305) Heiliger Tag 2018: 200 JAHRE "STILLE NACHT, HEILIGE NACHT"

Weihnachtshochamt am Heiligen Tag 2018

200 JAHRE „STILLE NACHT – HEILIGE NACHT“ (Lk 2,16)

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Es gibt ein Weihnachtslied, das die ganze Welt erobert hat: Stille Nacht. Heuer vor 200 Jahren wurde es in Oberndorf bei Salzburg erstmals gesungen. Der Text stammt vom katholischen Priester Josef Mohr, bereits 1816 verfasst, die Melodie dazu schuf 1818 der Dorflehrer Franz Xaver Gruber.

 

In der Heiligen Nacht und an jedem Tag in der Weihnachtsoktav gehen wir mit dem Stille Nacht zur Krippe und singen es dem Göttlichen Kind als Wiegenlied. Die Melodie des Stille Nacht ist sehr gemütsvoll, das darf an der Krippe auch so sein. Und doch ist dieses Lied ein echtes katholisches Kirchenlied, es hat einen kernigen Inhalt. . Das Stille Nacht ist eine gläubige Antwort auf das Wort Gottes der Heiligen Nacht. Es ist wie eine liebende und gläubige Betrachtung über das Kind in der Krippe. Das Stille Nacht sagt uns etwas vom Geheimnis des Christuskindes. Überdenken wir heute ein wenig die Strophen dieses schönen Liedes.

           

  1. Strophe: STILLE NACHT

                       

Christus wird nicht am Tag, sondern in der Nacht geboren. Mit Nacht meint die Heilige Schrift: Die Menschen waren noch nicht erlöst, sie lebten fern von Gott, waren von der Sünde belastet, vom ewigen Leben ausgeschlossen. Die Heilige Schrift des Alten Bundes nennt dieses Fernsein von Gott Nacht und Dunkelheit. Davon handelt eine Isaias-Lesung in der Heiligen Nacht. Vor der Geburt des Göttlichen Kindes hat nur das Volk Israel den wahren Glauben gehabt und die Geburt des Messias erwartet.

          

Wie ist es heute? Auch heute ist für viele Menschen auf der Welt Nacht: Überall, wo Krieg herrscht, wo Streit und Unfrieden ist, wo Menschen nicht verzeihen wollen, sich nicht versöhnen wollen, wo das Licht des Glaubens fehlt… Sehr viele Christen auf der Welt können nicht so Weihnachten feiern wie wir, weil sie verfolgt werden, weil ihre Kirchen zerstört wurden.

           

Stille Nacht singen wir im Lied. In der Geburtsgrotte von Bethlehem war es still. In Bethlehem, wo der Heiligen Familie die Tür gewiesen wurde, war es laut. Der Sohn Gottes kommt in der Stille. Das ist zeichenhaft für alle Zeiten. Bethlehem steht für die Welt, die Gott vergisst, Gott bewusst oder undbewusst ablehnt. Dieses Bethlehem, diese Welt, ist laut. Damals und auch heute. Der Lärm der Welt ist wie eine Fassade, die die Sinnleere eines Lebens ohne Gott übertüncht.

           

Die Nacht, in der der Erlöser kommt, ist die stille Nacht. Die Werke Gottes brauchen und wollen keinen Lärm. Die Werke Gottes geschehen in Stille. Gottes Werke sprechen durch die Stille. Alle großen Werke geschehen in Stille. Wenn wir zum Göttlichen Kind kommen wollen, müssen auch wir die Stille Nacht suchen, dh die Stille suchen.

           

HEILIGE NACHT

                       

Die Nacht der Geburt Christi ist die Heilige Nacht. Ja, es gibt die Nächte, die Tage, die Stunden, die Orte und Handlungen, die Gott durch sein Wirken heilig macht. Heilig ist das katholische Gotteshaus, in dem sich bei der Hl. Wandlung stets von Neuem Bethlehem ereignet, wenn Christus vom Thron des himmlischen Vaters in der Heiligen Hostie durch die Hände des Priesters auf den Altar herabsteigt; heilig ist das Wort Gottes, heilig sind die Sakramente, heilig ist der Segen… Wenn wir das, was Gott durch sein Wirken heilig gemacht hat, heilig halten, dann empfangen wir Heil und Heilung. Heilige Nacht!

           

ALLES SCHLÄFT – EINSAM WACHT NUR DAS TRAUTE HEILIGE PAAR

                       

Bethlehem verschläft die Geburt Christi. Alles Schläft! Das ist auch geistig zu verstehen. Wie viele Menschen sind geistig – in ihrem Herzen und Gewissen – schlafend? Ein Katholik will ein Mensch sein, der mit Maria und Joseph wach ist - körperlich und geistig gemeint. Wir wollen wach sein, nicht im Bett liegen bleiben, wenn am Sonntag das Göttliche Kind zur Sonntagmesse ruft. Wir wollen geistig wach sein, die Zeichen der Zeit begreifen, auch die Zeichen der Zeit, von der die Kirche heimgesucht ist.

           

HOLDER KNABE IM LOCKIGEN HAAR, SCHLAF IN HIMMLISCHER RUH

                       

Das ist liebende Dichtung und doch Realität. Das Göttliche Kind schläft. Es kann in Ruhe schlafen, denn es hat gute Wächter: Maria und Joseph, und auch die heiligen Engel wachen. Wenn auch das Kind in der Krippe schläft: Als Gott schläft es nicht. Das Christuskind hat in der Krippe die Allmacht und Allwissenheit Gottes. Als Gott ist das Christuskind nicht schlafend. Im Gegenteil. Christus beginnt in der Krippe sein Erlösungswerk – er handelt zu unserem Heil! Auch wenn es in der Kirche immer wieder so aussieht, als ob Christus schlafen würde – Er schläft nie. Das Göttliche Kind herrscht über Himmel und Erde – freilich auf Seine Weise, die wir oft nicht verstehen. Deshalb vertrauen wir immer neu dem Herrn und Seinem Handeln.

           

  1. Strophe: GOTTES SOHN, O WIE LACHT LIEB AUS DEINEM GÖTTLICHEN MUND

                       

Das Geheimnis des Kindes: Der Jesusknabe ist Gottes Sohn, Sein Mund ist ein Göttlicher Mund, Seine Liebe, die uns anlächelt, ist Göttliche Liebe. Lassen wir unser Herz vom Göttlichen Blick des Jesuskindes berühren.

           

DA UNS SCHLÄGT DIE RETTENDE STUND - CHRIST IN DEINER GEBURT

                       

Mit der Geburt Christi beginnt die Stunde der Rettung, sie vollendet sich am Kreuz. Der Name Jesus heißt übersetzt Retter, Erlöser. In der Krippe von Bethlehem beginn die Rettung von Sünde, Leid, Tod und Teufel. Soziale Hilfe ist immer wichtig. Menschen in Not zu helfen ist uns aufgetragen. Doch Christus ist gekommen, um unser Erlöser zu werden.

           

  1. Strophe: HIRTEN ERST KUNDGEMACHT DURCH DER ENGEL HALLELUJA

                       

Den einfachen und demütigen Hirten, die allgemein in Israel verachtet wurden, in denen jedoch der Glaube Israels besonders lebendig war, wird vom Himmel her, von den heiligen Engeln, die Geburt Christi verkündet. „Die Herrlichkeit Gottes umstrahlt sie“, heißt es im Weihnachtsevangelium. Das bedeutet: Der Himmel kommt auf die Erde herab. Für die Stunden dieser Begegnungen werden die Hirten in himmlisches Licht und in himmlische Atmosphäre hineingenommen. Nie werden sie die Stunden an der Krippe vergessen.

           

TÖNT ES LAUT VON FERN UND NAH - CHRIST DER RETTER IST DA

                       

Das gilt auch heute: Der Erlöser ist da! Er ist da durch Seine Kirche und Seine heiligen Sakramente. ER ist zu uns gekommen. Zu IHM hingehen an die Krippe ist uns aufgetragen.

           

  1. Strophe: STILLE NACHT, HEILIGE NACHT, DIE DER WELT HEIL GEBRACHT

AUS DES HIMMELS GOLDNEN HÖHN, UNS DER GNADEN FÜLLE LÄSST SEHN

JESUS IN MENSCHENGESTALT

                       

Das Göttliche Kind hat aus der „goldenen Höhe des Himmels“ die Fülle der Gnade auf die Erde herab gebracht. So hören wir es heute im Weihnachtsevangelium: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade“ (Joh 1,16).

           

Was wir im Stille Nacht singen, ist auf unseren Weihnachtskrippen bildhaft dargestellt. Was fehlt uns jetzt noch? Dass wir nicht bei der Stimmung des Liedes und bei der Schönheit der Krippe stehenbleiben. Das wäre zu wenig. Das würde zerrinnen. Weihnachten feiern bedeutet für uns als Katholiken, dass der Inhalt des Liedes Stille Nacht und die Botschaft der Krippe uns persönlich erreicht, mein Herz und mein Leben. Heute. Christus ist uns geboren. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

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