303) 2. Adventsonntag 2018: DAS HL. MESSOPFER 7) DAS CREDO - WIE MARIA GLAUBEN

2. Adventsonntag 2018

„MIR GESCHEHE WIE DU ES GESAGT HAST“ (LK 1,38)

DAS HEILIGE MESSOPFER 7) DAS CREDO – WIE MARIA GLAUBEN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Im Advent begleitet uns die Gottesmutter Maria: Durch das tägliche Rorate, durch die Marienlieder, die wir singen, durch den täglichen Angelus, durch schöne marianische Antiphonen im Stundenbuch, durch das Evangelium der Verkündigung.

           

Maria ist das schönste Vorbild dafür was es heißt, das Wort Gottes zu hören und die Antwort des Glaubens zu geben. Der Glaube Mariens, wie wir ihn bei der Verkündigung erkennen, hilft uns, unser credo/ich glaube, wirklich katholisch im Sinn des Wortes zu sprechen – umfassend und ganzheitlich.

           

Wie ist der Glaube Mariens beschaffen? Was können wir von der Glaubenshaltung Mariens lernen?

 

a) Maria glaubt mit ihrem Herzen, ganz persönlich. Maria hört aus dem Mund des Engels das Wort Gottes. Sie antwortet: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Das ist ihr „Credo – ich glaube!“ Dieser Glaubensakt kommt bei Maria aus einem Herzen, das Gott liebt, aus einem Herzen, das sich ganz Gott hinschenkt und zur Verfügung stellt. Deshalb können wir sagen: Maria glaubt liebend, persönlich, mit ihrem ganzen Herzen.

           

Maria glaubt mit Liebe. Trotzdem bleibt ihr Glaube nicht auf einer subjektiven Gefühlsebene stecken. Der liebende Glaubensakt Mariens kennt keine emotionale Verwirrung. Ihr Glaube ist nüchtern, einfach und demütig. Wenn wir uns das vorstellen: Bei der Verkündigung, mitten in ihrem Glaubensakt, überlegt Maria mit nüchterner Vernunft: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“

           

Wenn wir das Glaubensbekenntnis beten, wollen wir es auch so verstehen. Glaube und Liebe gehören zusammen. Wir geben Gott, der in Lesung und Evangelium zu uns gesprochen hat, die persönliche Antwort unseres Herzens, eine Antwort der Liebe: „Credo. Ja Herr, ich glaube. Ich bin die Magd, ich bin der Knecht des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Wie Maria wollen wir, wenn wir das Credo beten, den Glauben aus der Gottesliebe heraus bekennen. Und wir wollen mit dem Beten des Credo wie Maria auch Gott unser Herz schenken. Credo kommt von cor dare/das Herz schenken. Das Glaubensbekenntnis ist also ein Gebet der Herzenshingabe an Gott. Wenn wir wie Maria mit dem Herzen glauben wollen, muss unser Glaube immer wieder von der Liebe genährt werden. Das geschieht in der Pflege einer persönlichen Christusbeziehung durch Gebet, Stille, Beichte…

 

b) Maria glaubt mit der Offenbarung des Alten Bundes. Der Glaube Mariens ist, um ihn mit einem katholischen Begriff zu beschreiben, ein dogmatischer Glaube. Mit anderen Worten: Der Glaube Mariens ist tief verwurzelt in der Offenbarung des Alten Bundes. Maria ist als Tochter Israels tief beheimatet im Glauben Israels, im Glauben ihrer Väter, im Glauben der Propheten des Alten Bundes. Der Glaube Mariens umfasst die klaren Offenbarungswahrheiten des Alten Bundes. Wie sehr Maria dogmatisch denkt, erkennen wir zB am Magnificat. Im Magnificat bekennt Maria grundlegende Wahrheiten über den Gott Israels. Maria lebt mit den Weisungen des jüdischen Gesetzes. Maria wird von ihren Eltern im Glauben Israels erzogen. Sie kennt die Offenbarungswahrheiten des Alten Bundes, sie kann darüber sprechen. In den täglichen Gebeten einer gläubigen jüdischen Familie sind diese Glaubenswahrheiten gegenwärtig. Das ganze Leben orientiert sich daran.

           

Auch unser Glaube darf nicht ein subjektiver Gefühlsglaube sein, abhängig von Stimmungen und Bedürfnissen. Wie Maria müssen auch wir mit der Offenbarung des Alten und Neuen Bundes glauben, mit dem Glaubensbekenntnis der Kirche, mit dem Dogma der Kirche, um dieses Wort bewusst zu gebrauchen. Unser Glaube muss auch in den konkreten Offenbarungswahrheiten verwurzelt sein. Indem ich Credo bete, binde ich mich an den Gott der Offenbarung. Ich erkenne und anerkenne die ewigen Wahrheiten, die von Gott kommen, die meinem Leben den Sinn und die Richtung geben.

 

c) Maria glaubt mit dem Volk Israel. Der Glaube Mariens ist kein individualistischer Glaube. Maria ist als Glaubende kein Single. Maria ist als Glaubende tief mit ihrem Volk Israel verbunden. Sie macht zB mit ihren Eltern zu den großen jüdischen Festen die Wallfahrten zum Tempel nach Jerusalem. Nach der Vermählung mit dem hl. Joseph unternimmt sie diese Wallfahrten mit ihm; der jugendliche Jesus nimmt ab seinem 12. Lebensjahr an diesen Wallfahrten teil (Lk 2). Maria besucht an jedem Sabbat den Synagogengottesdienst. Die Frauen hatten in der Synagoge einen abgeteilten Bereich, von dem aus sie die gesamte Lesung und Predigt gehört haben.

           

An Maria lernen wir die Gemeinschaftsdimension des Glaubens. Manchmal sagt jemand: „Ich hab schon meinen Glauben!“. Der Glaube ist eben nicht „mein“ Glaube, den ich mir zusammenstelle. Der Glaube ist eine Gabe welche ich empfange durch ein Mitglauben mit der Glaubensgemeinschaft, der Offenbarungsreligion. Die Kirche ist zuerst eine Glaubensgemeinschaft. „Ich glaube“ kann ich nur beten weil ich auch bete „Wir glauben“! So dürfen wir im Glauben einander tragen und bestärken.

           

Wer sich von der Glaubensgemeinschaft distanziert, der nimmt sich die Stütze und Hilfe der Glaubensgemeinschaft, der nährt seinen Glauben nicht mehr mit den Gnaden, die mit der Glaubensgemeinschaft verbunden sind. Dadurch wird der Glaube gefährdet, ist in Gefahr, in das Subjektive abzugleiten. Alle Häresien in der Kirche beginnen durch das Weggehen von der Glaubensgemeinschaft der Kirche, durch das Verlassen der Offenbarung.

 

d) Maria glaubt natürlich auch mit ihrem Leben. Glaube und Leben sind bei ihr eins. Aus dem Glauben heraus arbeitet sie, dient sie, bewährt sie sich in den Schwierigkeiten des Lebens. Beim Leiden Christi wird ihr Glaube aufs äußerste erprobt. Der Glaube will auch unser Leben, unser Arbeiten, unsere Freizeit, unsere Prüfungen usw. formen und prägen.

           

Das Glaubensbekenntnis beim Hl. Messopfer. Beten wir es in der Haltung Mariens: Mit dem Herzen glauben. Dogmatisch glauben. Mit der Kirche glauben. Daraus erwächst auch der gelebte Glaube.

           

Maria, Mutter des Glaubens. Beschütze das katholische Glaubensgut. Beschütze unser persönliches Glaubensleben. Amen.

           

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