.“

           

Beide Opferungsgebete bringen schon ganz am Beginn zum Ausdruck, wem und wer geopfert wird: Die Opferungsgebete sind an Gott Vater gerichtet. Mit makelloser Opfergabe ist Christus gemeint, Er ist das makellose Lamm. Der Begriff stammt aus dem Hochgebet. Mit Kelch des Heiles ist das Blut Christi gemeint, also ebenfalls Christus. Christus ist die Opfergabe, die die Kirche durch den Priester Gott Vater darbringt.

           

Dann bringen die beiden Opferungsgebete über Brot und Wein zum Ausdruck, warum Christus, sein Leben, sein Leiden, sein Opfertod, Gott Vater dargebracht wird:

           

Im ersten Opferungsgebet betet der Priester:

- „Für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten.“ Das ist heilsam und auch ein Trost für den Priester selber, an das erinnert zu werden. Dann heißt es im ersten Opferungsgebet:

- Für alle Umstehenden, das sind alle, welche die Heilige Messe mitfeiern. Allen Mitfeiernden sollen die Erlösungsgnaden des Kreuzesopfers, das bei der Heiligen Wandlung gegenwärtig wird, zugewendet werden. Dann heißt es:

- Für alle Lebenden Christgläubigen: Jedes einzelne Heilige Messopfer wird zum Heil der Gläubigen der ganzen Welt gefeiert, für die ganze universale Kirche. Doch damit noch nicht genug. Im ersten Opferungsgebet heißt es:

- Für alle verstorbenen Christgläubigen: Allen Armen Seelen im Fegfeuer sollen die Erlösungnaden des Kreuzesopfers, das bei der Heiligen Wandlung gegenwärtig wird, zugewendet werden.

- Im zweiten Opferungsgebet heißt es kurz: Das Heilige Opfer möge uns zum Heil gereichen: Heil meint das ewige und endzeitliche Heil, und Heil meint jede Form von Gnade, Hilfe, Schutz und Beistand Gottes für das irdische Leben.

- Das zweite Opferungsgebet enthält dann sogar noch eine Steigerung: Die Erlösungsgnaden des Kreuzesopfers, das bei der Hl. Wandlung gegenwärtig wird, soll der ganzen Welt Heil bringen: Dh die heilige Messe wird zum Heil der ganzen Schöpfung, der gesamten Menschheit gefeiert: für alle Menschen, für die Gesellschaft, für den Staat, für die Städte und Dörfer, für den Frieden, um Bewahrung vor Naturkatastrophen usw.

           

Ist uns bewusst, welche Dimension das Kreuzesopfer Christi hat? Welch unendlichen Wert deshalb das Heilige Messopfer hat? Der hl. Pater Pio sagt: „Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen als ohne die Heilige Messe.“ Es soll uns bewusst sein, dass uns die Opferungsgebete schon tief hineinführen in das Geheimnis der Heiligen Wandlung, also des Kreuzesopfers.

           

Die priesterlichen Opferungsgebete sind mit Zeichen verbunden, die ebenfalls den Opfercharakter zum Ausdruck bringen. Der Priester nimmt die Patene mit der Hostie in die Hand und hebt sie, während er betet, zu Gott hin empor. Das gleiche geschieht mit dem Kelch, in dem sich der Wein befindet. Dieses Emporheben der Opfergaben Brot und Wein ist ein Aufopferungsritus. Bevor der Priester dann die Hostie auf das Korporale legt und den Kelch auf das Korporale stellt, macht er jeweils mit der Patene und dem Kelch ein Kreuzzeichen über das Korporale. Mit diesen beiden Kreuzzeichen wird angedeutet, dass die Opferung mit dem Kreuzesopfer in Beziehung steht.

           

Wir sehen: Die Riten bei der Opferung von Brot und Wein sind Opferungsriten. Die Gebete sind Opfergebete. Der traditionelle lateinische Begriff Offertorium – Opferung – trifft also den Kern. Was wir bis jetzt über die Opferung betrachtet haben, können wir so zusammenfassen:

           

Bei der Opferung wird der Opferakt der Heiligen Wandlung in Gebeten und Zeichen ein wenig entfaltet und ausgebreitet. Das soll uns den unendlichen Wert des Kreuzesopfers Christi bewusst machen. Christus, das makellose Opfer, hat uns am Kreuz erlöst und alle Gnaden des Heils verdient.

           

Die Opferung ist ein geistiger Opferakt, in dem der Priester - und die Gläubigen in Vereinigung mit dem Priester - Gott Vater das Opfer Christi und das Opfer/Selbstopfer der Kirche betend und bittend darbringen; dadurch wird der eigentliche Opferakt, die Heilige Wandlung, vorbereitet. Die Opferungsgebete gehen über in Fürbittgebete um die Zuwendung der Erlösungsgnaden.

           

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok