299) 32. Sonntag im Jk B 2018: DAS HL. MESSOPFER 3) LESUNG-GRADUALE-HALLELUJA- EVANGELIUM

32. Sonntag im Jahreskreis – 5. Nachgefeierter Sonntag nach Epiphanie

„DAS WORT CHRISTI WOHNE ÜBERREICH IN EUCH“ (Kol 3,16)

DAS HEILIGE MESSOPFER 3): LESUNG UND EVANGELIUM

Predigt von Pf. Stephan Müller (zum persönlichen Nachlesen erweiterte Fassung)

           

Der hl. Apostel Paulus hat in der heutigen Lesung einen schönen Wunsch für uns: „Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum in euch.“ Das Wort Gottes soll reichlich in uns wohnen. Mit der Lesung beginnt der zweite Hauptteil des Hl. Messopfers. Wir nennen ihn den Wortgottesdienst. Wie der Name sagt, geht es um das Wort Gottes. Das Wort Gottes ist nicht irgendein menschliches Wort, es ist wirklich das Wort Gottes. Menschliche Worte vergehen, ja sogar Himmel und Erde vergehen, sagt der Herr, doch das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Was auf das Wort Gottes gebaut ist, ist auf Gott gebaut, das hat Bestand. Das Wort Gottes in Lesung und Evangelium ist so bedeutsam, dass es in der Liturgie niemals durch irgendein menschliches Wort, einen Text usw. ersetzt werden darf. Wo das geschieht, ist das ein schwerer Missbrauch.

           

Der Wortgottesdienst der Hl. Messe hat seine Wurzeln im jüdischen Synagogengottesdienst. In der Tradition der Lateinischen Kirche hören wir bei der Heiligen Messe eine Lesung und ein Evangelium. Die Neue Leseordnung hat für den Sonntag zwei Lesungen vorgesehen, wobei im deutschen Sprachraum auch nur eine davon ausgewählt werden kann. Manche Feste haben mehrere Lesungen. In der Osternacht, die in der alten Kirche eine Nachtwache war, sind heute noch neun Lesungen.

           

Die Lesungen sind aus dem Alten Testament oder aus den Apostelbriefen, der Apostelgeschichte oder der Offenbarung des Johannes. Die Lesung ist ein Wort Gottes, das uns zum Wort Christi hinführen will. Im überlieferten Levitenamt singt der Subdiakon die Lesung Richtung Altar, nach vorne. Das hat eine Symbolbedeutung. Der Altar ist Christus. Der Subdiakon, der zum Altar schaut, ist wie Johannes der Täufer, der auf Christus zeigt: „Seht das Lamm Gottes, seht das Wort des Lebens.“ Wenn die Lesungen aus den Apostelbriefen genommen sind, wollen die Worte der Apostel uns im Glauben erziehen und formen. Die heutige Lesung ist ein schönes Beispiel dafür. Der hl. Paulus verweist uns auf ganz konkrete Tugendhaltungen, um die wir uns mühen sollen.

           

Das Evangelium ist der Höhepunkt des Wortgottesdienstes. Im Evangelium spricht Christus zu uns. Im Levitenamt singt der Diakon das Evangelium; der Diakon singt es nach Norden. Die Dunkelheit des Nordens ist ein Symbol für die Dunkelheit des Heidentums, die das Licht Christi empfängt. Aus Ehrfurcht vor dem Wort des Sohnes Gottes hören wir das Evangelium stehend, nicht sitzend wie die Lesung. Die Evangelienverkündigung ist mit Zeichen umgeben, die uns die Würde des Wortes Gottes bewusst machen. Es wird kurz am Kirchturm die Glocke geläutet. Die Ministranten halten zum Evangelium Leuchter: Das Wort Christi ist Licht und Wahrheit. Das Evangeliar wird mit Weihrauch beräuchert, dh als göttlich verehrt. Nach der Evangelienverkündigung küsst der Priester das Evangeliar, ein Zeichen der Liebe und Verehrung, die Christus gilt. Zum Kuss des Evangeliars spricht der Priester ein Stillgebet: „Durch die Worte des HL. Evangeliums mögen unsere Sünden getilgt werden.“ Hier wird angedeutet, dass die Verkündigung des Evangeliums gnadenreiche Wirkungen hat. Es werden uns lässliche Sünden vergeben, es hat eine helfende und heilende und auch exorzistische Kraft. Denken wir daran, welche Wirkungen die Predigt Christi in Israel hatte. Es ist also keine Kleinigkeit und keine Nebensache, wenn der Priester in der Vollmacht Christi das Evangelium verkündet. Das ist ein Segen für uns, für die Welt, sogar für den Kosmos.

Zwischen der Lesung und dem Evangelium kommen einige Gesänge, die im wesentlichen schon zur Zeit von Papst Gregor dem Großen um 600 ihre Gestalt gefunden haben. Da ist das Graduale. Graduale kommt vom lateinischen Wort gradus/Stufe. Es wird so genannt, weil es früher an den Stufen des Ambo gesungen wurde. Das Graduale ist ein Psalmengesang mit einem Responsorium. In der alten Kirche wurde ein ganzer Psalm gesungen, währenddessen war eine feierliche Evangelienprozession. Wir kennen das Beten des „Antwortpsalms“ mit einem Kehrvers.

Nach dem Graduale folgt das Halleluja. Das Halleluja ist ein freudiger Jubelruf, mit dem wir Christus begrüßen, der im Evangelium zu uns spricht. In der Fastenzeit ist statt dem Halleluja der sogenannte Traktus. An besonderen Festen folgt noch ein Hymnus, den wir Sequenz nennen: Ostern, Pfingsten, Fronleichnam, Requiem, am Fest der Sieben Schmerzen Mariens.

           

Beim feierlichen Levitenamt werden im traditionellen Ritus Lesung und Evangelium zuerst in der lateinischen Kirchensprache gesungen. Das hat eine tiefe Bedeutung. Auch Lesung und Evangelium haben einen latreutischen Charakter. Dh das Wort Gottes wird nicht nur verkündet um uns zu belehren, zu erziehen, als Katechese. Das Wort Gottes wird auch verkündet zu Verehrung und zur Anbetung Gottes. Die Gottesverehrung ist ein Grundaspekt des Gottesdienstes. Erst an zweiter Stelle kommt das Anliegen der menschlichen Belehrung. Wortgottesdienst und Opfergottesdienst der Heiligen Messe bilden einen einzigen Akt der Anbetung Gottes.

           

Wir können wir den Wortgottesdienst - Lesung und Evangelium - gut mitvollziehen?

           

  • Wenn wir eine Apostellesung hören, zB aus den Paulusbriefen, können wir denken: „Jetzt spricht der hl. Paulus zu mir.“ Dieser Mann hat etwas zu sagen. Natürlich auch die übrigen Apostel.
  • Wir benötigen die bewusste Haltung des äußeren und inneren Hörens. Die äußere und innere Hörfähigkeit muss sich jeder für sich selbst aufbauen. Manche können nicht mehr hören, aufgrund zB einer ungesunden oder unchristlichen Lebensweise. Manche wollen nicht mehr hören. Und trotzdem muss, wie der hl. Paulus sagt, das Wort Gottes verkündet werden, ob gelegen oder ungelegen, ob man es hören will oder nicht (2 Tim 4,2).
  • Hören ist zuerst eine Angelegenheit des Willens. Wie schön ist die Haltung des jungen Samuel, der voller Erwartung zu Gott spricht: „Rede Herr, dein Diener hört“ (1 Sam 3,10).
  • Es kommt nicht darauf an, alles aus dem Wort Gottes zu verstehen. Gott will jedem das mitgeben, was er für sich braucht. Wer nur einen Impuls, einen Satz… mitnimmt in die Woche, und damit zu leben versucht, tut das Wichtigste.
  • Der hl. Apostel Jakobus sagt: „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22). Es ist eine christliche Grundhaltung, sich vom Wort Gottes, von der Lehre Christi, im Leben leiten und formen zu lassen. Das ist für uns alle nicht immer einfach und doch schön. Das stehende Hören des Evangeliums bringt auch zum Ausdruck, dass wir sogleich bereit sind, für das Wort Gottes einzustehen, für das Wort Gottes zu gehen.

Der Heilige Geist öffnet uns innerlich für das Wort Gottes, erleuchtet uns, damit wir verstehen. Deshalb rufen wir ihn vor dem Evangelium oder der Predigt an. Ohne ihn schaffen wir das nicht. Vom heutigen Evangelium hergesehen: Der Heilige Geist hilft uns, damit der gute Same des Wortes Gottes im Acker unseres Herzens wächst und Frucht bringt. Amen.     

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