300) 33. Sonntag im Jahreskreis B 2018: DAS HL. MESSOPFER 4) DIE PREDIGT - CHRISTUS UND DIE APOSTEL

33. Sonntag im Jahreskreis – 6. Nachgefeierter Sonntag nach Epiphanie

„IHR HABT DAS WORT … MIT DER FREUDE AUFGENOMMEN,

DIE DER HEILIGE GEIST GIBT“ (1 Thess 1,6)

DAS HEILIGE MESSOPFER 4) DIE PREDIGT: CHRISTUS UND DIE APOSTEL

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der hl. Apostel Paulus sagt heute in der Lesung: „Ihr habt das Wort trotz großer Drangsal mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt.“ Diese Schriftstelle ist ein großes Kompliment des Apostels an die Gemeinde von Thessalonich, weil die dortigen Christen so freudig das Wort Gottes aufgenommen und so tapfer trotz Verfolgung und Bedrängnisse daran festgehalten haben. Paulus stellt die Thessalonicher in allen Gemeinden als Vorbild hin. Voller Freude ist er über diese Christen.

           

Aus der priesterlichen Verkündigung des Evangeliums erwächst die Predigt des Priesters, auch Homilie genannt. Die Bibel wurde nicht erst vor 500 Jahren oder vor 50 Jahren für das Volk Gottes entdeckt. Dass die Verkündigung des Wortes Gottes in der Predigt nie eine Nebensache war, erkennen wir schon am Ort der Predigt. Die Kanzeln oder Ambonen für das Evangelium und die Predigt wurden in den alten Kirchen meist kunstvoll gestaltet, manchmal fast so schön wie der Tabernakel. Was ist das Anliegen der Predigt? Befassen wir uns zuerst mit der biblischen Grundlegung der Predigt. Gehen wir von Christus und den Aposteln aus.

           

Die Predigt Christi

                                              

Zum Christusgeheimnis gehört ein Dreifaches: Christus ist unser Hoherpriester, der uns durch sein Opfer am Kreuz erlöst hat; Christus ist unser Hirte, der uns zum ewigen Leben führt; Christus unser Lehrer, der uns Gottes Liebe und Wahrheit lehrt. Das sind die drei „Ämter“ Christi. Eines davon ist das Lehramt Christi.

           

Im Hebräerbrief heißt es: „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;          in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn“ (Hebr 1,1-2). Der Auftrag zur Predigt begegnet uns schon im Alten Bund. Gott hat zum auserwählten Volk Israel immer wieder durch Propheten und Priester gesprochen. Der Verkündigungsdienst ist fest im Alten Bund verankert.

           

Das Predigtamt des Alten Bundes wird durch den Sohn Gottes überhöht und vollendet. Gott Vater spricht zu uns durch seinen Sohn. Ja, noch mehr: In der Menschwerdung sendet Gott Vater nicht nur sein Wort, sondern seinen Sohn in unsere Welt. Christus ist das Fleisch gewordene Wort Gottes.

           

Drei Jahre lang predigt und lehrt Christus die Menschen: „Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen“ (Lk 4,15). „Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Form von Gleichnissen“ (Mk 4,2). Auch im heutigen Evangelium erleben wir Christus, wie er in seiner Predigt mit Gleichnissen lehrt.

           

Was predigt Christus? Christus predigt das Wort des himmlischen Vaters, deshalb nennt ihn Johannes „das Wort“ (Joh 1,1). „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15). Christus predigt das Geheimnis der Liebe des Dreifaltigen Gottes und die Offenbarung Gottes, die ewigen Wahrheiten. Christus predigt auch die Gleichnisse vom Himmelreich, mit denen er Gott und seine Kirche beschreibt. Christus selber fasst sein Evangelium zusammen. Er sagt am Beginn seines öffentlichen Wirkens: „Das Reich Gottes [dh Gott] ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,15). Was gerne übersehen wird: Etwa 60 % der Worte Christi sind Ermahnung vor dem Gericht Gottes und dem möglichen Heilsverlust.

               

Der Auftrag Christi an die Apostel

Christus überträgt den Aposteln den Auftrag und die geistige Vollmacht der Predigt – der Verkündigung. Er gab „ihnen die Kraft und die Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen. Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen“ (Lk 9,1-2). „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Er „sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte“ (Lk 10,1). Diese Stelle aus dem Lukasevangelium zeigt uns etwas sehr Schönes: Christus sendet die Apostel voraus zur Predigt. Die Predigt der Apostel bereitet die Menschen darauf vor, Christus selber aufzunehmen, der dann zu ihnen kommt. Vor Pfingsten waren die Apostel voller Menschenfurcht und Angst. Nach Pfingsten waren sie geisterfüllte Prediger des Wortes Christi.

               

Die Predigt der Apostel

Den Aposteln ist von Anfang an bewusst, dass der Verkündigungsauftrag zum Wesen des Apostelamtes gehört, das sie von Christus empfangen haben. Christus sagt ihnen vor seiner Himmelfahrt: „Lehrt sie [die Menschen], alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,20). Die Apostel wissen sich verpflichtet, alles zu lehren und weiterzugeben, was sie von Christus empfangen haben. „Und Tag für Tag lehrten sie [die Apostel] unermüdlich im Tempel und in den Häusern und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus“ (Apg 5,42). Auch der hl. Apostel Paulus weiß sich der Verkündigung verpflichtet. „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde“ (1 Kor 9,16-17).

               

Der hl. Apostel Paulus mahnt den hl. Timotheus mit Nachdruck an den Auftrag und die Verantwortung im Dienst der Predigt: „Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung“ (2 Tim 4,1-2).

               

Christus identifiziert sich so sehr mit der Predigt der Apostel, dass er zu ihnen sagt: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat“ (Lk 10,16).

               

Christus hat in seiner Predigt auch Ablehnung erfahren. Wo sein Wort zurückgewiesen wird, hat das Folgen: „Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag“ (Joh 12,48).

               

Christus hat die Apostel für diese Situationen auch vorbereitet: „Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt“ (Lk 10,10-11).

                                              

Die ganze Apostelgeschichte berichtet sehr spannend, wie die Apostel überall, wo sie hinkommen, das Evangelium verkünden, Aufnahme und Ablehnung erfahren. In der Predigt Christi und der Apostel geschieht die Grundlegung der Predigt des Priesters. Amen.

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