298) 31. Sonntag im Jahreskreis B 2018: DAS HL. MESSOPFER 2) BUSSAKT-KYRIE-GLORIA-TAGESGEBET

31. Sonntag im Jahreskreis 2018 – 4. Nachgefeierter Sonntag nach Epiphanie

DAS HEILIGE MESSOPFER 2): BUSSAKT, KYRIE, GLORIA UND TAGESGEBET

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

1) An manchen Feirtagen halten wir, wenn es das Wetter erlaubt, einen großen Einzug durch das Hauptportal hin zum Altar. Dieser Einzug ist ein Symbol für den Einzug der Kirche in das himmlische Jerusalem. Durch die Liturgie des Hl. Messopfers ziehen wir zum Himmlischen Jerusalem, das vom Himmel auf die Erde herabkommt.

           

2) Das Hl. Messopfer beginnt mit dem Kreuzzeichen. Mit dem Kreuzzeichen treten wir in die „Welt der Heiligen Messe“ ein. Es ist die geistige Welt, die himmlische Welt, der wir begegnen. Mit dem Hl. Messopfer überschreiten wir die Schwelle des Irdischen, wir treten in die Übernatürliche Welt ein. Wir haben dafür den Fachausdruck Transzendenz.

Im tridentinischen Ritus beginnt der Priester mit dem Gebet: „Zum Altar Gottes will ich treten.“ Äußerlich tritt er auch an die Stufen des Altares. Der Altar in der Kirche ist Zeichen für den himmlischen Altar, für den Altar im himmlischen Jerusalem. Schon diese Eröffnungsriten machen uns bewusst, dass wir beim Heiligen Messopfer vor den Thron Gottes treten, der gleichsam vom Himmel auf die Erde herabkommt.

Diese ersten Riten der heiligen Messe machen uns bewusst, vor wem wir stehen, wenn wir Liturgie feiern. Das Hl. Messopfer ist keine profane Versammlung, keine Selbstfeier. Es geht um die Verbindung mit der Liturgie des Himmels. Wir verbinden uns mit der Liturgie des Himmels.

           

3) Dann folgt der Bußakt. Der Sinn: Wir treten sozusagen nicht unreflektiert in das Heilige ein. Wir halten inne. Wir bereuen unsere Schuld, wir bitten um Gottes Erbarmen und seine verzeihende Liebe.

           

Es ist ein Grundbewusstsein aller Religionen: Wir Menschen sind, wenn wir seelisch-geistig zu Gott aufsteigen wollen, der Reinigung bedürftig. Ein markantes biblisches Beispiel für diese menschliche Grundbefindlichkeit ist die Berufung des Propheten Isaias. Isaias erlebt bei seiner Berufungsvision die Heiligkeit Gottes, in diesem Licht wird er sich seiner Armseligkeit und Sündhaftigkeit bewusst. Wir finden das im 6. Kapitel des Propheten Isaias.

           

Wie kommt der Bußgedanke in der Liturgie zum Ausdruck?

           

Nach dem Eintritt in das Gotteshaus nehmen wir an der Kirchtüre Weihwasser, sprengen zuerst ein paar Tropfen auf den Boden als Fürbittgebet für die Armen Seelen, dann machen wir das Kreuzzeichen. Das Weihwassernehmen erinnert uns zuerst an die hl. Taufe. Das Weihwassernehmen ist aber auch eine Bitte an Gott um Reinigung der Seele. Die hl. Taufe ist ja das Sakrament der Reinigung von der Erbschuld und, beim Erwachsenen, von jeder persönlichen Schuld.

           

An vielen Sonntagen halten wir vor dem Hl. Messopfer das österliche Taufgedächtnis, das Asperges. Im gregorianischen Choral wird dazu gesungen: „Besprenge mich, Herr, mit Ysop und ich werde rein; wasche ich und ich werde weißer als Schnee. Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit.“ Auch das Asperges enthält die Bitte an Gott um Reinigung der Seele, vorbereitend auf die Mitfeier des Hl. Messopfers.

           

In traditionellen Ritus betet der Priester an den Stufen des Altares Gebete der Reue und Vorbereitung. Der Priester betet zuerst alleine das Schuldbekenntnis, bekennt sich als Sünder vor Gott und bittet die Gemeinde, für ihn zu beten. Beim Beschreiten der Altarstufen folgen Bitt-Gebete um innere Reinigung. „Aufer a nobis“ ... „Nimm weg von uns, so bitten wir, o Herr, unsere Sünden, damit wir ins Allerheiligste mit reinem Herzen einzutreten verdienen.“ Beim Anschließenden Altarkuss betet der Priester: „Orámus te, Dómine“ ... „Wir bitten Dich, o Herr, durch die Verdienste Deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen, und aller Heiligen, Du mögest gnädig alle meine Sünden nachlassen.“

           

Die Gläubigen bzw. die Ministranten beten das Schuldbekenntnis. Während der Heiligen Messe folgen noch an mehreren Stellen solche Gebete um innere Reinigung, so zB vor dem Evangelium, beim Offertorium, vor der Hl. Kommunion.

           

In der Liturgie der Ostkirchen betet der Priester vor dem Hl. Messopfer, vor der Ikonostase stehend, das „Gebet an den Heiligen Türen“. Es hat dasselbe Anliegen wie unser Bußakt im Römischen Ritus. Ein Beispiel aus diesem Gebet: „Himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit, der Du überall bist und alles erfüllst, Schatzkammer aller guten Gaben und Spender des Lebens. Komm und nimm Wohnung in uns, reinige uns von jeglichem Makel und rette uns, o Guter unserer Seelen. […] Allheilige Dreifaltigkeit, erbarme Dich unser, Herr, mach uns rein von unseren Sünden. Gebieter, vergib unsere Verfehlungen, Heiliger, blick auf uns hernieder und heile unsere Schwächen um Deines Namens Willen. […] Quelle der Barmherzigkeit, Gottesgebärerin, mach uns deines Mitleids würdig. Schau herab auf dein sündiges Volk und erzeige uns wie immer deine Macht. Wir hoffen auf dich und rufen dir zu "Sei gegrüßt" wie einst Gabriel, der Fürst der himmlischen Scharen. […] Herr, von der Höhe Deiner Wohnung streck Deine Hand mir entgegen und stärke mich für den bevorstehenden Dienst, auf dass ich ungestraft vor Deinem schrecklichen Thron stehe und das unblutige Opfer vollziehe. Denn Dein ist die Kraft und die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (aus der Göttlichen Liturgie des hl. Kirchenvaters Johannes Chrysostomus):

           

Das Anliegen des Bußaktes am Beginn des Hl. Messopfers können wir so zusmmenfassen: Das Schuldbekenntnis will in uns die Haltung der Demut und Reue erwecken. Demut und Reue sind Grundvoraussetzungen, um in das Geheimnis des Heiligen Messopfers eintreten zu können. Wer vor Gott demütig und klein werden kann, wird seine Gnade erlangen. „Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade“ (Jakobusbrief 4,7). Es braucht dazu nicht viele Worte. Ein passendes Stoßgebet kennen wir aus der Heiligen Schrift – das Gebet des Zöllners, der sich an die Brust schlägt und spricht: „Gott, sei mir Sünder gnädig“ (Lk 18,13).

           

4) Das Kyrie ist ein Ruf in griechischer Sprache. Es stammt aus dem heidnisch antiken kaiserlichen Zeremoniell. Wenn der Kaiser, der als Gott verehrt und angebetet wurde, in eine Stadt oder eine Basilika einzog, haben die Menschen ihm Kyrie eleison – Herr, erbarme dich – zugerufen. Die Christen haben diesen Huldigungsruf auf Christus bezogen: Christus ist unser Gott und König, dem wir huldigen und zurufen. So wurde das Kyrie in die Heilige Messe aufgenommen. Das Kyrie ist also in erster Linie nicht so sehr ein Teil des Bußaktes, sondern ein Huldigungsruf an Christus als Gott.

           

5) Das Gloria ist einer der ältesten Hymnen der Kirche, ein feierlicher Lobpreis. Die ersten Sätze des Gloria stammen vom Himmel. Bei der Geburt Christi haben die Engel auf den Hirtenfeldern von Bethlehem das Gloria angestimmt. Der weitere Text stammt von der Kirche. An allen Sonntagen und bei vielen Festen wird das Gloria gesungen oder gebetet. Ob wir froh, traurig, belastet oder sonst wie gestimmt sind: Aus Herz und Mund soll ein froher und freudiger Lobpreis Gottes erklingen. „Töne wieder heilige Halle von des Volkes mächtigem Jubel“ (Exsultet der Osternacht).

           

6) Nach dem Gloria bzw. nach dem Bußakt, wenn kein Gloria gesungen wurde, folgt das Tagesgebet oder Kirchengebet. Es ist oft eine Zusammenfassung der Tagesliturgie. An den Heiligenfesten verweist das Tagesgebet oft auf das besondere Beispiel eines Heiligen. Das Tagesgebet gehört zu den drei Amtsgebeten oder Präsidialgebeten des Priesters: Tagesgebet, Gabengebet und Schlussgebet. Es wird vom Priester feierlich gebetet oder gesungen. Das Tagesgebet ist immer an Gott Vater gerichtet, durch Christus. Es ist ein feierlicher Augenblick, wenn der Priester an der Spitze des versammelten Gottesvolkes steht (2. Vatikanisches Konzil) und die Gebete aller Gläubigen gleichsam zusammenfasst und vor den Thron Gottes trägt. Aus Ehrfurcht vor dieser Handlung wird das Tagesgebet am Sonntag von den Gläubigen stehend mitvollzogen, nie sitzend. Am Werktag kniet man meistens dazu.

           

Diese Eröffnungsriten des Hl. Messopfers bereiten uns für die beiden dann folgenden Hauptteile: Wortgottesdienst und Opfergottesdienst. Amen.

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