302) Maria Unbefleckte Empfängnis 2018: DAS HL. MESSOPFER 6) DAS CREDO - IM LEBEN DER KIRCHE

Hochfest Maria Unbefleckte Empfängnis 2018

„MIR GESCHEHE WIE DU ES GESAGT HAST“ (LK 1,38)

DAS HEILIGE MESSOPFER 6) DAS CREDO - IM LEBEN DER KIRCHE

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das Evangelium von der Verkündigung an Maria ist, wie euch bekannt ist, nicht der Inhalt des heutigen Hochfestes. Maria Verkündigung feiern wir am 25. März. Wegen einem einzigen Wort hat die Kirche einen Teil der Verkündigung für heute als Evangelium ausgewählt: DU GNADENVOLLE! Das ist ein neuer Name, den Gott durch den Engel Maria gibt: Du Gnadenvolle! Die Kirche erkennt: Die Gnadenfülle, die Gott Maria mit diesem Namen zuspricht, beinhaltet auch das Freisein von der Erbsünde. Schon die frühen Kirchenväter erkennen dies, auch wenn der Begreff der Erbsünde noch nicht geprägt war. Was die Kirche dann später in die Worte des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis kleidet ist also keine Erfindung. Es ist die Zusammenschau dessen, was Gott uns in der Offenbarung über Maria zu erkennen gegeben hat.

           

Gehen wir heute vom Ereignis der Verkündigung aus. Das Wort Gottes ergeht durch den Erzengel an Maria – und Maria gibt ihre Antwort, die Antwort des Glaubens. Das Wort Gottes hören und mit Glaube antworten. Das sind zwei Grundhaltungen unseres christlichen Lebens. Gott will uns durch sein Wort ansprechen. Wenn wir das Wort Gottes wirklich in unser Herz und Gewissen hineinlassen, dann tut sich etwas in uns. Die geistigen Fähigkeiten der Seele geraten in Bewegung: Der Verstand wird erleuchtet, die Liebe wird bestärkt und die Willenskraft ermutigt. So ist es bei der Gottesmutter. Das Wort Gottes, das ihr der Engel verkündet dringt in ihr Herz. Sie weiß sich persönlich angesprochen. Sie überlegt mit Vernunft: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“. Ihre Liebe zu Gott macht es ihr möglich, mit ihrem ganzen Willen die Antwort des Glaubens zu geben: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Gott spricht durch sein Wort. Maria antwortet mit dem Ja des Glaubens.

           

Vom Credo Mariens bei der Verkündigung machen wir jetzt eine Verbindung zum Credo beim Heiligen Messopfer. An allen Sonntagen, gebotenen Feiertagen und Apostelfesten beten wir das Credo, das Glaubensbekenntnis, manchmal singen wir es im gregorianischen Choral.

           

Das Glaubensbekenntnis der Kirche ist in zwei Fassungen überliefert. Das ältere Credo ist das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis. Es wird so genannt, weil es auf die Apostel zurückgeht. Die christologischen und trinitarischen Irrlehren der ersten Jahrhunderte machten es notwendig, das Geheimnis Christi als Sohn Gottes und Erlöser, und das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit deutlicher zu formulieren, abzugrenzen, zu vertiefen. Zwei Konzilien haben das getan. Das Konzil von Nicäa 325 und das Konzil von Konstantinopel 381. Wir nennen es das Nicäno-Konstantinopolitanum oder einfach das Große Gredo. Übrigens: Der heilige Bischof Nikolaus, den wir vorgestern gefeiert haben, war ein Teilnehmer beim Konzil von Nicäa 325.

           

Das Glaubensbekenntnis hat seinen ursprünglichen Platz in der Taufliturgie. Es gibt mehrere Tauf-Symbola aus der Urkirche. In die Heilige Messe hat das Credo später Eingang gefunden. Das Mess-Credo ist uns erst 583 in Spanien bezeugt, um 800 im fränkischen Reich. In die Römische Messe hat das Credo noch später Eingang gefunden. Kaiser Heinrich II. war 1014 in Rom und hat beim Gottesdienst das Credo vermisst. Er hat von Klerikern die Antwort bekommen: Die Römische Kirche sei noch nie von Häresien berührt, deshalb sei es nicht notwendig, das Credo häufiger zu singen. Trotzdem: Auf Bitte von Kaiser Heinrich II. hat der Papst das Credo in die Römische Messliturgie eingefügt. So ist das große Credo das Mess-Credo der Kirche geworden. In der ganzen katholischen Weltkirche wird am Sonntag das Große Credo gebetet. Nur der deutsche Sprachraum hat von Rom das Zugeständnis erhalten, wahlweise auch das Kleine Credo sprechen zu dürfen. Damit ist das Große Credo leider im deutschen Sprachraum fast ganz vergessen worden. Nicht bei uns, wir beten es an jedem Sonntag.

           

Welche Bedeutung hat das Credo beim Heiligen Messopfer?

 

a) Das Glaubensbekenntnis ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Offenbarungswahrheiten: Über Gott, über Christus und die Kirche. Genauer: Wir bekennen das Glaubensgeheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir bekennen die wahre Gottheit Christi. Wir bekennen seine Menschwerdung, deshalb machen wir an der Stelle „Hat Fleisch angenommen…“ vor dem Fleischgewordenen Gott eine anbetende Kniebeuge. Wir bekennen seinen Opfertod und seine Auferstehung. Wir bekennen die Kirche als Stiftung und Werkzeug Gottes. Auf diesen drei Grundwahrheiten bauen der gesamte Glaube und die Kirche. Diese drei Grundwahrheiten über Gott, Christus und die Kirche, sollen bei uns abrufbereit sein. Wir sollen denen Rede und Antwort stehen können, die uns nach dem Glauben fragen, nach der Hoffnung, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Deshalb ist es wichtig, sich mit den Inhalten des Glaubens immer wieder zu befassen. Was im Leben der Kirche und der einzelnen Getauften nicht auf die Grundwahrheiten des Glaubens baut, ist in der Kirchengeschichte früher oder später immer zugrunde gegangen. Unser christliches Leben muss auf den Glaubenswahrheiten gebaut sein, sonst bauen wir auf Sand.  

           

Der selige John Henry Newman sagt über das Beten des Credo: „Es ist würdig und recht, an den Festtagen alle uns anvertrauten Mysterien [die Glaubenswahrheiten] wie Edelsteine vor unserem Gott hinzubreiten, um zu zeigen, dass wir keinen von denen, die er uns gab, verloren haben“.

 

b) Das Mess-Credo – das Nicäno-Konstantinopolitanum – hat einen kirchengeschichtlichen Hintergrund. Es ist das Credo, mit dem die Kirche die christologischen und trinitarischen Irrlehren der frühen Zeit zurückgewiesen hat, vor allem den Arianismus. Der Priester Arius hat die wahre Gottheit Christi geleugnet. Die Kirche hat im Credo von Nicäa und Konstantinopel die wahre Gottheit Christi deutlicher hervorgehoben: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“.  

           

In unserer Zeit erleben wir innerkirchlich da und dort einen Neo-Arianismus. Christus, der Sohn Gottes, wird zum vorbildlichen Menschen, Sozialapostel reduziert. Wenn Jesus nicht mehr GOTT ist, dann haben seine Worte über die Kirche, über die Sakramente, über die Gnade, über die letzten Dinge usw. keine Verbindlichkeit mehr. Dann kann man, wie manche meinen, eine andere Kirche bauen. Das Credo hat in der Gegenwart eine unersetzliche Bedeutung, um die wahre Gottheit Christi zu bekennen. Wie in der Frühzeit der Kirche können wir heute das Credo beten zur Überwindung der Irrlehren und zur Bewahrung des wahren katholischen Glaubens.

 

c) Das Glaubensbekenntnis hatte, wie schon erwähnt, ursprünglich in der Taufliturgie seinen Platz. Dort ist es auch heute noch verankert. Das Credo wird den Katechumenen bei den Skrutinien, das sind Exorzismen und Segnungen auf dem Weg zur Taufe, feierlich übergeben. Auch dadurch hat das Credo bleibende Bedeutungen:

           

< Die Taufanwärter haben das Credo, die Glaubenswahrheiten, symbolisch als Gabe empfangen, wie Edelsteine, sagt Newman. In diese Wahrheiten haben sie sich vertieft. Die Glaubenswahrheiten sind eine Gabe, die wir von Gott empfangen, durch die Hand der Kirche.

           

< Das Credo hat auch eine exorzistische Bedeutung. In der Taufliturgie ist zuerst die Absage an den Teufel – „Ich widersage“ – und dann das Glaubensbekenntnis – „Ich glaube!“, mit dem der Teufel zurückgewiesen wird. Zum Wesen Luzifers gehört das nicht glauben wollen, das Nein zu Gott. Wenn wir Menschen credo/Ich glaube sprechen, überwindet das den Unglauben und den Ungeist. Das Credo ist, noch vor dem Michaelsgebet, ein Gebet für jeden Katholiken, um die Versuchungen und Einwirkungen des Bösen Feindes abzuwehren.

           

< Das Credo wird seit der Zeit der Urkirche bis heute von den Taufanwärtern vor der Taufe als Bekenntnis gebetet, als Zustimmung zum Glauben. Das Credo hat also auch einen Bekenntnis- und Entscheidungscharakter. Mit dem Mess-Credo bekräftigen wir unseren Taufglauben, unsere Entscheidung für Gott, für den katholischen Glauben.

           

Das Credo bei der Hl. Messe: Eine Zusammenfassung der wichtigsten Glaubenswahrheiten über Gott, Christus und die Kirche. Ein Bekenntnis zur wahren Gottheit Christi. Eine Gabe. Ein exorzistisches Gebet. Eine Entscheidung.

           

Das Credo bildet bei der Heiligen Messe den Abschluss des Wortgottesdienstes. Gott spricht zu uns in Lesung und Evangelium. Wir antworten auf den Anruf Gottes mit credo/ich glaube. Morgen wollen wir auf Maria schauen. Amen.

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