309) 2. Sonntag nach Epiphanie: DAS HL. MESSOPFER 9) DIE OPFERGABEN BROT UND WEIN

Sonntag nach Epiphanie 2019 - Fest der Heiligen Familie

„SEGNE DIESES OPFER, DAS DEINEM HEILIGEN NAMEN BEREITET IST“

(aus dem Opferungsgebet „Veni, sanctificátor)

DAS HEILIGE MESSOPFER 9) DIE OPFERGABEN BROT UND WEIN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Mit der Opferung beginnt der zweite Hauptteil des Hl. Messopfers, den wir Opfergottesdienst oder Eucharistiefeier nennen. Der Opfergottesdienst besteht aus der Opferung, der Hl. Wandlung und der Hl. Kommunion.

           

Die Materie des Altarssakramentes ist Brot und Wein. Das ist von Christus bei der Einsetzung des Hl. Messopfers, beim Letzten Abendmahl, so vollzogen und der Kirche vorgegeben worden. Damit das Heilige Messopfer gültig gefeiert werden kann, sind in der lateinischen Kirche reines Weizenbrot und reiner Wein erforderlich. Das Weizenbrot ist nach der lateinischen Tradition seit dem 8. Jahrhundert ungesäuert. Die Orthodoxe Kirche verwendet gesäuertes Brot.

           

Die Opferung ist noch nicht das Opfer Christi. Das eigentliche Opfer Christi wird bei der Heiligen Wandlung vollzogen, dort geschieht die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers. In der vorausgehenden Opferung werden die Opfergaben von Brot und Wein am Altar vorbereitet; ein anderer Ausdruck dafür ist Zurüstung des Heiligen Opfers. Der Begriff Gabenbereitung ist zu schwach und trifft nicht das Wesen der Opferung. Bei der Opferung geschieht mehr als nur eine Zubereitung der Gaben. Bei der Opferung treten wir betend in die Opfergesinnung Christi ein. Bei der Opferung sind wir gerufen, mit der betenden und opfernden Kirche uns selber dem Herrn zu bringen, um in das Opfer Christi einzugehen.

           

Bemühen wir uns, das Anliegen der Opferung zu erfassen. Es ist deshalb nicht ganz einfach, weil das Bewusstsein für die Heilige Messe als Opfer und das Bewusstsein für das Opfer im alltäglichen Leben kaum mehr vorhanden ist. Und doch steht das Opfer, ein anderes Wort dafür: das Geheimnis des Kreuzes, im Zentrum der Religion.

           

Was sind das für Gaben, die bei der Opferung durch die Hände des Priesters GOTT betend Gott dargestellt und aufgeopfert werden? Mit unseren Augen sehen wir die Gaben Brot und Wein. Brot und Wein werden geweiht – nicht gewandelt, der Welt entrissen und für die Hl. Wandlung vorbereitet. Doch der Priester am Altar bringt nicht, wie die Priester im Alten Bund, Gott ein Speiseopfer dar. Die geweihten und vorbereiteten Opfergaben Brot und Wein werden zum Zeichen für die eigentliche Opfergabe, die der Priester am Altar - und die Gläubigen in Vereinigung mit dem Priester – bei der Opferung zu Gott bringen. In den Zeichen von Brot und Wein ist alles enthalten, was der Priester und die Gläubigen als Opfergabe vor Gott bringen:

           

Brot und Wein – Zeichen für die Opfergabe Jesus Christus

           

Mit den Opfergaben Brot und Wein wird die Opfergabe schlechthin bezeichnet, die wir als Kirche haben und opfern: Jesus Christus: ER ist die Opfergabe, die dargebracht wird, bei der Opferung betend und vorbereitend, bei der Hl. Wandlung real im Sakrament. Christus sagt von sich: „Ich bin das wahre Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,51). „Ich bin der wahre Weinstock“ (Joh 15,1). Um Mehl zu bekommen, werden die Weizenkörner zerrieben und gemahlen. Um Wein zu bekommen, werden die Trauben gekeltert und gepresst. In Brot und Wein haben wir bereits einen Hinweis auf das Leiden Christi am Kreuz. Beim Secret/Stillgebet an Dreikönig betet die Kirche: „Allmächtiger Gott, nimm die Gaben Deiner Kirche an. Sie bringt nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe dar, sondern Er, den diese Gaben bezeichnen, wird für uns geopfert und genossen, unser Herr Jesus Christus.“

           

Brot und Wein - Zeichen für das Opfer oder Selbstopfer der Kirche

           

Die geweihten Opfergaben von Brot und Wein ist noch eine zweite Symbolbedeutung verbunden. Brot und Wein sind ein Zeichen für das Opfer der Kirche. Mit dem Selbstopfer der Kirche sind die Getauften gemeint und alles, was wir aus unserem Leben Gott darbringen. Brot ist in den meisten Kulturen ein Grundnahrungsmittel. Wir ernähren uns mit dem täglichen Brot. Mit dem täglichen Brot sind im weiteren Sinn auch alle Gaben gemeint, mit denen Gott unser Leben erfüllt. Wein steht als edles Getränk für das Hohe, Festliche und Freudige des Lebens. Brot und Wein sind somit Zeichen für alles, was wir Menschen Gott schenken und opfern.

           

Der hl. Augustinus sagt: „Du suchtest, was du für dich [Gott] opfern könntest: Opfere dich selbst. Denn was fordert der Herr von dir, wenn nicht dich selber?“(Sermo, 48,2). Was von uns selber können wir Gott schenken, Gott opfern, um bewusst diesen katholischen Begriff zu verwenden? In den Gaben von Brot und Wein ist bereits alles angedeutet, was wir opfern können. Opfern wir Gott das Brot unseres Lebens, dh das, was unser Leben ausmacht und erfüllt: ZB die Ehe, die Kinder, die Familie, die Beziehungen, die Arbeit, die Erholung… Bringen und opfern wir Gott den Wein unseres Lebens, dh das Hohe, Festliche und Freudvolle des Lebens. So wie die zermahlenen Weizenkörner und gekelterten Trauben auf das Leiden Christi verweisen, so sind Brot und Wein auch Zeichen für das Leidvolle in unserem Leben. Nach dem Sündenfall sagt Gott zu Adam: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“ (Gen 3,19). Das tägliche Brot ist auch mit Mühe und Leid verbunden. Der echte Wein der Liebe hat ebenfalls eine Nähe zum Leid; wir wissen um die geheimnisvolle Verbindung von Liebe und Leiden. Opfern wir Gott auch unsere Leiden, Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten… Kurz: Opfern wir uns selbst!

           

Viele Kirchenlieder zur Opferung bringen diese Opfergesinnung der Gläubigen sehr schön zum Ausdruck: „Mich selbst, o Herr, mein Tun und Denken, und Leid und Freude weih (Urtext: opfr'] ich dir; Herr, nimm durch deines Sohnes Opfer dies Herzensopfer auch von mir“ (Lied zur Opferung, 3. Strophe der „Schubert-Messe“).

          

Am heutigen Fest der Heiligen Familie erinnert uns der hl. Paulus in der Lesung an familiäre Tugenden: Inniges Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld, gegenseitiges Ertragen, Verzeihen… Wenn diese und andere Tugenden in der Ehe und Familie lebendig sind, darf man sich freuen, darf man diese schönen Erfahrungen bei der Hl. Messe als Opfergabe bringen. Wenn diese Tugenden in der Ehe und Familie Mangel leiden, wenn es schwierig ist, dann dürfen wir auch diese leidvollen Erfahrungen als Opfergabe zum Hl. Messopfer mitbringen. Der Zwölfjährige Jesus hat mit seinem Verhalten, das natürlich einen Sinn hatte, Maria und Joseph Kummer und Schmerz bereitet; sie haben ihn nicht verstanden. Maria und Josef konnten nichts anderes tun, als diesen Schmerz Gott aufopfern.

           

Die geweihten Opfergaben von Brot und Wein. Zeichen für die Opfergabe Jesus Christus. Zeichen für das Opfer/Selbstofper der Kirche.

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