301) Christkönig 2018: DAS HL. MESSOPFER 5): PREDIGT - DIE LITURGISCHE PREDIGT DES PRIESTERS

           

Christkönig – 24. und letzter Sonntag nach Pfingsten

„ES WERDEN FALSCHE CHRISTUSSE UND FALSCHE PROPHETEN AUFTRETEN (Mt 24,24)

DAS HEILIGE MESSOPFER 5) DIE PREDIGT: DIE LITURGISCHE PREDIGT DES PRIESTERS

Predigt von Pf. Stephan Müller (zur persönlichen Besinnung erweiterte Fassung)

           

Christus warnt im heutigen Evangelium die Seinen vor falschen Propheten und falschen Christussen, die kommen werden (siehe auch Mt 7,15). Es gibt also Prediger und Predigten, die in die Irre führen. Die größten Irrlehrer in der Kirche waren leider meist Priester und Bischöfe. Was ist das Anliegen der wahren Predigt? Es geht in der Predigt nicht darum, wer vielleicht schöner oder besser reden kann. Es geht um Auftrag und geistliche Vollmacht. Aus diesem Grund ist in der katholischen Kirche die Laienpredigt beim Hl. Messopfer nicht erlaubt (siehe zB Johannes Paul II., Redemptionis Sacramentum, Artikel 161).

           

Drei theologische Aspekte der priesterlichen liturgischen Predigt:

           

1) Die Predigt des Priesters ist ein Teil seiner geistlichen Vaterschaft für die Seelen, die ihm anvertraut sind. Der hl. Paulus sagt es im ersten Korintherbrief so: „Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus [gemeint sind selbsternannte Lehrer], so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium [die Predigt] euer Vater geworden“ (1 Kor 4,15). Im zweiten Korintherbrief warnt Paulus vor den selbsternannten Predigern: „Nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt“ (2 Kor 10,18). Die liturgische Predigt des Priesters ist ein Ausüben seiner geistlichen Vaterschaft. Unter diesem Gesichtspunkt hat die Predigt auch den Charakter einer väterlichen Erziehung zum Glauben und zum christlichen Leben, ähnlich wie der Vater in der Familie. Diesen Erziehungscharakter der Predigt bringt der hl. Paulus im zweiten Timotheusbrief zum Ausdruck, er sagt dort: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.“ (2 Tim 3,16-17).

           

Die Predigt ist also nicht wie ein Lehren im weltlichen Sinn – zB es hält jemand eine Vorlesung und geht wieder - sondern ist mit dem Ganzen des priesterlichen Amtes verbunden. Lehramt, Priesteramt und Hirtenamt sind bei Christus und auch beim Priester nicht zu trennen.

           

2) Die Predigt des Priesters will aus der Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus kommen: Seinsmäßig geschieht das durch das Sakrament der Priesterweihe. Das Sakrament der Priesterweihe bewirkt in der Seele des Priesters eine Gleichgestaltung mit dem Hohenpriester Jesus Christus, wie das 2. Vatikanische Konzil es ausdrückt (*). Im Kernbereich der Sakramente handelt der Priester in der Person Christi, zB bei der Hl. Wandlung und bei der Lossprechung. Auch der Zölibat bindet den Priester an Christus. Wenn die Gläubigen bei uns Priestern auch das Bemühen um menschlich-moralische Tugend und Heiligkeit feststellen, ist es leichter für sie, die Predigt des Priesters von Christus her zu verstehen.

           

3) Die Predigt des Priesters will und darf das weiterführen, was Christus und dann die Apostel getan haben. In der Verkündigung tritt uns Christus gegenüber und spricht uns an. Das Wort, das wir brauchen, können wir uns schon rein menschlich nicht selber sagen. Es muss uns zugesprochen werden. ZB Wenn es einem Menschen seelisch nicht gut geht, muss ihm ein gutes und helfendes Wort zugesprochen werden, damit es ihm wieder besser geht. Auch das Wort Gottes können wir uns nicht selber sagen. Wir können es natürlich selber lesen, miteinander besprechen, das ist wertvoll. Doch das Wort Gottes will uns von Christus zugesprochen und von unserer Seite her empfangen werden. Damit kommt zum Ausdruck, dass wir die Nahrung des Göttlichen Wortes nicht selber machen, uns nicht selber geben, es ist eine Gabe, die wir von Christus empfangen. Christus ist unser Hirte und Ernährer. Er ernährt unsere Seelen mit seinem Göttlichen Wort und mit seinem Sakrament.

           

Einige Aspekte der liturgischen Predigt des Priesters:

           

Zuerst etwas Menschliches: Ein Priester, der den Predigtdienst ausübt, wird sich nicht über andere erhaben fühlen. Im Gegenteil. Zuerst ist der Priester selber gefordert. Er muss glauben, was er sagt. Er muss zu leben versuchen, was er sagt. Das heißt nicht, dass man im menschlichen Sinn perfekt sein muss. Das ist von niemand erwartet. Als Priester weiß man sich auch über die Inhalte des Glaubens nicht erhaben und abgehoben. Im Gegenteil. Die Predigt konfrontiert zuerst den Priester selber mit dem Aufruf zu Bekehrung und zur eigenen Erziehung.

           

Was ist die Aufgabe der priesterlichen Predigt? Der Priester soll Christus predigen, Gott, die Wahrheit Christi, die ewigen Wahrheiten Gottes, das Kreuz. Der hl. Paulus schreibt im ersten Korintherbrief über die Predigt sehr treffend: „Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor 2,1-2).

           

Die Predigt will uns Menschen den Weg zu Gott und zum Himmel weisen, so wie Christus und die Apostel es getan haben. Als der hl. Pfarrer von Ars als junger Priester in seine neue Pfarrei kam, fragte er einen Jugendlichen, den er auf dem Weg antraf, wo es nach Ars geht, es war ein nebeliger Februartag. Der Jugendliche wies dem neuen Pfarrer den Weg. Der hl. Pfarrer von Ars gab ihm zur Antwort: „Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt. Ich werde Dir den Weg in den Himmel zeigen. Heute steht auf den Feldern von Ars ein Denkmal zur Erinnerung an diese Begebenheit.

           

Kann ein Mensch sagen: „Ich werden dir den Weg zum Himmel zeigen?“ Ist das nicht eine Anmaßung? Rein menschlich wäre es eine Anmaßung. Kein Amtsträger – kein Papst, kein Bischof, kein Priester – kann von sich aus diesen Anspruch erheben. Christus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Nur Christus kann als Sohn Gottes den Anspruch erheben, uns den Weg zum Himmel zu zeigen. Ja, er selber ist dieser Weg. Der Predigtdienst der Kirche will letztlich nichts anders tun, als auf Christus zu verweisen, auf seine Lehre. Der Predigtdienst der Kirche will für Christus einstehen, für Christus Zeuge sein.

           

So wie es in der Kirche letztlich nur einen einziges Priestertum gibt, das Priestertum des Hohenpriesters Jesus Christus, so gibt es auch nur ein einziges Lehramt, das Lehramt Christi. Christus ist der wahre Lehrer. Das sichtbare Weiheamt des Priesters in der Kirche ist „nur“ von Christus in den Dienst genommen. Wer um das weiß, kann mit den menschlichen Unzulänglichkeiten und Mängeln der priesterlichen Predigt leichter zurechtkommen.

           

Je größer in einer Zeitepoche die religiös-geistige Verwirrung und Unwissenheit ist, desto mehr muss die priesterliche Predigt die Grundsätze und Grundwahrheiten des katholischen Glaubens zum Inhalt haben. Paulus ermahnt Timotheus: „Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist“ (2 Tim 1,13). Kirche und christliches Leben kann nur Bestand haben, wenn es auf Christus und sein Wort gebaut ist. Paulus gibt bei seiner Abschiedsrede an die Priester in Milet Rechenschaft über seinen Predigtdienst, er sagt, schon in Vorahnung seines Martyriums: „Ich bin unschuldig, wenn einer von euch allen verloren geht. Denn ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Willen Gottes zu verkünden“ (Apg 20,26-27).

           

Natürlich gab es und gibt es auch den Missbrauch der Predigt, wenn Priester oder Bischöfe „Auflehnung gegen den Herrn“ predigen (Jeremias 28,16), Irrlehren, oder wichtige Wahrheiten einfach verschweigen. Durch den Propheten Hosea warnt Gott die Priester aller Zeiten: „Doch nicht irgendeiner wird verklagt, nicht irgendwer wird gerügt, sondern dich, Priester, klage ich an. Am helllichten Tag kommst du zu Fall und ebenso wie du stürzt in der Nacht der Prophet. […] Mein Volk kommt um, weil ihm die Erkenntnis fehlt. Weil du die Erkenntnis verworfen hast, darum verwerfe auch ich dich als meinen Priester. Du hast die Weisung deines Gottes vergessen; deshalb vergesse auch ich deine Söhne“ (Hos 4,4-6).

           

Wir Priester dürfen uns in der Predigt letztlich nur Gott, der Lehre der Kirche und dem Dogma des Glaubens verpflichtet wissen, nicht den Menschen, den Moden, den Politikern, der Mehrheit, den Spöttern oder denen, die sich dem Aufruf Christi zu Umkehr und Glaube bewusst widersetzen. Wir Priester dürfen nicht den Applaus und das Lob der Menschen suchen. Der hl. Apostel Paulus sagt über das Predigtamt sehr markant: „Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi“ (Gal 1,10). In den alten Kirchen findet sich gegenüber der Kanzel meist ein großes Kreuz. Die Predigt im Blick auf den Gekreuzigten Herrn bringt dem Priester immer wieder eine Frage ins Bewusstsein: Kann meine Predigt unter dem Kreuz bestehen?

           

Man darf sagen: Wer offen und interessiert mit dem Verkündigungsamt der Kirche lebt, das Evangelium und die priesterliche Verkündigung hört - sofern sie katholisch ist - der gibt seinem Glauben gute Nahrung. Die priesterliche Verkündigung des Wortes Gottes in Evangelium und Predigt nährt und festigt in unseren Herzen die Gnade des Glaubens.

           

Eine praktische Anwendung aus dem Wort Gottes und der Predigt muss für sein Leben jeder selber machen. Der Heilige Geist hilft jedem, das zu erkennen und mitzunehmen, was für ihn wichtig ist. Der hl. Augustinus sagt: „Der Klang unserer Worte dringt an euer Ohr. Aber der wirkliche Lehrer ist in euch. Wir können euch mahnen durch den Schall unserer Stimme aber wenn da in euch nicht jemand ist, der euch belehrt, bleibt dieser Schall vergeblich. Hört ihr nicht alle die Predigt? Wie viele aber gehen ohne Wirkung wieder weg. Wer die innere Salbung, den Heiligen Geist nicht hat, geht unbelehrt davon. Der äußere Unterricht ist Hilfe und Anregung, aber der die Herzen belehrt, hat seine Lehrkanzel im Himmel“ (F. Van der Meer, Augustinus der Seelsorger, 467).

           

Jeder Priester darf im Blick auf die Predigt ein Wort des hl. Paulus in den Mund nehmen und zu den Gläubigen sagen: Betet „auch für mich: dass Gott mir das rechte Wort schenkt, wenn es darauf ankommt, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden“ (Eph 6,19). Amen.

           

(*) Durch das Sakrament der Priesterweihe werden die Priester „mit einem besonderen Prägemal gezeichnet und damit dem Priester Christus gleichförmig gestaltet, um so in der Person des Hauptes Christus handeln zu können“(2. Vatikanisches Konzil, Dekret PRESBYTERORUM ORDINIS, 2).

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok