295) Hochfest Allerheiligen 2018, Vesper zur Gräbersegnung: WAS NEHMEN WIR MIT IN DIE EWIGKEIT?

Hochfest Allerheiligen 2018

„IHRE WERKE FOLGEN IHNEN NACH“(Offb 14,3)

WAS NEHMEN WIR MIT IN DIE EWIGKEIT?

Predigt von Pf. Stephan Müller bei der Vesper zur Gräbersegnung

        

Lesung aus der Offenbarung des heiligen Apostels Johannes: „Und ich hörte eine Stimme vom Himmel her rufen: Schreibe! Selig die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an; ja, spricht der Geist, sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke folgen ihnen nach“ (Offb 14,3).

        

Wenn wir auf Reisen gehen, packen wir meist einen Koffer oder eine Tasche, manche ein ganzes Auto. Wir nehmen mit, was wir zu brauchen meinen. Die letzte Reise, die wir in unserem Leben antreten, ist die Reise aus diesem zeitlichen Leben hinüber in das jenseitige Leben. Was nehmen unsere Verstorbenen mit bei ihrer letzten Reise? Was werden wir selber einmal mitnehmen, wenn Gott uns in die jenseitige Welt ruft? Ich möchte euch einladen, heute mit mir über diese Frage nachzudenken.

        

Die Menschen aller Religionen und Zeiten hat diese Frage beschäftigt. In vor- und außerbiblischen Religionen gab es die Praxis, den Toten in ihren Gräbern Speisen, Hausrat, Schmuck usw. mitzugeben. Das gab es zB im alten Ägypten. Man meinte, dass die Toten in der jenseitigen Welt all das brauchen würden. Dem können wir positiv abgewinnen, dass diese alten Völker und Kulturen an die Existenz einer jenseitigen Welt geglaubt haben. Das „alte Heidentum“ hat an ein Jenseits geglaubt. Das „neue Heidentum“ glaubt das nicht mehr. Das Volk Israel hatte durch die Offenbarung des Alten Bundes Erkenntnisse, die das Heidentum nicht hatte. Die Israeliten wussten um die unsterbliche Geistseele des Menschen. Die Israeliten haben ihren Verstorbenen keine Grabbeigaben gegeben. Doch sie haben gewusst dass es wichtig ist, für die Verstorbenen zu beten, „damit sie von ihren Sünden erlöst werden“ (2 Makk 12,46).

        

Was nehmen wir mit in die Ewigkeit? Wir alle wissen, dass wir nichts Materielles in die Ewigkeit mitnehmen können. Das Totenhemd hat keine Taschen, sagt der Volksmund. Im Grunde genommen können wir auch nichts Geistiges in die Ewigkeit mitnehmen. Das ist so gemeint: Wir können keine geistigen Güter mitnehmen, auf die wir uns etwas einbilden, es gibt nichts, dessen wir Menschen uns in der Ewigkeit vor Gott rühmen können. Beim persönlichen Gericht wird, wie es im Hebräerbrief heißt, alles „nackt und bloß vor den Augen dessen [liegen], dem wir Rechenschaft schulden“ (Hebr 4,13).

        

„Selig die Toten, die im Herrn sterben, […] denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Das Wort Gottes spricht nicht davon, dass wir die Macht haben, etwas nach unserem Willen in die Ewigkeit mitnehmen. Das Wort Gottes sagt uns, dass es etwas gibt, was uns in die Ewigkeit nachfolgt. Das ist ein Unterschied. Was bedeutet das?

        

Es gibt zwei Arten von menschlichen Werken, die uns in die Ewigkeit nachfolgen, nämlich unsere guten Werke und unsere schlechten Werke. Christus zeigt uns das zB mit seinen Worten vom Jüngsten Gericht, in Matthäus 25. Zu seiner Rechten sind die Auserwählten, diejenigen, die die guten Werke getan haben; zu seiner Linken sind die Verdammten, die die guten Werke nicht getan haben.

        

Beim persönlichen Gericht, das für jede Seele unmittelbar nach dem Tod stattfindet, wird offenbar, welche Werke uns in die Ewigkeit nachgefolgt sind (*). Wenn ein Mensch vor seinem Sterben noch mit schlechten Werken behaftet ist, zB Egozentrik, Unversöhntheit, Ungerechtigkeit usw. dann folgen diese Werke der Seele nach in die Ewigkeit. Der hl. Paulus sagt im ersten Timotheusbrief: „Die Sünden mancher Leute liegen offen zutage, sie laufen ihnen gleichsam voraus zum Gericht; bei anderen kommen sie erst hinterher“ (1 Tim 5,24).

       

Was geschieht mit diesen „Schattenseiten“, die der Seele in die Ewigkeit nachfolgen? Sie müssen in der Ewigkeit aufgearbeitet und ausgeheilt werden. Dazu hat uns die Güte Gottes das Fegfeuer geschenkt. Das Fegfeuer ist die Möglichkeit einer jenseitigen Läuterung und Heilung in der Barmherzigen und gerechten Liebe Gottes. Das hat zu tun mit unserer menschlichen Freiheit und Würde, durch die wir für die Taten unseres Lebens verantwortlich sind.

        

Diese Möglichkeit einer jenseitigen Läuterung gibt es nur für diejenigen, die „im Herrn sterben“, wie es heute in der Lesung heißt. Im Herrn sterben heißt in der Gnade und Freundschaft Gottes sterben. Für die Todsünde gibt es nach dem Tod keine Möglichkeit einer Heilung oder Läuterung.

        

Die lichtvolle Kehrseite: Auch die guten Werke folgen uns in die Ewigkeit nach: „Selig die Toten, die im Herrn sterben, […] denn ihre Werke folgen ihnen nach. Alle guten Gedanken, alle guten Worte, alle guten Taten, alle Taten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, all das folgt der Seele in die Ewigkeit nach, bringt Verdienst und Lohn.

        

„Selig die Toten, die im Herrn sterben, […] denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Die Erkenntnis dieser biblischen Wahrheit bringt unsere menschlichen Maßstäbe ganz durcheinander, das ist heilsam. Wir werden persönlich bestärkt, im Blick auf die Ewigkeit gerne Gutes zu tun. Und wir werden angespornt unseren Verstorbenen im Fegfeuer durch unser Gebet zu helfen. Amen.

        

 Ergänzum zum persönlichen Nachlesen:       

(*) „Jeder Mensch empfängt im Moment des Todes in seiner unsterblichen Seele die ewige Vergeltung. Dies geschieht in einem besonderen Gericht, das sein Leben auf Christus bezieht – entweder durch eine Läuterung hindurch oder indem er unmittelbar in die himmlische Seligkeit eintritt oder indem er sich selbst sogleich für immer verdammt“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1022).

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