308) Hochfest Dreikönig 2019: WAS DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE ERFAHREN HABEN

Hochfest Dreikönig 2019

„DA FIELEN SIE NIEDER UND BETETEN AN“ (Mt 2,11)

WAS DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE ERFAHREN HABEN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der hl. Apostel Matthäus berichtet uns über die Weisen aus dem Morgenland, die Heiligen Drei Könige, wie wir sie gerne nennen. Das äußere Verhalten und Erleben der Heiligen Drei Könige verweist uns auf das geistige Geschehen, auf die Vorgänge in ihren Herzen. Mit anderen Worten: Der äußere Weg der Heiligen Drei Könige verweist uns auf ihren inneren Weg. Versuchen wir zu verstehen, was die Heiligen Drei Könige erfahren haben. Mit Erfahrung meinen wir hier nicht Gefühle und Emotionen, sondern Vorgänge des inneren Menschen, die mit äußerem Handeln verbunden sind.

           

1) Die Erfahrung des Gottsuchens

„Es kamen Weise aus dem Osten nach Jerusalem“ (Mt 2,1). Die Heiligen Drei Könige sind Männer aus dem orientalischen Heidentum, wahrscheinlich Stadtkönige. Von der Sinnleere, Trostlosigkeit und Grausamkeit des Heidentums haben sie genug. Sie suchen den wahren Gott. Der Glaube Israels ist ihnen dabei eine große Hilfe. Ihr Suchen und Ringen um den wahren Gottesglauben ist so stark und aufrichtig, dass sie die mühsame Reise nach Jerusalem auf sich nehmen. Ihr langer und mühsamer Weg führt sie auch durch Wüstengegenden. Wir können vermuten, dass die Heiligen Drei Könige die sogenannte Weihrauchstraße nutzten, eine der ältesten Karawanenstraßen des Orients.

         

Für uns: Der hl. Augustinus sagt: „Ich sage euch nicht: Sucht den Weg zu Jesus. Dieser Weg kommt selbst zu euch. Steh auf und geh!“ Wer sich von Gott finden lassen will, muss wie die Heiligen Drei Könige immer wieder aufbrechen und aufstehen, geistig und körperlich gemeint… aus dem eigenen Haus, aus dem Bett, aus Bequemlichkeiten, aus eigenen religiösen Vorstellungen…

           

2) Die Erfahrung der Bosheit und menschlichen Gleichgültigkeit

Die Heiligen Drei Könige erfahren mit dem König Herodes zunächst die menschliche Bosheit. Sie müssen sich vor ihm in Acht nehmen. Unfassbar für sie war sicher auch die religiöse Gleichgültigkeit in Jerusalem und Bethlehem. Sie werden vom Stern zum Messiaskind geführt. Dort sind sie allein mit der Heiligen Familie. Die Priester, der König und alle wissen, wo der Messias ist. Sie gehen nicht hin.

           

Für uns: Wer glaubt, erfährt auch heute in dieser oder jener Form Widerstand, menschliche Bosheit, Gleichgültigkeit. Wie die Heiligen Drei Könige dürfen wir uns nicht beirren lassen.

           

3) Die Erfahrung der Anbetung und des Glaubens

„Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm“ (Mt 2,11). An der Krippe werden die Gottsucher zu Glaubenden. Die Sehnsucht ihres Herzens nach dem wahren Gott wird gestillt. Sie erkennen und finden den wahren Gottessohn, den verheißenen Erlöser. Das sehen wir an ihrem Verhalten an der Krippe. Sie werfen sich vor dem Kind nieder und beten es an.

           

Für uns: Anbetung ist die erste und grundlegendste Haltung des Glaubenden. Wer Gott anbetet erkennt Gott an als Gott, als Schöpfer und Erlöser, weiß sich bei ihm geborgen, erkennt seine eigene Kleinheit und Ohnmacht, beugt sich vor Ihm. Die Heiligen Drei Könige an der Krippe zeigen uns: Wenn wir glauben wollen, müssen wir anbeten. Die Anbetung führt zum Glauben. Der Glaube wiederum führt zur Anbetung. Die Erfahrung des Glaubens braucht die Erfahrung der stillen Anbetung. Stichwort: Stille eucharistische Anbetung. Wir alle benötigen das.

           

4) Die Erfahrung der Hingabe

„Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar“ (Mt 2,11). Die Heiligen Drei Könige kommen nicht mit leeren Händen zum König. Ihre Gaben sind nicht nur materielle Geschenke, die der Hl. Familie auch von Nutzen waren. Sie bringen mit diesen Gaben ihre Gesinnung, ihre Herzenshaltung zum Ausdruck, dh. ihre Hingabe. Das Gold symbolisiert im Religiösen den Himmel, das Göttliche und das Königtum Gottes. Mit dem Gold ehren sie Christus als Himmelskönig, als wahren Gott. Der Weihrauch symbolisiert ihr aufrichtiges Beten und ihre Anbetung. Die Myrrhe symbolisiert Bitterkeit und Tod, sie wurde im Orient bei der Einbalsamierung verwendet. Mit der Myrrhe bringen die Heiligen Drei Könige ihre inneren und äußeren Leiden zu Christus. Man kann sagen: Mit ihren drei Gaben bringen die Heiligen Drei Könige zum Ausdruck, dass sie sich selber Gott schenken.

           

Für uns: Glaube ist nicht Passivität. Wer glauben will, muss auch etwas von sich selbst geben, ja eigentlich sich selber Gott hingeben. Gott will nicht etwas von uns, sondern unser Herz!

           

Gottsuchen. Glaube. Anbetung. Hingabe. Das sind Herzenshaltungen der Heiligen Drei Könige. Mit diesen Herzenshaltungen, die natürlich auch ineinander übergehen, wirken die Heiligen Drei Könige mit der Gnade Gottes zusammen. So kann Gott ihnen das geben, was nur Gott geben kann:

           

5) Die Erfahrung der Erlösung

Die Heiligen Drei Könige erfahren an der Krippe das, was wir das Geschenk der Erlösung oder Gotteskindschaft nennen. Durch die Erlösung empfängt der Mensch die Vergebung der Sünden und ein inneres Neuwerden. Die Heiligen Drei Könige sind durch die Erlösung keine Heiden mehr, sie sind Glaubende, sie haben ein neues Sein. Vor der Einsetzung der Sakramente empfangen die Menschen die Erlösungsgnaden direkt von Christus.

           

Wir können uns diesen Vorgang der inneren Umwandlung durch die Gnade Christi sehr schön mit dem Bekehrungserlebnis des hl. Paulus vorstellen. Der hl. Paulus erfährt vor Damaskus den Auferstandenen Christus. Christus verweist ihn auf die Kirche und die hl. Taufe. Durch die hl. Taufe wird Paulus innerlich ein neuer Mensch. Später beschreibt Paulus dieses innere Neuwerden im zweiten Korintherbrief: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“ (2 Kor 5,17). Das ist die geistige Erfahrung der Heiligen Drei Könige an der Krippe. Das Matthäusevangelium deutet das an, wenn es uns am Schluss von den Heiligen Drei Königen berichtet: Sie zogen „auf einem anderen Weg heim in ihr Land“ (Mt 2,12). Die Männer, die sich nach den Erlebnissen an der Krippe auf den Heimweg machen, sind nicht mehr die alten. Sie sind neu geworden. Der Heimweg, den sie nehmen, ist nicht mehr der alte Weg, sie gehen – auch in ihrem Leben - einen neuen Weg. Sie sind durch die Erlösungsgnade Kinder Gottes geworden.

           

Für uns: Was die Heiligen Drei Könige an der Krippe erfahren und empfangen haben, wurde uns bei der hl. Taufe geschenkt und grundgelegt. Dafür wollen wir heute danken. Die Heiligen Drei Könige mögen uns helfen, in ihre Fußstapfen zu treten. Ihre Herzenshaltungen helfen uns, in der Erlösung zu bleiben und zu wachsen.

           

Christus ist uns erschienen. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

           

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